Thees Wullkopf über die Buchpreisbindung

"Wir müssen reden"

Die Buchpreisbindung wird durch Werbekostenzuschüsse und weitere Forderungen ausgehöhlt, warnt Thees Wullkopf. Der Geschäftsführer der Handels-Dienstleistungen Ha.Se GmbH fordert: „Wer die Buchpreisbindung einfordert, der muss sie auch leben.“

Thees Wullkopf

Thees Wullkopf © privat

Sicher kommt es vor, dass man Konditionen im Miteinander ab und zu überdenken muss. Da kann die Insolvenz eines großen Geschäftspartners etwa die Kalkulation des Verlages durcheinanderwürfeln, die geplante Geschäftserwartung außerplanmäßig kippen und Nachjustierungen, die auch meine Kunden betreffen, erforderlich machen. Oder eine Buchhandlung engagiert sich mit hohen Kosten und außerordentlich über längere Zeit einen Partnerverlag nach vorne zu bringen und die Anerkennung dieser Bemühungen zu Lasten anderer Aktivitäten muss sich auch in Konditionen niederschlagen. Weil es richtig ist!

Das Schreiben „Sehr geehrte … müssen wir leider ab dem 1.1.2020 Ihren bisherigen Rabatt von .. % auf unsere Schulbücher und Lehrerhandbücher auf .. % senken. Die stetig steigenden Produktionskosten lassen uns leider keine andere Wahl.“, wie jüngst vom Claudius Verlag ergangen, hat da andere Qualität. Es passt in die gleiche Kategorie, wie das Ansinnen nach Renovierungskostenzuschuss zur Rolltreppe, die Einforderung von pauschalen Werbekostenzuschüssen, wenn man als Verlag gelistet bleiben möchte oder die Aufforderung zur kostenfreien Belieferung in das benachbarte Ausland von der anderen Seite des Tisches. Oder auch der teilweise Umgang mit Autoren- und Übersetzerhonoraren oder der gezielt gesteuerten Protektion von Bestsellerlisten, verbunden mit einzig auf den Volumenumsatz abzielenden Verkaufskanälen weniger, plakativer Titel in den Nebenmärkten. Weil ich es kann!

Wer die Buchpreisbindung einfordert, der muss sie auch leben. Die Ermächtigung durch den Gesetzgeber, nach der Verlage einseitig auch die Preise und möglichen Verdienstspannen festlegen sind nicht nur ein seltenes Privileg, sondern auch eine Verpflichtung im Innenverhältnis der Buchbranche. Wer das verkennt, nach Gutsherrenart verfährt, der versündigt sich an der Idee der Buchpreisbindung. Wer im Binnenbereich der Preisbindung seine Mächtigkeit ohne die Betrachtung vom Ende her ausspielt, der sollte dies in einem durch die reine Lehre der Marktwirtschaft geprägten Umfeld tun. In der Welt der Discounter und Baumärkte, wo einzig Größe zählt, hat das schützenswerte Kulturgut kein Biotop.

Wo aus dem „weil es richtig ist“ ein ausschließliches „weil ich es kann“ wird, hat die Buchpreisbindung jedwede Berechtigung verloren. Wir können die nach außen immerwährend betonte Notwendigkeit der Preisbindung auch im Innerverhältnis der Branche töten. Und darüber sollten wir reden – meine Meinung.

Update vom 9.12.2019
Claudius-Verriebsleiterin Heide Warkentin antwortet auf Thees Wullkopf: "Große Anstrengungen sind nötig"

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4 Kommentar/e

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  • Alexander Virchow

    Alexander Virchow

    Die Buchpreisbindung ist für den Bereich Onlinehandel längst zu einer Marktschutzhürde für Amazon und eine Handvoll anderer Anbieter geworden.

    Entweder gleiche Einkauspreise für alle. Oder.

  • Dr.  Klug

    Dr. Klug

    Ich bin dafür, die Buchpreisbindung aufzuheben. Sie ist eine glatte Lüge und ruiniert nicht nur kleine Buchhändler, sondern auch das Image des Buches. Auch ich habe schon so "nette" Briefe von Verlagen bekommen (es war nicht Claudius, sondern ein namhafter Taschenbuchverlag): "Sie haben leider nicht genug Umsatz mit unseren Büchern gemacht, ab sofort wird Ihr Handelsrabatt um 15 % gesenkt." Ich frage mich, was die Verlage eigentlich mit diesem Unsinn bezwecken wollen. Glauben sie allen Ernstes, dass das eine "Motivationsspritze" für Händler sein soll! Da ist doch wohl die erste Reaktion: "Von dem Verlag verkaufe ich in Zukunft gar nichts mehr." Und nicht: "Ich stelle mich jetzt auf Zehenspitzen und schreie allen (Bestell-) Kunden (das sind 90 % der Leute, die eine Buchhandlung betreten) lauthals den Namen des TB-Verlags entgegen, damit die Kunden nur noch Ware dieses einen Verlags kaufen"?!?!? Jeder weiß, dass die Buchbranche so nicht funktioniert. Und dass Verlage jahrzehntelang nichts für ihr Image getan haben. 90 % der Leute, die eine Buchhandlung betreten, kennen höchstens 3 Verlagsnamen. Gekauft wird nach Titel, Thema oder Autorenname, nicht nach Verlagsnamen.
    Die Buchpreisbindung ist nicht nur nach innen bereits längst erodiert und komplett kaputt, sondern macht auch nach außen keinen Sinn. Für "blöde und geistlose" Unterhaltungselektronik wird gerne mal 250 EUR ausgegeben, aber bei Buchpreisen um die 30 Euro motzen die Käufer schon, wie "teuer" das ist. Ergebnis einer seit Jahren verfehlten Preispolitik "dank" Buchpreisbindung!!!
    Und apropos: Was macht eigentlich die Entscheidung für die Versandkosten des Buches bei DHL/Post?!?! Da war eine Beschwerde eingelegt worden, und bis Jahresende müsste die Post ihre Preise korrigieren ... doch man hört nichts. Auch so eine "Lüge" in Sachen Buchpreisbindung.

  • if

    if

    "Für "blöde und geistlose" Unterhaltungselektronik wird gerne mal 250 EUR ausgegeben, aber bei Buchpreisen um die 30 Euro motzen die Käufer schon, wie "teuer" das ist. Ergebnis einer seit Jahren verfehlten Preispolitik "dank" Buchpreisbindung!!!"

    Schon im zweiten Posting das Kundenbashing. Statt sich einfach mal um ihn zu kümmern.

  • Karin Lassen

    Karin Lassen

    Buchpreisbindung ruiniert Händler und das Image des Buches? Eine seltsame Sichtweise. Welches Image hat denn das Buch in den Augen eines Buchhändlers? Schnäppchenware in Regalen voller Massenartikel? Dann könnten Sie doch eigentlich auch Billigtextilien eines in Asien produzierenden verkaufen. Vielleicht sollte man sich auch einmal wieder vor Augen führen, dass ein Buch nicht nur einen Preis sondern auch einen Wert hat. Darin steckt viel Arbeit, Ideenreichtum, Kreativität und Handwerk. Seitens des Autors und (hoffentlich) auch seitens des Verlags. Der Autor bekommt übrigens nur einen winzigen Teil des Erlöses. Bei einer kleinen Auflage sind das zwischen 30 und 80 Cent pro Buch (dessen Verkaufspreis unter 20 Euro liegt). Oder sogar weniger. Ein Aufheben der Buchpreisbindung würde zu noch niedrigeren Tantiemen führen, denn niemand kommt ja ernsthaft auf die Idee den Preis dann etwas anzuheben. Da verstehe ich die Autoren schon, die künftig lieber auf Selfpublishing setzen und ihre Arbeit dort eher gewürdigt sehen. Sollen die Buchhändler dann doch Spielzeug, Tassen und lizenzierte Titel aus dem Ausland verkaufen. Und kleinere Verlage, die denen eine Chance geben, die nicht ausschließlich den Mainstream bedienen, können sich demnächst auch ein neues Betätigungsfeld suchen. Die ersten ziehen ja schon die Reißleine, sind sie doch von der Libri-Auslistung direkt betroffen.
    Warum über Buchpreisbindung sprechen, wenn Ihr Problem eigentlich Werbekostenzuschuss heißt? Vielleicht sollten Sie darüber verhandeln und nicht denen die Wertschätzung versagen, die Ihr Produkt erst möglich machen.

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