Umfrage zur neuen Büchersendung ab Juli 2019

So wollen Verlage und Gebrauchtbuchhändler reagieren

7. Mai 2019
von Börsenblatt
Verlage kritisieren die Tarifreform der Deutschen Post, aber auch die Anbieter im Gebrauchtbuch-Umfeld sehen den Markt nun erheblich unter Druck. Mit welchen Folgen sie rechnen? Börsenblatt Online hat nachgefragt.
"Die höheren Kosten werden sich unmittelbar bemerkbar machen"

Robert S. Plaul, Verleger des Carpathia Verlags und zugleich Mitglied im Sprecherkreis der IG unabhängige Verlage (IGuV): 

"Gerade für uns kleinere, unabhängige Verlage ist in den letzten Jahren der Kostendruck enorm gestiegen, so dass viele Kolleginnen und Kollegen verstärkt schauen müssen, wo es Einsparpotential gibt. Die Preiserhöhung der Büchersendung, die mit ihrer langen Regellaufzeit ja schon immer ein Kompromiss war, trifft uns daher in zweierlei Hinsicht: Zum einen dürften sich die Umsätze, gerade bei Verlagen, die ohne Auslieferung direkt ans Sortiment liefern, weiter in Richtung Barsortiment verschieben, weil die höheren Portokosten den Direktbezug für den Handel unattraktiv machen. Zum anderen werden sich die höheren Kosten auch ganz unmittelbar bemerkbar machen, etwa beim Versand von Pflicht-, Rezensions- und Leseexemplaren. Die Büchersendung als – einst staatliche – Förderung des Kulturguts Buch wird von einem privatwirtschaftlich operierenden, den Aktionären verpflichteten Unternehmen wie der Deutschen Post AG ganz offensichtlich nicht mehr gewünscht.

Beim Carpathia Verlag haben wir die Büchersendung tatsächlich bisher relativ selten genutzt, weil uns Geschwindigkeit oder Nachverfolgbarkeit oft wichtiger sind. Aber auch bei den Paketversendern steigen die Preise, so dass es ärgerlich ist, dass die Alternative Büchersendung auch immer unattraktiver wird."

"Da ist eine äußerst fragwürdige Form der Wirtschaftsförderung für jene, die jedes Steuerschlupfloch nutzen"

Britta Jürgs, Leif Greinus und Jörg Sundermeier für die Kurt Wolff Stiftung:

"Die angekündigte Portoerhöhung der Deutschen Post, bei der die Gebühr für eine Büchersendung um bis zu 60 Prozent steigen soll, zeigt vor allem eines: Weiterhin müssen sich die unabhängigen Verlage – nein, müssen sich alle Verlage – auf Rückschläge einstellen.

Derartige Maßnahmen treffen die Branche besonders, denn die vergünstigten Büchersendungen dienten auch stets der Förderung der allgemeinen Bildung und der Bibliodiversität und minderten den Wettbewerbsdruck in einem Wirtschaftszweig, der durch dem Handel des Kulturgutes Buch immer mehr ist als nur ein Markt.

Dass die Deutsche Post AG, an der die öffentliche Hand immer noch mehr als ein Fünftel der Anteile hält, nun offenkundig lieber den Onlineversendern vergünstigte Tarife andient und so eine äußerst fragwürdige Form der Wirtschaftsförderung für jene betreibt, die jedes Steuerschlupfloch nutzen, halten wir darüber hinaus auch für gesellschaftspolitisch äußerst bedenklich."

"Die neuen Tarife bei der Post kommen einer Abschaffung der Büchersendung gleich"

Daniel Conrad, Geschäftsführer cBooks Germany, booklooker.de:

"Die neuen Tarife bei der Post kommen in unseren Augen einer Abschaffung der Büchersendung gleich. Wir finden es schade, dass sich der Bund als Anteilseigner offenbar nicht für den Sonderstatus des Kulturgutes 'Buch' stark gemacht hat.

Natürlich werden die Tarifänderungen auch bei uns höhere Versandkosten zur Folge haben, darüber hinaus erwarten wir aber keinen negativen Einfluss auf unser Geschäft.

Die neuen Höchstmaße für eine Büchersendung, insbesondere die maximale Höhe von 5cm, machen die Versandkostenkalkulation für Verkäufer unnötig kompliziert. Wir werden ein neues Feld für die Dicke eines Buches einführen, gehen aber davon aus, dass viele Verkäufer zukünftig mit einer Mischkalkulation arbeiten und auf pauschale Versandkosten umsteigen werden."

"Ob sich aus der Kostenerhöhung für uns logistische Änderungen ergeben, prüfen wir aktuell"

Heiner Kroke, CEO von Momox:

"Die Erhöhung der Tarife für Bücher- und Warensendungen der Deutschen Post betrifft momox in hohem Maße, da wir einen Großteil unserer 930.000 monatlichen Sendungen in Deutschland unter anderem mit der Deutschen Post verschicken. Wir sprechen hier von einer unmittelbaren Preiserhöhung um 80 Prozent. Diese unverhältnismäßige Erhöhung kann aus unserer Sicht nicht mit steigenden Kosten seitens der Post begründet werden.

Augenscheinlich gehen die Preiserhöhungen für uns nicht mit besseren Serviceleistungen oder Ähnlichem einher. Im Gegenteil wurde sogar angekündigt, dass sich Serviceleistungen und Laufzeiten eher verschlechtern sollen. Ob sich aus der Kostenerhöhung für uns logistische Änderungen ergeben, prüfen wir aktuell."

Mehr zur geplanten Tarifreform der Deutschen Post

im Archiv von Börsenblatt Online: