Treffen der unabhängigen Buchhändler und Verleger

Wie man Bücher sichtbar macht

Aussagekräftigere Klappentexte, Mitarbeiterempfehlungen, übersichtlichere Rechnungen: Heute haben sich rund 50 Buchhändler und Verleger im Frankfurter Haus des Buches in der "Ideenfabrik der Unabhängigen" ausgetauscht und Verbesserungsvorschläge gemacht.

Bereits zum dritten Mal fand der Austausch zwischen Sortiment und Verlagen statt – und es ging gleich ohne große Floskeln zur Sache. Auch wenn die Atmosphäre durchgehend von großer Wertschätzung gegeneinander geprägt war, benannten die rund 50 Teilnehmer sehr offen die Schwachstellen und Konfliktpunkte. Wichtig sei das Verständnis füreinander, oft wisse man zu wenig, machte Matthes & Seitz-Vertriebsleiter Sascha Eckart deutlich: „Die Ideen im Verlag sind oft ganz andere als die, die man auf der Sortimenterseite für sinnvoll hält.“

In zwei Gruppen widmeten sich die Ideenfabrikanten zwei großen Themenblöcken „Bücher sichtbar machen und Aufmerksamkeit erzielen“ sowie „Wo hakt es eigentlich? Basics verbessern und professioneller werden“. Bei der Sichtbarkeit forderten die Sortimenter erkennbar aussagekräftigere Texte auf der Rückseite der Bücher. „Lobende Sätze von irgendjemanden über das Buch oder sogar über das vorige Buch des Autors und so gut wie keine Information über den Inhalt: Das ist wenig hilfreich“, kritisierte Sabine Hunzinger von der Buchhandlung am Markt in Bad Urach ein Phänomen, das ihre Kollegen mit sichtlichem Kopfnicken ebenso sahen. „Und warum ist der Klappentext derselbe wie der Vorschautext?“, schob Oliver Fründt von der Büchergilde-Buchhandlung in Frankfurt nach und forderte unter Beifall: „Wir brauchen mehr Information als die Endkunden!“ Sandra Thoms vom Dryas Verlag gab hier zu bedenken, dass Vorschauen ja auch bei Lesern landeten: „Da kann man schlecht verraten, wer im Krimi der Mörder ist.“

Pressetexte der Verlage zum Abdrucken fände Jörg Czyborra von der Buchhandlung Blume in Oerlinghausen sinnvoll: „Wir haben oft kaum Zeit, noch Meldungen für die Presse zu schreiben, dabei drucken die Lokalblätter gerne Texte ab, wenn ich welche schicke.“ Auch ansprechende knappe Videoclips für die gut frequentierte Website wie für die Kunden im Laden seien willkommen, „aber sie müssen gut gemacht sein – ein Autor mit Buch vor der Kamera geht nicht“, ergänzte Czyborra. Bei der Diskussion über die Rolle der Medien schrieben die Buchhändler den lokalen Zeitungen weitaus mehr Wirkung zu als den großen Gazetten: „Die Tagespresse verpufft häufig, während die Buchempfehlungen in den Lokalzeitungen wahrgenommen werden, damit kommen die Kunden in den Laden“, war nicht nur die Erfahrung von Frank Rehmann von der Buchhandlung Lesezeit in Voerde. Triga-Verlegerin Christina Schmitt gab hier an ihre Kolleginnen weiter, dass Verlage über Verlosungsexemplare ganz gut in die Zeitungen kämen.

Buchhändler müssen ihre Empfehlungen sichtbar machen

Recht einhellig resümierten die Buchhändler, dass sich die Titel, für die sie sich einsetzten, auch gute Umsätze einbrachten. „Die Tipps unserer Mitarbeiter sieht man sowohl im Laden als auch auf unserer Website, wo die Themengebiete der Mitarbeiter genannt werden“, berichtete Jörg Czyborra „Diese Empfehlungskultur ist wichtig, sie basiert auf dem Vertrauen der Kunden, die mehr als Bestsellerlisten wollen.“ So wie die Buchhändler ihren Kunden Bücher empfehlen, so wünschten sie sich auch von der Verlegern Buchvorstellungen. Beide Seiten berichteten, dass die in jüngster Zeit häufiger anzutreffenden Abende, zu denen Lektoren und Verleger die Sortimenter einladen, ein Format mit Erfolg sei.

Das Lesungsformat wurde unterschiedlich bewertet. Viele der anwesenden Sortimenter sind bei Veranstaltungen sehr aktiv, würden sich aber über ein finanzielles Engagement der Verlage erkennbar freuen. „Das Autorenhonorar, die Reisekosten, die Übernachtung usw., alles kostet und ich bin froh, wenn es null auf null aufgeht“, meinte Sabine Hunzinger. Jörg Czyborra sah es gelassener: „Lesungen sind Werbungen für die Buchhandlung, das muss ich auch so verbuchen. Aber wenn Verlage bereit sind, Unsummen für irrsinnige Verpackungen und Werbung zu zahlen, stellt sich die Frage, ob sie dort nicht weniger ausgeben und das Geld für Lesungen in Buchhandlungen einsetzen könnten.“

Entschieden wandten sich übrigens die Verleger gegen die Gleichsetzung, dass besondere Titel oder Schwerpunktthemen kleinerer Verlage beim Lesepublikum nicht ankämen: „Das ist ein hartnäckiger Mythos, der überhaupt nicht stimmt“, sagte Aviva-Verlegerin Britta Jürgs und nannte zahlreiche Beispiele, wo die Bücher der Unabhängigen „auf dem platten Land“ gute Umsätze generierten.

Kommunikation aufnehmen

Dass der Kontakt untereinander unerlässlich sei für eine gute Geschäftsbeziehung, darüber bestand Konsens – aber wie der Kontakt aufzunehmen sei, darüber gab es höchst unterschiedliche Ansichten. „Die Sortimenter sagen: Bitte sprecht mit uns! Aber ruft uns nicht an, mailt nicht, kommt nicht vorbei …“, spitzte Sandra Thoms zu, und die Verleger zeigten gerade in puncto Erstkontakt große Ratlosigkeit. Sicher keine Infos und Werbematerialien nach dem Gießkannenprinzip schicken, meinte Nanno Vietor von der Buchhandlung Johannesstift in Berlin. Ein ganz normaler Brief habe bei ihm große Chancen, aber es müsse eine persönliche Ansprache sein: „Verlage wissen anscheinend oft gar nicht, wem sie schreiben – die kennen weder unsere Themenschwerpunkte noch unsere Lage in der Stadt.“ Bei Sabine Friemond-Kund von der Lesezeit in Voerde hingegen hat der Verleger mit einem Telefonat mehr Chancen: „Dann hat er schon mal einen Fuß in der Tür“.

Wo ist bloß die Rechnungsnummer?

Bei der Frage „Wo hakt es eigentlich?“ sprachen die Teilnehmer unterschiedlichste Punkte an. Einer davon: unübersichtliche Rechnungen. „Wo ist da der Rabatt eingetragen, ist der Verlag mehrwertsteuerbefreit, wo ist bloß die Rechnungsnummer?“, reklamierte Nanno Vietor; jeder Verlag lasse sich eine andere Rechnungsoptik einfallen. Dass ausgerechnet die Bankverbindung mit langen IBAN-Zahlenkolonnen in einer Mikroschriftgröße angegeben ist, fand nicht nur Stefan Müller-Kölbl von der Schlosser’schen Buchhandlung in Augsburg ungünstig. Was die Sortimenter weiter bemängelten, war die herstellerische Leistung mancher kleinen Verlage: Den tollen Inhalt können man jenen Titeln bestimmt nicht ansehen, da fehle jeglicher Anspruch an die Ästhetik bei Cover und Druck. Was zur Folge habe, dass weder der Buchhändler noch der Kunde zugreife. Hier sei Professionalisierung dringend geraten.

Kein Buch mehr ohne Barcodestriche, forderte Iris Hunscheid von der Buchhandlung Hoffmann in Achim, am liebsten auch mit Preisaufdruck: „Das macht noch einmal unmissverständlich klar, dass der Verlag just diesen Preis festgesetzt hat und wir eine Preisbindung haben.“ Eine längere Diskussion entspann sich über die Verpackungsproblematik. Was Auslieferungen an Kartonagen verbrauchten, sei immens, bilanzierte Sabine Friemond-Kund von Voerder Lesezeit anhand der in ihrer Buchhandlung eintreffenden Sendungen. Auch die Folierung von Büchern mit gehobener Ausstattung fanden die Sortimenter überdenkenswert (ebenso die Verleger, weil sie ja für die Folie zahlen und sogar Mitglied in Verwertungsgesellschaften sein müssen) und begrüßten, dass einige Verlage bereits generell nicht mehr die Titel einschweißen. In skandinavischen Ländern hätten sich Kunden schon längst daran gewöhnt, dass es keine eingeschweißten Bücher mehr gebe.

Vieles habe man aus dem Arbeitsalltag voneinander erfahren und gelernt, zogen die Teilnehmer ein positives Fazit der Veranstaltung, Adressen wurden getauscht. Blieb über allem noch der dringliche Wunsch der Verleger, die Buchhändler möchten mehr Mut beim Ausprobieren neuer Verlage und neuer Autoren zeigen. Als Antwort gab Jörg Czyborra mit auf den Weg: „Offen und neugierig sein, das ist kein Problem. Aber als Kaufmann stelle ich mir auch die Frage: An wen verkaufe ich dieses Buch denn? Und da brauche ich eine gute Antwort.“

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