Drohende Auflösung des Georgian National Book Center

Deutsche Verleger schicken Protestbrief

In einem offenen Brief an den georgischen Bildungsminister protestieren die Kurt Wolff Stiftung und weitere Verlage gegen die drohende Auflösung des Georgian National Book Center (GNBC). Dieses hatte etwa den Gastlandauftritt Georgiens auf der Frankfurter Buchmesse 2018 organisiert. Update: Das Netzwerk der Literaturhäuser schließt sich an.

Der offene Brief, der auf der Website der Kurt Wolff Stiftung einzusehen ist, richtet sich an Mikheil Batiashvili, den georgischen Minister für Bildung, Wissenschaft, Kultur und Sport. Darin protestieren die Kurt Wolff Stiftung und weitere Erstunterzeichner − darunter Felicitas von Lovenberg (Piper), Tatjana Michaelis (Hanser) oder Isabel Kupski (S. Fischer) − "aufs Schärfste gegen die angekündigte Schließung bzw. organisatorische Auflösung des Georgian National Book Center"(GNBC).

Im Brief heißt es weiter im Wortlaut:

"Wir haben über vier Jahre lang mit dem GNBC zusammengearbeitet und dabei bewundernd festgestellt, wie eingespielt, effektiv und kreativ dieses Team ist. Kaum einer von uns hat je einen so gut und professionell organisierten Gastlandauftritt in Frankfurt erlebt: Was das GNBC da geschaffen hat, wird noch viele Jahre nachwirken. Wir alle möchten weiter mit den Mitarbeiterinnen des GNBC zusammenarbeiten, wir wollen auch künftig von ihrer Kenntnis, Hilfsbereitschaft und Kompetenz profitieren.

Dazu ist unerläßlich, daß das GNBC, ebenso wie vergleichbare Institutionen anderer Länder, wie bislang komplett unabhängig ist und nicht einer neuen politischen Leitung unterstellt wird. Wir haben die georgische Literatur gemeinsam mit diesem großartigen Team in Deutschland verankert und werden alles tun, damit das Ankerseil nun nicht durchtrennt wird.

Der Erfolg der georgischen Literatur in Deutschland und den deutschsprachigen Ländern geht auf die Arbeit von Medea Metreveli und ihren Mitarbeiterinnen zurück. Dieser Erfolg wird sich nur mit diesem Team fortsetzen lassen, das Vertrauen, das hier in vielen Jahren aufgebaut wurde, läßt sich nicht auf andere Personen oder Institutionen übertragen.

Wir fordern darum auch im Interesse der georgischen Autorinnen und Autoren, der Übersetzerinnen und Übersetzer und der georgischen Verlegerinnen und Verleger: Lassen Sie das GNBC in seiner jetzigen Organisationsform und personellen Besetzung unabhängig bestehen, damit die georgische Literatur weiterhin erfolgreich auf deutsch publiziert werden kann."

Update, 23. Mai: Protestnote der Literaturhäuser

Das Netzwerk der Literaturhäuser, zu dem 14 Literaturhäuser in Deutschland, Österreich und der Schweiz gehören, schließt sich dem Protest in einer eigenen Mitteilung an. Das Georgian National Book Center (GNBC) habe sich durch die Organisation des Gastlandauftritts auf der Frankfurter Buchmesse 2018 sowie in zahlreichen Kooperationen im deutschen Sprachraum als kompetente Partnerinstitution bewährt, das engagierte Team um Medea Metreveli hat die professionelle Vermittlung der georgischen Literatur wesentlich ermöglicht und ebenso kenntnisreich wie engagiert unterstützt. "Eine Zerschlagung der erfolgreichen Struktur gefährdet nicht nur die Unabhängigkeit des GNBC, sondern auch die künftige Vermittlung der georgischen Gegenwartsliteratur in Europa", so das Netzwerk.

"Die Literaturhäuser behalten sich vor, bei Veranstaltungen auf die kritische Situation aufmerksam zu machen", heißt es zum Schluss der Protestnote.

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