Stellungnahme der eBuch auf Gutachten der Monopolkommission

"Ist ein von Regeln befreiter Markt überhaupt schutzwürdig?"

In einem Brief an den Vorsitzenden der Monopolkommission stellt eBuch-Vorstand Lorenz Borsche deren Gutachten zur Buchpreisbindung in Frage – insbesondere deren These, dass ein unregulierter Markt von gesamtgesellschaftlichem Nutzen sei.

In seiner ausführlichen Stellungnahme zeigt Borsche auf, wie sich ein vorrangig auf Preisgestaltung ausgerichteter Wettbewerb negativ auf den Markt und die Produktqualität auswirkt. "Die Hersteller-Preisbindung dagegen fördert die gesunde Konkurrenz der Erzeuger um das bessere Produkt zu einem fairen Preis." eBuch-Vorstand Lorenz Borsche wirft der Monopolkommission und ihrem Vorsitzenden Achim Wambach vor, dass die Frage, ob ein "unverfälschter Wettbewerb", d.h. ein von Regeln befreiter Markt überhaupt ein schutzwürdiges Gut sei, im Gutachten gar nicht gestellt, sondern einfach vorausgesetzt werde.

"Den homo oeconomicus gibt es nicht"

Zudem zweifelt er die  Voraussagekraft der Wirtschaftswissenschaft an: Die These vom "unverfälschten Wettbewerb" basiere vor allem auf dem Begriff des "homo oeconomicus", der unterstelle, dass die auf einem Markt handelnden Personen allumfassend informiert und absolut rationale Egoisten seien, die ihre Produktauswahl ausschließlich nach der Summe ökonomischer Kriterien richteten. Daraus folge nach Adam Smith, dass Märkte sich zum Wohle aller selbst regulierten, wenn man sie nur lasse. "Aber den postulierten 'homo oeconomicus' gibt es nicht", so Lorenz Borsche, "mittlerweile haben viele psychologische Studien diese These mehr als einmal falsifiziert." Dann müssten aber auch die auf dieser These basierenden Theorien und Voraussagen mehr oder weniger falsch sein. "Leider hat dieses Denkmodell in der Nationalökonomie, die heute Wirtschaftswissenschaft heißt, zu vielen falschen Voraussagen - Stichwort Pareto-Optimum, das es niemals gegeben hat und niemals geben kann − und daraus folgend irrigen Handlungsanweisungen an Politiker geführt, von denen sich lösen zu können sehr schwer scheint."

Nach mehr als 200 Jahren sei auch in den Wirtschaftswissenschaften die Erkenntnis gereift, "dass es den rein rational entscheidenden Optimierer noch nicht mal als Manager in der Wirtschaft gibt, geschweige denn im Privatleben, und es deshalb so gut wie keinen Sinn hat, ihn in irgendwelche Theorien einzubauen", so Borsche. "Wir alle handeln zu einem großen Teil nur teilinformiert und emotionsgesteuert und damit in Summe auch unvorhersehbar."

Die Frage, ob ungebremster Wettbewerb gesamtgesellschaftlich sinnvoll ist

"Welche zerstörerischen Kräfte von Regeln freie oder befreite, also deregulierte Märkte entwickeln können, haben die letzten Finanzkrisen und Börsencrashes eindrücklich gezeigt", ergänzt Borsches Vorstandskollege Michael Pohl. Wem das noch nicht Beweis genug sei, der solle einen Blick auf den Wohnungsmarkt werfen, der zu Lasten der Mehrheit der Mieter mittlerweile völlig aus dem Ruder zu laufen scheine: "Das kann nicht im Sinn der Allgemeinheit sein − wie in vielen Umfragen ja auch sehr deutlich wird."

Der eBuch-Vorstand ruft in dem Schreiben an Wambach dazu auf, im Sinne des Gemeinwohls sowohl über Fragen der Regulierung von Märkten als auch konkret über die Frage der Preisbindung ganz grundsätzlich zu diskutieren. Lorenz Borsches Brief steht elektronisch abrufbar auf der Homepage von eBuch unter "Aktuelles".

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