Wo Verlagsvertreter Pause machen

Speisen auf Reisen

Vier Verlagsvertreter*innen über die Torturen des Essens auf Rädern, über Lieblingslokalitäten und kulinarische Buch-Favoriten. UMFRAGE: NILS KAHLEFENDT

Mario Max

Mario Max © Nils Kahlefendt

Mario Max trifft beim Winzer auf Kollegen

"Eins meiner Reise-Highlights – bei der Unterbringung wie beim Essen und Trinken – ist das Weingut Meintzinger in Frickenhausen, ein paar Kilometer südlich von Würzburg. Das Haus hat sich zu einem richtigen Treffpunkt für die Kollegen entwickelt, die in Bayern unterwegs sind. Die Mehrzahl unserer Zunft ist im Großraum München ansässig – wenn man den Norden beackert, kann man sich hier für eine Woche einmieten und das Gebiet sternförmig aufrollen. In diesem Sommer habe ich hier, ohne dass wir verabredet gewesen wären, Tom Hoymann getroffen, der die dtv-Kinderbuchtasche macht. Ein Nachteil: Man muss mit dem Auto unterwegs sein; der nächste Bahnhof befindet sich in Ochsenfurt. Ich hoffe, dass die SUV-Fahrer dieser Welt dem Zauber dieses Orts noch nicht gleich den Garaus machen. (www.weingut-meintzinger.de)

Im Restaurant wird nie nur gegessen; es geht, ganz klar, immer auch ums Sehen und Gesehen-Werden und um das Gefühl, bei Fremden und doch zu Hause zu sein. In seinem Buch 'Im Restaurant. Geschichten aus dem Bauch der Moderne' montiert Christoph Ribbat Szenen aus der Weltgeschichte der Gastronomie, von Suhl bis Paris, von Tokio bis Bochum. Der Soziologe hat hier nicht einfach ein weiteres Sachbuch geschrieben, ihm ist ein temporeiches Erzählexperiment zwischen Kulturwissenschaft und Doku-Roman geglückt." (Suhrkamp, 228 S., 12 €)

Mario Max, seit vielen Jahren als Verlagsvertreter in Bayern unterwegs, hat derzeit Suhrkamp/Insel, Kein & Aber, Kampa, Laurence King und Helvetiq in der Tasche. Auf dem Foto isst er im feinen Restaurant Hemelse Modder in Amsterdam.

Regina Vogel

Regina Vogel © Nils Kahlefendt

Regina Vogel hat einen Ankerpunkt am Alten Strom

"Warnemünde ist für mich die erste Station im Norden, wenn die Reise beginnt. Bei gutem Wetter (sonst funktioniert's nicht!) setze ich mich auf die Bootsterrassen mit Blick auf den Alten Strom. Ein unprätentiöser Imbiss, aus einer Fischverkaufsbude entstanden, mit absolut frischem und leckerem Angebot. Mein Leibgericht ist Matjes Tatar, mit frischen Kräutern, leicht asiatisch neu interpretiert, dazu selbst gebackenes Brot. Das hätte ich dort nicht erwartet. In der Hauptsaison ist es brechend voll; Ende Mai aber herrlich! (www.bootsvermietung-warnemuende.de)

Ich bin mit der Bahn unterwegs, also nicht der Typ, der von Landgasthof zu Landgasthof reist. In den Städten möchte ich mich schnell und gesund ernähren. Die Fertigsachen hasst man nach kurzer Zeit. Als großer Eintopf- und Suppenfan koche ich häufig am Wochenende vor und friere portionsweise für die nächsten Abende ein. Die 53 Suppenrezepte aus der Trierer Zuppa-­Suppenbar, die Juana Georgia Gürtler farbenprächtig illustriert hat, haben mir schon manchen Tag gerettet: 'Zuppa lecker. Großartige Suppen­rezepte von A bis Z aus der Zuppa Bar" (Jaja Verlag, 130 S., 26 €)."

Regina Vogel, 1965 in Wuppertal geboren, leitete lange Jahre die Buchhandlung an der Thomas­kirche in Leipzig. Seit 2013 reist sie als freie Verlagsvertreterin für unabhängige Verlage (www.buero-indiebook.de) zwischen Ahrenshoop und Wiesbaden. Das Johnny Orpheus ist ein Lieblings-Café in der Nähe ihrer Wohnung in Leipzig-Schleußig.

Rudi Deuble

Rudi Deuble © Nils Kahlefendt

Rudi Deuble reist mit Buttermilch und Bemme
 
"In der Reisezeit geht es bei mir überwiegend frugal zu. Meist sind die Tage so eng gesteckt, dass für lange kulinarische Pausen kaum Zeit bleibt. In der Regel mach' ich mir morgens ein belegtes Brot, eine richtige Bemme. Das esse ich dann mittags, dazu kaufe ich mir eine Buttermilch – fertig! Ich freue mich allerdings jeden Tag, der so vergeht, schon aufs Wochenende  – und darauf, dass ich etwas Schönes koche.

Als mir der Quetsche-Verleger Reinhard Scheuble das wunderbare 'Gemalt. Gekocht. Gegessen. Ein Kochbuch der besonderen Art' in die Tasche legte, las ich gerade ein Interview mit dem linken Politikwissenschaftler Johannes Agnoli: 'Der Kommunismus ist wichtig', meinte der, 'aber Ossobuco ist auch nicht ohne.' Wie der Zufall so spielt, findet sich weit vorn im Buch ein Ossobuco-Rezept, das ich dann ziemlich bald probiert habe. Klaus Thiem, Chefkoch von Hartmann's Landküche in Husum, schwört auf sein Bauchgefühl und die 'Freiheit des Kochens'. Beim Ossobuco heißt es dann schon mal: Mit 'ausreichend' Tomatenmark einreiben, 'bei voller Kanone' durchziehen lassen. Großartig sind die farbenfrohen Druckgrafiken, bei denen Küchengegenstände auf Gemüsesorten und Zutaten treffen. Ein Gesamtkunstwerk!" (von Heiner Egge, Gisela Mott-Dreizler, Klaus Thiem, Quetsche, 160 S., 70 Ill., 34 €)

Rudi Deuble, geboren 1952 in Neuenbürg und seither oft im kulinarischen Notstandsgebiet von Buchmessen anzutreffen, lebt als freier Verlagsvertreter und Mitherausgeber der nachgelassenen Werke Peter Kurzecks in Frankfurt am Main.

Christian Geschke

Christian Geschke © Nils Kahlefendt

Christian Geschke geht's um die Frankfurter Rindswurst
 
"Die Destination, auf die ich mich bei jeder Reise besonders freue, ist die Kleinmarkthalle in Frankfurt am Main. Gelegen zwischen Hasengasse und Liebfrauenberg, gleich neben der Zeil, sind dort über 60 Händler mit Köstlichkeiten aus aller Welt versammelt. Ich habe es auf eine regionale Spezialität abgesehen – Gref-Völsings Rindswurst, mit Brötchen und scharfem Senf (www.gref-voelsings.de). Gut gewürzt und knackig: Im Winter schaffe ich zwei, im Sommer meist nur eine. Auf der Vertreter­reise lege ich meine Termine immer schön um die Wurst herum.

In Satu Taskinens Roman "Der perfekte Schweinsbraten" (Transit, E-Book 18,99 € oder antiquarisch) steht eine in Wien lebende, mit einem Österreicher liierte Finnin vor der Aufgabe, für die argwöhnische Sippschaft des Mannes unter Führung von "Frau Mutti" das titelgebende Traditionsgericht auf den Tisch zu bringen. Ein Festschmaus, der sich zu einer tragikomischen Kette von Katastrophen ausweitet."

Christian Geschke, 1965 in Leipzig geboren, arbeitete nach dem Studium der (sozialistischen) Betriebswirtschaft von 1990 bis Ende 2008 als Vermögensberater bei der Dresdner Bank, bis 2010 bei der Sparkasse Leipzig. Seit acht Jahren ist er für die Buchkoop Konterbande (www.buchkoop.de) unterwegs. In der Leipziger Südvorstadt sieht man ihn hin und wieder im "Hotel Seeblick", das, wiewohl sehr charmant, weder Hotel ist noch über Seeblick verfügt.

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