Azubiwoche bei Schweitzer Fachinformationen

Auf Augenhöhe

Bei der Schweitzer Azubiwoche vom 16. bis zum 20. April musste der Nachwuchs ran: 20 Auszubildende erarbeiteten in Workshops Prognosen zu zentralen Geschäftsfeldern – und gaben offen Auskunft über die Qualität der Ausbildung im Unternehmen. KAI MüHLECK

© Schweitzer Fachmedien

Deutschlandweit handeln 600 Mitarbeiter in 25 Städten für Schweitzer Fachinformationen mit Büchern, Fachmedien, Datenbanken und Zeitschriften. 33 von ihnen sind Azubis, den größten Teil ihrer Ausbildung verbringen sie in einem Unternehmen, wie Schweitzer es in 22 Städten betreibt. Dort durchlaufen sie verschiedene Abteilungen (etwa Ladengeschäft, E-Medien und Zeitschriften): "Weil wir dezentral organisiert sind, reichen die Ausbildungsschwerpunkte, je nach Schweitzer Standortunternehmen, vom Fachbuch bis zum allgemeinen Sortiment", erläutert Geschäftsleiter Rudolf Oechtering. In Jahresgesprächen kristallisiert sich heraus, welche Bereiche die Azubis besonders interessieren – und ob sie sich später eher mit Marketing, Zeitschriftenabonnements oder dem Ladenbetrieb beschäftigen möchten.

Geschäftsleiter Rudolf Oechtering

Geschäftsleiter Rudolf Oechtering © Schweitzer Fachmedien

Eine aktuelle Umfrage unter den Azubis hat zutage gefördert, dass alle Nachwuchskräfte sich wieder für eine Ausbildung bei Schweitzer entscheiden würden. Darauf ist Oechtering stolz: "Wir bilden aus mit dem Ziel zu übernehmen", bekräftigt der Geschäftsleiter, den vor allem zwei Dinge beschäftigen: der rasante Wandel der Geschäftsfelder und die demografische Entwicklung, die auch an seinem Unternehmen nicht vorbeigeht. Bezogen auf den Fachmedienhändler lässt sich zusammenfassen: Es rücken immer weniger Nachwuchskräfte nach. Das bedeutet in der Praxis: Die Azubis müssen nach ihrer Ausbildung so fit sein, dass sie später auch einmal Führungsaufgaben übernehmen können. Auch aus diesem Grund lädt Schweitzer jährlich zu Azubitagen ein. "Ausbildungsrahmenplan und Berufsschule decken viele Themenfelder nicht mehr ab, mit denen wir in der Tagesarbeit zu tun haben. Also ist es an uns, die zusätzlichen  Inhalte zu vermitteln, die wir brauchen", erklärt Oechtering.

Eine Aprilwoche lang hat Schweitzer die Azubis des zweiten und dritten Ausbildungsjahrs nach Berlin eingeladen, wo sie nicht nur mit Wissen "betankt" wurden, sondern auch den Erich Schmidt Verlag und das Start-up Diversicon kennenlernen und sich vernetzen konnten. Das Unternehmen nutzte aber auch die Chance, kritisches Feedback zu erhalten. "Wir wollten mehr über den Status unserer Ausbildung erfahren", sagt Oechtering, der für das Thema auf Geschäftsleiterebene verantwortlich ist. Die vielleicht wichtigste Erkenntnis: "Unsere Azubis fühlen sich im Arbeitsalltag tendenziell schnell unterfordert. Sie bringen sehr viel Kreativität und gute Ideen zu unseren Geschäftsbereichen und Prozessen mit. Wir haben diese Schätze, nämlich das Poten­zial, das unsere Azubis mitbringen, aber noch nicht vollständig gehoben", meint Oechtering.

Nach jedem Abteilungsdurchlauf muss es künftig Feedbackgespräche geben – das entspricht dem Wunsch vieler Auszubildender. Oechtering: "Heute machen unsere Azubis da noch unterschiedliche Erfahrungen. Zudem müssen wir die Ausbildungsinhalte der Fachabteilungen und die von den Azubis verantworteten Aufgaben über alle Schweitzer Unternehmen hinweg verbindlich vereinheitlichen." Dabei sollen die Azubis schnell Verantwortung für Aufgaben und Themenfelder übernehmen. "Wir müssen intensiver daran arbeiten, dass alle Azubis die gleiche hochwertige Ausbildung bei uns erhalten", betont Oechtering. "Der Aufwand dafür ist nicht zu unterschätzen, aber das Thema ist nicht nice-to-have. Wenn wir auch zukünftig am Markt bestehen wollen, wird Ausbildung ein entscheidender Wettbewerbsvorteil sein. Dafür müssen wir die eigenen Strukturen aber immer wieder hinterfragen und uns an die Entwicklungen am Ausbildungsmarkt anpassen."

Außerdem wünschte sich der Nachwuchs:

  • Telefontraining, weil die Scheu vorm Kundentelefonat vor allem im ersten Ausbildungsjahr noch groß ist.
  • On-Boarding, also eine Orientierungsphase, um Kollegen und Aufgaben am Standort und bei Schweitzer zu überblicken – wer mit dem Wunsch, "etwas mit Büchern" machen zu wollen die Ausbildung antritt, kennt naturgemäß wichtige zentrale Geschäftsfelder noch nicht.
  • Verlässliche Ausbildungsbertreuung, denn auch wenn Jahresgespräche und Ausbildungspläne Pflicht sind: In Einzelfällen und bedingt durch Abteilungswechsel fallen Azubis auch schon mal "durch den Rost".


Zwei große Workshop-Themen wurden von den Azubis vier Tage lang in der Berliner Blogfabrik bearbeitet – Frage 1: Welchen Stellenwert werden die Ladengeschäfte für Schweitzer in Zukunft haben? Wie soll dort gearbeitet werden? Welche Dienstleistungen könnte oder müsste der Fachmedienhändler anbieten? "Die aufbereiteten Ergebnisse werden in der Geschäftsführerrunde Ende September vorgestellt und diskutiert werden, für die Schublade wollten wir diese spannenden Arbeitsergebnisse jedenfalls nicht erstellen lassen", fasst Oechtering zusammen.

Außerdem sollten die Azubis den thematischen Grundstein für eine Sonderausgabe der Unternehmenszeitschrift "Schweitzer Forum" legen. Überraschend für Oechtering und seine Kollegen vor Ort: Die große Mehrheit der Azubis sprach sich dafür aus, lieber ein Unternehmensblog zu initiieren. Vor allem Rechtsanwälte und Steuerberater werden mit dem Magazin angesprochen. Ein Blog könnte für mehr Dynamik sorgen. "Um die Kommunikation mit den Kunden zu stärken, ist das Format besser geeignet als eine Sonderausgabe", räumt Oechtering ein, der die "Umtriebigkeit" und Kreativität der Azubis lobt.

Ende August wird der Unternehmensblog live gehen, zunächst als Projekt, das von Azubis an den verschiedenen Standorten vorangetrieben wird. Oechtering unterstreicht die Relevanz des Projekts, das mehr sein soll als eine Spielwiese für den Nachwuchs: "Ein Firmenblog könnte eine Zukunftsentscheidung für Schweitzer sein. Unsere Azubis haben dazu die Vorarbeit geleistet."

© Schweitzer Fachmedien

Azubi-Tage bei Schweitzer Fachinformationen



  • Erstmals: 2015 (seither jährlich)

  • Teilnehmer: Alle Azubis im 2. und 3. Lehrjahr (2018: 20 Teilnehmer)

  • Konzept: Verlagsbesuch, Wissensvermittlung und Workshops

  • Themen 2018: Ausbildungsqualität, Schweitzer Fachmedien 2022; Sonderausgabe "Schweitzer Forum" als Azubiprojekt

  • Ergebnisse: Gründung eines Unternehmensblogs; Maßnahmen zur Verbesserung der Ausbildung; außerdem werden die Azubi-Prognosen zur Geschäftsmodellentwicklung auf Führungsebene weiterdiskutiert.

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