Sieger des Buchblog-Awards 2018 (3)

"Jeder Buchhändler sollte wissen, was er im Schaufenster arrangiert"

Am 12. Oktober hatten der Börsenverein und NetGalley Deutschland die besten Buchblogs ausgezeichnet. boersenblatt.net befragt Buchblog-Award-Siegerin Julia Bousboa von "Juli liest" über ihre Arbeit.

Julia Bousboa

Julia Bousboa © Irina Höft

Sie präsentieren einen Büchertisch bei Dussmann: Was kommt drauf?

Ich mag es gern, Bücher nach Themen auszusuchen. Zum Vorlesetag am 16. November würde ich zum Beispiel einen Büchertisch zum Thema "Lesen" machen und Bücher für Kinder und Erwachsene präsentieren, die das Lesen feiern. Eigentlich wollte ich zum Welthospiztag am 13. Oktober einen Blogbeitrag zum Thema "Tod im Bilderbuch" schreiben, das habe ich aufgrund meines Besuches auf der Buchmesse leider nicht geschafft. Auf so einem Tisch wäre dann für alle etwas dabei, von Jutta Bauers "Limonade"  über John Greens "Das Schicksal ist ein mieser Verräter" bis hin zu Roland Schulz' "So sterben wir". Das mag jetzt für den ein oder anderen morbide klingen, aber dieses Thema muss, nachdem es jahrzehntelang an den Rand gedrängt wurde, zurück in die Mitte unserer Gesellschaft gebracht werden – und warum nicht mit einem Büchertisch bei Dussmann? Außerdem ist nächstes Jahr Europawahl... ach, es gibt so viele Themen, mit denen man einen Büchertisch füllen könnte!

Was hätten Sie gerne gewusst, bevor Sie mit dem Bloggen angefangen haben?

Eigentlich gibt es da nichts – ich werde nur immer mal wieder davon überrascht, wie sehr Kinderliteratur und das Bloggen darüber unterschätzt werden.

Wie gehen Sie mit Selbstzweifeln um?

Oh ja, die Selbstzweifel… Die einen haben sie weniger, die anderen eher mehr. Ich gehöre zu den anderen, doch bisher hatte ich tatsächlich immer großes Glück. Jedes mal, wenn mich Selbstzweifel gequält haben, sind mir tolle Dinge passiert: Zum Beispiel eine Facebook-Nachricht von einem Erzieher, der mir erzählt, dass er den Kindergarten, in dem er arbeitet, mit den von mir vorgestellten Büchern bestückt. Oder ein Gespräch mit Kirsten Boie. Oder eben die Nominierung für den Buchblog Award. Solche Reaktionen von außen sind schon wichtig, das lässt sich nicht leugnen.

Was ist Ihr Ziel?

Ich möchte, dass "Juli liest" der Ort im Internet ist, an dem sich Eltern, Großeltern und Pädagogen und einfach alle, die etwas mit Kindern zu tun haben und Lesebotschafter sein wollen, über gute, vielfältige Kinderbücher informieren. Mir ist es wichtig, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, wie wichtig Bücher für Kinder und ihre Entwicklung sind, welche große Rolle Diversität dabei spielt und welche Bedeutung das  letztlich für unsere Gesellschaft hat. Deshalb sollte man dabei auch immer alle Kinder im Blick haben und nicht nur die einer bildungsbürgerlichen Mittelschicht.

Welches Format würden Sie gerne mal austesten, kamen aber noch nicht dazu?

Ich würde unglaublich gern einen Podcast machen! Sprechen geht schneller als Schreiben und das ist natürlich nicht immer gut, aber vor allem bei kontroversen Buchtiteln – ja, die gibt es tatsächlich auch im Kinderbuchbereich – wäre es toll, das in einem Podcast mit Menschen, die anderer Meinung sind, zu besprechen.

Welches Format kommt bei Ihren Followern am besten an?

Das ist meine Rubrik „Und was liest du so?“, in der Autoren, Illustratoren und Übersetzer ihr Lieblingskinderbuch vorstellen. Zum einen ist natürlich der Promi-Faktor interessant, aber zum anderen muss man wirklich sagen, dass sich im Kinder- und Jugendbuchbereich sehr spannende Menschen tummeln, die dann auch sehr spannende Lieblingskinderbücher haben, die alles sind außer Mainstream. Das macht einfach Spaß, zu lesen.

Wem hätten Sie den Sieg beim BuBla von Herzen gegönnt?

Freya, Julia und Felix von TraLaLit! Die drei sind nicht nur unglaublich sympathisch, sie haben sich mit ihrem Blog auch etwas Großartiges vorgenommen: Sie geben den Übersetzern, also denjenigen, die im Literaturbetrieb häufig unsichtbar bleiben, eine Bühne!

Was wünschen Sie sich von Buchhändlern?

Eine Freundin von mir hat neulich in einer Buchhandlung nachgefragt, warum das neue Buch von Thilo Sarrazin so prominent im Schaufenster stünde. Sie bekam die Antwort, dass es nun einmal auf der Bestsellerliste wäre; die Buchhändlerin wüsste jedoch gar nicht, was darin stünde und hätte auch das vorherige von ihm nicht gelesen... Wir leben in einer Demokratie, und Meinungsfreiheit ist eines unserer höchsten Güter, deshalb müssen wir auch rechtspopulistische Schriften in Schaufenstern aushalten – doch dann würde ich mir zumindest wünschen, dass jede*r Buchhändler*in diese auch gelesen hat und weiß, was er/sie da gerade liebevoll im Schaufenster arrangiert.

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