Die Sonntagsfrage

"Haben Sie Angst, bei Amazon ausgelistet zu werden, Herr Horn?"

Am 5. November erscheint im Westend Verlag das Buch "Schnauze, Alexa! 10 gute Gründe, nie mehr bei Amazon einzukaufen". Befürchtet der Verlag Konsequenzen? Antworten von Westend-Geschäftsführer Andreas Horn.

Andreas Horn

Andreas Horn © privat

Ja, man hat schon ein mulmiges Gefühl, auch wenn das Buch sauber recherchiert ist und viele Fakten bekannt sind. Unser Buch beschreibt erstmals die immer größer werdende Marktmacht des Amazon-Konzerns. Ein krakenhafter Konzern, weil Amazon ja längst kein simpler Internet-Händler mehr ist, der Buchhändlern die Kunden abspenstig macht und durch immer stärkeres Auspressen der Lieferanten seine Rendite steigert. 

Als kleiner Verlag ist man ja gegenüber Amazon ein absoluter Nobody. Diese Situation macht einen dann aber auch wiederum freier, überhaupt zu wagen, Bücher gegen Monopolisten zu verlegen – David gegen Goliath eben. Die Konzernverlage tun sich da schwer, weil sie gleich mit x Millionen Euro ins Risiko gehen. Der Westend Verlag und unser Autor Johannes Bröckers sind stark inhaltlich getrieben - wir scheuen uns nicht, uns in die Auslistungsgefahr zu bringen, weil wir eben auch die aufklärerische Verantwortung sehen. Wir werden sehen, ob Amazon so gepolt ist, dass sie sogar mit Elementarkritik an sich selbst Geld verdienen. Der Besteller-Rang des Buches ist über die letzten Tage auf unter 10 Millionen abgesenkt worden – vermutlich nehmen sie so das Buch aus dem Fokus der Kunden.

Das Erschreckende an Amazon ist das Zusammenspiel des Allesverkäufers und Produzenten (Händler, Plattform, Verlag, Medienunternehmen, Filmproduktion, Selfpublishing-Portal, Gebrauchtwarenhandel, Lebensmittel-Filialist, etc.pp) und dem weltweit sich zum Monopol entwickelnden digitalen Bereich. Amazon arbeitet für Privatmenschen und gleichzeitig für das Pentagon. Edward Snowdens Enthüllungen waren aus heutiger Sicht betrachtet fast schon harmlos, wenn man an die rasante Entwicklung von Amazon & Co. ein paar Jahre weiter denkt. Auf den Servern der großen Tech-Konzerne liegt ein Datenschatz mit detaillierten Persönlichkeitsprofilen von einem großen Teil der Menschheit und keiner weiß genau, wie diese Daten analysiert und ausgelesen werden. Das aktuelle Patent für die Alexa etwa, an der Stimme der Kunden Krankheiten zu erkennen und dann die passenden Produkte anzubieten, gruselt mich.

Die Aufklärung über diese Thematik ist uns ein echtes Anliegen, und die Leser und Buchhändler haben heftig mit uns und dem Autor am Stand darüber diskutiert. Das kostenlose E-Book ist gut angekommen und die Kunden folgen dann hoffentlich auch alle unserer Bitte und kaufen zum Erscheinen ein Exemplar im stationären Buchhandel. Unsere "Schnauze, Alexa! Ich kaufe nicht bei Amazon"-Aufkleber sind sehr gut angekommen und wir produzieren jetzt auf Wunsch von Buchhändlern neben weiteren Aufklebern auch noch Plakate. Wenn wir als Einzelne nicht handeln, dann wird sich an der weiter brutal wachsenden Monopolisierung auch nichts ändern.

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3 Kommentar/e

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  • Arkadi Junold

    Arkadi Junold

    Ich kann nur sagen, daß ich gerade als kleiner Fachverlag auf Amazon glücklicherweise nicht angewiesen bin und eh nicht über diese Plattform vertreibe. Insofern kann ich nur Mut machen, diesem Anbieter gegenüberzutreten.

  • Mo Gandhi

    Mo Gandhi

    Es wird die Zeit, die "Angst" vor diesen Unternehmen abzulegen und selbstbewusster aufzutreten, ob großer Konzern oder kleiner Verlag. Eine Auslistung ist doch wäre eine gute Alternative, um zu zeigen, dass die Abhängigkeit nicht einseitig ist. Amazon kann doch jederzeit ganz bequem die ausgelisteten Titel übers Barsortiment beziehen...

  • Marcus Meisters

    Marcus Meisters

    Ich habe es als Kunde beim örtlichen Buchhandel sehr oft erlebt, dass AKTUELLE Bücher nicht vorhanden waren. "Wir können es Ihnen bestellen, dann ist es in 2 Tagen da."... Stellen Sie sich mal Menschen vor, die in einem 3000-Seelen-Ort in Deutschland leben, Geschäfte mit Öffnungszeiten frei nach dem Motto: "WIr haben zwar geöffnet, aber nur dann, wenn wir es wollen. Die nächste Großstadt ist 30 Kilometer entfernt. In dieser Stadt gibt es eben besagte Buchhändler. Man fährt also wieder 30 Kilometer zurück und 2 Tage später wieder 60 Kilometer um ein Buch zu kaufen. Das sind insgesamt 120 Kilometer. Das sind bei heutigen Spritpreisen 18 Euro Extrakosten. Hätte man das Buch als E-Book bei Amazon bestellt, wäre es in wenigen Sekunden geliefert worden und man müsste nicht so schwer schleppen.
    Dann lese ich noch in den Kommentaren..."Gerade als Kleinverlag sind wir nicht auf Amazon angewiesen. Ich möchte es mal mit Dieter Bohlen vergleichen. Dieter Bohlen ist Deutschlands größter und erfolgreichster Musikproduzent. Dieter Bohlen öffnet neuen Talenten nur durch seinen Namen und Beziehungen Türen, die diese "Kleinen" ohne ihn nicht hätten nutzen können. Liebe Kleinverlage. Nutzt Amazon als Verkaufsplattform. Amazon braucht keine Kleinverlage. Ihr Kleinverlage wollt doch eure Ware verkaufen.
    Das ist meine Meinung.

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