#yeaward19: Die Nominierten (8)

Elisabeth Schoft: Authentisch bleiben

Als Marketingleiterin treibt Elisabeth Schoft beim Baseler Fontis Verlag selbstbewusst die Digitalisierung voran. Wie man als Führungskraft auftritt, will die 29-Jährige auch anderen jungen Frauen vermitteln. CHRISTINA BUSSE

Elisabeth Schoft

Elisabeth Schoft © Fotografie Weisheitinger

Mit dem Zug pendelt Elisabeth Schoft täglich über die Schweizer Landesgrenze. Seit drei Jahren ist sie in Basel tätig, in der Abteilung Marketing & Presse im Fontis-Verlag. Seit einem Jahr leitet die 29-Jährige den Bereich in der Fontis AG. Sich beweisen, eigenständig sein: Damit hat sie schon als Teenager begonnen. Erste berufliche Erfahrungen sammelte Schoft, die in einem Dorf auf halbem Wege zwischen Hannover und Berlin aufwuchs, bei der Lokalzeitung "Gardeleger Volksstimme". Nach dem Abitur zog es sie weiter hinaus aus der Komfortzone, hinein ins Abenteuer: Für ein halbes Jahr lernte sie an der Universität Coimbra Portugiesisch und kehrte mit neuen Zielen zurück. Nach einem ersten Praktikum in der Medienbranche, im Marketing bei Gerth Medien, startete sie 2009 ein Studium der Kommunikations­wissenschaften an der Uni Erfurt.

Parallel dazu schrieb sie als freie Mitarbeiterin für die Onlineredaktion der "Thüringer Allgemeinen". In der Redaktion der Jugendzeitschrift "Youngsta", herausgegeben von einer evangelischen Freikirche, war sie elf Jahre lang ehrenamtlich tätig – von 2012 bis 2018 als Chefredakteurin, inklusive Relaunch des Magazins. Während sie anschließend den Masterstudiengang Medienmanagement an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz absolvierte, sammelte sie weiter Praxiserfahrung als Marketing-Assistentin im christlichen Buch- und Musikverlag Gerth Medien (damals noch Teil von Random House). Ihr Arbeitsplatz: im Marketing und in der Redaktion der Zeitschrift "Lydia". Außerdem nahm sie sich ein Freisemester, um an der Griffith University in Brisbane Marketing zu studieren. An den Australiern beeindruckt sie vor allem deren Gelassenheit in allen Lebenslagen. "Etwas davon habe ich übernommen, es kommt mir heute bei der Arbeit sehr zugute", stellt Schoft fest.

Ihr Arbeitstag im Fontis-Verlag startet früh. Schon um kurz nach sieben Uhr ist die Abteilungsleiterin für Marketing & Presse am Schreibtisch. Strategische Ausrichtung der Marke, Konzeption von Marketingaktivitäten und Werbemitteln, Pressearbeit, Autorenbetreuung, dazu Content Marketing sowie die Vorschau für das kommende Buchprogramm  – alles meistert sie im Alleingang. Schoft setzt dabei die angestoßene digitale Transformation bei Fontis zielstrebig um.

"Das christliche Segment ist eine überschaubare Nische. Als kleineres Unternehmen haben wir den Vorteil, sehr wendig zu sein und schnell reagieren zu können", beschreibt sie die Rahmenbedingungen. Die Inhalte waren ihr schon beim Einstieg vertraut, "weil ich den Glauben lebe", so Schoft. Aufgewachsen in einem freikirchlich-evangelischen Elternhaus, habe sie sich als Jugendliche selbst bewusst dafür entschieden. "Am meis­ten beeindrucken mich Biografien, die verrückte Lebenswege erzählen und gleichzeitig Frieden und eine Perspektive vermitteln, auch wenn es gerade gar nicht danach aussieht", sagt Elisabeth Schoft. "Es macht mir großen Spaß, dazu beizutragen, dass diese Geschichten ihr Publikum finden." Zu den Höhepunkten des Jahres gehören für sie die halbjährlich stattfindenden Treffen der christlichen Buchbranche in Winterthur, die "Sales Days", die sie auch moderiert. Rund 100 Buchhändler und 15 Verlage können sich an zwei Tagen austauschen und vernetzen.

Ihre Erfahrungen in der Buchbranche will sie jetzt über die eigene Plattform "Salt & Grace Collective" weitergeben, um anderen jungen Frauen ein Vorbild zu bieten und Ansprechpartnerin zu sein: "Wie positioniert man sich als Führungskraft? Wie kann ich Wertschätzung spiegeln, alle im Team mitnehmen und gleichzeitig Grenzen aufzeigen?" Das sind Fragen, auf die sie die Antworten erst nach und nach im Beruf selbst erarbeiten konnte, weil ihr ein Rollenmodell fehlte. Für andere will sie diesen Weg abkürzen. Blog und Podcast sind in Vorbereitung.

Mit einem von ihr initiierten und umgesetzten Buchprojekt beweist Schoft außerdem erste verlegerische Fähigkeiten: Gemeinsam mit einer Kollegin hat sie den Titel "wild und frei" (Jess Connolly / Hayley Morgan) übersetzt und so das Portfolio des Verlags ergänzt. Eine gesunde Work-Life-Balance ist ihr aber bei allem Einsatz wichtig: "Ich will authentisch ich sein und nach meinen Werten leben." Zum 30. Geburtstag im Oktober hat sie sich vorgenommen, "endlich richtig reiten zu lernen" und bald darauf eine lange geplante Reise nach Brasilien anzutreten. Ihr Motto: "Es ist wichtig, immer mal wieder etwas zum ersten Mal zu machen – das hält frisch."

Was sagen Sie zu ...

... Down Under?
"Vom Laid-Back-Gefühl der Australier zehre ich noch heute: Mit etwas Abstand betrachtet sind die Dinge nicht so dramatisch, wie sie im ersten Moment scheinen."

... Lebenstraum?
"Mit Freund und Hund im alten VW-Bulli spontan und ungebunden durch Europa ziehen, am Strand aufwachen und surfen gehen."
 
... Schwitzerdütsch?
"Neuland! Inzwischen spreche ich ein solides 'Baseldütsch' und die Schweizer wechseln nicht mehr automatisch ins Hochdeutsche, wenn sie mit mir sprechen."

Der Börsenblatt Young Excellence Award 2019 und die Teilnahmebedingungen

  • Zum sechsten Mal vergibt das Börsenblatt in Kooperation mit dem Börsenverein, der Frankfurter Buchmesse, dem mediacampus frankfurt und der future!publish einen Preis für herausragende junge Macher und Macherinnen in der Buchbranche. Der Preis zeichnet exzellente Persönlichkeiten bis höchstens 39 Jahren aus, die in der Branche etwas bewegen – sei es als Mitarbeiter in einer Buchhandlung, im Verlag bei einem Dienstleistungsunternehmen oder als Selbstständige.
  • Gefragt sind Leute in Verlagen oder Buchhandlungen oder bei Dienstleistern, die mit eigenständigem Denken und Handeln Spuren hinterlassen, aber noch nicht auf der Top-Führungsebene arbeiten.
  • Selbstnominierungen und Vorschläge für Kandidaten sind gleichermaßen willkommen: Vorschläge  für den Young Excellence Award können jederzeit per E-Mail an boersenblatt@mvb-online.de eingereicht werden. Stichwort: #yeaward
  • Aus allen Vorschlägen wählt die Börsenblatt-Redaktion die Nominierten der Shortlist aus. Jeden Monat stellt das Börsenblatt in der ersten Magazin-Ausgabe und auf boersenblatt.net einen Kandidaten vor. 
  • In einer öffentlichen Wahl im September ist die gesamte Buchbranche dazu augerufen, auf boersenblatt.net den Preisträger oder die Preisträgerin zu bestimmen. Der Sieger wird zur Frankfurter Buchmesse bekannt gegeben.

Das gibt es zu gewinnen

  • Alle Kandidaten auf der Shortlist erhalten exklusive Tickets für den "Business Club" der Frankfurter Buchmesse.
  • Der Gewinner kann mit einem Bildungsgutschein in Höhe von 1.000 Euro Fort- und Weiterbildungen auf dem mediacampus frankfurt besuchen.
  • Der Gewinner erhält eine Eintrittskarte für die future!publish 2020, inklusive Anreise und Hotelunterkunft.
  • Neben einem E-Paper-Jahresabo des Börsenblatts winkt dem Sieger oder der Siegerin außerdem ein Glaspokal als Trophäe.

Hier gibt es mehr Informationen zum Börsenblatt Young Excellence Award.

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