20 Jahre Hörbuch Hamburg

Zugänge zu verborgenen literarischen Welten

Hörbuch Hamburg hat am 6. Juni mit 250 Gästen an der Elbe im Pier 279 seinen 20. Geburtstag gefeiert. Gegründet wurde der Verlag 1999 von Margrit Osterwold; heute gehört Hörbuch Hamburg zu den Top 3 der Hörbuchverlage und den Top 100 Verlagen Deutschlands.

Johannes Stricker, Margrit Osterwold, Christian Schumacher-Gebler

Johannes Stricker, Margrit Osterwold, Christian Schumacher-Gebler © Marcia Breuer

"Von der One-Woman-Show 1999 zu einem der erfolgreichsten Verlage in Deutschland 2019 – das sind 20 Jahre Hörbuch Hamburg und 20 Jahre Leidenschaft für das gesprochene Wort", fasste Geschäftsführer Johannes Stricker die rasante Entwicklung kurz zusammen. Hörbuch Hamburg startete vor 20 Jahren mit 17 Titeln. 2019 ist aus dem Verlag ein Unternehmen mit 22 Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen und rund 1700 lieferbaren Titeln geworden. Seit 2006 ist Hörbuch Hamburg Teil von Bonnier Media Deutschland und gehört heute zu den Top 3 der Hörbuchverlage sowie den Top 100 der Verlage Deutschlands.

Bonnier-CEO Christian Schumacher-Gebler ließ es sich nicht nehmen, eine Laudatio auf Hörbuch Hamburg zu halten, in der er bekannte, für ein gutes Hörbuch auch einmal länger im Auto sitzen zu bleiben, nur um dieses auch zu Ende zu hören. Er freue sich sehr auf die nächsten 20 Jahre mit Hörbuch Hamburg, schloss er schließlich seine Rede und hob sein Glas auf den Verlag und seine Mitarbeiterinnen.


Johannes Stricker zitierte in seiner Cyrano de Bergerac, der vor fast 400 Jahren eine erstaunlich klare Vorstellung vom Hörbuch formulierten: Hier ein Auszug der Rede:

Ich könnte jetzt auch über die Edison-Walze und die ersten Schellack-Platten sprechen, die Geschichte des Walkmans und die der ersten Sprech-Kassetten usw. Damit will ich Sie aber nicht langweilen, das können Sie alles im Netz nachlesen. Stattdessen möchte ich auf einen Autor verweisen und seinen vor nun über 360 Jahren erschienenen Roman: Savinien Cyrano de Bergerac „L´Histoire comique des États et Empires de la Lune" (eine deutsche Übersetzung von Wolfgang Tschöke ist" 2004 bei Eichborn erscheinen unter dem Titel „Die Reise zum Mond").

Erschienen ist der Roman, der eine Satire auf Staat und Kirche ist, jedenfalls 1657, und in diesem frühen „Science-Fiction-Roman“ beschreibt der Protagonist seine Reise zum Mond. Dort trifft er auf die Mondbewohner. Und von ihnen weiß er zu berichten, dass sie mit den Ohren lesen, denn die Bücher sind schmuckhafte Kästchen, die über einen feinen Mechanismus verfügen:

"Beim Öffnen des Kästchens fand ich darinnen irgend etwas aus Metall, das ungefähr so aussah wie unsere Uhren, voll von irgendwelchen kleinen Federn und kaum mehr wahrnehmbaren Maschinen. Es ist tatsächlich ein Buch, aber es ist ein erstaunliches Buch, das weder Blätter noch Buchstaben besitzt, kurzum, es ist ein Buch, für das die Augen nutzlos sind, wenn man etwas daraus erfahren will; man braucht nur Ohren. Wenn also jemand zu lesen wünscht, zieht er diese Maschine auf mittels einer großen Anzahl jeder Art von Nerven, dann dreht er den Zeiger auf das Kapitel, das er hören möchte, und sogleich ertönen aus dieser Nußschale wie aus einem Mund eines Menschen oder von einem Musikinstrument alle verschiedenen und unterschiedlichen Töne, die bei den edlen Lunariern als Ausdruck der Sprache dienen.

Als ich nachgedacht hatte über diese erstaunliche Erfindung, Bücher herzustellen, wunderte es mich nicht mehr, daß die jungen Leute dieses Landes mit sechzehn oder achtzehn Jahren mehr Kenntnisse besitzen als all die Graubärte bei uns; denn da sie ebensobald lesen können wie sprechen, sind sie niemals ohne Lektüre – im Zimmer, beim Spaziergang, in der Stadt, auf Reisen, zu Fuß, zu Pferd, sie können dreißig von solchen Büchern in der Tasche oder am Bogen ihres Sattels angehängt mit sich führen, an denen sie nur eine Feder zu spannen haben, um daraus ein einziges Kapitel zu hören oder auch mehrere, und wenn ihnen der Sinn danach steht, ein ganzes Buch: Auf diese Weise hat man immer alle großen Männer, Tote wie Lebende, um sich, die einen mit lebendiger Stimme unterhalten.“*

Damit hat Cyrano de Bergerac vor nunmehr fast 400 Jahren schon ziemlich klar beschrieben, für was wir heute stehen: Zugänge zu verborgenen literarischen Welten zu schaffen und Literatur überall verfügbar und genießbar zu machen.

*Zitiert nach: Cyrano de Bergerac, Savinien, Reise zum Mond und zur Sonne – Zwei Romane – Herausgegeben, übersetzt und mit einem Nachwort versehen von Wolfgang Tschöke, Eichborn Verlag 2004, S.112.

 

0 Kommentar/e

Diskutieren Sie mit ...

  • Informationen zum Kommentieren

    Bitte kommentieren Sie zur Sache. Aggressive, polemische und beleidigende Kommentare werden nicht veröffentlicht. Wir werden Ihren Kommentar so schnell wie möglich freischalten. Hier lesen Sie unsere Netiquette.

  • Mein Kommentar

    Bitte kommentieren Sie zur Sache. Aggressive, polemische und beleidigende Kommentare werden nicht veröffentlicht. Wir werden Ihren Kommentar so schnell wie möglich freischalten. Hier lesen Sie unsere Netiquette.

    Ihr Profilbild können Sie über den externen Dienst Gravatar einbinden.

    (E-Mail wird nicht veröffentlicht)
    CAPTCHA image
    Wenn Sie die Buchstabenkombination nicht entziffern können, erhalten Sie durch Klick auf die Buchstaben eine neue Kombination.

    * Pflichtfeld