Hauke Hückstädt über seine Pop-up-Messeparty im Literaturhaus Frankfurt

"Werdet selbst Gastgeber unter Gastgebern"

Das Literaturhaus Frankfurt lädt ein – zu einem gemeinschaftlichen Zeichen. Ein Branchenhappening soll es werden, eine Pop-up-Messeparty: von allen für alle. Hauke Hückstädt, Leiter des Hauses, erklärt die Idee von #wirmachenbuecher.

Haucke Hückstädt

Haucke Hückstädt © Sebastian Schramm

Jede Industrie ist verloren, die es nicht versteht, Entwicklungen zu erkennen. Es wird mehr gelesen als je zuvor, rund um die Uhr, ständig. Aber nicht unbedingt zwischen Buchdeckeln. Und die Einheiten werden kleiner. Erfolgreiche Titel aber eher dicker. Fazit: Die Kulturtechnik Lesen lebt.

Bemerkenswert war zuletzt der Anstand, den Verlage wie Hanser, S. Fischer und Rowohlt zeigten, als sie ihre diesjähri­gen Buchmesse-Empfänge und -Partys in Mantis Roofgarden, Literaturhaus und Schirn absagten. Weniger nobel dagegen: die Dauerquatscher, Eckensteher und Totengräber, die deshalb das Schlimmste kommen sehen. – Weit gefehlt. Dass alle drei hohen Verlagshäuser, um das Mindeste zu sagen, gerade keinen Personalzuwachs schaffen, liegt auf der Hand. Was wir ­erleben, ist also Verantwortung für die Kulturkraft des Buches, in erster Linie für die Menschen, die diese Kulturkraft in die Welt tragen.

Die Abwärtsbeschreibungen der letzten Monate haben mein Team und mich dennoch vielfach beschäftigt, auch entnervt. Da viel von dem Gerede und etliche der Statements nur einer Sache Vorschub leisten: der sich selbst erfüllenden Prophezeiung. Womöglich veröden gerade viele der Anschlüsse an Leserschaften, auf die jahrelang so "verlässlich Verlass" war. Womöglich geht es hier um die Folgen von kollektivem Investitionsstau. Und womöglich wird die Frankfurter Buchmesse in diesem Jahr wie nie zuvor zu beweisen haben, dass sie eine adäquate Form ist, die sinnstiftendste Industrie der Welt in ­ihrem zukünftigen Wert zu zeigen. Und wenn sie das schafft, heute oder in fünf Jahren, dann auch wegen ihrer Bemühungen, den Lesern wieder näherzukommen, vor allem aber wegen ihrer Fachbesucher.

Was bleibet aber, stiften ... die Partys. Und so lange die aus gegebenen Gründen ausbleiben, könnte sich die Branche auf das besinnen, was sie immer ausgezeichnet hat. Dass sie aus wenig stets viel geschöpft hat. Und Resignation wäre ein zu billiges Jackett, Zynismus kein schützender Buntstrick. Wir vom Literaturhaus Frankfurt laden deshalb zu einer gemeinsamen Empfangs- und Prosit-Zone ein. Das Vestibül ist offen für alle Büchermacher, Autoren, Verlage, Kritiker, Buchhändler, Hersteller, Übersetzer, Illustratoren, Agenten, Veranstalter und Leser. #WIRMACHENBUECHER macht das Licht an. Die Einladung lautet: Werdet selbst Gastgeber unter Gastgebern, Beginn um 21, Ende um 1.00 Uhr. Alles, was es für einen ­Messe-Empfang braucht, ist der kleinste Tresen der Welt. Und den gibt es im Literaturhaus, gebaut aus einer Bierkiste, Besenstiel und Banner, zum Selbstkostenpreis.

Wer sich dafür anmeldet, kommt abends ins Literaturhaus, sucht sich Platz und gibt seinen Kunden, Mitarbeitern, Geschäftspartnern, Nebenleuten und Freunden ein Freibier aus. Dazu laden wir, Eintritt frei, ein. Multiplikation trifft Garagenparty trifft Neoklassizismus. Eine Branche im Wandel ist eine lebendige Branche. Denn paradoxerweise tanzt seit jeher in diesem Rumstehen der zappelige Geist des Neuen. Der Abend des Messedonnerstags könnte eine fröhliche Rückbesinnung auf die Anfänge sein, die viele von uns zur Literatur brachten: aus geringsten Mitteln frappante Erkenntnisse und unendlicher Spaß. Wir versprechen Bier und Wissen, viele Gespräche und dreiminütige Reden auf das Buch von Jörg Bong, Torsten Casimir, Axel von Ernst, Stephanie Krawehl, Jo Lendle, Rainer Moritz und anderen sowie eine Postkarte von Felicitas von Lovenberg. Der Rest bleibt beim Alten, Wippen und Nippen.

#WIRMACHENBUECHER-Anmeldung unter: wirmachenbuecher@literaturhaus-frankfurt.de.

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