Sortimenter-Ausschuss diskutiert über EIBF und Digitalpakt

Sorge vor einem "DEAL 2.0" im Schulbuchgeschäft

Der Sortimenter-Ausschuss im Börsenverein will enger mit dem internationalen Buchhandelsverband EIBF zusammenarbeiten: Wie das aussehen könnte – darüber haben die Ausschuss-Mitglieder am 13. November bei ihrer Sitzung im Frankfurter Haus des Buches beraten. Weiteres Thema: Geht dem Sortiment durch die Digitalisierung das Schulbuchgeschäft verloren? VON SABINE CRONAU

Christiane Schulz-Rother

Christiane Schulz-Rother © Ines Grabner

Nach der Sitzung zog Christiane Schulz-Rother, Vorsitzende des Sortimenter-Ausschusses (SoA), eine kurze Bilanz der Ausschuss-Beratungen. Die Buchhändler diskutierten bei ihrem Treffen im Frankfurter Haus des Buches unter anderem über das Schulbuchgeschäft und den Digitalpakt der Bundesregierung für die Schulen.

Nach wie vor würden viele Buchhändler mindestens ein Viertel ihrer Umsätze mit Schulbüchern erwirtschaften, machte Schulz-Rother in einem Gespräch im Nachgang deutlich. Den Buchhandel treibe die Sorge um, dass sich der Schulbuchmarkt durch die Digitalisierung grundlegend verändern werde und ein "DEAL 2.0" im Schulbuchgeschäft drohe.

Die Berliner Buchhändlerin (Tegeler Bücherstube) bezog sich damit auf die Nationallizenzen im Zeitschriftengeschäft, die deutsche Hochschulen mit großen Wissenschaftsverlagen wie Wiley und Springer unter dem Projektnamen "DEAL" bundesweit ausgehandelt haben (mehr dazu hier). Der stationäre Buchhandel, gibt die Ausschuss-Vorsitzende zu bedenken, werde in einem vergleichbaren Fall im Schulbuchgeschäft wohl nur eine untergeordnete Rolle spielen.

Man stemme sich nicht gegen die Digitalisierung, warne aber vor den Folgen, die solche weitreichenden Modelle für die Buchhandelslandschaft haben könnten, so Schulz-Rother. Der enge Kontakt zwischen dem örtlichen Buchhandel und den Schulen sei zudem wichtig, um gemeinsam die Leseförderung zu stärken, Bewusstsein für den lokalen Handel zu schaffen oder einfach mal einen Praktikumsplatz vor Ort zu bekommen.

Neben dem Schulbuchgeschäft befasste sich der Sortimenter-Ausschuss damit, wie sich das Engagement im EIBF (European and International Booksellers Federation) revitalisieren lässt: "Auch der Buchhandel wird internationaler, wir müssen in den grenzüberschreitenden Austausch mit den Kollegen Knowhow und Zeit investieren", so Schulz-Rother.

Wie wichtig das sei, zeige nicht zuletzt die EU-Richtlinie zum Geoblocking, die im Februar 2018 vom EU-Parlament verabschiedet wurde. Die Neuregelung für den grenzüberschreitenden Vertrieb hätte sich gerade für kleinere Buchhandlungen im digitalen Geschäft zu einem großen Problem entwickeln können – wenn damals nicht eine Ausnahme für E-Books erreicht worden wäre (mehr dazu hier).

Diese Sonderregelung war jedoch auf zwei Jahre begrenzt, läuft also bald aus. Das Thema Geoblocking stehe deshalb für Börsenverein und EIBF ganz oben auf der Prioritätenliste, betonte Schulz-Rother nach der SoA-Sitzung: "Und es zeigt: Wir brauchen eine Interessenvertretung auf internationaler Ebene – als Netzwerk und für die Lobbyarbeit."

Vertreten werden die deutschen Sortimenter im EIBF seit kurzem von Robert Duchstein, Geschäftsführer der Buchhandlung Reuffel in Koblenz. Zudem habe es bereits zwei Treffen der SoA-Spitze mit dem EIBF-Präsidium gegeben, berichtete Schulz-Rother.

Bereits am Mittwochvormittag hatten sich die Fachausschüsse des Börsenvereins zu einer gemeinsamen Sitzung getroffen. Dabei ging es um die Verlegerbeteiligung, um einen ökologischen Branchenleitfaden und eine Bilanz zum Buchverkauf auf der Frankfurter Buchmesse. Mehr dazu hier.

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