Digitale Transformation

3 Mythen über Recruiting & Führung

Da hat man in Workshops (meist unterstützt von teuren Beratungen) eine Digitalstrategie erarbeitet, agile Methoden gestestet, eine Vision entwickelt. Doch der Schritt in den Arbeitsalltag gestaltet sich schwierig - weil auf dem Papier zwar alles da ist, doch die Leute für die Umsetzung fehlen.

An Ratgebern besteht zwar kein Mangel, doch halten sich manche Mythen über Recruiting und Führung im digitalen Zeitalter extrem hartnäckig - was die digitale Transformation nicht gerade erleichtert. Ich möchte hier einmal 3 der häufigsten Mythen auflösen.


Mythos 1: Mit der Digitalisierung beschäftigen sich nur die Technologie-Berufe

Natürlich ist Informationstechnologie ein wichtiger Bestandteil der Digitalisierung, doch sie darauf zu beschränken ist fatal. Die Zukunftstechnologie stellt längst ganze Geschäftsmodelle und Gesellschaftsverträge auf die Probe. Entsprechend ist Digitalkompetenz keine Anforderung, die lediglich ITler erfüllen müssen - und sie lässt sich auch nicht auf eine bestimmte Programmiersprache reduzieren. Stattdessen steigen für jeden Berufskontext die Anforderungen an das technische Verständnis (wobei gesagt sei, dass die besagte Technik auch um einiges benutzerfreundlicher wird, wenn man ihr denn eine Chance gibt). Digitalkompetenz bedeutet also vor allem, selbstständig immer wieder neu zu lernen, Prozesse kritisch auf ihren Mehrwert zu hinterfragen und über die Grenzen des eigenen Berufszweigs hinaus mit anderen Bereichen zu kooperieren.   

 

Mythos 2: Mitarbeiter finden und halten ist Sache der Personalabteilung

Klar, sagt doch schon die Bezeichnung “Personalabteilung”, oder?! Diese Denkweise hat nur einen Haken: Sie funktioniert nicht. Immer wieder bestätigen Studien und Umfragen die Hauptgründe, die darüber entscheiden, ob ambitionierte Mitarbeiter einem Unternehmen treu bleiben oder es verlassen: die direkte Führungskraft und das Team. Schließlich sind das die Personen, mit denen sie jeden Tag zusammenarbeiten, Projekte stemmen und Probleme lösen - denen sie im Idealfall also vertrauen sollten. Aus diesem Grund sind Mitarbeiterempfehlungen im Recruiting auch meist deutlich wirksamer als wild gestreute Stellenausschreibungen. Eine gute Personalabteilung kann durch kompetente Recruiter und strategische Führungskräfteentwicklung um Unternehmenserfolg beitragen - doch Recruiting und Retention sind im Kern ist Chefsache!

 

Mythos 3: Gegen den Fachkräftemangel kann eine einzige Firma nichts ausrichten

Der Fachkräftemangel an sich ist kein Mythos, gerade im Digitalbereich. Er hat reale Ursachen, zum einen demographische, zum anderen den Mangel aus Ausbildungsangeboten im Digitalbereich. Aufrufe an Politik und Bildungseinrichtungen sind da sicherlich nicht fehl am Platz, lösen aber kurzfristig das Problem nicht. Denn in vielen Fällen ist der Fachkräftemangel auch ein Recruiting-Problem. Viele Unternehmen arbeiten noch mit Recruiting-Prozessen, die von einem Überangebot an passenden Kandidaten ausgehen, nicht von einem Mangel. Noch immer ist die Stellenanzeige das meist- und teilweise einziggenutzte Recruiting-Tool. Dabei sind die erfolgreichsten Unternehmen am Markt sind diejenigen, die auf ihre Kandidaten genauso aktiv zugehen und sie begeistern wollen wie auf Marketing- und Vertriebsseite für ihre Kunden tun - sei es auf sozialen Netzwerken, bei Events oder in ganz neuen Formaten. Der Kreativität sind da keine Grenzen gesetzt.


Fazit

Diese Mythen über Recruiting und Führung im Digitalzeitalter zu sprengen (oder zumindest zu relativieren) ist ein wichtiger Bestandteil von erfolgreicher Transformation. Jede Digitalstrategie ist eben nur so gut wie die Köpfe, die sie umsetzen.   

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1 Kommentar/e

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  • Ulrike Winzer

    Ulrike Winzer

    Kurz und knackig auf den Punkt gebracht! Digitalisierung ist in der Tat zum Teil Technologie, aber auch ganz viel Verhalten. Das tägliche Verhalten und die Erwartungshaltung der Menschen verändert sich. Man denke nur an Videorecorder, Tastenhandys, Schallplatten usw. Genauso ist es in der Berufswelt. Auch Bewerber erwarten ein anderes Verhalten und eine andere Ansprache durch die Unternehmen - nämlich eine, die genau zu ihnen persönlich passt. Gerade weil so viele Unternehmen noch im alten Trott schwimmen, ist es für ein einzelnes Unternehmen gar nicht so schwer, sich hier positiv abzuheben.
    Herzliche Grüße, Ulrike Winzer

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