Börsenblatt Young Excellence Award 2020

Kirstin Kreppel: "Vor der Struktur ist das Chaos"

"Vor der Struktur ist das Chaos", weiß Kirstin Kreppel. Doch langsam werde sie auch ungeduldig, will sie endlich neue Projekte anstoßen. Kirstin Kreppel, seit Oktober Senior Lizenzmanagerin/Entertainment im Kosmos Verlag, ist die erste Nominierte für die Publikumswahl zum Börsenblatt Young Excellence Award 2020.

Kirstin Kreppel

Kirstin Kreppel © privat

Als Senior Lizenzmanagerin im Bereich Entertainment ist es bei Kosmos ihr Job, gemeinsam mit den interdisziplinären Teams Marken voranzutreiben. Ein facettenreiches Feld, in dem es darauf ankommt, viele Bälle gleichzeitig in der Luft zu halten, Ideen und Konzepte zu entwickeln, interne und externe Vernetzungsarbeit zu leisten. Die 33-Jährige versteht ihr Geschäft und weiß, worauf es ankommt. In dem Stuttgarter Verlag geht es deshalb für sie zu Beginn erst einmal darum, die gewachsenen Prozesse, Arbeitsweisen und Abläufe zu erkennen. "Es ist wahnsinnig vielfältig, gerade weil ich markenübergreifend tätig bin. Aber ich habe ja Zeit hineinzukommen", entschleunigt sie sich selbst etwas.

Es ist eine andere Welt, in die sie vor einigen Wochen mit einem großen Sprung eingetaucht ist: Aus einem Agenturumfeld mit Start up-Mentalität in ein traditionsreiches Unternehmen mit erfolgreichen Marken wie "Catan", "Exit" und "Die drei ???", das das Lizenzgeschäft als eigenen Bereich strategisch weiter ausbauen will. In der neu geschaffenen Position übernimmt Kirstin Kreppel die Betreuung bestehender Lizenzpartnerschaften. Außerdem soll sie die Vermarktung vorhandener Entertainmentmarken im In- und Ausland weiterentwickeln. "Hier darf ich ganzheitlich arbeiten, und es reizt es mich, dass die Markenhoheit im Haus ist und wir nicht nur Mittler sind", erläutert Kreppel, die zuletzt bei der Burda Magazine Holding im Brand Licensing tätig war und dort den Bereich der externen Marken aufgebaut hat. "Die Tätigkeit ist mir auf den Leib geschneidert", freut sie sich auf die kommenden Aufgaben, die ihre beiden beruflichen Schwerpunkte, die sie bereits im Studium gesetzt hat, aufs Beste bündeln.

Aufgewachsen in einem kleinen Dorf bei Zweibrücken, schrieb sie sich 2005 an der Uni Trier ein: Hier wurde das Fach Medienwissenschaften in Kombination mit Betriebswirtschaft gelehrt. Während eines Praktikums im Bereich Merchandising bei ZDF Enterprises in Mainz erlebt sie im Licensing zum ersten Mal die praktische Anwendung von beidem. "Der Bereich hat mich sofort fasziniert und mir großen Spaß gemacht", erzählt Kreppel. Sie erfährt, wie vielfältig die Welt der Lizenzen ist, was es heißt, Markenwerte und eine Zielgruppe zu definieren, kreativ darauf einzugehen, Produktwelten abzuleiten und nicht zuletzt Partner zu begeistern. "Ich finde es toll, wenn zwei Unternehmen zusammenkommen, in Kooperation kann man viel gemeinsam umsetzten", sagt sie mit inzwischen zehn Jahren Berufserfahrung, in denen sie den Enthusiasmus für ihre Profession beibehalten hat, auch wenn es nicht immer einfach war.

Ihren ersten Job landet sie 2010 bei der Copyright Promotions Licensing Group in München im Brand Management für Sesamstraße, Hello Kitty, Peanuts, die Simpsons und Co. 2014 nimmt sie ein Angebot der Burda Magazine Holding an, steigt als Product Manager Merchandising & Licensing in eine damals noch kleine, aufstrebende Abteilung ein, die für interne wie externe Marken das Lizenzgeschäft entwickelt und ausbaut. Mit Kreativität und Leidenschaft bringt Kreppel Marken voran, leistet viel Überzeugungsarbeit, auch intern. Sie entdeckt das "people-bezogene" Licensing für sich, arbeitet mit Models, einem Sterne-Koch und dem TV-bekannten Tänzer und Fitness Coach Detlef Soost zusammen. "Die Welt wird immer komplexer und die Menschen suchen ein vertrautes Gesicht. Influencer sorgen dafür, dass die Identifikation mit Promis zunimmt", glaubt Kreppel.

Auch privat kommt mit der Zeit alles an seinen Platz, die langjährige Fernbeziehung findet 2015 in München eine gemeinsame Heimat, bald darauf ist Kreppel schwanger. Das Kind ist erwünscht, die beruflichen Begleiterscheinungen sind es nicht. Kreppel geht für genau ein Jahr in Mutterschutz und Elternzeit, gleichzeitig entwickeln sich die Strukturen im Unternehmen rasant weiter und der anstehende Schritt in die Führungsposition geht an ihr vorbei. "Kind und Karriere, es geht nicht beides", musste sie erfahren. Ihren Platz zu finden habe sie Kraft gekostet und auch privat sehr beschäftigt. Über zwei Jahre hätten ihr Partner und sie – beide arbeiten gern und viel – gebraucht, um ihren Weg zu finden. Heute sind sie in reduziertem Zeitumfang mit 85, bzw. 80 Prozent tätig. "Auch für die Firma meines Mannes ist das Thema Gleichberechtigung noch neu. Es liegt viel Arbeit vor uns", schätzt Kreppel die allgemeine Situation ein. Ihrer heute dreijährigen Tochter wollen sie ein modernes Rollenbild vorleben.

Im September hat die Familie den großen Schritt nach Stuttgart gewagt. "Wir sind sehr positiv überrascht", verrät Kreppel, "es ist deutlich schöner als angenommen, und wir sind so nett aufgenommen worden." Nur 400 Meter vom Verlag entfernt haben sie eine Wohnung gefunden – kurze Wege sind genau das Richtige für Kreppel, die es kaum erwarten kann, in das anfangs gefühlte Chaos Struktur zu bringen. Die Grundlagen sind da: "Mein Herz schlägt für Kinderthemen, dort bin ich zuhause. Und es hat sich alles supergut gefügt", ist Kreppel überzeugt.

 

Was sagen Sie dazu...

Käfig-Eier: An Info-Ständen der Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt kämpfe ich gegen die Massentierhaltung an und habe dazu in München auf der Straße schon viele Gespräche geführt. Es muss sich noch vieles ändern.

Kind und Karriere: Es hat viel Kraft gekostet, als Mutter wieder den eigenen Platz zu finden. In der Realität zeigt sich, dass beim Thema „Gleichberechtigung“ noch viel Arbeit vor uns liegt, und auch für Männer, die Beruf und Familie vereinbaren wollen, ist es nicht einfach.

Sesamstraße: Schon meine Magisterarbeit habe ich zum „Fernsehverständnis von Vorschulkindern“ geschrieben. Sie an Medien heranzuführen ist genauso wichtig wie sie mit nicht zu vielen Dingen zu belasten. Für meine dreijährige Tochter sind „Leo Lausemaus“, „Kikaninchen“ und die „Sesamstraße“ ok – auch, wenn mir nicht alles gefällt.

Zur Person

Kirstin Kreppel, Jahrgang 1986, ist bei Zweibrücken in der Pfalz aufgewachsen. An der Universität Trier hat sie Medienwissenschaften und Betriebswirtschaftslehre (M.A.) studiert. Im Anschluss war sie dreieinhalb Jahre im Marketing bei der Copyright Promotions Licensing Group in München tätig, zuletzt als Senior Brand Managerin. 2014 wechselte sie zur Burda Magazine Holding in den Bereich Brand Licensing. Im Oktober 2019 startete sie als Senior Lizenzmanagerin/Entertainment im Kosmos Verlag. Kreppel lebt mit Mann und Tochter in Stuttgart.

Über den Young Excellence Award

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