Ursula Rosengart über die Kalkulation von Veranstaltungen

Lohnt sich das Event?

Veranstaltungen sind für den Buchhandel wichtiger denn je – und sie sind kalkulierbar. Gabal-Geschäftsführerin Ursula Rosengart macht eine Beispielrechnung auf.

Ursula Rosengart

Ursula Rosengart © Martin Fischer Fotografie

Die Käufer-Studie des Börsenvereins legt es nahe, auch die Befunde von "Criteos Gen Z Report" (zu Konsumgewohnheiten der 16- bis 24-Jährigen) weisen in diese Richtung: Der stationäre Handel ist bei der Kundschaft gefragt – wenn er denn sichtbar beziehungsweise auffindbar ist. Nach unserer Erfahrung spielen Veranstaltungen dafür eine immer größere Rolle.

Nicht ganz trivial ist dabei die Frage: "Wie kalkuliert man ein Event?" Umsätze sind hier ebenso relevant wie übergeordnete Marketingziele – die einen lassen sich berechnen, die anderen nur bedingt. Wir haben daher eine Beispielkalkulation ent­wickelt. Sie kann nicht mehr sein als Anregung, denn den strategischen Wert einer Veranstaltung können nur die Buchhändlerinnen und Buchhändler selbst beurteilen. Gleichzeitig enthält sie einige zentrale Punkte, von denen wir glauben: Die braucht man fast immer.

Durchgerechnet: ein "After-Work-Event" in einer inhaber­geführten Buchhandlung
Externe Raumkosten fallen nicht an, Bestuhlung und Technik sind vorhanden. Angelegt ist das Event auf ca. 2,5 Stunden, inklusive Auf- und Abbau ca. 4 Stunden. Für den Abend selbst sowie für Planung, Organisation und Dokumentation veranschlagen wir 16 Arbeitsstunden – wobei jeweils die Hälfte auf die Inhaberin (nicht berechnet) und einen Mitarbeiter (berechnet) entfällt. Für den Büchertisch werden 30 Exemplare à 24,90 Euro eingekauft (40 Prozent Rabatt). 20 Bücher werden während des Events verkauft, außerdem noch einige andere Titel. Die weiteren zehn Bücher des Autors gehen in den nächsten zwei Wochen über den Tisch.

Die Veranstaltung selbst ist "nicht ganz klein, aber fein": Die Inhaberin hat einen Businessautor zu Gast, dessen Vortrag echten Mehrwert verspricht – ein Eintrittspreis von acht Euro ist angemessen, mindestens 40 Gäste werden erwartet. Getränke und Knabbereien werden bereitgestellt, auch eine kleine individuelle Dekoration ist geplant. Der Autor selbst verlangt kein Honorar, allerdings sind Reise- und Hotelkosten aufzubringen. Und natürlich muss geworben werden: Flyer, Mailings, Plakate und Feedbackfragebogen werden kalkuliert.

Alles in allem stehen dann folgende Einnahmen und Ausgaben einander gegenüber (Ca.-Werte, brutto):

Einnahmen: Buchverkauf (850 Euro) + Tickets (320 Euro) = 1 170 Euro

Ausgaben: Personal (200 Euro) + Essen und Getränke (100 Euro) + Ware (450 Euro) + Dekoration (50 Euro) + Reise- und Hotelkosten (250 Euro) + Werbemittel (200 Euro) = 1 250 Euro.

Nun kommt es zum Schwur: Lohnt sich das? Dazu gilt es, auch die weicheren Faktoren in die Bewertung miteinzubeziehen. Denn die 80 Euro Kostenüberhang und die acht Arbeitsstunden der Inhaberin werden nicht nur in einen erfolgreichen Abend investiert, sondern auch in 30 neue Newsletter-Anmeldungen sowie ebenso viele neue Follower auf Instagram und Facebook. Ebenfalls noch nicht "mitgerechnet" sind die kommunikative Wirkung der Ankündigungen vor und die Berichte nach der Veranstaltung – und vor allem: die Zufriedenheit der Kunden, denen die Buchhandlung einen besonderen Abend bietet.

Daher unsere Gesamteinschätzung: Diese Veranstaltung rechnet sich!

"Mehr Sichtbarkeit und mehr Umsatz durch Events" – diesem Thema widmen sich auch die Workshops, die Andschana Gad (Gabal) und Roland Große Holtforth (Literaturtest) demnächst in einigen Landesverbänden des Börsenvereins durchführen. Als Termine stehen bereits fest: 14. Mai (München), 16. Mai (Frankfurt), 23. Mai (Berlin).

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45 Kommentar/e

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  • Hinrich Schmidt-Henkel

    Hinrich Schmidt-Henkel

    Na großartig! Der entscheidende Rechnungsposten lautet:
    "Der Autor selbst verlangt kein Honorar". Wie schön, dass ihm diese Entscheidung bereits in der Kalkulation abgenommen wird ... Im Ernst, liebe Leute, alles unter 300 € Lesungshonorar ist eine Zumutung. Und man verkaufe der Autorin bitte nicht eine Veranstaltung als Werbung in eigener Sache. Ich kenne weder Autoren noch Übersetzerinnen, die in ihrer eigenen Kalkulation einen Posten "Gratisauftritte zur Eigenwerbung" bereithalten (können). Und bin immer wieder mal verblüfft, dass bei einem "Event" für alles Geld da sein muss - außer für denjenigen welchen. Wer in der Kakulation gar nicht vorkommt, ist erstaunlicherweise der Verlag. Man muss diese Modellrechnung als noch nicht ausgereift bezeichnen.

  • Klaus Farin

    Klaus Farin

    "Der Autor selbst verlangt kein Honorar" - ernsthaft? ist das Ihre Empfehlung? Als Verlag - selbst als einer der kleinsten Verlage in Deutschland - bekommen wir immer wieder sogar Anfragen aus dem Handel, ob wir nicht die Veranstaltung bezuschussen könnten, zumindest die Reisekosten übernehmen. Dass die überwiegend finanziell darbenden Autor*innen ein Honorar möchten, empfinden viele Buchhändler*innen geradezu als absurd. Die Grundintention des Beitrags - Buchhändler*innen zu motivieren, Veranstaltungen zu wagen, finde ich gut und wichtig. Allein mir fehlt der Glaube. Unsere Spitzenautoren wie Rafik Schami aktuell können sich vor Anfragen kaum retten, Nicht-Bestseller-Autor*innen erhalten fast keine Anfragen. Selbst auf absolut niedrigschwellige Angebote - eine unsere Autorinnen ist sowieso in der Stadt und könnte ohne weitere Kosten z. B. mal eine Stunde angekündigt vorbeikommen, zum Plaudern, Fotoshooting und Signieren, erhalten wir zumeist nicht einmal eine Antwort. Der Buchhandel hat - nicht insgesamt, aber zu großen Teilen - seine wichtige Funktion, gesellschaftlich relevante Themen zur Diskussion zu stellen und junge Autor*innen zu fördern, strukturell verloren bzw. aufgrund seiner nur noch rein kommerziellen Ausrichtung verloren. Immer, wenn er angegriffen wird - zum Beispiel die Preisbindung -, heißt es (zurecht): Bücher sind nicht nur ein Produkt, sondern ein Kulturgut. Jetzt organisiert sich gerade schon (zurecht) ein präventiver Protest dagegen, KNV an einen Konzern, gar amazon zu verkaufen. Im Alltag spielt diese engagierte Grundhaltung unserer Erfahrung nach kaum noch eine Rolle - weder bei der Veranstaltungsplanung noch grundsätzlich bei der Bestückung des eigenen Geschäfts. Der "Independent Book Day" findet eben nur einmal pro Jahr statt. Ich kenne viele sehr ehrenwerte Ausnahmen - das Problem ist, dass es leider nur Ausnahmen sind, nicht die Normalität im Buchhandel. Dabei weiß jeder Marketing-Profi: Gesellschaftliches Engagement hat eine hohe Bindungskraft, die Stammkund*innen sichert. In Zeiten, in denen man sich jedes Buch auch über amazon & Co. bequem nach Hause liefern lassen kann, benötigt jede Buchhandlung umso mehr ein eigenes Profil, das die Menschen motiviert, doch lieber in der Buchhandlung des Vertrauens zu kaufen statt beim anonymen Kraken. Persönliches, sichtbares Engagement hat diese Kraft. Nur ein engagierter Buchhandel wird überleben.

  • Sven j. Olsson

    Sven j. Olsson

    Es ist erschütternd, wie in der Beispielrechnung mit dem 'Posten Autor umgegangen wird. Eine Lesung ist Arbeit und Arbeit muss bezahlt werden. Neben der zweite für die Lesung fällt An- und Abreise und Vorbereitungszeit an Alles Zeit, in der der Autor resp. die Autorin nicht schreiben kann. Und vom dem Honorar für 10 verkaufte Bücher kann keiner leben.

  • Thies Thiessen

    Thies Thiessen

    „Der Autor verlangt kein Honorar.“ Der Autor kommt nicht. Die Veranstaltung lohnt nicht.

  • Tanja Weber

    Tanja Weber

    Dass die Basis dieses Geschäftsmodell die Ausbeutung derer ist, der/die ihren"Content" zur Verfügung stellen, ist beschämend. Das bedeutet im Umkehrschluss also, wenn der/die Autor*in Honorar verlangt, rechnet sich die Veranstaltung nicht? Langfristig wird es dann immer weniger Autor*innen geben, denn wer kann sich das leisten, seine Arbeit nicht nur nicht vergütet zu bekommen, sondern auch nicht gewertschätzt?! Ich lebe von meiner Arbeit, nicht allein vom Applaus.

  • Heidi Rehn

    Heidi Rehn

    Es ist wirklich erschreckend, dass die Beispielkalkulation durch den Posten "Der Autor selbst verlangt kein Honorar" ergänzt wird. Verlangen die Bäcker neuerdings auch kein Geld mehr für ihre Semmeln, weil der Verzehr derselben ja Werbung für sie ist? Oder der Arzt kein Honorar, weil sich dank zufriedener Patienten schon herumspricht, dass er ein guter Arzt ist? Erschreckend, dass ausgerechnet diejenigen, von deren Arbeit Buchhändler letztlich existieren (oder wer schreibt die Bücher, die dort verkauft werden?), mal wieder leer ausgehen sollen. Wer verzichtet eigentlich sonst noch so großzügig auf die verdiente Bezahlung seiner Arbeit?

  • Lilli Beck

    Lilli Beck

    Da fragt man sich doch, wer schreibt eigentlich die Bücher, die in den Buchhandlungen verkauft werden und von denen die Inhaber plus Angestellten leben. Sind das alles Hobbyautoren*innen?

  • Marita Spang

    Marita Spang

    Nun bin ich aber doch erst einmal fassungslos. In meinem ehemaligen Hauptberuf als Beraterin wäre nie jemand auf die Idee gekommen, meine Dienste kostenlos in Anspruch nehmen zu wollen. Sozusagen gegen die Reisespesen. Aber als Autorin soll ich ohne Honorar lesen? Meine Fahrzeiten, meine Vorbereitung, bei einer Übernachtung meine Freizeit, die ich wieder einmal allein im Hotel verbringe, bringe ich ja bereits kostenlos ein. Ich liebe meine Lesungen, aber jede Vergütung dafür ist eher ein Taschengeld als ein angemessener Stundenlohn. Und ich komme auch schon einmal einem kleinen Buchhändler entgegen, wenn er sich mein übliches Honorar nicht leisten kann. Aber ich betrachte mich nicht als Wohlfahrtsinstitut für die "Not leidende Buchbranche".

  • Nicole Steyer

    Nicole Steyer

    Unfassbar, dass hier damit gerechnet wird, dass der Autor kein Honorar verlangt. Es ist erschreckend, dass in diesem Artikel propagiert wird, dass Autoren kostenlos arbeiten. Wir leben anscheinend von Luft und Liebe. Am besten sollten wir noch dankbar dafür sein, dass uns der Buchhändler seine Räumlichkeiten als Werbeplattform zur Verfügung stellt. Die erbrachte Leistung, also einen Abend Unterhaltung zu bieten, wird mit Füßen getreten. Dem Autoren entstehen Kosten, er investiert Zeit, muss die Lesung vorbereiten und einen ansprechenenden Abend gestalten. Der Bäcker wird doch auch bezahlt, oder der Fensterputzer, der Handwerker, der die Heizung repariert ,die Band, die bei der Hochzeit der Tochter spielt.... Es ist unfassbar, wie gerade von Buchhändlern, die Leistung der Autoren immer wieder mit Füßen getreten wird. Und es ist beschämend, dass ein solcher Artikel mit dieser Kalkulation überhaupt veröffentlicht wird.

  • Susanne Oswald

    Susanne Oswald

    Der Autor verlangt kein Honorar? Das kann doch hoffentlich nicht ernst gemeint sein. Was ist mit der Arbeitszeit? 30 verkaufte Bücher? Halleluja! Da kommen ja dann 20 bis 30 Euro Honorar ins Haus. Brutto wohlgemerkt, davon gehen nicht nur Steuern sondern auch Krankenversicherung und Altersvorsorge ab.
    Da bleibt Autorin besser zu Hause und schreibt. Respekt ist übrigens keine Einbahnstraße.

  • if

    if

    Autoren geben keine Zwangsrabatte. Die Marge kann nicht immer und überal 20 % + sein...

  • Karin Seemayer

    Karin Seemayer

    Der Autor verlangt kein Honorar? Eine Lesung vorbereiten kostet einige Arbeitstunden. An- und Abreise, eventuelle Übernachtung kosten ebenfalls Zeit und die Lesung selbst ist auch Arbeitszeit. Warum soll ausgerechnet der Autor auf die Bezahlung seiner Arbeitszeit verzichten? Von den paar verkauften Büchern bei einer Lesung kann der Autor sich vielleicht eine Pizza leisten. Im Klartext heißt der Satz "der Autor verlangt kein Honorar" - der Autor zahlt drauf. Mit seiner Arbeitszeit.

  • Maria

    Maria

    Ich manage die Veranstaltung für eine Großfläche in der Fußgängerzone einer Großstadt und der erste Gedanke, der bei mir aufploppte war: Auf welchem Planeten leben Sie, liebe Frau Rosengart?
    Es ist vollkommen unrealistisch, dass AutorInnen kein Honorar verlangen (und die Dreistigkeit, das von Anfang an als ausgeschlossen zu betrachten, muss ich wohl nicht weiter kommentieren). Zwar gibt es AutorInnen, die sich bereit erklären, honorarfrei zu lesen, diese generieren aber ganz sicher keinen Buchumsatz von 850€, geschweige denn einen Ticketumsatz von 320€.
    Wir durften schon große Namen bei uns begrüßen und dann waren wir glücklich, wenn wir nach allen Abzügen bei einem winzig kleinen Plus rauskamen.
    Zeichnen Sie bitte kein falsches, unrealistisches und gänzlich utopisches Bild von Lesungen im Buchhandel. Sie sind wichtig und toll und sollten so oft wie möglich stattfinden, aber sie rechnen sich nicht!

  • Barbara Weiß libro fantastico

    Barbara Weiß libro fantastico

    Eine interessante Rechnung. Als Buchhandlung, die regelmäßig Lesungen veranstaltet und dabei immer mit dem literarischen, strategischen und finanziellen Wert einer Veranstaltungen kalkuliert, finde ich persönlich den Ansatz, der Autorin oder dem Autor kein Honorar zu zahlen, schwierig. Ich denke, ein angemessenes Honorar würdigt die Leistung der Lesenden.

  • Regina Gärtner

    Regina Gärtner

    Ich fasse die Rechnung mal zusammen: Das Barsoritment verdient. Der Buchhandlund verdient. Die Buchhändlerinnen bekommen ihre Arbeitszeit bezahlt (in der Regel). Die Druckerei bekommt Geld für die Flyer. Der Getränkemarkt bekommt natürlich sein Geld, evtl. auch ein Caterer. Dekoladen - na klar.
    Der Buchhandel stöhnt, weil ihm die Leser ausgehen? Er stöhnt, weil die Leute zu den billigeren Selfpublishern oder zu Netflix abwandern? Und doch: Die Buchbranche ist mit ca. 9 Milliarden Umsatz größer als die deutsche Filmbranche, umsatzträchtiger als die deutsche Musikindustrie und finanziell zugkräftiger als die dt. Spielebranche.
    Wer zieht eigentlich die Leute in den Laden? Ich meine die, die nicht wegen der schönen Deko und der Gratsigetränke kommen? Trotzdem können ca. 90% der Autorinnen nicht allein von ihrem Schreiben leben. Das ist noch konservativ gerechnet. Andere sagen, nur 5 %, oder gar nur 3%. Fakt ist, dass der Durchschnittsverdienst von Autoren laut KSK bei 20.909 € liegt! Das sind die offiziellen Zahlen zum 1.1.2018.
    Mal einfach die Rechnung aufzumachen, dass die Autorin oder der Autor auf das Honorar zu verzichten hat, ist ... ja was?
    Wie würden Sie das an Ihrer Stelle bezeichen, wenn jemand davon schlichtweg davon ausgeht, dass Sie umsonst zu arbeiten haben, liebe Frau Rosengart? Unverschämt? Caritativ? Dumm? Sagen Sie es mir.
    Wären Sie dazu bereit, mit Anreise sagen wir mal Minimum anderhalb Tage kostenlos für ein kommerziell ausgerichtetes Event zu arbeiten? Es würde mich wirklich interessieren. Wirklich.

  • Bettina Pecha

    Bettina Pecha

    Ihr Artikel überrascht und befremdet mich. Warum sollte ausgerechnet der Autor, der die Hauptleistung für das zu verkaufende Produkt erbringt, leer ausgehen? Die Arbeit eines Autors ist kein Ehrenamt, sondern ein anspruchsvoller, harter Beruf. Eine angemessene Honorierung dieser Leistung bedeutet nicht nur Wertschätzung. Sie ist vor allem die Voraussetzung dafür, dass auch in Zukunft gute Bücher in den Regalen der Buchhandlungen zu finden sind.

  • Hans Stephans

    Hans Stephans

    Ich musste den Artikel zweimal lesen, weil ich gemeint habe, ihn falsch verstanden zu haben. Jeder (außer der Inhaberin) bekommt seine Arbeitsleistung bezahlt, außer dem Autor. Und der hat den größten Anteil der Leistung für den Event erbracht. In Deutschland gibt es ja den Mindestlohn. Der gilt aber nicht für Autoren, die dürfen für lau arbeiten. Das ist eine Frechheit.
    Wahrscheinlich ist dies aber inzwischen die Realität, wenn man kein bekannter Autor ist.
    Da ist die Zeit beim Schreiben sicherlich sinnvoller genutzt.

  • Johannes Groschupf

    Johannes Groschupf

    Man könnte noch Kosten einsparen, wenn man den Autor, der kein Honorar verlangt, auf der Couch im Hinterzimmer der inhabergeführten Buchhandlung nächtigen und seine An- und Abreise selbst zahlen lässt. 1250 Euro Ausgaben minus 250 Reise- und Übernachtungskosten = 1000 Euro Ausgaben – gegenüber 1170 Euro Einnahmen. Ein Gewinn von 170 Euro. Hört sich schon besser an. Die übrig gebliebenen Getränke und Knabbereien sollte man jedoch vor dem Autor wegschließen.

  • Antje Szillat

    Antje Szillat

    Der Autor verlangt also kein Honorar - das wird von vornherein schon so kalkuliert. Herzlichen Glückwunsch zu diesem unseriösen Geschäftsmodell und einen ganz besonders lieben Dank an die engagierten und wertschätzenden Buchhändlerinnen und Buchhändler, die niemals auch nur im Ansatz auf die Idee kommen würden, den Kostenpunkt "Autorenhonorar" in ihrer Kalkulation nicht zu berücksichtigen. Ansonsten finde ich es mehr als befremdlich, dass ein Beitrag mit so einer "Aussage" überhaupt veröffentlicht wird.

  • Inge Löhnig / Ellen Sandberg

    Inge Löhnig / Ellen Sandberg

    Diese Kalkulation, bei der der Autor bzw. die Autorin auf das Honorar zu verzichten hat, ist nicht nur bodenlos frech, sondern offensichtlich dumm. Von mangelnder Wertschätzung will ich hier jetzt gar nicht reden. Denn, wie Frau Rosengart schreibt, sind Veranstaltungen für den Buchhandel wichtiger denn je. Der Buchhändler muss seiner Kundschaft einen interessanten Abend bieten. Für acht Euro kann man auch ins Kino gehen. Das Publikum erwartet also gute Unterhaltung, bzw. den ‚echten Mehrwert’, wie Frau Rosengart schreibt. Und weder die gute Unterhaltung noch den echten Mehrwert gibt es für lau.

  • Inge Luett

    Inge Luett

    Kann es sein, dass der Text etwas zu früh veröffentlicht wurde? Der 1. April ist erst nächsten Monat.

  • A. Steigerwald

    A. Steigerwald

    Was in diesem Beitrag so smooth als "After-Work-Event" imaginiert wird, ist nichts anderes als ein "Work-Event" für Autor*innen - und muss monetär entsprechend angemessen honoriert werden. Als Veranstalterin von Lesungen in ähnlichem Umfang kann ich mich den anderen Kommentaren nur anschließen. Auch die übrigen Kalkulationspunkte (bzgl. investierter Arbeitszeit, bzgl. "Output" usw.) streifen die realen Umstände m. E. nur peripher. Solche Veranstaltungen "rechnen" sich nicht unbedingt; sie sind jedoch fraglos ein unschätzbar wichtiger Beitrag für alle - im Sinne einer lebendigen Literaturvermittlung und -landschaft.

  • Marion Tauschwitz

    Marion Tauschwitz

    nomen est omen: Hört gut zu, Autorinnen und Autoren: I never promised you a rosengarden.

  • Werner Schlegel u. Marit Rullmann

    Werner Schlegel u. Marit Rullmann

    Neulich in einer örtlichen Buchhandlung: Lesungsterminabsprache für den Herbst mit unserem aktuellen Buch. Wie, was wo; wann ist der beste Tag. Hier: Sonntagnachmittag. Das "work- after-event" (wir schreiben ja offenbar alle in Englisch  ) soll ein Mittelding zwischen Lesung und philosophischem Café werden. Alles geklärt – nur von Honorar fiel noch kein Wort. Also frage ich (WSch) schließlich nach. Der Buchhändler ist nicht sehr begeistert (was wir verstehen). Aber immerhin, irgendwas zwischen 100 u. 150 € wird's wohl geben. Eine klare Ansage allerdings unterbleibt. Dafür der Hinweis, dass die lokalen selfpublisherinnen aber neulich umsonst gelesen… Ja, das ist eines von mehreren Problemen bei der Sache: Es gibt diese – ja, was? Hobbyschreiber*innen; nur der Autor*innen-Eitelkeit verpflichteten? – jedenfalls umsonst Lesenden inzwischen hundertfach. Sie haben fleißig daran mitgewirkt, den Lesungsmarkt zu zerstören. Dazu kommen renommierte TV-Stars, die mit fremden Federn Honorare im Tausenderbereich kassieren, ob bei der Lit-Cologne oder den Ruhrfestspielen. Wir haben erlebt, wie bei letzteren der verschlafene Fernsehstar sich durch eine Kafka-Lesung haspelte. Eingeleitet mit seinem Hinweis, er habe eigentlich keinen Bezug zum Autor, jedoch immerhin spät nachts im Hotel mal kurz den zu lesenden Text überflogen. So hörte sich das dann auch an. Die Wahnsinns-Honorare, die bei solchen "Events" klaglos ausgeschüttet werden, fehlen für alle anderen Kultur-Veranstaltungen. Übrigens: Für bestsellernde Krimi-Autoren zahlen auch viele Buchhandlungen ohne Wimperzucken 800 € Honorar, plus Spesen. Die Abschlussfrage unseres Buchhändlers, weshalb sich eigentlich (größere/d.A.) Verlage nicht an den Lesehonoraren beteiligen, konnten wir leider auch nicht beantworten. Vielleicht weiß Frau Rosengart ja Rat, mit einer hübschen kleinen Kalkulation…

  • Andreas Schlüter

    Andreas Schlüter

    Oh, eine neue Börsenblatt-Reihe? Nächste Woche: Kalkulation einer neuen Heizungsanlage; der Klempner verlangt keinen Arbeitslohn. In der Woche drauf dann Kalkulation Buchgeschenke zu Weihnachten: Der Buchhändler verlangt keine Prozente vom Verkaufspreis. Und zuletzt: Kalkulation einer neuen Börsenblatt-Ausgabe: Die Redakteure verlangen kein Gehalt.
    Oder warum sonst druckt das Börsenblatt solch einen unverschämten Unfug?

  • Christiane Geldmacher

    Christiane Geldmacher

    Ging dieser Artikel unredigiert online? Ohne die Autoren hätten die ganzen "Zweitverwerter" keinen Job. Ich begreife nicht, wie man beim Börsenblatt so eine Rechnung durchgehen lassen kann. #Qualitätssicherung

  • Micaela Jary

    Micaela Jary

    Zunächst einmal ist der Autor nicht das letzte Glied in der Kette, sondern das erste. Das bitte ich, nicht zu vergessen. Ich finde es ein wenig befremdlich, wenn eine ehemalige Buchhändlerin das nicht weiß (glücklicherweise wissen es aber viele andere noch amtierende Buchhändler, die nicht nur Bücher, sondern auch Autoren dankenswerterweise wertschätzen). Grundsätzlich vorauszusetzen, dass ein Autor/eine Autorin kein Honorar für eine Lesung verlangt, finde ich ausgesprochen merkwürdig. Da es sich bei der Autorin des Beitrags nicht nur um eine ehemalige Buchhändlerin, sondern auch um die Geschäftsführerin eines Verlages handelt, weiß sie um die prozentuale Beteiligung des Autors/der Autorin am Verkauf des eigenen Buches. Sie kennt also die Verdienstsituation, die oftmals sehr gering ist. Wie kommt man unter diesen Umständen darauf, dass der/die AutorIn auf ein Honorar überhaupt nur verzichten kann? Ich rede nicht von persönlichen Absprachen, Freundschaftsdiensten oder Wohltätigkeitsveranstaltungen. Ich weiß auch, dass Bestsellerautoren und -autorinnen höhere Lesehonorare erhalten und vielleicht auch verdienen. Möglich wäre für den Buchhandel, die Kosten für den Autor/die Autorin von anderer Seite zu bekommen, also etwa über eine Kulturstiftung oder anderen Förderern von Lesungen, manchmal springen auch Verlage für Spesen ein, so dass dieses Geld für das Honorar frei wird. Aber darüber steht leider nichts in dem Bericht, stattdessen wird von einem grundsätzlichen Verzicht ausgegangen. Fazit: Es soll jemand auf Kosten eines anderen Profit machen. So mag die Welt tatsächlich manchmal laufen, aber seriös geht anders.

  • Holger Ehling

    Holger Ehling

    Bevor hier weiter mit Schnappatmung kommentiert wird: Frau Rosengart schreibt ausdrücklich NICHT über eine/n freie/n Autor/in von Belletristik oder Sachbüchern, sondern über jemanden aus dem Bereich Coaching/Beratung/Business.
    Diese Autorengruppe verdient ihren Lebensunterhalt anderweitig und nutzt Buchveröffentlichungen als Marketinginstrument für Seminare etc.
    Von daher ist ihre kalkulatorische Annahme, dass kein Autorenhonorar gezahlt wird, der Realität geschuldet.
    Was wieder einmal zeigt: Wer liest, ist klar im Vorteil...

  • Gabriella Engelmann

    Gabriella Engelmann

    Auch ich möchte ich mich gegen den Gedankenansatz verwahren, die Kalkulation auf der Aussage "Autor kostet nix" basieren zu lassen. Selbstausbeutung ist in unserer Branche leider schon viel zu lange an der Tagesordnung. Können wir uns irgendeine andere Art der Veranstaltung vorstellen (Konzert, Theaterabend, Ausstellung), bei der vorausgesetzt wird, dass der Künstler, immerhin Schöpfer des Werks, seine kostbare Zeit einfach so verschenkt? Ich selbst mache dur nur in ausgewählten Fällen, wie z.B. Charity-Events, und das dann sehr gern. Was sagt diese Kalkulation eigentlich über den Beruf des Autors aus? Machen wir das alle, um uns selbst zu verwirklichen, als reines Hobby? Ja, wir lieben diesen Beruf, genau wie Buchhändler den ihren lieben. Ohne dieses Herzblut, Engagement und Kreativität sähe es in unserer Branche schon lange fnsterer aus. Ich plädiere für mehr Selbstbewusstsein. Ein tolles Buch ist ein tolles Buch, ein toller Abend in einer tollen Buchhandlung ist ein toller Abend. Und sollte deshalb allen Beteiligten etwas wert sein. Was sind schon acht Euro Eintritt? Kinokarten kosten mittlerweile mehr ... und die werden auch nicht verschenkt!

  • Maja Wiens

    Maja Wiens

    "Der Autor selbst verlangt kein Honorar". Dieser Autor lebt zukünftig nur noch von Worten. Die schickt er an seinen Vermieter, legt sie an der Kasse im Supermarkt vor und gibt sie seinen Kindern zum Spielen.

  • Ursula Rosengart

    Ursula Rosengart

    Herzlichen Dank für all Ihre Beiträge in den letzten Tagen! Natürlich habe ich die Diskussion auch von Leipzig aus mit großem Interesse verfolgt, komme aber erst jetzt dazu, sie meinerseits zu kommentieren.

    Auch wenn er in meinem Text erwähnt ist, hätte ich einen Punkt vielleicht noch stärker akzentuieren sollen: Das gewählte Rechenbeispiel bezieht sich auf den GABAL Verlag, also ausdrücklich auf UNSERE Autorinnen und Autoren. Diese verdienen ihren Lebensunterhalt in der Regel als Trainer, Coaches oder Redner. Für sie sind Bücher also vor allem ein wichtiger Aspekt ihres Außenauftritts. Insofern ist es für sie interessant, mit attraktiven Partnern wie Buchhandlungen Veranstaltungen durchzuführen. Und wenn wir als Verlag solche Auftritte häufiger ermöglichen, weil sie die Buchhandlungen nichts kosten, dann ist das für unsere Autorinnen und Autoren nicht nur irgendwie „okay“, sondern wir folgen damit ihrem ausdrücklichen Wunsch.

    Natürlich weiß ich, dass sich das etwa im Bereich Belletristik anders darstellt. Darüber kann ich aber nicht im Detail Auskunft geben, hier sind andere Verlage aufgerufen, sich an der Diskussion zu beteiligen; eine Diskussion, die ich übrigens für sehr wichtig halte und die nicht zuletzt von einer Umfrage angestoßen wurde, die Ellen Braun und Matthias Koeffler unter unabhängigen Buchhandlungen zum Thema Veranstaltungskosten durchgeführt und auf der future!publish präsentiert haben. Letztlich geht es ja darum, die Interessen von Autorinnen und Autoren, Buchhandlungen und Verlagen immer wieder aufs Neue auszubalancieren, sprich: zu verhandeln. Je nach Genre, Format, Partner und Anlass kann dabei sehr Verschiedenes herauskommen. Und in BESTIMMTEN Fällen kann ein fairer Deal eben auch beinhalten, dass Autorinnen und Autoren auf ein Honorar verzichten – weil ihnen Verlag und Buchhandlung mit der Organisation einer gelungenen Veranstaltung etwas bieten, das für DIESE Autorinnen und Autoren schlicht wertvoller ist.
    Ursula Rosengart

  • Dr. Bettina Hennig

    Dr. Bettina Hennig

    Ich bin fassungslos, dass in dieser Kalkulation so selbstverständlich ohne das Honorar der Autorinnen und Autoren gerechnet wird. Die Hauptakteure der Buchbranche soll leer ausgehen? Selbst Salzgebäck wird einkalkuliert? Das ist traurig und ein Hohn für alle Autorinnen und Autoren.

  • Heidi Rehn

    Heidi Rehn

    Sehr geehrte Frau Rosengart,
    herzlichen Dank für Ihre Ausführugen. Es wäre hilfreich gewesen, wenn Sie in Ihrem Beitrag von Beginn an auf diesen von Ihnen Unterschied explizit hingewiesen hätten. Wobei den o.g. Ausführungen einiger AutorInnen, die aus dem Wirtschafts-/Coachingbereich kommen, bereits zu entnehmen ist, dass auch für diese der Verzicht auf Honorar keine selbstverständliche Option ist.
    Für professionelle BelletristikautorInnen sind fair honorierte Lesungen, wie hinlänglich klar wurde, ein wesentlicher Bestandteil des Einkommens. Das bei einer solchen an Buchhandlungen gerichtete Empfehlung zu unterstreichen, halte ich für wesentlich.
    Es wäre interessant zu wissen, was Sie für "schlicht wertvoller" erachten als angemessene Bezahlung für eine erbrachte Leistung.
    Charity-Events seien in diesem Zusammenhang ganz bewusst ausgeklammert. Aber Ihnen geht es offensichtlich ohnehin allein um den Benefit für die Buchhandlungen und nicht für Events für den guten Zweck.
    Besten Dank für Ihre Antwort!

  • Micaela Jary

    Micaela Jary

    Lieber Holger Ehling, wer liest, ist zwar definitiv im Vorteil - wer verständlich schreibt, aber auch. Im Übrigen empfinde ich diese Bemerkung als etwas polemisch.
    Ich kann dem Text von Ihnen, liebe Frau Rosengart, an keiner Stelle entnehmen, dass es sich "bei dem gewählten Rechenbeispiel" um eine Situation handelt, die sich ausschließlich auf Ihren Verlag bezieht. Nun bin ich blond, vielleicht liegt es daran. Allerdings scheinen auch andere Leserinnen Ihres Vorschlags diese Einzelfall-Darstellung nicht zu verstehen. Deshalb danke ich für die Aufklärung und bleibe trotzdem mit reichlich Irritation zurück. Ich kenne natürlich auch eine Reihe von wohlhabenden Leuten, die aus lauter Eitelkeit Bücher schreiben und die erste Auflage selbst aufkaufen, geschweige denn, für Lesungen selbst bezahlen. Aber ist das wirklich die Autorschaft, die dem Buchhandel zu Werbung und Sichtbarkeit verhilft? Das wage ich - mit Verlaub .- aber doch zu bezweifeln.
    Einen schönen Tag noch.

  • Regina Gärtner

    Regina Gärtner

    @HolgerEhling, wer andere Kommentatoren mit "Schnappatmung" diskreditieren muss, dem sind wohl die Argumente ausgegangen. Wir sind alle des Lesens mächtig und haben sehr wohl, wie von Frau Rosengarten ja nun schon selbst angemerkt, gelesen, dass dann wohl der EINE bedeutsame Hinweis fehlt, dass Sie sich ausschliesslich auf ihre Fach-AutorInnnen bezieht. Das hätte dem Artikel sehr wohl dem richtigen Dreh gegeben. Natürlich ist deren Betätigung als Nebenbei-Autoren anders einzuschätzen.
    Diese Lesungen von ausgewiesenen "Professionals" machen allerdings nur einen verschwindend geringen Bruchteil der Lesungen in den Buchhandlungen aus. Man muss dann eben auch das Kind beim Namen nennen.
    Bleibt die Frage, warum sie eigentlich auf Lesungshonorare verzichten. Weil sie es sich leisten können. Klar. Aber würden nicht genau diese "Professionals" in ihren Ratgebern ihrer Leserschaft den Tipp geben, sich nicht unter Wert zu verkaufen? Irgendwas passt da nicht.

  • Christiane Geldmacher

    Christiane Geldmacher

    Ich verstehe immer noch nicht, wieso FachautorInnen kein Honorar für eine Lesung bekommen sollen. Ich verstehe die feine Unterscheidung zur Belletristik nicht. Wir sind auch als Coaches, DozentInnen etc. unterwegs. Das ganze Konstrukt stimmt nicht, es hat eine Schieflage und ist nicht wünschenswert. Sicherlich nicht als Empfehlung, wie Buchhandlungen kalkulieren sollten.

  • Buchhändlerin

    Buchhändlerin

    Ehrlich gesagt, bin ich sehr irritiert über diesen Beitrag - wie die meisten meiner Vorredner. Ich bin Buchhändlerin und plane, mich in den nächsten Jahren selbstständig zu machen. Einen ersten Businessplan legte ich bereits einem Kreditinstitut vor. Mit der oben angebenen Kalkulation hätte ich sofort einen Kredit bekommen, ist sie doch wirklich lächerlich gering - denn Veranstaltungen, auch Lesungen, plane ich fest mit ein. Doch meine Kalkulationen sahen deutlich anders aus.
    Schade, diesem Artikel fehlt eindeutige Zuweisung und Erklärung!

  • Ralf Kramp

    Ralf Kramp

    Völlig absurd! Da weiß ich gar nicht wohin mit meinen Emotionen. Als häufig vorlesender Autor, als Verlagsleiter, als Ehemann einer Buchhändlerin ...
    Es ist so eine Mischung aus Ärger, Wut und Fremdscham, die mich da schüttelt.

  • Karlson

    Karlson

    Ich arbeite seit über elf Jahren als Autorin. Da ich nicht ganz unbekannt bin, werde ich sehr häufig eingeladen und lese pro Jahr vor weit über 1000 Kindern und Jugendlichen. Allerdings nie im Buchhandel! Die Veranstalter sind Büchereien. Die sind sehr engagiert und auch bereit, ein faires Honorar zu zahlen. Ich kenne keine Autoren, die gratis lesen würden. Ausnahmen sind Veranstaltungen für einen guten Zweck, für Kooperationspartner, oder eben kleine besondere Buchhandlungen im eigenen Dorf. Und damit sind die Ausnahmen auch schon aufgezählt.
    Dieser Artikel macht einfach nur wütend. Er zeigt, was in der Buchbranche gerade schief läuft. Die Wertschätzung ist am Fußboden. Kein Wunder, wenn es mit dem Buchberg abgeht.

  • Ole Schoen

    Ole Schoen

    Liebe Frau Rosengart,

    Sie verstehen aber sicherlich, dass man Ihren Beitrag hier sehr kritisch sieht, da die rigorose Aussage "der Autor verlangt kein Honorar" die Gefahr birgt Buchhändlern, denen Sie ja nun mal Veranstaltungen ans Herz legen wollen, Flausen in den Kopf setzt. Sollte Ihr Artikel auch noch gedruckt im Boersenblatt erscheinen, kann dies verheerende Auswirkungen haben.

    Und dass Sie nun differenzieren und von Ihren Autoren im Sachbuchbereich ausgehen, ist zwar erhellend, dennoch aber zu spät angemerkt, in der Kommentardiskussion zu Ihrem Artikel. Der Schaden ist bereits angerichtet in den Köpfen manch eines Buchhändlers.

    Ich muss Ihnen außerdem sagen, dass ich nicht in Ihrem Verlag veröffentlichen und auch anderen Schriftstellern Ihren Verlag nicht empfehlen werde.

  • Eva Stapper

    Eva Stapper

    Als kleine Buchhandlung, die regelmässig Veranstaltungen durchführt, zahlen wir den Autor*innen nicht nur Reise- und Hotelkosten, sondern auch ein Honorar. Denn schließlich wurde mit der Lesung eine Leistung erbracht, die "honoriert" werden muss. Darüber hinaus zahlen wir auch Beiträge zur Künstlersozialkasse, auch diese Position fehlt in der Beispielrechnung. Die dargelegte Rechnung ist meines Erachtens ganz weit weg von der Realität, auch was die Anzahl der verkauften Bücher für einen solchen Abend entspricht.

  • Maja Wiens

    Maja Wiens

    Vielen Dank Frau Stapper - so stelle ich mir das vor. Falls ich demnächst ein Buch bestelle, dann bei Ihnen in der Ruhrtal-Buchhandlung Schwerte. Ich bin froh, dass es noch Buchändlerinnen wie Sie gibt.

  • Monika Kempf

    Monika Kempf

    Du meine Güte! Schade nur, dass unter den mitlesenden/kommentierende Autor*innen jetzt die Buchhandlungen den schwarzen Peter bekommen. Natürlich zahlen wir Reisekosten und Honorare. Übrigens beteiligen wir uns häufig auch an den Kosten, wenn die Lesung in der Bücherei oder bei einem Kooperationspartner stattfindet, meist hälftig. Das steht dann halt bloß nicht auf der Überweisung. Und wir veranstalten Lesungen, die sich oft nicht rechnen. Weil wir den Menschen Kultur, Unterhaltung u.v.m. bieten WOLLEN.

    Eine von vornherein klare Formulierung von Frau Rosengart wäre m.E. sehr hilfreich gewesen.

  • Hermann Eckel

    Hermann Eckel

    Das Problem ist weniger, ob es akzeptabel oder gar moralisch vertretbar ist, Autoren ohne Honorar Lesungen abhalten zu lassen, selbst wenn es sich um Business-Autoren und Coaches handelt.
    Ich lege in diesem Zusammenhang allen Diskutanten die Lektüre von Nicholas Novell's "The Curve" (dt. "Die Kurve" bei Hanser) ans Herz. Da kann man lernen, dass das, was den allerhöchsten Wert hat (weil am knappsten bemessen): nämlich die Zeit eines Menschen, am besten dotiert sein sollte. Musiker/Bands, gerade auch unbekannte, sind da zum Teil inzwischen extrem kreativ und bieten Fans exklusive Wochenenden mit ihnen u.ä. - und verdienen sehr gut daran. Dafür muss man aber eben auch eine echte Fanbase aufbauen, und da ist für viele Autoren und Verlage sicher noch einiges zu tun ... Viele Selfpublisher wiederum sind da sehr viel weiter. Daher ist das eigentliche Problem von Frau Rosengarts Artikel, dass sie die Annahme zementiert, dass man (d.h. Buchhandlungen u.a.) mit "Lesungen" kein Geld verdienen könne und solche Veranstaltungen daher ganz knapp kalkuliert werden müssten, statt hier eine echte Einnahmechance für Autoren zu wittern. Bei klassischen Wasserglas-Lesungen mit zu wenig Platz in der Buchhandlung und unbequemen Stühlen fürs Publikum ist da wohl leider auch nicht viel zu holen. Aber wenn eine Buchhandlung von vorne herein als Eventspace konzipiert würde, Autoren-Auftritte (bewusst nicht: Lesungen) völlig neu vom Standpunkt des Kundennutzens gedacht würden und Buchveranstaltungen damit einen echten, ähem, Sex Appeal hätten, sähe das schon ganz anders aus ...

  • Winfried Ohlerth

    Winfried Ohlerth

    Als Dreifachbetroffener (Buchhändler, Verleger und Autor) kann ich den Artikel nur als "unterirdisch" betrachten. Er wäre besser nicht im Börsenblatt veröffentlicht worden. Frau Rosengart hat auch nicht ansatzweise eine halbwegs realistische Kalkulation vorgelegt. Geradezu obszön ist ihre Voraussetzung, das der Autor/die Autorin umsonst arbeiten sollen, während ein Honorar für die Arbeit des Buchhändlers/der Buchhändlerin unrealistischer Weise eingerechnet ist. Auch die Annahme von 30 sicher verkauften Exemplaren ist keineswegs realistisch.

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