Umfrage zu Wirtschaftstiteln im Buchhandel

"Nachhaltiges Wirtschaften ist ein großes Thema"

Welche Wirtschaftstitel spielen eine wichtige Rolle – im tief sortierten Fachsortiment wie im allgemeinen Buchhandel? Sechs Antworten, die Standardwerke ebenso würdigen wie aktuelle Topseller. UMFRAGE: ISABELLA CALDART

© Nico Herzog

Björn Lauer

Björn Lauer © vntr.media

Björn Lauer, Hugendubel, Frankfurt am Main
 
"Eine gute Abteilung – egal welchen Fachgebiets – kann sich nie mit dem einen Buch auszeichnen, das darin enthalten ist. Für den Kunden muss sich hier ein Verständnis für Standardtitel wie für aktuelle Entwicklungen widerspiegeln. Standardtitel kann man sich sehr einfach in Zusammenarbeit mit dem Verlag und der Universität am Ort erarbeiten. Unter den aktuellen Themen sind für mich derzeit ausschlaggebend: Verhaltensökonomie, Design Thinking, Silicon Valley und Wirtschaftspsychologie. Da bieten sich Titel an wie: 'Nudge' von Richard Thaler und Cass Sunstein (Ullstein), 'Schnelles Denken, langsames Denken' von Daniel Kahneman (Siedler / Penguin), 'Silicon Valley' von Christoph Keese (Penguin) sowie 'Risiko' von Gerd Gigerenzer (btb). Menschen, die nach Wirtschaftsbüchern suchen, sind üblicherweise vielfältig interessiert – in diesem Zusammenhang ist es immer wichtig, Impulse zu setzen, die andere, ungewöhnliche Denkweisen fördern."

Helga Beuter

Helga Beuter © Steffen Sixt | Blind21

Helga Beuter, Osiander, Tübingen, Metzgergasse
 
"Bei uns verkauft sich 'Deutschland, ein Wirtschaftsmärchen' von Ulrike Herrmann sehr gut (Westend). Die Autorin schildert darin die wirtschaftliche Entwicklung des Landes seit Ludwig Erhard. Auch 'Gemeinwohl-Ökonomie' (Piper) ist beliebt, ein allgemein verständliches Sachbuch. Christian Felber beschreibt darin, dass die Wirtschaftsordnung wegen des Demokratieverlusts in Gefahr ist, benennt Modelle für alternative Wirtschaftsordnungen und sagt, wie man sich engagieren kann, sowohl regional als auch im Unternehmen. Das ist interessant und regt zum Nachdenken an. Kürzlich gab es in der örtlichen Presse hier einen ganzseitigen Artikel über 'Der größte Crash aller Zeiten' von Marc Friedrich und Matthias Weik (Eichborn). Seitdem ist die Nachfrage sehr groß. Der Titel ist so beliebt, dass es im Moment nicht lieferbar ist und vom Verlag nachgedruckt werden muss."

Alexander Witsch, Buchhandlung Theo Hector, Frankfurt am Main
 
"Wir sind vor allem auf die Universität ausgerichtet – mit dem Hauptaugenmerk auf Jura. Wirtschaftsthemen funktionieren bei uns gar nicht mehr. Der Umsatz in diesem Segment ist eingebrochen – durch den Umzug der Frankfurter Uni auf den Campus Westend, vor allem aber durch die Umstellung auf den Bachelor­studiengang. Früher haben Dozenten gesagt: 'Das ist mein Buch, und das wird dieses Semester gelesen.' Aber das gibt es nicht mehr. Zu den Titeln, die für unseren Standort in Frankfurt relevant sind und waren, gehört zum einen das Standardwerk 'Jahresabschluss und Jahresabschlussanalyse' von Adolf G. Coenenberg, das sowohl für das Grundstudium der BWL als auch für die Spezialisierung von Bedeutung ist (Schäffer-Poeschel). Und zum anderen 'Betriebswirtschafts­lehre' von Georg Erdmann und Michael Krupp (Pearson)."

Fabian Röger

Fabian Röger © Kemptener Fachsortiment

Fabian Röger, Kemptener Fachsortiment, Kempten
 
"Eines der wichtigsten Wirtschaftssachbücher für uns ist definitiv 'Kopf schlägt Kapital' von Günter Faltin (Hanser, im Taschenbuch bei dtv). Es behandelt die wichtigsten Fallstricke auf dem Weg zur Selbstständigkeit, gibt wertvolle Tipps und ist deswegen besonders geeignet für Menschen, die überlegen, in die Selbstständigkeit zu gehen, und letzte Zweifel haben, mit denen sie aufräumen wollen. Mir selbst hat es bei einigen Fragen, nicht zuletzt bei der Übernahme der Buchhandlung Anfang dieses Jahres, ebenfalls sehr geholfen. Es ist anschaulich geschrieben und dadurch leicht lesbar, behandelt den Sinn oder Unsinn von Business­plänen und liefert schöne neue Ideen – vor allem, dass man nicht nur an Geld, an Kapital denken, sondern sich auch fragen sollte, was man mit dem Unternehmen überhaupt erreichen will. Und nicht zuletzt regt es dazu an, erfolglose Ideen nicht sofort wieder zu verwerfen, sondern sich intensiver mit ihnen zu beschäftigen, daran zu arbeiten und sie weiterzuentwickeln. Dieses Buch empfehle ich immer wieder gern."

Mathias Meyer

Mathias Meyer © privat

Mathias Meyer, Buchhandlung Meyer, Weißenburg in Bayern
 
"Nachhaltiges Wirtschaften und Nachhaltigkeit generell sind ein sehr großes Thema bei uns, so zum Beispiel 'Gemeinwohl-Ökonomie' von Christian Felber (Piper), ein Buch mit Blick auf die Zukunft. Oder 'Der Bäcker und sein Brot' von Volker Schmidt-Sköries (Droemer), der ein Biobäcker der ersten Stunde ist und nicht nur dazu rät, achtsam mit der Natur umzugehen, sondern auch mit menschlichen Ressourcen, Arbeitszeit zum Beispiel. Schmidt-Sköries kann man glauben, weil er es auch wirklich so macht – pfiffig erzählt ist das Buch außerdem. Wir haben es als Stapel ausliegen, und die Leute greifen ständig zu. Was ich persönlich am interessantesten finde, ist 'Scale. Die universalen Gesetze des Lebens von Organismen, Städten und Unternehmen' von Geoffrey West (C. H. Beck). Das Buch zeigt, dass alles zusammenhängt, von einem funktionierenden Stadtorganismus bis hin zu Unternehmensstrukturen. Es vereint verschiedene Denkbereiche, Philosophie, Soziologie, Naturwissenschaft und Wirtschaft natürlich. Dieser ganzheitliche Ansatz ist spannend. Und es geht auch um Nachhaltigkeit, darum, uns und die Welt nicht mehr zu verbrauchen. Zudem ist es ein Ideenbuch mit praktischen Hinweisen."

Norbert Döhner

Norbert Döhner © privat

Norbert Döhner, Fachbuch im Fachwerk, Aschaffenburg
 
"Seit ich im Buchhandel arbeite, gibt es einen Dauerbrenner: 'Einführung in die allgemeine Betriebswirtschaftslehre' von Günter Wöhe (Vahlen). Dieser Titel begleitet mich seit über 30 Jahren; er erscheint bereits in der 26. Auflage, obwohl der Autor schon lange tot ist. Manche Bücher kommen, manche Bücher gehen, aber dieses Lehrbuch wird wahrscheinlich nie vom Markt verschwinden. Unsere Buchhandlung ist mehr oder minder auf Studenten zugeschnitten, auch wenn Studententitel immer weniger gehen. Davon abgesehen, laufen Titel zu Anlagethemen wie ETF und Indexfonds gut. Darüber liest man oft im Wirtschaftsteil, als relativ risikoarme Alternative zum Sparbuch für Otto Normalverbraucher. Was sich hier verkauft, sind 'Souverän investieren für Einsteiger' von Börsen-Guru Gert Kommer (Campus) und 'Anlegen mit ETF' von der Stiftung Warentest. Ich persönlich mache einen großen Bogen um die Börse. Aber ETFs sind nicht so hochspekulativ, deswegen funktionieren diese Titel gut bei uns."

Mehr zum Thema Recht, Wirtschaft, Steuern lesen Sie im heute, 28.11., erschienenen Börsenblatt Spezial RWS.

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