Branchen-Monitor Buch Kalenderwoche 48

Schleppender Start

In der Woche vor dem ersten Advent zeigten sich Buchkäufer und -schenker noch zurückhaltend. Die Kalenderwoche 48 bescherte der Branche über alle Vertriebswege hinweg ein Minus von 3,2 Prozent. Details aus dem Handelspanel von Media Control. CHRISTINA SCHULTE

Es geht wieder los: In den kommenden Wochen analysiert das Börsenblatt in Zusammenarbeit mit den Marktforschern von Media Control detailliert das Weihnachtsgeschäft. Wir liefern Ihnen jede Woche Zahlen über die Entwicklung der Vorwoche sowie kumulierte Werte. Den Auftakt macht die Kalenderwoche 48 mit einem recht untertourigen Start. Demnach blieben die Umsätze über alle Vertriebswege hinweg um 3,2 Prozent hinter der Vergleichswoche des Vorjahrs zurück. Trotzdem kann der Buchhandel den gesamten Monat November immer noch mit einem Plus von 1,5 Prozent abschließen.

Für Hard- und Softcover ging es in der 48. Woche um 3,1 Prozent nach unten, auch Taschenbücher verfehlten ihren Vorjahreswert und landeten mit minus 1,7 Prozent im roten Bereich. Nahezu unverändert präsentierte sich das Kalendergeschäft mit einem leichten Rückgang von 0,2 Prozent. Bei den Warengruppen dominierten ebenfalls die Minuszeichen. Am stärksten getroffen hat es das Segment Sozialwissenschaften, Recht und Wirtschaft, das 11,8 Prozent verlor, gefolgt vom Sachbuch, das seine Messlatte um acht Prozent unterschritten hat. Zwei Ausreißer können jedoch mit einem Umsatzplus punkten: Das Geschäft mit Kinder- und Jugendbüchern legte um 1,6 Prozent zu, Ratgeber konnten ein hauchdünnes Plus von 0,1 Prozent erzielen. Während die Bücherpreise mit einem Durchschnittswert von 13,38 Euro nahezu konstant blieben (Vorjahr: 13,35 Euro), sank die Menge der verkauften Bücher um 3,4 Prozent.

Der Buchhandel vor Ort musste noch mehr Federn lassen als die Gesamtheit der erfassten Absatzwege: Im Sortiment sind im Vergleich zur Vorjahreswoche 4,1 Prozent der Umsätze auf der Strecke geblieben. Die Einnahmen mit Hard- und Softcovern gingen hier um 5,4 Prozent zurück. Dafür verkauften sich Kalender besser (plus 1,7 Prozent). Bei den Warengruppen kamen allein die Ratgeber aus der Deckung und brachten es auf ein ansehnliches Plus von 2,6 Prozent. Ansonsten prägen negative Vorzeichen das Bild. Selbst Kinder- und Jugendbücher generierten 3,4 Prozent weniger Umsatz, Sachbücher sogar acht Prozent und belletristische Titel bewegten sich mit 4,6 Prozent im Minus.

Auch der Absatz gab im Sortiment stärker nach als über alle Vertriebswege hinweg (minus 4,6 Prozent), die Preise erhöhten sich leicht von 13,34 Euro auf 13,41 Euro.

Bei einer Börsenblatt-Umfrage unter Buchhändlern stellt sich die Lage nicht ganz so düster dar:

Katja Zimerap, Buchhandlung am Wall, Aurich:
"Das erste Adventswochenende war bei uns sehr entspannt. Die Kauflaune ist bereits seit zwei Wochen gut. Es wird auch viel aus dem Non-Book- und Geschenkbereich nachgefragt, wie Weihnachtsdeko, Kalender, Weihnachtsbücher sowie weitere kleinere Sachen. Mit der Buchvorstellung durch die Kollegen haben wir eigene Highlights gesetzt. Spitzentitel sind 'Tante Martl' von Ursula März und 'Schneeschwester' von Maja Lunde, beide mussten wir schon nachbestellen. Der Umsatz ist im Vergleich zum Vorjahr in etwa gleich geblieben."

Ursula Meier

Ursula Meier © Klaus Daub

Ursula Meier, Buchhandlung Siebenmorgen, Bergisch-Gladbach:
"Bei uns waren Stimmung und Kauflaune am ersten Adventswochenende relativ gut. Man merkt allerdings den Black Friday. Das Onlinegeschäft lief bei uns besser als das im Laden. Dort war es vergleichbar mit dem Vorjahr. Im Netz ist dagegen die Post abgegangen. Spitzentitel sind 'Die Sonnenschwester' von Lucinda Riley und 'Federball' von John le Carré. Ansonsten verteilt sich die Nachfrage auf unterschiedliche Titel."

Christine Friedlein

Christine Friedlein © privat

Christine Friedlein, Buchhandlung Friedrich, Kulmbach:
"Wir sind zufrieden mit dem ersten Adventswochenende. Nur an diesem gibt es bei uns einen sehr schönen Weihnachtsmarkt, der viele Menschen in die Stadt zieht, davon profitieren auch wir als Buchhandlung bis in die Abendstunden, wo die gesamte Stadt sehr schön illuminiert ist. Bei uns sind die Spitzentitel 'Die Sonnenschwester' von Lucinda Riley, 'Herkunft' von Saša Stanišić und 'Wir sind das Klima' von Jonathan Safran Foer. Insgesamt braucht der Belletristik noch etwas, das Sachbuch ist schon gut nachgefragt. Unser Umsatz war im Vergleich zum Vorjahr etwas besser."

Joachim Greisle, Buchhandlung Rabe Sigmaringen:
"Bei uns war die Stimmung am Wochenende gut, der Umsatz eher normal. In der Regel ist aber unter der Woche bei uns mehr Betrieb, weil es die Menschen am Wochenende in die größeren Städte der Umgebung zieht. Gefragt sind auch Dinge wie Weihnachtssterne, kleine Kalender und viele Regionalia. Und auch zum Beispiel der in Sigmaringen geborene Krimiautor Harald Marburger, mit dem es auch eine Veranstaltung gab. Ansonsten wird mehr Sachbuch nachgefragt wie zum Beispiel Karl-Heinz Otts Bücher zu Beethoven und Hölderlin. Sonst gibt es die üblichen Bestseller, die aber alle keine Hype ausmachen."

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