Die Sonntagsfrage

"Wie geht es weiter, Herr Valerius?"

Florian Valerius hat gerade den Börsenblatt Young Excellence Award gewonnen, sein Buch "Leseglück" ist erschienen – und das Haupthaus der Buchhandlung Stephanus in Trier, in der Valerius seine Ausbildung absolviert hat, schließt. Wie verkraftet der Buchhändler und Blogger die emotionalen Wechselbäder? Wo sieht er seine Zukunft? Was kommt als nächstes? Die Sonntagsfrage.

Florian Valerius

Florian Valerius © privat

Für mich wird sich erstmal nichts, und doch alles ändern. Viel mehr kann ich dazu im Moment nicht sagen. Der erste Schock muss erstmal sacken, es finden viele interne Gespräche statt und dann wird an Konzepten, Ideen und Umstrukturierungen gearbeitet. Zwei Dinge sind sicher: Ich werde weiterhin mein bestes als Buchhändler vor Ort geben. Und leider werde ich mich im Frühjahr von einigen Kolleginnen verabschieden müssen, die mir über Jahre sehr ans Herz gewachsen sind. Das ist hart.

Als die News in Trier online waren, hatte ich 10 Minuten später die ersten Kunden vor mir stehen. Seitdem führe ich viele Gespräche, eine Welle des Mitgefühls und der Trauer von Seiten der Kunden bekomme ich tagtäglich zu spüren. Aber auch Erleichterung und große Freude, dass zumindest die Tarforst-Filiale als Literaturversorger vor Ort erhalten bleibt.

Aber was am vergangenen Sonntag passierte, als ich die Schließung der Buchhandlung bei Instagram und Facebook thematisierte, war der absolute Wahnsinn! Ich musste zeitweise mein Handy ausmachen, weil es nicht mehr stillstand. Bei Instagram wurde der Post über 2.000 mal geliked, es gab 300 Kommentare, insgesamt wurde der Beitrag über 33.000 Mal angeklickt. Bei Facebook wurden über 400 Likes verteilt und der Beitrag wurde fast 200 mal geteilt. Die Menschen waren fassungslos – und es brach eine Welle der #buylocal Bekundungen los – viele, viele Follower thematisierten es in ihren Feeds und Stories. Selten habe ich so etwas erlebt – so viel Liebe, Mitgefühl und Kampfgeist. Von Trierern, Lesern, Influencern, Buchhandels- und Verlagskollegen – viele haben sich geäußert und ihr Statement dazu abgegeben.  So hat diese (für mich) schreckliche Woche wenigsten einen positiven Effekt gehabt: Einigen Menschen den #buylocal Aspekt dadurch (wieder) näher zu bringen. Und das ist doch schon etwas.

Viele meiner Kunden kennen mich seit 10 oder mehr Jahren – und sind total stolz, dass „IHR“ Buchhändler ein Buch geschrieben hat. Die lieben das „Leseglück“ und die komplette Booklovers-Reihe. Viele kaufen es direkt im Stapel – mittlerweile kommen auch die ersten Rückmeldungen: Von „wunderschön“, „warmherzig“ über „großartig“ ist alles dabei. Die ersten Kunden fangen mittlerweile auch schon an, Titel, die wir im Buch vorgestellt haben, zu kaufen. Um, wie sie sagen, „ihre Liste zu vervollständigen“. Absolut verrückt war  für mich, die ersten Exemplare zu signieren – und das ist es auch nach 2 Wochen irgendwie immer noch… Keine Ahnung, ob sich das noch ändern wird.

Auch online, vor allem bei Instagram, habe ich bisher nur wohlwollendes und begeistertes Feedback erhalten. Meine Co-Autorin Mareike Fallwickl und ich haben unser gewünschtes Ziel wohl erreicht: Menschen zu inspirieren, das Medium Buch zu feiern und alle fürs Lesen und die Literatur zu begeistern! Am 17. September findet zusammen mit Mareike die Premierenlesung in Trier statt. Danach werden wir noch zusammen in Wiesbaden, Nürnberg und Fürth Leseglück verbreiten. Im November gibt es ein Bloggertreffen im Hause von ArsEdition und eine Lesung in Gunzenhausen. Danach werde ich alleine in Schwerin und Lübeck sein. Mehr Termine konnten wir zeitlich leider nicht stemmen. Für 2020 aber sind wir noch zu haben!

Seit nun 15 Jahren bin ich Buchhändler mit Leib und Seele – ich liebe meine Filiale, es ist mein zweites Wohnzimmer, meine Kollegin Lisa ist meine Arbeitsehefrau, Kunden wurden im Laufe der Jahre zu guten Bekannten, ja sogar Freunden, die mir blind vertrauen. Ein Abschied würde mir da sehr, sehr schwer fallen – und ich habe mir geschworen: Es müsste schon ein ganz, ganz besonderes Angebot um die Ecke kommen, um mich dort wegzulocken. Aber- sag niemals nie: in den letzten 2 Jahren ist mir so unglaublich viel Gutes durch @literarischernerd passiert, Spannendes, Faszinierendes – ich selbst habe mich weiterentwickelt, bin extrem weit raus aus meiner Comfortzone gegangen…. Wer weiß also, was da noch kommt?


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