Einzelhandels-Vermietungen 2018 in 1a-Lagen

In Mittelstädten sanken die Spitzenmieten am stärksten

Die Vermietungen im Einzelhandel in städtischen 1a-Lagen haben im vergangenen Jahr der Fläche nach erstmals seit 2014 wieder zugelelgt − um sieben Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dafür hätten insbeondere internationale Handelsketten gesorgt. Das hat das Beratungsunternehmen Jones Lang Lasalle (JLL) ermittelt.

Berlin, Alexanderplatz

Berlin, Alexanderplatz © Fotolia

Dabei wurde 2018 eine Fläche von 480.000 Quadratmetern an den Einzelhandel in innerstädtischen 1a-Lagen vermietet, führt JLL aus. Acht von zehn deutschen Metropolen legten zu, so dass die Big 10 rund 42 Prozent des gesamten Flächenumsatzes ausmachten. Ein Drittel der Großflächen gingen an internationale Konzepte.

Dirk Wichner, Head of Retail Leasing JLL Germany, sagt: "Nachfrage und passende Verfügbarkeit haben in den Metropolen zu einem spürbaren Plus bei der Neuvermietung geführt. Dahinter steckt zudem, dass viele Händler ihre Flächenkonzepte überdenken und die Strategie ändern. Mittelfristig werden optimierte Flächenzuschnitte benötigt, die dann von den Unternehmen aber auch exklusiver bespielt werden. Die Produkte sind der eine Teil – Erlebnis, Genuss und Identifikation mit der Marke ein zunehmend wichtiger anderer Teil. Das gilt insbesondere für Marken, die ein Multi-Channel-Strategie mit analogen und einem digitalen Shop verfolgen."

Big 10: Berlin führt

Spitzenreiter unter den Big 10 war − wie im Vorjahr − Berlin mit einem Flächenumsatz 44.000 Quadratmetern (+81 Prozent zu 2017), bei 110 Anmietungen im vergangenen Jahr − die meisten davon in innerstädtischen Shopping Centern. Mehr als verdoppelt hätten ihr Ergebnis die Städte Köln (31.800 Quadratmeter; +108 Prozent) und Leipzig (20.800 Quadratmeter; +157 Prozent). Die Domstadt erreichte ihr bestes Ergebnis seit fünf Jahren, weil unter anderem Uniqlo, Saturn und Sephora Flächen angemietet hätten. Leipzig profitierte laut JLL von der Revitalisierung des Petersbogens und des Petershofes, wo sich unter anderem Zalando, Decathlon und Fit/One Flächen sicherten. Düsseldorf schob sich mit 22.500 Quadratmetern (+32 Prozent) noch zwischen Köln und Leipzig auf den dritten Platz.

Dahinter profitiert München (19.800 Quadratmeter; +27 Prozent) von sieben Großanmietungen, direkt gefolgt von Stuttgart (19.600 Quadratmeter; +68 Prozent), wo diesmal die Gastronomie mit 21 Anmietungen herausstach. Unter ihrem Fünfjahresschnitt bleiben Hamburg (16.700 Quadratmeter; -11 Prozent) und Frankfurt (16.500 Quadratmeter; +92 Prozent). Das Feld der Big 10 komplettieren Hannover (6.000 Quadratmeter; +107 Prozent) und Nürnberg (3.000 Quadratmeter; -36 Prozent).

Kleinflächen dominieren

Bei der Analyse nach Größenklassen machten die Ladenlokale mit weniger als 250 Quadratmetern 2018 erneut mehr als die Hälfte der Abschlüsse aus. Mit 52 Prozent liegen sie allerdings vier Prozentpunkte unter dem Vorjahreswert. Dieser Anteil verteilt sich auf die mittleren Größen. Nur drei Prozent der Abschlüsse entfallen auf die größte Kategorie mit mehr als 2.000 Quadratmetern.

Textil schrumpft, bleibt aber vorn

Im Branchenvergleich beobachtete der Markt einen erneuten Rückgang des Flächenumsatzes der Textilhändler auf mittlerweile 27 Prozent – obwohl dieses Segment die meisten Verträge in allen Größenkategorien abschloss. Die Anteile sicherten sich die in der Rangliste folgenden Branchen Gastronomie/Food (20 Prozent) und Gesundheit/Beauty (15 Prozent). Hier seien einzelne Gastronomiekonzepte besonders expansiv gewesen. So mietete die Burgerkette "Hans im Glück" elf neue Filialen an, das Café-Konzept "Extrablatt" acht. 

"Gerade die Textilindustrie ist in den vergangenen Jahrzehnten überproportional stark gewachsen. Wir erleben also jetzt wieder eine Normalisierung. Hinzu kommt, dass insbesondere Textilien von vielen lieber im Internet bestellt werden", erklärt Dirk Wichner.

Wo Flächen verstärkt verfügbar werden und keine langfristige Vermietung anstehe, werde neben der Übergangsnutzung durch Pop-up-Stores zunehmend auch eine Umnutzung als Büro- oder Wohnraum in Erwägung gezogen.

Spitzenmieten geben nach

Die Spitzenmieten in den Big 10 blieben im vergangenen Jahr weiterhin recht konstant, so JLL − nennt im Schnitt ein Minus von 0,2 Prozent gegenüber 2017. Allein in Hannover sei der Wert von 190 auf 185 Euro zurückgegangen. Dieses Standbild werde sich voraussichtlich auch im ersten Halbjahr 2019 nicht ändern. "Die Werte sind hier seit einigen Jahren festzementiert, nachdem sie bis 2015 jährlich stark gewachsen sind. Mittelfristig werden wir auch hier Korrekturen in bestimmten Lagen sehen", gibt Wichner einen Ausblick.

Analysiere man hingegen alle 185 betrachteten Einzelhandelsmärkte in Deutschland im Vorjahresvergleich, so JLL, dann sei die Spitzenmiete im Schnitt um 3,3 Prozent zurückgegangen. Nach Größenklassen sah es wie folgt aus: 

  • In den Städten unter 100.000 Einwohnern gab der Mittelwert um 5,4 Prozent nach (im Panel befindet sich laut JLL keine Stadt unter 40.000 Einwohner)
  • Bei den Städten von 100.000 bis 250.000 Einwohner lag der Rückgang im Durchschnitt bei 3,4 Prozent
  • In Großstädten zwischen 250.000 und 500.000 Einwohner gaben die Spitzenmieten im Schnitt um drei Prozent nach
  • Metropolen mit mehr als einer halben Million Einwohner hatten eine fast stabile Durchschnittsspitzenmiete. Hier ging der Wert nur um einen halben Prozentpunkt zurück.

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