Gutenberg-Preis der Stadt Leipzig

"Fonts for Freedom" ist Preisträger 2019

Fonts for Freedom, eine Initiative von "Reporter ohne Grenzen", erhält in diesem Jahr den Gutenberg-Preis der Stadt Leipzig. Die Initiative mache "Typografie zur Botschafterin der Pressefreiheit", so die Begründung.

Screenshot von der Website

Screenshot von der Website © Fonts for Freedom

Das teilte die Stadt Leipzig mit. Die Initiative "Fonts for Freedom" sammelt und dokumentiert weltweit Schriften verbotener Tageszeitungen und lässt sie so aufbereiten, dass die Schriften zur Nachnutzung im Netz verfügbar sind. In der Jury-Begründung heißt es dazu: "Als Zeichen für die Meinungsfreiheit können die Schriften von Tageszeitungen nachgenutzt werden, um auf verbotene Zeitungen und Verlage aufmerksam und die Zensurmaßnahmen autokratischer Staaten sichtbar zu machen. 'Fonts for Freedom' macht die Typografie so zur Botschafterin der Pressefreiheit und verleiht der Innovation des Johannes Gutenberg eine aktuelle Dimension: Wie vor mehr als 550 Jahren steht auch heute noch der vervielfältigte Buchstabe für das freie Wort. Denn wird das öffentliche Wort verboten, ist die Freiheit in Gefahr."

"Fonts for freedom" ist eine Initiative der 1985 gegründeten Nichtregierungsorganisation "Reporter ohne Grenzen". Zum aktuellen Hintergrund der Initiative führt die Jury aus: "Immer noch wird die Zensur von vielen Staaten als Mittel der Politik eingesetzt. Das Verbot von Verlagen und Zeitungen beschneidet die Meinungs- und Pressefreiheit als kostbares Gut der Demokratie. Ob in der Türkei, Aserbaidschan, Kambodscha, Tansania oder Vietnam: Allein 2018 wurden weit über 150 Journalistinnen und Journalisten verhaftet und mehr als 140 Medienorganisationen zensiert oder geschlossen."

Verteidigung demokratischer Werte

Mit der Verleihung des Gutenberg-Preises 2019 an "Fonts for Freedom" werde die Tradition des Preises zeitgenössisch interpretiert. Seit mehr als 500 Jahren stehe die Typografie für die Verbreitung und Demokratisierung von Information und Wissen. In Zeiten weltumspannender digitaler Informationsverbreitung ändere sich der Weg der Informationen und deren Geschwindigkeit grundlegend und damit auch die Reichweite von Zensurmaßnahmen in autokratischen Staaten. "Fonts for Freedom" verteidige mit neuen Werkzeugen traditionelle demokratische Werte.

In der Begründung heißt es weiter: "Nicht nur die Idee, Schriften verbotener Tageszeitungen zur Nachnutzung aufzubereiten, auch die Plakataktionen und die typografisch und gestalterisch außerordentlich überzeugende Website von 'Fonts for Freedom' zeigen, wie die Typografie zu einem demokratischen Werkzeug werden kann. Im 30. Jahr nach der Friedlichen Revolution in der DDR und zum 60. Jahrestag der Preisverleihung will die Buchstadt Leipzig auf die politische Dimension der Typografie hinweisen."

Die Preisverleihung findet am 29. Mai, um 18 Uhr im Deutschen Buch- und Schriftmuseum der Deutschen Nationalbiliothek in Leipzig statt. Die Laudatio hält Karola Wille, Intendantin des MDR.

Zum Preis

Mit dem Gutenberg-Preis der Stadt Leipzig werden seit 1959 im Gedenken an Johannes Gutenberg Persönlichkeiten und Einrichtungen geehrt, die sich "durch hervorragende, beispielgebende Leistungen um die Förderung der Buchkunst verdient machen". Seit 1993 wird der Preis im jährlichen Wechsel mit dem Gutenberg-Preis der Stadt Mainz vergeben.

Der mit 10.000 Euro dotierte Preis steht in der Tradition Leipzigs als historisches Zentrum für Druckqualität und Buchkunstpflege. Gewürdigt werden dem Statut entsprechend hervorragende künstlerische, technische oder wissenschaftliche Leistungen maßstabsetzenden Charakters auf dem Gebiet der Buchkunst − besonders der Schriftgestaltung, der Typografie, der Buchillustration sowie der Buchkunstedition und der Buchherstellung.

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