Thalia kauft Buchhandlung Vogel in Schweinfurt

"Der Preis ist so, wie ich ihn mir vorgestellt habe"

In wenigen Wochen übergibt Franziska Bickel ihre Buchhandlung Vogel an Thalia. Ein Interview über das Loslassen nach 40 Jahren im Buchhandel, einen guten Kaufpreis und ihre neue Rolle als Beraterin.  FRAGEN: CHRISTINA SCHULTE

Franziska Bickel

Franziska Bickel © AnandAnders

Sie haben Ihre Buchhandlung per 1. Juni an Thalia verkauft. Wie kam es zu dem Deal?
Schlicht und ergreifend wurde ich von Thalia gefragt. Wir haben darüber gesprochen, wie ich mir die Zukunft meines Geschäfts vorstelle. Der Kontakt mit Thalia besteht schon seit vielen Jahren.

Hat Thalia ordentlich gezahlt?
Ja, mir wurde ein faires Angebot vorgelegt und wir haben auch nicht weiter verhandeln müssen. Der Preis ist so, wie ich ihn mir vorgestellt habe.

Gab es auch andere Interessenten?
Ja, die gab es. Aber sie hätten die Buchhandlung gekauft, geschlossen und das Rechnungsgeschäft mitgenommen. Das war für mich keine Alternative.

Sie werden in zwei Wochen 60 Jahre alt. Wollten Sie aufhören oder hätten Sie auch noch weiter gemacht?
Nein, ich habe schon ans Aufhören gedacht. Mein Mann ist seit fünf Jahren in Pension und ich möchte gern noch mit ihm gemeinsam leben in Form von Leben. Angst vor Langeweile habe ich nicht, denn ich arbeite viel ehrenamtlich, außerdem haben wir uns ein Häuschen mit Garten gekauft – nach 40 Jahren intensiven Buchhandels werde ich nun ein privates Leben führen.

Können Sie überhaupt loslassen?
Am 31. Mai ist mein letzter Arbeitstag und dann muss ich mir klar vor Augen halten, dass ich nicht mehr das Sagen habe. Und wissen Sie was: Das finde ich total befriedigend.

Wie haben Ihre neun Mitarbeiterinnen den Verkauf aufgenommen?
Sie waren natürlich erst einmal geschockt, auch deswegen, weil sie sich bislang keine Gedanken darüber gemacht haben, dass ich schon sobald verkaufe. Und wenn, dann hätten sie eher damit gerechnet, dass ich an Osiander verkaufe, weil ich mit Heinrich Riethmüller freundschaftlich verbunden bin. Nach einmal darüber schlafen, sah die Welt aber schon anders aus. Wir haben heute besprochen, dass die Filialleitung aus dem Team heraus gestellt wird. Das Team kennt sich schon sehr lange und arbeitet routiniert zusammen.

Und wie finden es Ihre Kunden?
Die Reaktionen sind natürlich gemischt. Sie reichen von Zuspruch über die Freude, dass es die Buchhandlung weiter gibt, bis hin zu purem Entsetzen und der Drohung, nie wieder den Laden zu betreten. Uns ist es daher wichtig, jetzt mit allen Kunden zu sprechen, dass die gewohnten Ansprechpartner auch weiterhin für sie da sind.

Sie bleiben Thalia vorerst als Beraterin verbunden. Was ist Ihr Job?
Ich werde ein Jahr lang für Thalia arbeiten und vor allem mit den Rechnungskunden sprechen. Mir ist es wichtig, den Übergang aktiv zu begleiten.

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