Interview mit Anne-Mette Noack und John Ruhrmann

Warum Bookwire und der Deutsche Buchpreis zusammenarbeiten

Bookwire kooperiert mit dem Deutschen Buchpreis bei der digitalen Audiovermarktung der diesjährigen Longlist-Titel. Was erhoffen sich beide Seiten davon? Antworten von Bookwire-Geschäftsführer John Ruhrmann und Anne-Mette Noack, Leiterin Kulturprojekte beim Börsenverein.

Anne-Mette Noack

Anne-Mette Noack © Yasmin Nöth

Wird das Hören auch für den Deutschen Buchpreis wichtiger? Anders gefragt: Welche Rolle spielt der Podcast-Boom bei der neuen Kooperation zwischen Bookwire und Buchpreis?
Anne-Mette Noack: Seit einigen Jahren bieten wir bereits Hörproben zu den nominierten Titeln des Deutschen Buchpreises an – mit wachsender Beliebtheit. Das Hören von Literatur nimmt einen immer höheren Stellenwert bei den Menschen ein. So ist es nur konsequent, darauf hinzuweisen, dass viele Titel des Deutschen Buchpreises auch als Hörbuch verfügbar sind.

Was hat der Deutsche Buchpreis von der Zusammenarbeit mit Bookwire?
Noack: Wir erhoffen uns von der Kooperation zum einen, neue Zielgruppen anzusprechen – also Hörbuchhörer, die den Deutschen Buchpreis bisher noch nicht wahrgenommen haben, aber auch Menschen, die bisher selten zum Buch greifen. Hörbücher lassen sich für viele wunderbar "nebenbei" in den Alltag integrieren. Zum anderen möchten wir zeigen, dass Hörbücher keine Neben­sache sind, sondern ein weiterer toller Zugang zu Literatur, für den Verlage inzwischen eine große Bandbreite an Produkten anbieten.

John Ruhrmann

John Ruhrmann © Thomas Berberich Photography

Und was verspricht sich umgekehrt Bookwire von der Kooperation?
John Ruhrmann: Wir wollen den erhältlichen Hörbuchausgaben der nominierten Buchpreistitel zur verstärkten digitalen Aufmerksamkeit verhelfen. Durch die wachsende Bedeutung des Hörbuchmarkts ist es aus unserer Sicht von enormer Wichtigkeit, dass neben der Zielgruppe der Leser auch die der Hörer auf die 20 Titelaspiranten digital aufmerksam gemacht wird. Die Publi­zitätssteigerung der Titel sollte sich deshalb nicht nur auf die Buchausgaben beschränken. Denn auf der Longlist zu sein ist ein klarer Hinweis für literarisch höchste Qualität eines Werks: Hier wird immerhin der deutschsprachige "Roman des Jahres" ausgezeichnet!

Bookwire will die digitalen Audiobooks der Longlist mit einer Online-Marketingkampagne begleiten. Was genau gehört zum Paket?
Ruhrmann: In jedem Falle die bessere Sichtbarmachung des Titels als Buchpreisanwärter oder gar Gewinner. Wichtig ist dabei unser gut gepflegtes Verhältnis zu Anbietern wie zum Beispiel der Tolino-Allianz, mit der wir stets die beste Darstellung der Werke im Sinne der Kunden und der Händler anstreben. Unser Ziel ist, dass Onlinehändler diese Auszeichnung, sei es als Kandidat oder Gewinner, als echtes "Selling Argument" für potenzielle Kunden wahrnehmen. Gemeinsam mit dem Buchpreis werden entsprechende Banner usw. zur Verfügung gestellt. Sicherlich kann es auch die ein oder andere begleitende Preiskam­pagne für die Hörbuchtitel geben.

Der stationäre Buchhandel begleitet die Longlist für den Deutschen Buchpreis intensiv. Bleibt er bei einer solchen Kampagne für Audio-Downloads nicht zwangsläufig außen vor?
Noack: Je mehr über die Titel geredet wird, je mehr Menschen die Bücher kennenlernen und mögen, desto besser ist dies auch für die Buchhandlungen. Wir verstehen Hörbücher, ob digital oder physisch, nicht als Konkurrenz zum gedruckten Buch, sondern als wertvolle Ergänzung. Nicht selten werden Menschen durch eine Hörprobe auf einen Titel aufmerksam und kaufen ihn in einer Buchhandlung oder lassen sich dort über weitere Romane des Autors beraten. Manche Buchfans kombinieren beim Entdecken eines Titels auch beide Erscheinungsformen. Letztlich zahlt die Bekanntheit der Titel, egal in welchem Format, auf die Bekanntheit der nominierten Romane und auf die Verbreitung von Büchern insgesamt ein.

Bookwire bietet Verlagen an, Longlist-Titel, die noch nicht als Hörbuch vorliegen, in einer Audioversion zu produzieren. Haben sich schon Verlage bei Ihnen gemeldet?
Ruhrmann: Ja. Wir freuen uns über das gute Feedback von Verlagen, die eine eigene Auswertung in Betracht ziehen. Für einige Werke ist die Hörbuchlizenz jedoch schönerweise bereits vergeben und das Werk bald oder bereits erhältlich.

Die Hörbücher sollen spätestens bis zur Preisverleihung erscheinen. Welche Sprecher gehören zum Pool? Und könnte das Tempo nicht auf Kosten der Qualität gehen?
Ruhrmann: Wir verfügen über einen großen Pool an Sprechern, auf den wir zurückgreifen können. Die Produktionsprozesse sind von der Sprecherauswahl über die Aufnahme bis zur Produktionsabgabe so ausgestaltet, dass wir eine hohe Qualität schnell herstellen können. Wir wissen, dass für viele Hörer die Qualität der Produktion das wichtigste Kriterium bei nachgefragten Titeln ist.

Der Produktionsservice Way gehört seit Herbst 2018 zum Bookwire-Portfolio. Wird er von den Verlagen genutzt? Und erhoffen Sie sich hier einen Werbeeffekt durch die Kooperation mit dem Deutschen Buchpreis?
Ruhrmann: Bookwire versteht sich als "Enabler für Verlage". Mit "Way – We audiobook you" bekommen Verlage einen Service, über den sie den wachsenden Audiomarkt bespielen können, wenn sie die Rechte nicht anders vergeben, sondern selbst auswerten wollen. Wir haben darauf von Anfang an gutes Feedback von vielen Buchverlagen erhalten, die sich die Auswertung ihrer Titel im Rahmen einer Multiformat-Strategie fest vorgenommen haben, aber selbst nicht die Struktur besitzen und keine Rechte verkauft haben. Wir haben ganz unterschiedliche Nutzungen durch Verlage, manche produzieren nur ein bis zwei Werke, um es mal auszuprobieren, andere produzieren pro Jahr Titel in zweistelliger Höhe.

Wird die Kooperation zwischen Bookwire und Buchpreis 2020 auch auf den neuen Deutschen Sachbuchpreis ausgedehnt – oder wollen beide Seiten den Testlauf mit dem Deutschen Buchpreis erst mal abwarten?
Noack: Audioformate werden sicher auch beim Deutschen Sachbuchpreis eine Rolle spielen. In welcher Form, steht allerdings noch nicht fest.

Die Partnerschaft fürs Hörbuch



  • Um den digitalen Hörbuchausgaben der Longlist-Titel zu mehr Sichtbarkeit und Relevanz im Markt zu verhelfen, unterstützt Bookwire nominierte Titel mit einer speziell auf digitale Audiobooks ausgerichteten Marketingkampagne – im Team mit dem Deutschen Buchpreis. Damit wollen die beiden Partner "ein deutliches Zeichen für die beständig wachsende Bedeutung von Hörbüchern setzen".



  • Sollte ein nominierter Verlag die Hörbuchrechte bislang noch nicht vergeben haben und selbst auswerten wollen, kann er über den Service "Bookwire Way – We audiobook you" ein digitales Audiobook produzieren und in die Shops beziehungsweise Streamingportale einspielen lassen – mit garantierter Veröffentlichung bis zur Preisverleihung am 14. Oktober und inklusive aller digitalen Vertriebs- und Marketingmaßnahmen.

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