#yeaward19: Die Nominierten (8)

Elisabeth Schoft: Authentisch bleiben

17. Juni 2019
von Christina Busse
Als Marketingleiterin treibt Elisabeth Schoft beim Baseler Fontis Verlag selbstbewusst die Digitalisierung voran. Wie man als Führungskraft auftritt, will die 29-Jährige auch anderen jungen Frauen vermitteln.

Mit dem Zug pendelt Elisabeth Schoft täglich über die Schweizer Landesgrenze. Seit drei Jahren ist sie in Basel tätig, in der Abteilung Marketing & Presse im Fontis-Verlag. Seit einem Jahr leitet die 29-Jährige den Bereich in der Fontis AG. Sich beweisen, eigenständig sein: Damit hat sie schon als Teenager begonnen. Erste berufliche Erfahrungen sammelte Schoft, die in einem Dorf auf halbem Wege zwischen Hannover und Berlin aufwuchs, bei der Lokalzeitung "Gardeleger Volksstimme". Nach dem Abitur zog es sie weiter hinaus aus der Komfortzone, hinein ins Abenteuer: Für ein halbes Jahr lernte sie an der Universität Coimbra Portugiesisch und kehrte mit neuen Zielen zurück. Nach einem ersten Praktikum in der Medienbranche, im Marketing bei Gerth Medien, startete sie 2009 ein Studium der Kommunikations­wissenschaften an der Uni Erfurt.

Parallel dazu schrieb sie als freie Mitarbeiterin für die Onlineredaktion der "Thüringer Allgemeinen". In der Redaktion der Jugendzeitschrift "Youngsta", herausgegeben von einer evangelischen Freikirche, war sie elf Jahre lang ehrenamtlich tätig – von 2012 bis 2018 als Chefredakteurin, inklusive Relaunch des Magazins. Während sie anschließend den Masterstudiengang Medienmanagement an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz absolvierte, sammelte sie weiter Praxiserfahrung als Marketing-Assistentin im christlichen Buch- und Musikverlag Gerth Medien (damals noch Teil von Random House). Ihr Arbeitsplatz: im Marketing und in der Redaktion der Zeitschrift "Lydia". Außerdem nahm sie sich ein Freisemester, um an der Griffith University in Brisbane Marketing zu studieren. An den Australiern beeindruckt sie vor allem deren Gelassenheit in allen Lebenslagen. "Etwas davon habe ich übernommen, es kommt mir heute bei der Arbeit sehr zugute", stellt Schoft fest.

Ihr Arbeitstag im Fontis-Verlag startet früh. Schon um kurz nach sieben Uhr ist die Abteilungsleiterin für Marketing & Presse am Schreibtisch. Strategische Ausrichtung der Marke, Konzeption von Marketingaktivitäten und Werbemitteln, Pressearbeit, Autorenbetreuung, dazu Content Marketing sowie die Vorschau für das kommende Buchprogramm  – alles meistert sie im Alleingang. Schoft setzt dabei die angestoßene digitale Transformation bei Fontis zielstrebig um.

"Das christliche Segment ist eine überschaubare Nische. Als kleineres Unternehmen haben wir den Vorteil, sehr wendig zu sein und schnell reagieren zu können", beschreibt sie die Rahmenbedingungen. Die Inhalte waren ihr schon beim Einstieg vertraut, "weil ich den Glauben lebe", so Schoft. Aufgewachsen in einem freikirchlich-evangelischen Elternhaus, habe sie sich als Jugendliche selbst bewusst dafür entschieden. "Am meis­ten beeindrucken mich Biografien, die verrückte Lebenswege erzählen und gleichzeitig Frieden und eine Perspektive vermitteln, auch wenn es gerade gar nicht danach aussieht", sagt Elisabeth Schoft. "Es macht mir großen Spaß, dazu beizutragen, dass diese Geschichten ihr Publikum finden." Zu den Höhepunkten des Jahres gehören für sie die halbjährlich stattfindenden Treffen der christlichen Buchbranche in Winterthur, die "Sales Days", die sie auch moderiert. Rund 100 Buchhändler und 15 Verlage können sich an zwei Tagen austauschen und vernetzen.

Ihre Erfahrungen in der Buchbranche will sie jetzt über die eigene Plattform "Salt & Grace Collective" weitergeben, um anderen jungen Frauen ein Vorbild zu bieten und Ansprechpartnerin zu sein: "Wie positioniert man sich als Führungskraft? Wie kann ich Wertschätzung spiegeln, alle im Team mitnehmen und gleichzeitig Grenzen aufzeigen?" Das sind Fragen, auf die sie die Antworten erst nach und nach im Beruf selbst erarbeiten konnte, weil ihr ein Rollenmodell fehlte. Für andere will sie diesen Weg abkürzen. Blog und Podcast sind in Vorbereitung.

Mit einem von ihr initiierten und umgesetzten Buchprojekt beweist Schoft außerdem erste verlegerische Fähigkeiten: Gemeinsam mit einer Kollegin hat sie den Titel "wild und frei" (Jess Connolly / Hayley Morgan) übersetzt und so das Portfolio des Verlags ergänzt. Eine gesunde Work-Life-Balance ist ihr aber bei allem Einsatz wichtig: "Ich will authentisch ich sein und nach meinen Werten leben." Zum 30. Geburtstag im Oktober hat sie sich vorgenommen, "endlich richtig reiten zu lernen" und bald darauf eine lange geplante Reise nach Brasilien anzutreten. Ihr Motto: "Es ist wichtig, immer mal wieder etwas zum ersten Mal zu machen – das hält frisch."

Was sagen Sie zu ...

... Down Under?
"Vom Laid-Back-Gefühl der Australier zehre ich noch heute: Mit etwas Abstand betrachtet sind die Dinge nicht so dramatisch, wie sie im ersten Moment scheinen."

... Lebenstraum?
"Mit Freund und Hund im alten VW-Bulli spontan und ungebunden durch Europa ziehen, am Strand aufwachen und surfen gehen."
 
... Schwitzerdütsch?
"Neuland! Inzwischen spreche ich ein solides 'Baseldütsch' und die Schweizer wechseln nicht mehr automatisch ins Hochdeutsche, wenn sie mit mir sprechen."

Der Börsenblatt Young Excellence Award geht in die sechste Runde. Die gesamte Buchbranche ist aufgerufen, den Preisträger oder die Preisträgerin in einem Onlinevoting zu bestimmen. Die Wahlkabine auf www.boersenblatt.net ist vom 1. bis zum 11. August geöffnet. Ihre Stimme zählt!

Hier geht es zur Wahlkabine.

Mehr Informationen zum Preis gibt es unter 
www.young-excellence-award.de.