Auszeichnung der Stadt Bad Homburg

Hölderlinpreis 2019 für Anke Stelling

Anke Stelling, die für "Schäfchen im Trockenen" im März den Preis der Leipziger Buchmesse erhalten hat, wird nun für ihr Werk mit dem Friedrich-Hölderlin-Preis der Stadt Bad Homburg geehrt. Der Förderpreis geht an Eckhart Nickel.

Das teilte die Stadt Bad Homburg v.d. Höhe mit. "Anke Stellings Prosa analysiert auf hoch sensible Weise die Mittelstandsgesellschaft der Gegenwart", so die Jury in ihrer Begründung. "Ihre jüngsten Romane 'Bodentiefe Fenster', 'Fürsorge' und 'Schäfchen im Trockenen' bilden zusammengenommen eine Trilogie moderner Gemeinschaft" − (alle im Verbrecher Verlag erschienen). Mit soziologischer Präzision stelle die Autorin dar, "wie und mit welchen Konsequenzen heutige Bürgerlichkeit von den antibürgerlichen Werten der 68er infiziert worden ist: von dem Wunsch nach Selbstverwirklichung, lustvollem Konsum und Kreativität." Doch wo bleibe in diesem Zusammenhang die Kunst? Kann sie fröhlich mittun und doch der feinste Seismograph ihrer Zeit bleiben? Und welchen Ton hat die Literatur für ihre Erkundungen zu wählen? "Diesen Fragen widmet sich Anke Stellings Arbeit: ebenso neugierig wie mitunter zornig, vor allem aber mit den eigentlichen Erkenntnisformen des Poetischen: mit Genauigkeit, Feinfühligkeit und Witz", urteilt die Jury.

Anke Stelling wurde 1971 in Ulm geboren, wuchs in Stuttgart auf und studierte am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig. Sie lebt im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg.

Förderpreis an Eckhart Nickel

Eckhart Nickel habe mit seinem Romandebüt "Hysteria" (Piper) das Buch zum Anthropozän geschrieben, formuliert die Jury. "Dass etwas faul ist in diesem Staate Landlust der näheren Zukunft, markiert schon der erste Satz dieser so eleganten wie durchtriebenen Prosa: 'Mit den Himbeeren stimmte etwas nicht'. Eckhart Nickels Text, der den Weg vom Ökomarkt ins Hightechlabor nachzeichnet, verknüpft dabei überaus anspielungsreich und mit abgründigem Humor den Biowahn unserer Zeit mit der schwarzen Romantik. Mit den Mitteln der Literatur stellt er unsere von Paranoia und Verschwörungstheorien durchsetzte Gegenwart aufs Unheimlichste wie aufs Vergnüglichste scharf."

Eckhart Nickel, 1966 in Frankfurt am Main geboren, arbeitet seit seinem Studium der Kunstgeschichte und Literatur als Journalist. Unter anderem schreibt er für die "Süddeutsche Zeitung" und die FAZ über Stil- und Modefragen. Veröffentlichungen gab es zusammen mit Benjamin von Stuckrad-Barre und dem Schweizer Autor Christian Kracht.

Die Preisverleihung ist für Sonntag, 9. Juni, in der Schlosskirche Bad Homburg angesetzt. Die Laudatio auf Stelling hält Jury-Mitglied Heinz Drügh. Laudator für den Förderpreis ist der Literaturwissenschaftler Philipp Theisohn.

Der Friedrich-Hölderlin-Preis ist mit 20.000 Euro dotiert, der Förderpreis mit 7.500 Euro.

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