Lieblingstitel Buchhandlungspreis-Gewinner (12)

"Keiner, der dieses Buch anschaut, wird unberührt bleiben"

Die Gewinner des Deutschen Buchhandlungspreises 2018 haben bei der Preisverleihung in Kassel ihr Lieblingsbuch in die Kamera gehalten. Das Börsenblatt hat bei den Buchhändlern nachgefragt, warum sie "ihr" Buch so schätzen. Im vorletzten Teil unserer Serie haben wir die Gewinner aus Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein gefragt:

© Andreas Fischer

Buchhandlung Fritz Wahle, Magdeburg

Wolfram Wahle

Lieblingsbuch: Friedrich Christian Delius: "Der Sonntag, an dem ich Weltmeister wurde", Rowohlt Taschenbuch, 128 S., 8,99 Euro

Begründung: "Eindringlich hat mir vor über 20 Jahren der damalige Rowohlt-Vertreter dieses schmale Buch empfohlen, das auf den ersten Blick eine Erzählung über Fußball versprach. Eigentlich gar nicht mein Thema. Doch schon die ersten Seiten dieser Erzählungen zeigten eine Welt, die auch mir nicht unbekannt war: Es enstand eine ungemeine Sympathie zum elfjährigen Ich-Erzähler bei mir,  auch wenn uns eine Generation trennte. Mein Interesse für die Bücher von F.C.Delius war geweckt und hält bis heute."

© Andreas Fischer

Buchhandlung Jacobi & Müller, Halle (Saale)

Raimund Müller

Lieblingsbuch: Johann Adam Bergk: "Der Buchhändler oder Anweisung, wie man durch den Buchhandel zu Ansehen und Vermögen kommen kann"

Begründung: "Der Titel sagt alles."

© Andreas Fischer

Buchhandlung Das Druckwerk, Bad Segeberg

Lars Arndt

Lieblingsbuch: Guiseppe Tomasi die Lampedusa: "Der Gattopardo", Piper, 368 S., 12 Euro

Begründung: "Nach Sachbüchern hat mich dieser Roman wieder zur Literatur hingeführt, er hat eine große Bedeutung für mich."

© Andreas Fischer

Buchhandlung maKULaTUR, Lübeck

Regina Giese und Birgit Böhnke

Lieblingsbuch Regina Giese: Anne Brannys: "Eine Enzyklopädie des Zarten", Frankfurter Verlagsanstalt, 33 S., 38 Euro
Begründung: "... weil die Gestaltung des Buches mit seiner Typografie, seinen Transparenzen und dem Wechselspiel von Zeigen und Verbergen der teils unaufgeschnittenen Seiten ganz der fragilen Thematik dieser künstlerisch-wissenschaftlichen Dissertation 'Über das Zarte'  entspricht."

Lieblingsbuch Birgit Böhnke: Barbara Zoeke: "Die Stunde der Spezialisten", Die Andere Bibliothek, 300 S., 42 Euro
Begründung: "Hochgeschätzt, eine ungewöhnlich pulsierende und doch stille Erzählung von der Preisgabe jeder ethischen Dimension der Medizin an die Tötungsphantasien der Machthaber in Hitlers Deutschland, konzentriert auf einen handverlesenen Personenkreis von Betroffenen einerseits, andererseits aus der Sicht der Schergen vermittelt. Cover und illustrierter Vorsatz korrespondieren mit der Grundmelodie einer –  bei aller Präzision –  fast traumwandlerischen Auflösung und Entgleisung."

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Peter Panter Buchladen, Meldorf

Jan Klabunde

Lieblingsbuch: Lars Mytting: "Die Birken wissen’s noch", Insel, 515 S., 12 Euro

Begründung: "Sehr schön übersetzt aus dem Norwegischen, ein Gesamtkunstwerk von Sprache und Geschichte, außerdem auch eine tolle Liebesgeschichte."

© Andreas Fischer

Scheller Boyens Buchhandlung, Heide

Dierk-Marten Scheller und Gabriele Scheller

Lieblingsbuch Gabriele Scheller: Dörte Hansen: "Mittagsstunde", Penguin, 319 S., 22 Euro
Begründung: "Man sagt ganz oft, dass das zweite Buch eines Schriftstellers das schwerste sei, daran wird er oder sie gemessen. So gesehen, hat Dörte Hansen ihr Meisterstück abgeliefert, ein nachdenklicher, warmherziger, kenntnisreicher Roman über eine untergehende Welt. Ein Abgesang auf das Dorf, wo die Knicks planiert, die Kastanien abgeholzt und die Kuhlen zugeschüttet werden. Wo die Gastwirtschaft und der letzte Laden schließt und am Ende auch noch die Schule dicht gemacht wird - der große Schleswig-Holstein-Roman für unsere Zeit."

Lieblingsbuch Dierk-Martin Scheller: Heike Faller: "Hundert", Kein & Aber, 100 S., 20 Euro
Begründung Dierk-Marten Scheller: »Dieses bemerkenswerte Buch fängt mit der Geburt eines Kindes an: 'Du lächelst, zum ersten Mal in deinem Leben, und der andere lächelt zurück'. 1 ½ Jahre: 'Du lernst, dass deine Mutter wiederkommt, wenn sie weggeht. Das ist Vertrauen'. 17 Jahre: "Das Unglaubliche passiert, du bist verliebt'. 30 Jahre: 'Du lernst, dass Glück relativ ist'. 46 Jahre: 'Vielleicht lernst du erst jetzt, wie es sich anfühlt, jemanden zu verlieren'. 64 Jahre: 'Etwas zieht dich zurück an den Ort, aus dem du kommst.' 78 Jahre: 'Fährst du noch Auto?' … Ich habe diese Sätze bis auf den Anfang willkürlich ausgewählt. Keiner der dieses Buch anschaut, wird unberührt davon bleiben. Es ist ein Buch, das man selbst haben kann, das man aber auch wunderbar verschenken kann, zur Geburt eines Kindes, zum Geburtstag, für alle, die besondere Bücher mögen."

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