Interview mit Regina Vogel zum Deutschen Buchhandlungspreis

"So ein Preis hat immer sein Für und Wider"

Bloß nichts an den Haaren herbeiziehen, sondern bei sich selbst bleiben: Das empfielt Regina Vogel allen, die sich für den Deutschen Buchhandlungspreis 2019 bewerben wollen. Die Vertreterin war früher selbst Buchhändlerin und ist diesmal neu in der Jury dabei. Was sie sich vorgenommen hat? FRAGEN: TAMARA WEISE

Regina Vogel

Regina Vogel © privat

Als neues Mitglied in der Jury des Deutschen Buchhandelspreises: Wie geht es Ihnen damit? Haben Sie Lampenfieber?
Ich habe mich sehr darüber gefreut, dass man mir diese Aufgabe zutraut. Aber natürlich ist da auch Lampenfieber – angesichts der großen Verantwortung, die mit der Jurytätigkeit verbunden ist.

Was hat Sie überzeugt, dennoch "Ja" zu sagen?
Der Preis selbst. Es ist großartig, dass es ihn gibt, er bringt Aufmerksamkeit, fördert der den Buchhandel finanziell. Dazu denke ich, dass er nicht nur den Siegern etwas nützt, sondern allen, die sich bewerben: Sich so intensiv mit seiner eigenen Buchhandlung auseinanderzusetzen, Schwarz auf Weiß zu sehen, was man leistet, um ein kulturelles Angebot zu schaffen – ich betrachte das als Chance.

Welche Rolle spielte der Preis für Sie bisher?
Mich begleitet der Preis schon sehr lange, eigentlich seit der ersten Stunde. Viele Buchhandlungen, die zu meinem Reisegebiet gehören, haben bereits teilgenommen – da war es für mich als Vertreterin unabhängiger Verlage gar keine Frage, den Wettbewerb so gut es geht zu unterstützen und ihn bei Buchhändlern bekannt zu machen.  

Wie nah stehen sich unabhängige Buchhandlungen und Verlage heute, rund fünf Jahre nach dem Start des Deutschen Buchhandlungspreises?  
Der Preis hat auf jeden Fall etwas bewegt, man ist sich näher gekommen, man hat gesehen, dass mit den Titeln aus unabhängigen Verlagen spannende Umsätze möglich sind. Damit das so bleibt, müssen nun die Kontakte gepflegt werden – dafür ist der Preis weiterhin wichtig: Er vernetzt die Unabhängigen.

Nach wie vor fragen manche, wie fair es bei der Vergabe zugeht.
So ein Preis hat immer sein Für und Wider. Andererseits: Es gibt überprüfbare Kriterien und ich bin sicher, dass es in der Jury fair zugeht. Wahrscheinlich lässt es nie ganz ausschließen, dass Buchhandlungen nicht ausgezeichnet werden, obwohl sie für sich betrachtet eigentlich sehr preiswürdig wären. Ich kenne so viele kleine Buchhandlungen, die glänzende Arbeit leisten – definitiv mehr als die 108, die jedes Jahr ausgezeichnet werden.  

Unterstützen Sie die Idee von Frau Grütters, bei der Preisvergabe künftig auch stärker auf Buchhandlungen außerhalb der größeren Städte zu achten?
Man kann auf dem Land eine tolle Buchhandlung betreiben, man kann das aber auch mitten in einer Metropole wie Berlin. Ich finde es schwierig zu entscheiden, was komplexer oder aufwändiger ist. Grundsätzlich ist die Idee aber sehr wohl richtig: Zumindest in meinem Reisegebiet sind in den vergangenen Jahren eine ganze Reihe von Buchhandlungen in kleineren Orten neu entstanden oder neu aktiv geworden. Das sollte natürlich unterstützt werden, klar.  

Ihre Tipps für die Bewerbung?
Jeder sollte an seine eigenen Stärken denken, schauen, was er selbst wirklich gut kann. Also: Bloß nichts an den Haaren herbeiziehen oder überzogen darstellen, um der Jury etwas zu liefern, was sie – vermeintlich – hören möchte. Besser wäre: Ganz bei sich und seinen eigenen Themen zu bleiben, und die dann mit Überzeugung darzustellen. Es sollte auf jeden Fall bei der Bewerbung die Möglichkeit genutzt werden, deutlich zu zeigen, wie wichtig die Buchhandlung für das kulturelle Leben der Stadt, des Kiezes oder der Umgebung ist.

Was kommt als nächstes – für die Jury?
Erst einmal sind die Buchhändler dran: bis läuft 12. Mai die Bewerbungsphase. Sicher wird es danach auch Treffen der Jury geben, aber da kenne ich die Abläufe noch nicht im Detail. Sobald die Unterlagen von den Buchhändlern kommen, werden wir sie in jedem Fall sichten, akribisch sichten, um nichts zu übersehen oder falsch zu interpretieren.  

......

Regina Vogel absolvierte eine Berufsausbildung zur Sortimentsbuchhändlerin. Nach Zwischenstationen in Verlagen und im Versandbuchhandel wechselte sie 1992 nach Leipzig, um dort die Leitung der Buchhandlung an der Thomaskirche zu übernehmen. 1997 gehörte sie zu den Gründungsmitgliedern der Messebuchhandlung Leipzig GbR, für die sie bis 2012 tätig war. Seit 2013 reist sie als freie Vertreterin für unabhängige Verlage (www.buero-indiebook.de).

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