Diskussion im Fachforum der Leipziger Buchmesse

Wie arbeitet ein Buchhändler 2030?

Werden Bücher 2030 per Drohne in die Buchhandlung geliefert, wenn das Regal automatisch ein Buch nachbestellt? Vielleicht. Doch die Zukunft im Buchhandel hat bereits begonnen, wie eine Diskussion im Fachforum der Leipziger Buchmesse zeigte. MICHAEL ROESLER-GRAICHEN

Monika Kolb, Sarah Backfisch, Stephanie Lange und Daniel Rieger (von links)

Monika Kolb, Sarah Backfisch, Stephanie Lange und Daniel Rieger (von links) © Gaby Waldek

Sarah Backfisch von Thalia in Bremerhaven, die Vertriebsberaterin Stephanie Lange und Daniel Rieger, Leiter B-to-B, Ausland und Lizenzen bei der Westermann Gruppe diskutierten unter dem Motto "Künstliche Intelligenz steuert Bücherregale" mit Monika Kolb, Geschäftsführerin des mediacampus in Frankfurt am Main, über künftige Arbeitsbedingungen und berufliche Anforderungen von Buchhändlern.

Das automatische Nachbestellen von Büchern gebe es schon heute, sagte Stephanie Lange. Moderne Warenwirtschaftssysteme verfügten über eine Autodispo-Funktion, die automatisch nach dem Verkauf Exemplare nachordert.

Sarah Backfisch

Sarah Backfisch © Gaby Waldek

In der Thalia-Filiale, in der Sarah Backfisch arbeitet, kommen Tablets im Einsatz, die während der Kundenberatung beispielweise Bestandsinformationen liefern. Mit Hilfe von "Gisela", so der Kosename für das Gerät, kann die junge Buchhändlerin außerdem Bestellungen aufnehmen, Titel vorbestellen, Reservierungen bearbeiten und mit dem Kunden auf der Verkaufsfläche abrechnen. Für die Thalia App, über die Kunden mobil Titel bei Thalia bestellen können, schreibt sie Rezensionen, die dann wiederum über einen Algorithmus weitere Buchempfehlungen generieren. Die Kunden haben wiederum die Möglichkeit, Ihren Lieblingsbuchhändlern zu folgen.

Daniel Rieger

Daniel Rieger © Gaby Waldek

Für Daniel Rieger, der für die Verlagsseite auf dem Podium saß, gibt es derzeit eine doppelte Perspektive: Während der Verlag nach wie vor mit gedruckten Büchern unterwegs ist, erwarten berufsbildende Schulen verstärkt digitale Produkte. Gefragt seien nicht mehr PDFs, sondern Inhalte mit Zusatzleistungen, zum Beispiel Videos. Noch könnten viele Schulen die Chancen der Digitalisierung nicht nutzen, da viele Schulen noch keine Breitbandanbindung und WLAN-Versorgung haben. "Für progressive Lehrer haben wir aber schon Produkte, die sich vom Buch lösen", so Rieger. Ein Beispiel sei digitaler Content für die IHK-Abschlussprüfung.

Stephanie Lange

Stephanie Lange © Gaby Waldek

Bei allem technischen Fortschritt dürfe die menschliche Ebene nicht außer Acht bleiben, so Stephanie Lange. "Menschen reden mit Menschen in der Buchhandlung." Je mehr Geschäftsprozesse im Hintergrund digital abgewickelt werden können, desto besser könne man sich auf den Kunden konzentrieren. Als Führungskraft im Buchhandel müsse man darauf achten, serviceorientierte Mitarbeiter einzustellen, die über die nötige technologische Kompetenz verfügen. Das gelte natürlich auch für den Verlag, so Rieger. Dort müssten die Mitarbeiter auf allen Ebenen geschult werden.

Die Zukunft des Buchhandels könnte in wenigen Jahren noch ganz andere Formen annehmen, meinte Stephanie Lange, die vor ihrer Tätigkeit als Beraterin für Hugendubel gearbeitet hatte. So könnte es virtuelle Einkaufsumgebungen geben, in denen der Käufer in einer programmierten Buchhandlung virtuell Bücher aus dem Regal nehmen, durchblättern und bei Bedarf kaufen kann. In der Weiterbildung, so Daniel Rieger, seien virtuelle Umgebungen schon jetzt Realität. Es würde nur wenige Jahre dauern, bis es auch virtuelle Seminarräume und Bibliotheken gebe.

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4 Kommentar/e

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  • Buch-Max

    Buch-Max

    Gäbe es Schulnoten für die Diskussion im Fachforum zum Thema ‚ Wie arbeitet der Buchhändler im Jahr 2030 ?‘ bekämen alle für Ihre Fantasie und Vorstellungskraft ein Mangelhaft bzw. Ungenügend. Ebenso für deren Vorbereitung auf dieses Thema.
    Tablets schon heute bei Thalia und 2030 immer noch? Ein Witz. Die App, lächerlich. Serviceorientierte Mitarbeiter und deren technologische Kompetenz? Virtuelle Einkaufserlebnisse? Digitalisierung nutzen? Haaresträubend. Sollte sich in 10 Jahren so wenig weiter entwickelt haben, dann gute Nacht Buchhandel. Wieso wurden nicht Vertreter von Osiander eingeladen, die im Buchhandelsbereich allen anderen immer um Längen voraus sind?
    Was ist mit neuen Bezahlformen, die bereits heute im Lebensmittelbereich angewendet werden? Wer benötigt in 10 Jahren serviceorientierte Mitarbeiter, wenn bis dahin bestens geschulte Roboter dem Kunden jeden Wunsch über Smartphone und Social Media Plattformen ablesen? Auf der Seite http://www.willrobotstakemyjob.com erfährt der Buchhändler bzw. Verkäufer zu 92%iger
    Wahrscheinlichkeit ein Ablösung durch Roboter. Wieso sollten Kunden Buchhandlungen besuchen, wenn sie virtuell Einkaufserlebnisse in Buchhandlungen verschaffen, die sie sich individuell erstellt haben? Sind digital produzierte Bücher bis dahin noch zeitgemäß?
    Dilettantischer und enttäuschender hätte eine solche Diskussion nicht ablaufen können - dies offenbart die ganze Misere im Buchhandel.

  • S. Backfisch

    S. Backfisch

    Sehr geehrter Buch-Max,
    schade, dass Sie Ihre Kritik und Ihre Anregungen nicht direkt vor Ort an mich oder an die anderen Diskussionsteilnehmer gerichtet haben.
    Die von Ihnen aufgezählten Beispiele sind eine mögliche Version. Mein Wunsch für die Zukunft ist jedoch, dass die Buchhandlung ein Ort der Begegnung bleibt und der Mensch im Mittelpunkt steht.

  • A.Horst

    A.Horst

    Für mich als selbständige Buchhändlerin in der Provinz stellt sich die Zukunft gänzlich anders da. Meine Kunden, zunehmend auch jüngere Kunden, nehmen gerne das Angebot des analogen Raumes an. Die haptische Erfahrung mit einem Buch ist mittlerweile für viele lesekompetente und interessierte Kunden ein Argument die Buchhandlung zu besuchen. Auch der soziale Kontakt, besonders für die älteren Leser, hat einen hohen Stellenwert. Eine höherer Digitalisierungsgrad würde bei meinen Kunden eine ganz neuer Schwellenangst auslösen. Insgesamt gehen die Käuferzahlen jedoch zurück (mangelnde Lesekompetenz, funktionales Analphabetentum). Meine Buchhandlung stellt daher schon seit geraumer Zeit auf Zusatzleistungen die i.d.R. nicht im Netz erhältlich sind um. Leider zu Lasten des gedruckten Buches ....

  • Thorben

    Thorben

    Gerade habe ich es bei https://job-futuromat.iab.de/ mit "Buchhänder/in Sortiment" probiert und komme da auf 50% Automatisierbarkeit des Berufes. Von 92% also weit entfernt.

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