Ab 1. Juni 2020

Franzobel wird 25. Dresdner Stadtschreiber

Der österreichische Autor und bildende Künstler Franzobel wird ab Juni 2020 neuer Dresdner Stadtschreiber. Für ein halbes Jahr erhält er ein Stipendium und eine mietfreie Wohnung in der Stadt.

Franzobel

Franzobel © Julia Haimburger

Franzobel wurde von einer unabhängigen Jury aus einer zweistelligen Anzahl qualitativ hochwertiger Bewerbungen ausgewählt, wie die Stadt Dresden mitteilt. Die Bewerbungen kamen aus Deutschland, Österreich, Ungarn, Frankreich und Italien. Der österreichische Autor tritt das Amt am 1. Juni 2020 an. Für ein halbes Jahr erhält er ein Stipendium (1.500 Euro pro Monat) und eine mietfreie Wohnung in der Stadt. Das Stipendium wird von der Landeshauptstadt Dresden in Kooperation mit der Stiftung Kunst & Kultur der Ostsächsischen Sparkasse Dresden vergeben.

Mit Franzobel übernimmt zum zweiten Mal ein Autor aus Österreich das Amt des Dresdner Stadtschreibers. 1967 in Vöcklabrück als Franz Zobl geboren und zunächst als bildender Künstler tätig, arbeitet Franzobel seit 1991 als Autor von Romanen, Dramen und Kinderbüchern. "Sein Erfindungsreichtum und Sprachwitz verschafften ihm großen Erfolg bei der Literaturkritik wie beim Lesepublikum auch in Deutschland", heißt es in der Mitteilung weiter.

Franzobels Arbeitsvorhaben überzeugte: Roman über die DDR

Franzobel erhielt mehrere Auszeichnungen, darunter 1995 den Ingeborg-Bachmann-Preis und 1998 den Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor. Sein Roman "Das Floß der Medusa" (Zsolnay) aus dem Jahr 2017 war für den Deutschen Buchpreis nominiert, ein Auszug aus diesem Werk lag auch der Bewerbung Franzobels um das Amt des Dresdner Stadtschreibers bei.

Neben diesem Text überzeugte die Jury besonders das in der Bewerbung geschilderte Arbeitsvorhaben: Franzobel plant, in einem historischen Roman einen Mann zum Protagonisten zu machen, der zu DDR-Zeiten ein familiäres Doppelleben führt. "Die Parallelfamilie scheint mir eine schöne Metapher für das Leben in verschiedenen Wahrheiten zu sein, nicht nur für die DDR, auch für die Gegenwart", schreibt der Autor in seiner Bewerbung. Der geplante Roman wolle erforschen, wie es möglich sei, dass "eine auf idealistischen Werten begründete Gesellschaft plötzlich Zäune und Mauern bauen muss, sich schließlich selbst bespitzelt und immer unmenschlicher und brutaler wird“. Die Jury ist überzeugt davon, dass der entfernte und doch verwandte Blick eines Österreichers auf solch ein Thema auch das Publikum in Dresden bewegt und bereichert.

Annekatrin Klepsch, Beigeordnete für Kultur und Tourismus, beglückwünscht die Wahl der Jury: "Der Querdenker Franzobel wird dem Kulturgeschehen der Landeshauptstadt Dresden eine neue Farbe hinzufügen: seine humorige Hintersinnigkeit, seine Kreativität und sein literarisches Werk – vor allem aber seine Bewerbung lassen darauf schließen, dass wieder ein herausragender Autor Dresdner Stadtschreiber 2020 wird."

Die Jury setzte sich zusammen aus: Michael Bittner (Vorsitz), Karin Großmann, Uta Hauthal, Julia Meyer, Juliane Moschell, Jörg Scholz-Nollau und Ulrike Schüler.

Weitere Informationen zum Amt des Dresdner Stadtschreiber − und eine Liste der bisherigen Stadtschreiber − finden Sie hier.

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