Jahrestagung der IG Belletristik und Sachbuch: Diskussion über "Event vor Content?"

Alles, nur nicht Mittelmaß

Wie müssen Autor*innen in Zukunft auftreten? Welche Rolle spielen die Sozialen Netzwerke? Und kommt Event heute etwa vor Content? Diese Fragen diskutierten Hauke Hückstädt (Literaturhaus Frankfurt am Main), Claudia Limmer (Marketingleiterin Random House) und Lilly Ludwig (Buchhandlung Jakob in Nürnberg) bei der IG BellSa in München. SABINE VAN ENDERT

Die Diskussionsrunde: Torsten Casimir, Lilly Ludwig, Claudia Limmer, Hauke Hückstädt (von links)

Die Diskussionsrunde: Torsten Casimir, Lilly Ludwig, Claudia Limmer, Hauke Hückstädt (von links) © Yves Krier

Hauke Hückstädt

Hauke Hückstädt © Yves Krier

Nicht jeder liebt die Bühne, hat eine schöne Stimme oder auch nur Freude daran, öffentlich aufzutreten. "Was tun Autor*innen, die das Showtalent nicht mit in die Wiege gelegt bekommen haben?", fragte Moderator Torsten Casimir die Runde. Hauke Hückstädt, der die Auslastung des Frankfurter Literaturhauses, das er leitet, von Jahr zu Jahr weiter steigert, sieht da gar nicht so viel Schulungsbedarf: "Ich sehe viele Lesungen, ich leide mit und ich freue mich mit. In letzter Zeit freue ich mich häufiger", sagte er. Bühnenstar muss für ihn kein Autor und keine Autorin sein. Es reicht schon, wenn sie "reflektieren, was sie tun, und sich vor allem nicht selbst im Weg stehen". Hückstädt appeliert außerdem an die Verlage, die Autoren mit der Aufgabe, in die Öffentlichkeit zu gehen, nicht allein zu lassen. "Ein Autor, der nicht spricht, findet nicht statt", so Hückstädt. 

"Wir müssen uns trauen, Dinge auszuprobieren"

Claudia Limmer spricht über die Random House-Strategie

Claudia Limmer spricht über die Random House-Strategie © Yves Krier

Das Sprechen des Autors muss für Random-House-Fachfrau Claudia Limmer nicht unbedingt bei einer Lesung stattfinden. Autor*innen könnten ebensogut twittern oder andere Social-Media-Kanäle nutzen, um sich ins Gespräch zu bringen. Ihr Verlag gehört sicher zu denen, die ihren Content-Produzenten eine ganze Reihe kreativer Möglichkeiten zur Selbstdarstellung bieten, wie zum Beispiel ein "Battle of Books" oder die LitLove, die bereits zum fünftenMal stattfindet. "Wir haben unendlich viele Möglichkeiten und müssen uns trauen, Dinge auszuprobieren", so Limmer. Was ist für welchen Autor das richtige Format? Das gelte es herauszufinden. 

"Die Verlage sollten unseren Beitrag zu schätzen wissen"

Lilly Ludwig

Lilly Ludwig © Yves Krier

Die Buchhändlerin Lilly Ludwig hat vor einem Jahr einen Instagram-Blog für die Nürnberger Buchhandlung Jakob gestartet. Dafür wurden sie und das Team der Buchhandlung mit dem Buchblog-Award ausgezeichnet. Ihre Veranstaltungen, die sie gern in Zusammenarbeit mit SuppKultur durchführt, bezeichnet sie nicht mehr unbedingt als Lesungen. Zu den Veranstaltungen kommen vor allem junge Leute, doch Lilly Ludwig sieht Potenzial für jedes Alter: "Da ändert sich gerade viel". Gar nicht gut läuft für ihr Verständnis von Event die übliche Form: Verlag / Agentur schickt Autor, Buchhändler hat vorher keinen Kontakt, weiß kaum, was ihn erwartet − und kann die Veranstaltung deshalb auch nicht gut verkaufen. "Die Verlage sollten zu schätzen wissen, dass wir den Kontakt zum Leser herstellen und dafür sorgen, dass wir uns die Autoren, die zu uns passen, auch leisten können", so Lilly Ludwig.

Die wichtigste Bindung sei die zwischen Autor und Leser, bestätigt Hauke Hückstädt. Und die soll durch die Anstrengung aller glücken, denn: "Die Nachlässigkeiten kommen alle getrennt und treffen sich im Mittelmaß. Dafür ist kein Platz mehr." 

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