Zwischenruf von Andreas Meyer zur KNV-Pleite

"Jede Menge laute Stille"

Was fällt auf bei der KNV-Pleite? Schweigen. Kollektive Sprachlosigkeit. Und so nimmt das Drama seinen Lauf, findet Andreas Meyer, Gründer von Verlagsconsult: "Alle diskutieren wie wild, aber nicht öffentlich". Und die wichtigste Stütze des Buchhandels, die Buchkäuferin, würde beim "Branchenraunen" schlicht ausgeblendet.

Andreas Meyer

Andreas Meyer © Stralka Holst Windwehr

Wenn Schluss mit dem Insolvenzgeld ist, sagte Christian Sprang, der Justiziar des Börsenvereins, bei einer Infoveranstaltung, wird es ganz schnell gehen. Schön für die Hauptgläubiger, die Banken. Und sonst so? Bei den Informationsveranstaltungen des Börsenvereins: keine kritischen Fragen. Bei der Berichterstattung: mit Ausnahme von zwei Sortimentern keine kritischen Einwürfe. Oder bei einer, wie ich selbstkritisch konstatieren muss, von mir in Leipzig initiierten, ebenfalls wenig erhellenden Runde mit den wichtigsten betroffenen Protagonisten der Branche: Bekenntnisse ja, kritische Statements nein. Wo ist die Kontroverse? Das Seltsame: Es findet sich weder eine dezidiert optimistische Haltung, noch eine kulturpessimistische Dystopie. Dafür jede Menge laute Stille.

Woher kommt diese Paralyse? Liegt es an den Kaufleuten der Branche, können oder wollen sie nicht sprechen? Denn es ist zweifellos ihr Metier, es geht erst einmal um technische, logistische, betriebswirtschaftliche Fragen. Schwingt Angst mit, zu den langfristigeren Konsequenzen einer Insolvenz Stellung zu beziehen, die weit die über logistischen und finanziellen Genickbrüche hinaus gehen? Ja, was genau passiert mit der Branche, mit dem Markt, mit der Literatur, mit der Gesellschaft gar – wenn der größte Logistiker der Buchbranche strauchelt? Der nicht nur 5.600 deutschsprachige Buchhandlungen belieferte, Nacht für Nacht – sondern auch jedes deutschsprachige Werk in 70 Länder subito besorgen und versenden konnte?

Was wäre, wenn das große A. übernimmt?

Angeblich ist man auf dem Holzweg, wenn man den Online-Bestellmarktplatz mit dem großen A zu den Bietern zählt. Was hätte der Zuschlag nach Seattle für Konsequenzen für den Buchmarkt, und nicht nur für den? Würde das KNV-Barsortiment geschlossen und nur der Betonboden und die Technik übernommen? Oder: setzte Amazon seine jetzigen Einkaufskonditionen im Barsortiment durch und zwingt die anderen Barsortimente damit, konditionell nachzuziehen? In Hintergrundgesprächen wird klar, was dann passiert: die Preisbindung wird nichtig, weil von innen zerstört. Keine Monopolkommission wäre mehr nötig, um das Rückgrat der Branche zu brechen; das würde sie selbst erledigen. Ein Buchhändler skizzierte ein anderes Szenario: wie wäre es, wenn Amazon morgen Buchhändlern anbietet, alles, einfach alles ausschließlich dort zu beziehen? Zu traumhaften, zu Original-Verlagskonditionen. Eine Buchhändlerin in Berlin hofft ratlos auf rettende Hintergrundgespräche. Die gäbe es doch. Bestimmt. Sie habe nämlich keine Lust, für Amazon Zahnbürsten zu verkaufen.

"Aber sag das bloß nicht laut!"

Die Buchbranche hat sich schweigend eingeigelt. Wobei, was heißt schon schweigend? Alle diskutieren wie wild, aber nicht öffentlich. "Aber sag das bloß nicht laut!" Sag nicht laut, dass Seattle Zugriff auf alle Daten aller Einkäufe erhielte. Sag’s nicht laut, was das genau für unser Verlagsprogramm be­deutet. Sag’s nicht laut, dass wir es auch nicht besser wissen.

Eine bekannte Autorin ist rigoroser. Sie zürnt dem "Stillhalteabkommen". Es gehe dabei nicht nur um Autorenhonorare, die jetzt einbehalten werden, sieben Prozent etwa bei einem Kölner Verlag. No money, no voice: weniger Geld bedeutet weniger Literaturfreiheit. Mehr noch: eine weitere Monopolisierung des Buchmarktes bedeute Diktat der Logistik, des Preises, und damit eines Tages des Inhaltes.

Die Buchkäuferin wird vergessen

Ausgeblendet bei allem Branchenraunen wird von allen Seiten ausgerechnet diejenige, um die sich angeblich alles dreht: Die Buchkäuferin. Was will sie, was findet sie gut, wie sehr hat ihr die jetzige Barsortiments-Leistung ge- oder missfallen? Jan Orthey, Buchhändler in Lüneburg, wies darauf hin, dass eine 24-Stunden-Lieferung heute kein USP der Buchbranche mehr ist. "Next day delivery ist längst Standard." Nur: was passiert, wenn es die nicht mehr gibt? Christian Schumacher-Gebler, CEO von Bonnier, sagte in Leipzig, wenn das Barsortiment stirbt, ist die flächendeckende Zahl von Buchhandlungen nicht zu halten.

Schauen wir uns das doch mal genauer an: Wie viele Buchhandlungen würde es treffen? Wie verändert es die Topographie einer Stadt, wie die Kauf-Gewohnheiten, die Haltung zum Buch, wie eine Gesellschaft, wenn sie keinen direkten, einfachen Kontakt mehr mit Büchern hat? Eckhardt Südmersen, der Geschäftsführer von Libri, berichtete vom Niedergang des Buchhandels in Japan. Trotz einer vergleichbaren Preisbindung fehle die Logistik. Folge: Umsatzrückgänge in den vergangenen 15 Jahren bis über 40 Prozent.

Welche Relevanz hat das heutige Barsortimentsmodell?

Zugespitzt kann man sagen: alle "Großen" scheinen draußen. Ob Wissenschafts-, Fach-, oder Schulmedien-Konzerne: sie nutzen das Barsortiment, aber würden sie dafür einen Finger krumm machen? Die Filialisten? Finden auch andere Logistik-Dienstleister. Richtig blöd sieht es für Independent-Buchhändler und -Verlage aus. Für erstere ist das Barsortiment der zentrale Rationalisierungs- und Effizienz-Hebel. Ob Warenwirtschaft, ob Kassensysteme, ob Zentrallager der Genossenschaften, ob Know-how: die Barsortimente stützen die Vielfalt des Buchhandels massiv, falsch: sie organisieren sie.

Noch mal. Was ist mit der Kundin? So scheußlich der Satz "Das kann ich Ihnen bestellen" klingt, Tatsache ist: das Buch ist am nächsten Tag da. Ohne Aufpreis. Pünktlich. Immer.

Oliver Voerster gab vor Jahren mal dröhnend auf Buchtagen den Satz von sich: "Nur ein verkauftes Buch ist ein gutes Buch." Klingt nicht schlecht. Nur: so läuft das nicht. Ein Missverständnis, denn die Buchindustrie lebt ausschließlich von gelesenen Büchern. Büchern, die "ihren Job gemacht haben". Nur diejenigen, die für gut befunden wurden, werden empfohlen, verschenkt, nochmal gekauft.

Die Käuferin macht den Erfolg von Büchern

Der faszinierende Tipping Point-Effekt des "Das musst Du unbedingt lesen" ist das eigentliche Momentum unserer Branche. Wer nicht davon überzeugt ist, dass es die Käuferin ist − und zwar in allererster Linie und vor allen anderen Einflussfaktoren −, die den Erfolg von Büchern macht, verursacht, steuert, kuratiert − wer das nicht glaubt, der braucht auch keine superflexible Branchenlogistik.

Hat das etwas mit der Pleite zu tun? Und ob. Es geht um die kleine, aber kräftige bisherige Utopie: egal wie groß oder klein ein Händler, egal wie abgelegen eine Kundin lebt, jeder erhielt am nächsten Tag sein Buch. Jeder ist in diesem System gleich. Das hat was mit Funktion, mit "Ja, das können und wollen wir" zu tun, mit einem stillen Stolz. Das Barsortiment ist Zeichen einer spezifischen Solidarität untereinander – und tätiger Zuwendung gegenüber Käuferinnen. Der fehlende Diskurs aber, das Schweigekartell, kapituliert komplett vor der Frage: wie geht’s nicht nur mit uns weiter, sondern auch: mit den Wünschen von Kundinnen. Deren Ansprüche und Bedürfnisse über die Jahre gewachsen sind. Gibt es irgendwo Ansätze, die Leistung den Endkundinnen gegenüber heutiger zu machen, weiterzuentwickeln?

Heinz Bude schließt sein aktuelles Buch über Solidarität übrigens mit der schönen Frage von Albert Camus: "Wofür lohnt es sich zu leben?" Ich drehe die Frage ein wenig: in welcher Branche wollen wir arbeiten? Für wen? Und: was findet man an uns sympathisch? Befremdend, dass die Buchbranche ausgerechnet in dieser Krise zu denken scheint: "Vergiss die Kundin". Logistikstabilität ist nichts anderes als ein sperriges Synonym für funktionierende Kundinnen-Beziehungen, für Vertrauen, für Stabilität in instabilen Zeiten. Es ist Zeit, dass das Schweigekartell sich diesen Perspektiven stellt. Laut.

 

Andreas Meyer ist Gründer und Partner von Verlagsconsult, promovierter Buchhandels-/ Verlagshistoriker und spezialisiert auf Zielgruppen- und Markenfragen. Er prophezeit, dass man nach Abwicklung der Insolvenz darüber diskutieren wird, was man davor hätte tun sollen. Verlagsconsult wird 2019 von brand eins zum zweiten Mal unter den besten deutschen Beratern genannt.

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16 Kommentar/e

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  • Martina Bergmann

    Martina Bergmann

    Ich finde, es gibt gerade sehr schöne Bücher. Und wer die haben möchte, kann auch zwei oder drei Tage warten. Geht problemlos. Geht auch ohne die ganzen Geräusche von allerlei Personen.

  • Sigloch, Barbara

    Sigloch, Barbara

    Der Äußerung von Frau Bergmann muss ich heftigst widersprechen. Auf die Über-Nacht-Belieferung können und dürfen wir nicht verzichten. Das ist ein Service, mit dem wir punkten können. Es wäre ein steinzeitlicher Rückschritt. Unsere Kunden sind nicht mehr so geduldig wie vor 50 Jahren und es wäre das Ende vieler unabhängiger Buchhandlungen. Dann würden auch noch die geduldigsten Leser zu Amazon gehen.

  • D. Orie

    D. Orie

    Aber wo ist die Plattform, wo man diskutieren kann? Wir z. B., die ganz kleinen Verlage, die aus Kostengründen nirgendwo organisiert sind, wo könnten wir uns vernetzen? Hat jemand eine gute Empfehlung? Konkret wäre uns beispielsweise am Abbau der langen Zahlungsfristen (drei Monate, der helle Wahn!), an transparenten Konditionsvereinbarungen mit den Barsortimenten und - wenn ich schon dabei bin - an günstigeren und schnelleren Bücher- und Warenversendungen sehr gelegen. Das wären schon gute Ansatzpunkte. Gibt es Empfehlungen für Zusammenschlüsse?

  • Jochen Papanouscas

    Jochen Papanouscas

    Stimmt, Frau Sigloch. Noch! 24-Stunden-Lieferungen oder gar Sameday werden aber immer kritischer diskutiert. Ich glaube, dass wir (Kunden) schon bald kein Problem mehr damit haben werden, auf bestellte Bücher, Kleidung, Videospiele etc. mehrere Tage zu warten.

  • Stefan Tehol

    Stefan Tehol

    Buchkäufer gibt es bei Ihnen wohl nicht mehr unter den Buchkaufenden? Einfach abgeschafft? Sie wollen wohl nur noch die Buchkäuferin erreichen? Könnten Sie die Sprache nicht einfach lassen wie sie ist? Einfach aussperren, ja? Die Sprache ist nicht das Experimentierfeld, um Sexus und Genus zu verwechseln. Gleichberechtigung immer, gleiche Löhne, alles, ja. Aber bitte nicht die Sprache verhunzen. Es ist unerträglich solche Texte lesen zu müssen.

  • Harald Kraft

    Harald Kraft

    Jetzt wartet man mal das Ganze ab was da im Fall von KNV kommen wird.
    Es sollte für alle Beteiligten eine gangbare Lösung werden.
    Und Amazon sollte man KNV dann doch nicht geben.

  • H. Wittl

    H. Wittl

    Zu D. Ories Kommentar, oben.
    Ich kann Ihnen nur absolut beipflichten. Es wird einfach ignoriert, dass es viele solche "Klein"verlage gibt, die sich (nach Manfred Plinke: Mini-Verlag; Autorenhaus) nicht einmal die Mitgliedschaft im Börsenverein bzw. anderen Organisationen leisten können! Mini-Verlage, Ein-Personen-Verlage ... sie sind i.d.R. die ersten, die der Tsunami der KNV-Insolvenz hinwegschwemmt.
    Und der Börsenverein? Er schließt die Nichtmitglieder von seinen Informationen und Beratungen aus und ködert sie stattdessen in dieser fast ausweglosen Situation noch mit "günstigen Schnuppermitgliedschaften". Ja, Danke auch recht schön! Ein bisschen Zynik muss wohl sein?
    Für die ganz Kleinen, die für eine unabhängige Buntheit und Authentizität in den Nischen des Buchmarkts sorgen, gab es noch nie so etwas wie Solidarität. Die frühere Kultur-Staatsministerin Christina Weiss beschrieb einst die große Misere im deutschen Verlagswesen so: „Engagierte Verlage, die nicht mit einem großen Publikum rechnen können, haben kaum eine Chance zu überleben. ... Was die Programme kleiner Verlage betrifft, geht es aber oft um das kulturelle Gedächtnis des Landes, und eigentlich müsste die Kulturnation selbst sich die Förderung solcher Verlage zur Aufgabe machen.“
    Aber das ist lange her und wurde eh nie wirklich gehört!
    Mit unermesslichen Summen Banken zu retten, die selbst verschuldet durch Gier und Misswirtschaft in Schieflage geraten sind, ist schon etwas anderes.
    Die Mini- und Kleinverlage sind da halt einfach nur "Peanuts"!

  • Sigloch, Barbara

    Sigloch, Barbara

    Stefan Tehol, diese "Übergenderisierung" fällt mir ebenfalls negativ auf. Aber zu Ihrer Beruhigung, wir haben etliche Kunden männlichen Geschlechts, die sich bei uns sehr wohl fühlen.

  • B. Braunbarth

    B. Braunbarth

    Ich hoffe sehr auf den Erhalt der Barsortimente. Selbst die Übernacht-Lieferung ist keine besondere Leistung mehr sonder ein schlichtes Must-Have. Ich erlebe täglich Erstaunen, dass wir das Buch nicht mehr am gleichen Tag liefern können. Ebenso sinkt die Bestellquote bei einer angekündigten Lieferzeit von 3-5 Tagen dramatisch ab. Wenn wir nicht mehr schnell liefern können, wendet sich der Kunde m.E. komplett ins Netz. Auch die Disposition unserer Lagertitel kann ich mir ohne die Übernachtlieferung unserer Genossenschaft nicht mehr vorstellen.
    Mich beunruhigt die Stille um die Weiterführung von KNV ebenso wie die Diskussion um die Leistung der Barsortimente für die kleineren und mittleren Buchhandlungen und Verlage.

  • Susanne Martin

    Susanne Martin

    @Frau Sigloch und Herrn Tehol: Ich bin mir sicher, Herr Meyer geht davon aus, daß sie die männlichen Buchkäufer ebenfalls angesprochen fühlen!

  • Philine Meyer-Clason

    Philine Meyer-Clason

    Ach, Herr Meyer, wir haben zwar einen mittelfristigen GAU für die Buchhändler, die KNV als BS haben - wie aber bekannt ist, läuft es erstaunlich gut und die vorrübergehenden Lieferschwierigkeiten seitens des BS sind weitestgehend ausgeräumt; kurzfristige Lieferschwierigkeiten (fehlt kurzfristig am Lager) sind normal, wie bei jedem anderen BS auch - aber eine öffentliche Diskussion, eines zwar für die Buchbranche relevanten Barsortiments halte ich für völlig überflüssig. Kritik an KNV bzw. KNoe? In spezifischen Bereichen was die VA angeht ist sie durchaus für Verlage, als auch für Buchhändler relevant, kann aber auf kleinen Wegen geregelt werden. Es gab bei Umstellungen oder Umzügen von VA's in der Vergangenheit schon immer Engpässe und Probleme (BDK in den 80iger Jahren, das war ein GAU der Superlative) Die Buchbranche hat sich keineswegs schweigend eingeigelt, nur war und ist es immer schon so gewesen, daß wir eine ideelle Gemeinschaft waren und sind, denn jeder ist vom anderen abhängig. Also wieso öffentlich Kritik üben. Es steht uns nicht zu über ein Traditionsunternehmen wie KNV (BS und VA) zu richten. Kritik ja, aber nun ist dieses eine Kind in den Brunnen gefallen und es geht darum, es vorm Ersaufen zu retten, da andere nicht die logistischen Möglichkeiten haben, die dann umherliegenden Komapatienten wieder zum Leben zu erwecken.
    Sie schreiben, daß der tipping point effect des Käufers (Käuferinnen und Käufer) ist, daß dieser Bücher macht, weil er sie liest: Mitnichten! Ich fände eine Erhebung unendlich spannend, wieviele ungelesene Bücher in Haushalten rumliegen. Und, auch der Buchkäufer "macht" die Buchverkäufe nicht alleine. Es ist der Inhabergeführte Buchhandel, der seine Kunden kennt und Bücher z.Teil zu Bestsellern "macht" (Harry Potter sei nur ein, wenn auch herausragendes Beispiel), die Rezensenten "machen" und/oder "vernichten" auch Bücher. Der Kunde entscheidet letztlich und davon sind wir alle abhängig, die gesamte Logistik (Verlag/VA/BS/Presse/Buchhandel. Und letzten Endes ist es dem Kunden der Buchhandlung am Schluss völlig egal, woher Bücher kommen. Wenn der Kunde ein Buch will, dann bedient er sich nach seinem Gusto über die verfügbaren Bezugsquellen, egal ob Buchhandel vor Ort, Versand über Buchhandel vor Ort, oder direkt bei den Verlagen, oder beim grossen A.
    Sie sgen, das Barsortiment organisiert den Buchhandel: Mit Sicherheit in seelenlosen Läden, in denen keiner sich Gedanken um seine Kunden macht, der Verkäufer der da steht und eigentlich auch Strümpfe verkaufen könnte. Ich wage zu behaupten, daß jede inhabergeführte Buchhandlung, ich spreche von den unzähligen kleineren Buchhandlungen, Stadtteilbuchhandlungen, die keine Filialen haben, kommt dies nicht vor. Weil wir die Struktur unserer Kunden kennen und genau wissen, was wir einkaufen und was eben nicht. Und was ist falsch daran, dem Kunden zu signalisieren: ich bestelle es Ihnen gerne, morgen ist es da.
    Verzeihen Sie Herr Meyer, aber bereits in den 80iger Jahren fehlte Ihnen bisweilen bei Artemis & Winkler bereits der praktische Bezug. Vielleicht ein Praktikum in einer Buchhandlung in der es für Sie genug zu tun gäbe?
    Es gab in den letzten Wochen nichts Schlimmeres als mit Branchenfremden über das Thema zu sprechen, die zwar in den Medien über die Insolvenz informiert wurden, aber die Hintergründe nicht kennen. Bitte keine öffentliche Diskussion. Wir haben keinen Dieselskandal in der Branche; wir haben zwar Insolvenzbedingt mit Sicherheit den einen oder anderen Härtefall, mit Sicherheit auch viele einzelne Härtefälle bei kleineren Verlagen. Daß Autorenhonorare bedingt durch die Insolvenz vom BS KNV nicht bezahlt werden, halte ich für eine Behauptung. Das sind voneinander unabhängige Geschäftsvorgänge, die im Einzelnen von Ihnen dargestellt werden müssten. Äpfel und Birnen Herr Meyer! Es hat sich in 16 Jahren die ich die Buchhandlung habe gezeigt, daß der Kunde auch gerne 3-5 Tage wartet, bis ein Buch da ist, die Annehmlichkeiten einer Übernachtlieferung aber sehr schätzt. Print on Demand wird akzeptiert. Wir sind eine kleine Branche und da verbietet es sich in Sachen der Insolvenz von KNV jetzt mit Steinen zu werfen: und wir als Branche haben ein Riesenglück in RA Wahl einen offensichtlich sensiblen und wachsamen Insolvenzverwalten an der Seite von Oliver Voerster und seinen Frauen und Mannen zu haben, die die Chose und das fast ersoffene Kind retten zu wollen. Es ist doch schön, daß es das gibt. In anderen Branchen werden Bauernopfer gesucht und diese ersaufen dann wirklich. In diesem Sinne, Ihre ehemalige Kollegin bei Artemis & Winkler.

  • D. Orie

    D. Orie

    Wir haben jetzt drei Diskussionsthemen hier: Gendern, Öffentlichkeit und kleine Verlage. Alles wichtig. Uns (als kleinen Fachverlag für das Lesen- und Schreibenlernen) interessiert im Moment eigentlich am dringendsten, wie sich die "KleinenRiesen" (zu klein für alle üblichen und zu teuren Mitgliedschaften) untereinander besser vernetzen können. Wer hat da noch eine Idee und Informationen? Vielen Dank im Voraus!

  • Buchkäuferin

    Buchkäuferin

    @Herr Tehol, es ist wirklich schade, dass sich unter einem solchen Artikel - dessen Botschaft wirklich wichtig ist - an der Schreibweise gestoßen wird. Das Sie, als Mann, sich an solchen Texten stören sollte Ihnen vielleicht zu denken geben. Vielleicht denken Sie mal darüber nach, wie es Frauen seit jeher beim Lesen von Texten in männlicher Grundform geht!

  • Die Buchhändlerin

    Die Buchhändlerin

    Der Schuppen brennt lichterloh, aber sich über die Ansprache und angeblich fehlende Praxis des Interviewten mokieren. Es wird so ein böses Erwachen geben.

  • Sigloch, Barbara

    Sigloch, Barbara

    Philine Meyer-Clason, vielen Dank für Ihren Beitrag, der alles Wichtige auf den Punkt gebracht hat. Haben wir Geduld, machen wir unsere Arbeit, kümmern wir uns um unsere Kunden und halten wir zusammen!

  • Philine Meyer-Clason

    Philine Meyer-Clason

    @DieBuchhändlerin: Woher nehmen Sie die Gewissheit, daß es ein Böses Ende nehmen wird? Woher haben Sie die Gewissheit, daß die Hütte lichterloh brennt? Ich mockiere mich nicht über die fehlende Praxis eines ehemaligen Verlagskollegen, ich kenne die fehlende Praxis in Vertrieb/Auslieferung/Logistik/Buchhandel von Herrn Meyer. Er ist Theoretiker. Und jeder der praxisorientiert tagtäglich arbeitet, hat den Artikel von Herrn Meyer mindestens 2x lesen müssen, um zu begreifen was er meint. Ich wiederhole mich: Äpfel und Birnen.
    Wieso verstecken Sie sich eigentlich hinter einem "Die Buchhändlerin" keinen Mut zum Klarnamen?

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