Branchen-Monitor Buch Kalenderwoche 49

Es bleibt vorerst zäh

Auch in der Woche nach dem ersten Advent wollte der Buchhandel noch nicht so richtig warmlaufen. Alle Vertriebswege gemeinsam schließen mit einem Minus von 3,8 Prozent ab, das Sortiment bleibt 4,4 Prozent unter Vorjahrsniveau. Details aus dem Handelspanel von Media Control.  CHRISTINA SCHULTE

Die Vorlage war gut, der Buchhandel ist mit kräftigem Rückenwind in die heiße Phase des Jahres gestartet – jetzt wird ihm doch nicht etwa auf den letzten, entscheidenden Metern die Luft ausgehen? Die Zahlen der Kalenderwoche 49 nach dem ersten Advent deuten diese Gefahr jedoch vorsichtig an. Wie aus dem Panel von Media Control hervorgeht, ist über alle Absatzkanäle hinweg ein Minus von 3,8 Prozent zu ver­buchen. Bei den Editionsformen verloren Hard- und Softcover 4,5 Prozent, Taschenbücher konnten sich mit einem Miniplus von 0,1 Prozent in den grünen Bereich retten.

Der Blick auf die Warengruppen zeigt mit einer Ausnahme durchweg die Farbe Rot. Lediglich Kinder- und Jugendbücher waren beliebter als im Vorjahr und gewannen 1,3 Prozent hinzu. Spürbar weniger gekauft wurde belletristische Literatur, die 5,7 Prozent hinter ihrem Wert des Jahres 2018 zurückgeblieben ist. Gleiches gilt für Reisebücher mit einem Umsatzrückgang von 5,9 Prozent. Die Sachbücher glitten mit 9,1 Prozent sogar noch tiefer ins Minus, allerdings hatten sie mit sehr starken Vorgaben zu kämpfen.

Die Umsatzeinbußen wären noch höher ausgefallen, hätte es nicht eine leichte Preissteigerung von 0,1 Prozent gegeben. Bücher kosteten im Schnitt 13,74 Euro – zwei Cent mehr als im Vorjahr. Die Absätze verringerten sich um 3,9 Prozent.
 
Der Buchhandel vor Ort bilanziert für die Kalenderwoche 49 geringere Einnahmen in Höhe von 4,4 Prozent. Punkten konnte das Kalendergeschäft, das um 3,1 Prozent zugelegt hat. Die Warengruppen allerdings zeigten sich ebenfalls mit nur einem Gewinner: in diesem Fall die Ratgeber mit einem Plus von 1,4 Prozent. Selbst die sonst so zuverlässigen Kinder- und Jugendbücher verfehlten ihr Ziel um 1,6 Prozent. Stark gebeutelt wurden auch im Buchhandel vor Ort die Sachbücher mit minus 9,7 Prozent. Noch ein Blick auf die Preise: Sie legten von 13,70 Euro auf 13,75 Euro um 0,4 Prozent zu, während der Absatz um 4,7 Prozent nach unten ging. Das Resümee nach Ablauf der Kalenderwochen 48 und 49: 3,5 Prozent müssen alle Vertriebswege gemeinsam im Vorjahresvergleich noch aufholen, 4,3 Prozent gilt es für das Sortiment wettzumachen. Der Countdown läuft.

Bei einer Umfrage des Börsenblatts unter Buchhändlern ergab sich für die vergangene Woche allerdings ein positiveres Bild, als es die Zahlen vermuten lassen:

Heike Schade, Buchhandlung s' Blaue Stäffala, Forchheim:

"Die Stimmung war bei uns ganz gelöst und entspannt. Alle Kunden waren gut drauf, er läuft bei uns. Viele haben jetzt begriffen, dass Weihnachten ist, auch wenn das Wetter nicht gerade darauf hinweist. Die Kunden kommen mit Zetteln in den Laden und wissen genau, was sie kaufen wollen. Den Spitzentitel machen wir selbst, durch unsere Empfehlungen. In diesem Jahr ist das 'Unerhörte Stimmen' von Elif Shafak. Das ist ein Titel den wir selbst richtig gut finden. Der Umsatz war im Vergleich zum Vorjahr etwas besser."

Anette Gohlke

Anette Gohlke © privat

Anette Gohlke, Buchhandlung Scherer, Bad Oeynhausen:

"Die Stimmung war jetzt am Wochenende besser als in der Woche davor. Für uns war das ein sehr beschwingtes Arbeiten in der Buchhandlung. Auch am Nikolaus kamen trotz des Regenwetters viele Kunden in den Laden. Man merkt den Menschen die Vorweihnachtsfreude an. Am Wochenende waren es oft noch kleine Geschenke im Advent oder zu Nikolaus. Seit heute sind verstärkt die Wunschzettel für Weihnachten im Einsatz. Neben den Bestsellerlisten läuft die 'Geschichte der Bienen' weiter gut. Beim Umsatz liegen wir auf dem Vorjahresniveau."

Carmen Loh, Buchladen Alte Lahnbrücke, Wetzlar:

"Die Stimmung ist ausgelassen und unsere Kunden haben Lust, Geld auszugeben. Eine Kundin hat extra gesagt, welchen Spaß sie gerade beim Einkaufen hat. Bei uns wird jetzt ganz gezielt nach Weihnachtsgeschenken gesucht. Besonders gefragt sind 'Der Gesang der Flusskrebse' von Delia Owens und 'Achtsam morden' von Karsten Dusse – das sind zwei unserer eigenen Lieblingsbücher. Bei den Kinderbüchern liegt der neue 'Greg' vorn, beim Sachbuch Harari. Der Umsatz ist im Vergleich zu 2018 ein klein wenig besser."

Markus Schneider

Markus Schneider © Ferdinando Iannone

Markus Schneider, Buchhandlung Taube, Waiblingen:

"Bei uns ist die Stimmung ausgesprochen gelöst. Wir haben sehr entspannte Kunden. Der Umsatz übersteigt in diesem Jahr den des Vorjahreszeitraums deutlich. Gefragt sind regionale Titel und eigene Empfehlungen bzw. Titel zu denen es Veranstaltungen gab. Der Umsatztreiber ist das neue Kochbuch von Vincent Kling, der kommt gerade im Speckgürtel um Stuttgart sehr gut an. Besonders gefragt sind auch prachtvolle Geschenk- und Bildbände. Nach Jahren, in denen der Start des Weihnachtsgeschäfts immer später war, sind wir in diesem Jahr zum ursprünglichen Startpunkt zurückgekehrt, und der war bei uns der Black Friday."

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