Buchtage Berlin: Auftakt mit Kongressprogramm

"Schreiben und Lesen im digitalen Zeitalter"

Welche Schlüsse hat die Buchbranche aus der vor einem Jahr präsentierten Studie "Buchkäufer - quo vadis?" gezogen? Und wie verändert die Digitalisierung die Lesegewohnheiten und auch das Schreiben? Darüber diskutieren Buchhändler und Verleger bei den Buchtagen Berlin, die heute mit einem Fachkongress beginnen.

© Tobias Bohm

Vorsteher Heinrich Riethmüller hat den Branchenkongress am Dienstagvormittag eröffnet. Wo steht die Branche heute, ein Jahr nach der Diagnose, dass der Buchmarkt zwischen 2012 und 2017 gut sechs Millionen Käufer verloren hat? Die Buchkäufer-Studie habe Bewegung und einen Bewusstseinswandel ausgelöst, so Riethmüller in seiner Rede, die sich hier im Wortlaut nachlesen lässt.

Riethmüller weiter: "Verlage und Buchhandlungen, wir alle, haben uns so intensiv mit unseren Kundinnen und Kunden auseinandergesetzt wie wohl nie zuvor. Wir haben verstanden, dass wir die Menschen mit unseren Maßnahmen nicht mehr erreichen. Und wir haben angefangen, Lösungen zu entwickeln," betonte der Vorsteher: "Buchhandlungen haben ihre Läden umgestaltet, neue Veranstaltungsformate aufgesetzt oder etwa über Instagram zu gemeinsamen Lesezeiten aufgerufen. Verlage haben ihre Zielgruppen durchleuchtet, neue Erzählformate ausprobiert, ihr Marketing angepasst."

Die Buchtage Berlin wollen jetzt weitere Impulse geben. Für das Kongressprogramm im Berliner Hotel Ellington liefern fünf Autorinnen und Wissenschaftler Denkanstöße von außen:

  • Prof. Dr. Henning Lobin, Direktor des Leibniz-Instituts für Deutsche Sprache und Professor für Germanistische Linguistik in Mannheim, spricht über das "Lesen im Zeitalter der digitalen Renaissance"
  • Prof. Dr. Gerhard Lauer, Professor für Digital Humanities an der Universität Basel, stellt seinen Vortrag unter das Motto "Am Ende das Buch. Lesen im digitalen Zeitalter". Er weiß: "Das Gehirn eines Menschen, der lesen gelernt hat, unterscheidet sich von demjenigen eines Menschen, der das nicht gelernt hat." Ein Interview, das boersenblatt.net im Vorfeld der Buchtage mit Lauer geführt hat, lesen Sie hier.
  • Dr. Hans-Georg Häusel, Diplom-Psychologe, Autor, Senior Partner bei der Gruppe Nymphenburg Consult AG und Dozent an der Hochschule für Wirtschaft in Zürich, wirft einen Blick ins Lesergehirn ("Was der Buchhandel von der Hirnforschung lernen kann").
  • Lena Falkenhagen, Autorin, Lektorin, Übersetzerin und Computerspiele-Autorin, beleuchtet "die Rolle von Autorinnen und Autoren in einer digitalisierten Gesellschaft"
  • Thea Dorn, Schriftstellerin, Philosophin und Fernsehmoderatorin, widmet sich dem Thema "Von Worten und Wahrheiten. Welche Macht haben Journalisten und Autoren, eine freiheitlich-demokratische Gesellschaft zu gestalten?"

Mit der Digitalisierung der Gesellschaft hat sich am Montag bereits die Jahrestagung der IG Digital im Börsenverein beschäftigt, die traditionell am Vortag der Buchtage stattfindet. Eine Erkenntnis: Digitalität bedeutet nicht, dass analoge Produkte verschwinden. Im Gegenteil. Berichte über die Jahrestagung, etwa über die Erfolgsgeschichte der Tonie-Box, lesen Sie hier und hier.

Stefan Könemann und Karin Schmidt-Friderichs bei ihrer Tour durch die Landesverbände, hier im Stadt- und Industriemuseum von Rüsselsheim

Stefan Könemann und Karin Schmidt-Friderichs bei ihrer Tour durch die Landesverbände, hier im Stadt- und Industriemuseum von Rüsselsheim © Paul Müller

Die Hauptversammlung wählt am Mittwoch eine neue Verbandsspitze

Am Mittwoch klingen die Buchtage mit der Hauptversammlung des Börsenvereins aus, die diesmal Spannung verspricht: Auf der Agenda stehen Vorstandswahlen. Eine große Kandidatenriege stellt sich zur Wahl, außerdem küren die Mitglieder die neue Vorsteherin, den neuen Vorsteher: Um das Amt an der Verbandsspitze bewerben sich Verlegerin Karin Schmidt-Friderichs und Zwischenbuchhändler Stefan Könemann, die im Vorfeld einen richtigen Wahlkampf geführt haben - ein Novum für den Verband. Alle Informationen zur Wahl und den Kandidaten finden Sie in unserem Wahldossier.

Kirsten Boie

Kirsten Boie © picture alliance / dpa

Ein besonderer Moment der Hauptversammlung dürfte auch die Auszeichnung von Kinderbuchautorin Kirsten Boie werden, die von der Branche als "Förderin des Buches" geehrt wird - vor allem für ihr Engagement rund um die Leseförderung und ihre Hamburger Erklärung "Jedes Kind muss lesen lernen", in der sie von der Politik mehr Einsatz und koordinierte Strategien einfordert. Mehr dazu hier.

Auch die avj und das Nachwuchsparlament tagen

Kinder- und Jugendbuchverleger sind am Montag ebenfalls in Berlin zusammengekommen - zur Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft von Jugendbuchverlagen (avj, mehr dazu hier). Parallel zu den Buchtagen trifft sich außerdem das zehnte Nachwuchsparlament des Börsenvereins, das am Dienstagmorgen einen neuen Nachwuchssprecher gewählt hat: Lennart Schaefer, der bei Bastei Lübbe gerade eine Ausbildung zum Medienkaufmann machtl (hier geht's zur Nachricht). Mehr zum genauen Programm der jungen Branchenköpfe lesen Sie hier.

Am Dienstagabend tagen darüber hinaus noch die drei Fachgruppenversammlungen des Börsenvereins. Mehr über Begegnungen, Diskussionen und Entscheidungen aus Berlin im Tagesverlauf hier auf boersenblatt.net.

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