Langfristiger Erfolg durch eine humanere Art der Arbeit

Bedienungsanleitung

Eine Digitalagentur aus Berlin will die Arbeitswelt ein wenig besser machen: keine Überstunden, flexible Abläufe, volle Transparenz. Dafür gibt es sogar ein eigenes Mitarbeiter-Wiki. MARCUS SCHUSTER

Das Team von diesdas.digital

Das Team von diesdas.digital © Norman Posselt / www.posselt.photos

Bewirbt man sich bei diesdas.digital in Berlin-Kreuzberg, hat man noch vor dem ersten Arbeitstag eine ganz gute Vorstellung davon, was einen dort erwartet. Das "Studio für Strategie, Design und Code" ist eine dieser hippen Digitalagenturen, denen Kunden aus allen Branchen gerade die Bude einrennen. Und die um die besten Talente konkurrieren müssen.

Das Unternehmen hat ein Mitarbeiter-Wiki ins Netz gestellt, eine Art Handbuch, in dem genau drinsteht, wie der erste Arbeitstag verläuft (Computer einrichten, Heißgetränk zu sich nehmen ...), wie Meetings ablaufen (sollten), was es mit Team Fridays und Büropartys auf sich hat, welche Kern­arbeitszeiten es gibt, wie Urlaubsanträge gestellt werden und wann üblicherweise das Gehalt kommt. Auch auf das Miteinander im Büro wird eingegangen (Kostprobe: "Wenn jemand Kopfhörer aufhat, ist das vielleicht ein Zeichen, dass er oder sie nicht gestört werden möchte. Also lieber eine Nachricht über Slack schreiben").

Ganz schön viel Erklärungs­bedarf für eine Firma, die gerade mal 26 Mitarbeiter hat und sich als "Evolutionary Organisation" versteht – mit wenig ­fixen Regeln und wenig klar definierten Prozessen. "Wir leben Transparenz und Selbstorganisation", sagt Harry Keller, einer der Partner von diesdas.digital. "Unser Wiki legt dafür den Rahmen, jeder Mitarbeiter kann es fortschreiben."

Vorbild ist das "Netflix Culture Deck" oder das "Employee Handbook" des US-Software- und Beratungsunternehmens Basecamp. Im Geiste Basecamps folgt diesdas.digital der Calm-Company-Bewegung. Das heißt, es gibt nach Möglichkeit keine Überstunden, keine Hektik, viel Urlaub und Flexi­bilität für die Mitarbeiter – im Agentur- und Projektgeschäft eigentlich undenkbar. "Unsere Überzeugung ist, dass eine humanere Art der Arbeit zu besseren Ergebnissen, höherer Mitarbeiterbindung und langfristigem Erfolg führt", sagt Partner Robert Haase.

In den dreieinhalb Jahren seit Bestehen der Agentur habe nur ein Kollege gekündigt. "Zu uns kommen Leute mit einem gewissen Mindset", sagt Harry Keller. "Bei uns können sie sich vollumfänglich einbringen mit all ihren Talenten und Macken. Wir nutzen ihre individuellen Stärken, statt die Leute normgerecht zu formen."

Auch die Kunden sollten übrigens zu diesdas.digital passen, immerhin arbeiten sie zeitweise mit in der Agentur. "Wir lehnen auch mal jemanden ab", sagt Robert Haase. Am Ende gehe es um eine partnerschaftliche Symbiose zum Vorteil beider Seiten und weniger um ein Auftraggeber-Auftragnehmer-Verhältnis. "Auch wenn es vielleicht etwas pathetisch klingt: Wir glauben fest daran, dass wir unseren Job und damit die Welt ein bisschen zum Positiven verändern können", erklärt Haase. "Das ist es, was uns jeden Morgen aufstehen lässt."

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