Buchpremiere "Der unsichtbare Krieg" in Berlin

Warum sich Propaganda multipliziert - und Regierungen oft machtlos sind

Wer hat die Macht? Diese Frage entscheidet sich mehr und mehr im Netz. In ihrem Buch "Der unsichtbare Krieg. Wie die Digitalisierung die Sicherheit in der Welt bedroht" zeigt KI-Expertin Yvonne Hofstetter, welche Folgen der Missbrauch digitaler Instrumente für Demokratien und das Weltgeschehen haben kann. In Berlin diskutierte sie jetzt mit Wolfgang Ischinger und Siegmar Mosdorf über das hochpolitische Thema.

Diskutierten über Demokratien in Zeiten der Digitalisierung: Siegmar Mosdorf (links), Yvonne Hofstetter, Wolfgang Ischinger

Diskutierten über Demokratien in Zeiten der Digitalisierung: Siegmar Mosdorf (links), Yvonne Hofstetter, Wolfgang Ischinger © Johannes Schermaul

Einen Vorgeschmack auf das, was sich da zusammenbrauen könnte, gibt die Russland-Affäre rund um US-Präsident Donald Trump. Viele Jahre lang hat Yvonne Hofstetter für internationale IT-Firmen gearbeitet, heute gehört sie unter anderem zum Wissenschaftlichen Beirat der Hochschule der Medien in Stuttgart, Institut für Digitale Ethik. Was haben Digitalisierung, Big Data oder Künstliche Intelligenz mit der Demokratie zu tun – und dem Leben jedes Einzelnen? Mit solchen Fragen beschäftigt sich die Autorin seit 2013 in Vorträgen, Podiumsrunden und jetzt auch in Buchform bei Droemer. Ihre Überzeugung: Je stärker sich die Menschen vernetzen, desto größer werden auch die Begehrlichkeiten, politischen Nutzen daraus zu ziehen – sprich: Propaganda zu betreiben über die digitalen Kanäle.

Die Verschleierung der Wahrheit finde heute dauernd statt, so auch Wolfgang Ischinger, Leiter der Münchner Sicherheitskonferenz, den Yvonne Hofstetter für ihr Buch interviewt hat: "Wenn früher Propaganda nur zu Kriegszeiten stattfand, gehört sie heute zum Alltag. Neu ist, dass sich die Methoden der Beeinflussung von Staaten, Regierungen, aber auch von einzelnen Bürgern oder Institutionen gerade in unglaublicher Weise multipliziert haben," meint Ischinger.

Bei der Buchpremiere in Berlin, die der Kultur- und Bildungsverein Urania in Zusammenarbeit mit dem Verlag Droemer Knaur ausgerichtet hat, diskutierte Yvonne Hofstetter mit Ischinger darüber, wie sich Strategien und Formen der Kriegsführung verändern – und ob sich Hacker-Attacken im Netz überhaupt als Krieg im völkerrechtlichen Sinne bezeichnen lassen. 

Fakt ist: Cyberangriffe nehmen zu und haben allein in Deutschland 2018 einen Schaden von mehr als 60 Millionen Euro verursacht. Daten werden ausspioniert, Infrastrukturen sabotiert oder Falschnachrichten verbreitet und Wahlen beeinflusst. Die Frage, wer hinter den Angriffen steht und wie Unternehmen und Regierungen darauf reagieren können, ist oft nicht eindeutig zu beantworten.

Mit rund 180 Gästen war die Buchpremiere Anfang November in der Berliner Urania beinahe ausverkauft. Das interessierte Publikum, darunter auch Schüler, folgte einer intensiven Diskussion, die von Siegmar Mosdorf, Staatssekretär a.D. beim Bundesminister für Wirtschaft und Technologie, moderiert wurde. Fazit der Runde: Die Sicherheit ist extrem gefährdet - und kaum ein Staat scheint auf diese Bedrohungslage ausreichend vorbereitet zu sein. 

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