Zur Verabschiedung von Detlef Bluhm

"Sein immanentes Lächeln"

Detlef Bluhm (65), seit 1992 Geschäftsführer des Börsenvereins-Landesverbandes Berlin-Brandenburg, wurde gestern im Berliner Büro des Börsenvereins verabschiedet. Argon-Geschäftsführer Kilian Kissling hielt eine anrührende Rede auf Bluhm, die Börsenblatt Online dokumentiert.

Kilian Kisslings Abschiedsrede im Wortlaut:

"Liebe Kolleginnen und Kollegen,
liebe Freundinnen und Freunde,

von den heute Anwesenden bin ich einer von denen, die unseren Landesverband gar nicht ohne Detlef kennen. Mir blüht also bald eine neue Erfahrung.

Umgekehrt bin ich der letzte Vorsitzende, den Detlef in seiner Zeit als Geschäftsführer erlebt hat. Das ist nicht im Geringsten mein Verdienst, eher eine historische Laune. So wie das Gedächtnis Erinnerungen sortiert, bin ich durch diese Laune ein Teil der Küstenlinie, die Detlef als letztes sieht, als das Schiff abgelegt hat, die in der Gischt verschwimmt und kleiner wird.

Zu dieser Metapher gehört, dass die an Land wieder in ihren Trott zurückkehren als das Schiff am Horizont verschwindet. Während der an Bord nun etwas Neues macht. Er ist aufgebrochen.

Doch das ist, wie gesagt, nur eine Metapher, die beschreibt, wie das Gehirn Erinnerungen sortiert.

Wenn ich heute etwas über Detlef sage, dann sind das noch keine Erinnerungen. Dann ist das der Versuch, aus jüngeren und aktuellen Eindrücken etwas zu sortieren, das wahrscheinlich einmal die Erinnerung an Detlef werden könnte. Und da fällt mir eine außergewöhnlich unspektakuläre Begebenheit ein, sie ist wenige Wochen alt, und vermutlich hätten sie alle Beteiligten in Kürze vergessen, würde ich sie nicht hier verwenden.

Doch diese außergewöhnlich unspektakuläre Begebenheit enthält ein paar feine Spuren und Indizien, mit denen sich Detlef nach meinen Erfahrungen ganz gut beschreiben lässt.

Die Begebenheit geht so. Vor etwas mehr als einem Jahr wurde zum ersten Mal der Berliner Verlagspreis verliehen. Es ist eine gute Sache, eine verdiente Freude für die ausgezeichneten Verlage allemal, und wir hatten eine schöne Veranstaltung, auf der ich eine kleine Begrüßungsrede halten durfte.

In diesem Jahr fand diese Auszeichnung zum zweiten Mal statt. Auf einem Fest der Frankfurter Buchmesse traf ich einen befreundeten Verleger, nominiert in diesem Jahr, wir quatschten über irgendetwas und zum Abschied sagte ich etwas im Sinne von "na, dann sehen wir uns ja spätestens bei der Preisverleihung wieder". Und er staunend "Wie, da kommst Du", ich sagte "Aber sicher, ich befürchte sogar, ich muss da eine Rede halten", lachen, Lärm, das nächste Gespräch.

Am folgenden Sonntag morgen klingelt das Telefon:

"Hier ist Detlef, störe ich?"
"Nein was gibt's?"
"Ja, ich wollte es Dir nur sagen, ich habe gehört, dass Du denkst, du müsstest nächsten Monat bei der Preisverleihung eine Rede halten."
"Ja, das dachte ich, hatten wir noch gar nicht drüber gesprochen, aber letztes Jahr, da..."
"Ja, aber dieses Jahr ist das ganz anders und da ist gar keine Rede von Dir vorgesehen. Du könntest natürlich eine Rede halten, wenn Du willst, dann müsste ich das wissen und mich kümmern."
"Nein, nein, keinesfalls, ich reiße mich nicht darum."
"Gut, mehr wollte ich gar nicht"

Ich hatte eine außergewöhnlich unspektakuläre Begebenheit angekündigt und ich habe nicht zu viel versprochen. Ich versuche aufzulösen, was darin steckt:

Erstens: Der Mann ist vernetzt wie kaum ein anderer.
Zweitens: Zwischen jenem Sonntag und der Preisverleihung liegen vier Wochen. Der Mann ist weitsichtig.
Drittens: Da führt jemand eine ganz feine Regie. Schnappt hier was auf, stößt da etwas an, wendet weiträumig Missverständnisse ab.
Viertens: Wenn der Mann etwas macht, dann ist ihm kein Detail egal.
Fünftens: Wenn Du mit dem Mann was machst, dann sorgt er dafür, dass es Dir gut geht. Also wenn er was mit Dir machen will, sag einfach ja. Es wird gut.

Das ist das eine, was ich noch loswerden wollte.

Dann noch das andere, ganz subjektive. Denke ich an Detlef, denke ich vor allem an eines: an sein immanentes Lächeln. Selbstverständlich in einem angeregten Gespräch, selbstverständlich wenn es um etwas Interessantes oder Lustiges geht.

Doch dieses immanente Lächeln ist auch noch da, wenn es um etwas Ernstes geht, wenn es kompliziert wird. Alles um uns herum ist ernst, doch diese Mundwinkel behalten diese feine lächelnde Nuance. Dazu seine blitzenden, wachen Augen.

Er strahlt aus – ob es immer stimmte, habe ich nie herausgefunden – "Ich habe Lust auf dieses Gespräch, ich investiere Zuversicht in unser Gespräch, tue du es auch." Es ist schwer sich vorzustellen, dass Gespräche entgleiten, sich Fronten verhärten, wenn Detlef dabei ist. Sein immanentes Lächeln steckt an, ermahnt die Missgestimmten, ermutigt die guten Kräfte im Raum.

Und nicht nur das: Es ist ein inspirierendes Lächeln, mutig und neugierig auf Probleme und in die Welt zu schauen.

Lieber Detlef, wenn wir zukünftig ohne Dich etwas Schwieriges zu verhandeln haben, es droht zu haken, dann versuche ich mir, Dein immanentes Lächeln vorzustellen. So wirst Du noch eine Weile bei uns bleiben.

Wir wünschen Dir eine gute Reise in das, was Dich immer interessiert hat: In das Neue."

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