Deutscher Buchhandlungspreis

„Die Jury beurteilt die Qualität und nicht den Standort“

Große Freude auf der einen Seite, Enttäuschung auf der anderen: Auch in diesem Jahr folgt auf die Bekanntgabe der Nominierungen beim Deutschen Buchhandlungspreis eine Debatte über die Vergabekriterien. Börsenblatt Online hat mit Jury-Mitglied Regina Vogel gesprochen. INTERVIEW: CHARLINE VORHERR

Regina Vogel

Regina Vogel © privat

Dieses Jahr wurden viele Buchhandlungen aus ländlichen Regionen ausgezeichnet. Haben sich die Vergabekriterien geändert?
Frau Grütters hatte bei der diesjährigen Ausschreibung auf die besondere Bedeutung der Buchhandlungen im ländlichen Bereich hingewiesen und die Buchhandlungen ermutigt sich zu bewerben - diesem Aufruf sind erfreulich viele Buchhandlungen gefolgt.

Insbesondere Buchhandlungen in den neuen Bundesländer, ausgenommen vielleicht Sachsen, wurden hingegen mit nur wenigen Auszeichnungen prämiert. Warum?
Die Jury beurteilt bei der Auswahl der Bewerber in erster Linie die Qualität der Buchhandlung und nicht den Standort. Wir versuchen dabei eine möglichst gerechte Verteilung über das gesamte Bundesgebiet im Blick zu halten.

Buchhändlerin Sabine Kahl hat in einem Interview mit „Buchmarkt“ gesagt, dass sie von der Vergabepraxis frustriert sei. Solange ihr nicht klar sei, wie die Bewertungen zustande kämen, sei der Preis nicht mehr motivierend für sie. Sind die Bewertungskriterien tatsächlich zu vage?
Meines Wissens wurden bislang alle Anfragen bezüglich der Preisvergabe, die schriftlich an das Bundesministerium für Kultur und Medien gerichtet wurden, auch entsprechend schriftlich beantwortet. Das Ministerium und die Jury sind jederzeit offen für sachliche Kritik und Anregungen. Die Festlegung der Kriterien obliegt dem Bundesministerium und nicht der Jury - aber es besteht ein konstruktiver Austausch.

Sehen Sie die Möglichkeit, die Kriterien in Zukunft zu präzisieren oder nicht ausgezeichneten Buchhandlungen beispielsweise ein Feedback zu geben?
Bei der Entscheidungsfindung versucht die Jury im Austausch untereinander allen Kriterien gerecht zu werden. Da es aber weitaus mehr gute Buchhandlungen als Preise gibt, wird es immer wieder zu Diskussionen über Gerechtigkeit kommen. In diesem Jahr wurden 62 von 118 Buchhandlungen erstmalig  nominiert - das sollte allen bisher nicht nominierten Buchhandlungen Mut machen, sich weiter zu bewerben!

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8 Kommentar/e

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  • Sabine Kahl

    Sabine Kahl

    Sehr geehrte Frau Vogel,
    danke für Ihren Hinweis zu den definierten Regeln, die Anfrage an das Bundesministerium habe ich soeben auf den Weg gebracht.

    Bitte erlauben Sie mir, Sie darauf aufmerksam zu machen, daß es der Jury in diesem Jahr geglückt ist, mit den 10 Berliner Nominierten immerhin 4 Buchhandlungen auszuzeichnen, die den Preis nun zum 3. Mal erhalten. Die übrigen 6 Buchhandlungen erhalten den Preis allesamt zum 2. Mal. Unter den ausgezeichneten Berliner Buchhandlungen 2019 ist also kein Teilnehmer, der den Preis zum ersten Mal erhalten wird.

    Wie ich in meinem Interview bereits gesagt habe: Diese KollegInnen müssen einen besonders guten Job machen und ich gratuliere Ihnen von Herzen.

    Und freue mich jetzt auf die Information aus dem Bundesministerium.

    Mit freundlichen Grüßen
    Sabine Kahl

  • Stefan Weidle

    Stefan Weidle

    Ich möchte Frau Vogel nicht vorgreifen, aber die Zahlen richtigstellen:

    2019 wurden sieben Berliner Buchhandlungen für den Deutschen Buchhandlungspreis nominiert. Vier davon zum ersten Mal:
    Buchlokal
    Buchkönigin
    Prior & Mumpitz
    Walthers Buchladen

    Die anderen drei erhalten die Auszeichnung jeweils zum zweiten Mal:
    Marga Schoeller Bücherstube (2015 ausgezeichnet)
    Prinz Eisenherz (2015 ausgezeichnet)
    Zabriskie (2018 ausgezeichnet)

    2015 wurde übrigens auch die Starick Buchhandlung in Schmargendorf ausgezeichnet, die heutige Schmargendorfer Buchhandlung.

    Mit freundlichen Grüßen,
    Stefan Weidle (Mitglied der Jury)

  • Stefan Weidle

    Stefan Weidle

    Ich habe in der Eile tatsächlich drei Buchhandlungen übersehen, es sind also in der Tat 10 Buchhandungen für den Preis nominiert.

    Bücher am Nonnendamm (nie ausgezeichnet)
    Godolt (nie ausgezeichnet)
    Montag (2017 ausgezeichnet)

    Um die Statistik zu komplettieren:
    Sechs Buchhandlungen werden zum ersten Mal ausgezeichnet vier zum zweiten Mal. Keine zum dritten Mal.

  • Martina Bergmann

    Martina Bergmann

    Was mich ja so ein bisschen wundert: Ich kenne viele Berliner Buchhandlungen. Ich finde die Berliner oder meinetwegen Berlin-Potsdamer Buchhandlungslandschaft bewunderungswürdig vielfältig und glaube nicht, dass das nur an der Metropolregion liegt. Aber ich kenne die Buchhandlung von Frau Kahl nicht. Sie kann dann ja also nicht wahnsinnig auffällig sein.

  • Sabine Kahl

    Sabine Kahl

    Sehr geehrter Herr Weidle,

    Sie haben Recht und ich muss mich entschuldigen: Ich habe versehentlich die Prämierungen 2018 auch für das Jahr 2016 genommen. Das tut mir leid.

    Die Buchhandlung Starick existiert seit Sommer 2016 nicht mehr, weder in der Form noch in der äusseren Anmutung.

    Mit freundlichen Grüßen
    Sabine Kahl

  • Thomas Brausch

    Thomas Brausch

    @ Martina Bergman
    "Aber ich kenne die Buchhandlung von Frau Kahl nicht. Sie kann dann ja also nicht wahnsinnig auffällig sein. " - Also nur weil Sie die Buchhandlung nicht kennen, ist sie nicht preiswürdig?
    Finden Sie nicht auch, dass das mehr als arrogant ist, so zu "argumentieren"?
    Wir sind ja durchaus Ihre teilweise sehr harten Formulierungen gewöhnt, aber diesmal haben Sie sich selbst übertroffen. Außerdem sollte unter Kolleginnen und Kollegen ein freundlichen Tonfall gepflegt werden.
    MIt freundlichen Grüßen
    Thomas Brausch

  • Martin Stankewitz

    Martin Stankewitz

    Ich finde es gut, dass der Preis die Aufmerksamkeit auf den "unabhängigen Buchhandel" lenkt. Eine mehrfache Vergabe in Folge finde ich allerdings nicht unbedingt sinnvoll. Ich habe in diesem Jahr eine der ausgezeichneten Buchhandlungen besucht,was allerdings eher ernüchternd war. Die Präsentation der Bücher war dort unterdurchschnittlich gut.
    Die Enttäuschung rührte daher, dass die Buchhandlung eine große, inspirierende Auswahl an Büchern in einem speziellen Segment (auf das man sich sehr fokussiert) in einem ansprechenden Internetauftritt anbietet. Vor Ort sah das allerdings dann sehr viel magerer und auch etwas ungepflegt aus. Die Buchhandlung ist sehr klein und eher dunkel, was überhaupt nicht den Fotos im Internet entsprach. Die Buchauswahl vor Ort deckte sich zudem zum großen Teil mit dem, was man auch bei anderen breiter aufgestellten Buchhandlungen zu sehen bekommt.
    Passend zum speziellen Buchangebot werden besondere Veranstaltungen, nicht nur Lesungen, angeboten. Vielleicht hat das den Ausschlag gegeben. Die beiden Inhaber öffnen allerdings nur nachmittags von 14.00h bis 19.00h.

    Ansprechend fand ich die Kombination von Fokussierung auf eine bestimmte Thematik, ansprechendem, individuellen Webauftritt und dem Angebot an passenden Veranstaltungen. Die Buchhandlung hat den Preis nicht nur 2018 sondern wohl auch 2019 erhalten, was ich allerdings für etwas übertrieben halte. Die Buchhandlung selbst und das dort vorhandene Sortiment hat mich nicht wirklich überzeugt.

  • stefan weidle

    stefan weidle

    Lieber Herr Stankewitz, ich weiß, welche Buchhandlung Sie meinen, und bin selbst dort gewesen. Die Buchhandlung ist nicht groß, aber die Fokussierung auf genau zwei Themen, nämlich Natur und Rausch, ist, zumindest für mich, überzeugend. Die Konzentration bewirkt, daß auch viele fremdsprachige und sehr entlegene Titel vertreten sind. Außerdem bietet die Buchhandlung regelmäßig vogelkundliche Spaziergänge an und ist auch sonst über das reine Ladengeschäft hinaus aktiv. Die Jury wollte das mit der erneuten Auszeichnung anerkennen und Mut machen, außerhalb des gängigen Buchhandels etwas zu versuchen. Natürlich geht das nur in einer Großstadt wie Berlin, aber die Fokussierung auf naturkundliche Bücher würde sicher auch in anderen Städten auf Interesse stoßen, zumal wenn vogel- oder pflanzenkundliche Exkursionen angeboten werden. Jetzt, da wir die Natur zu verlieren drohen (umgekehrt wird ein passenderer Schuh daraus: Die Natur verliert uns), sollte dieses Interesse gefördert werden, gerade unter jungen Leuten, die sich gegen die Klimakatastrophe stemmen. Deshalb haben wir diese Buchhandlung als einzige in Berlin zweimal in Folge ausgezeichnet.

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