Bücher zum 250. Geburtstag Napoleon Bonapartes

Triumph und Tragik

Napoleon fasziniert Historiker und Nachwelt bis heute. In Biographien zu seinem 250. Geburtstag erscheint er teilweise in einem neuen Licht: nicht mehr nur als genialer und zugleich tragischer Akteur der Weltgeschichte, sondern als Getriebener der Revolution.       MICHAEL ROESLER-GRAICHEN

Kaiser Napoleon im Tuilerien-Palast, 1812

Kaiser Napoleon im Tuilerien-Palast, 1812 © Jacques-Louis David / Wikipedia / Google Cultural Institute

Aus einer korsischen Familie stammend, wurde der am 15. August 1769 geborene Napoleon Bonaparte bereits mit 26 Jahren General. Knapp zehn Jahre später, am 2. Dezember 1804, krönte sich der Erste Konsul der Französischen Republik in der Kathedrale Nôtre Dame selbst zum Kaiser. Dem kometenhaften Aufstieg zu Europas mächtigstem Herrscher und Feldherrn folgte nur wenig später der tiefe Fall. Nach dem katastrophalen Russland-Feldzug 1812, der die französischen Truppen dezimierte, wurde Napoleon zunächst auf die Mittelmeerinsel Elba verbannt. Während dieser Zeit kam es zu den Befreiungskriegen, vor allem auf deutschem Territorium – etwa in der Völkerschlacht bei Leipzig 1813, die mit der endgültigen Niederlage der französischen Armee endete.

1815 kehrte Napoleon noch einmal für 100 Tage auf den Kaiserthron zurück, doch nach der verlorenen Schlacht von Waterloo musste er abdanken und den Rest seines Lebens auf der abgelegenen britischen Insel St. Helena im Südost-Atlantik verbringen, wo er 1821 starb.

Zeitreise mit Zamoyski

In seiner groß angelegten Biographie ("Napoleon", C.H. Beck, 863 S., 29,95 €) erzählt der in London lebende Autor und Historiker Adam Zamoyski die Lebensstationen und biographischen Zäsuren Napoleons mit einer Meisterschaft, die den Leser in den Bann schlägt und bisweilen die Illusion erzeugt, man sei Augenzeuge der Geschehnisse. Mit viel Liebe zum historischen Detail vermag es Zamoyski, die Stimmung zu evozieren, die der "Retter Frankreichs" im Volk, aber auch bei ausländischen Beobachtern wie Wilhelm von Humboldt auslöste. Und er kann mit gleicher Intensität die Tragik des scheiternden Feldherrn, den Zusammenbruch der Armee und die persönliche Erniedrigung schildern. Wie in seinen früheren Büchern "1812" und "1815" gelingt es Zamoyski auch in seinem neuen Buch, das Zeitalter Napoleons in ein Epos zu verwandeln.

Der Revolutionär auf dem Thron

Eine These, die historischen Stereotypen zuwiderläuft, bildet das Rückgrat der anderen großen Biographie, die zum 250. Geburtstag erschienen ist: Günter Müchlers Buch "Napoleon. Revolutionär auf dem Kaiserthron" (wbg Theiss, 624 S., 24 €) sieht den französischen Kaiser in einer Kontinuitätslinie von der Revolution bis zur Unterwerfung großer Teile Europas im ersten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts. Der Putsch vom 18. Brumaire (im Jahr 1799), der Bonaparte an die Spitze der Republik beförderte, sei "nicht von Revisionisten, sondern vom Stammpersonal der Revolution" ins Werk gesetzt worden, um eine Gegenrevolution zu verhindern. Und der Cäsarismus, der sich in der Kaiserkrönung von 1804 manifestierte, bedeutete keine Wiederkehr des Ancien Régime, sondern war eine Herrschaftsform, die der Revolution entsprang. Das Expansionsstreben Frankreichs wurde zudem auch aus dem Impuls gespeist, die Errungenschaften der Revolution zu exportieren. Der Journalist, Historiker und Frankreichkenner Günter Müchler zeigt in seiner exzellent geschriebenen, gut lesbaren Biografie den Feldherrn und Beherrscher halb Europas in einem neuen Licht: Er ist nicht nur der geniale Akteur, sondern auch der Realpolitiker, der geschickt auf der Welle der Revolution reitet und den Erwartungen seiner Anhänger gerecht werden muss.

Eine Reise durch Europa "Auf Napoleons Spuren" (C.H. Beck, 408 S., 26,95 €, 28. August) hat der Napoleon-Experte Thomas Schuler unternommen. Er besucht darin Orte, an denen die Erinnerung an den französischen Kaiser und Feldherrn bis heute lebendig ist – ob in Paris, Berlin, London, Kaub, Venedig oder auf den Schlachtfeldern von damals wie dem sprichwörtlich gewordenen Waterloo in Belgien.

Weitere aktuelle Titel zu Napoleon (Auswahl):

  • Alexandra Bleyer: Napoleon. 100 Seiten, Reclam, 100 S., 10 €
  • Johannes Willms: Napoleon, C.H. Beck Wissen, 127 S., 9,95 €
  • Friedrich Max Kircheisen (Hg.): Gespräche mit Napoleon, Anaconda, 944 S., 9,95 €

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