Pressereaktionen zum Abgang von Florian Illies bei Rowohlt

"Was für eine peinliche Party"

"Jetzt wirft er hin und alle Beteiligten sind düpiert. Was für eine peinliche Party", schreibt Sandra Kegel in der "FAZ". "Der Rowohlt Verlag hat ein Problem", heißt es in der "Berliner Zeitung". Marie Schmidt kann in der "Süddeutschen Zeitung" Florian Illies' offizielle Begründung für seinen Rückzug nach einem Jahr an der Spitze des zu Holtzbrinck gehörenden Verlags, den Wunsch sich wieder aufs Schreiben zu konzentrieren, "nur sehr schwer glauben". Pressereaktionen auf die Ankündigung von Illies' Abschied. 

Florian Illies

Florian Illies © Mélanie Wenger

"Das Fatale ist, dass jetzt alle beschädigt sind. Laugwitz, Rowohlt, Holtzbrinck, Illies", schreibt Sandra Kegel in der "FAZ". "Jetzt wirft er hin und alle Beteiligten sind düpiert. Was für eine peinliche Party", so Kegel. Der Leidtragende sei der Verlag, der "zum Spielball falscher Projektionen und rücksichtslosen Ehrgeizes" geworden sei. Illies' Entscheidung, seine Verlegerposition wieder aufzugeben, korrigiere eine Fehlentscheidung: "Den ganzen Zirkus freilich hätte man sich sparen können, wenn man nur einmal ernsthaft über die Aufgaben eines Verlegers nachgedacht hätte", so Sandra Kegel in der "FAZ"

"Mag Florian Illies wirklich erkannt haben, dass ihm das Schreiben mehr liege, als das Leiten eines Verlages, der Vorgang steht auch für die Branche selbst. Die Ansprüche an einen Verlagschef sind in diesen Zeiten der digitalen Transformation schneller gewachsen, als sich treue Bücherleser das vorstellen können", schreibt die "Berliner Zeitung"

Mit seinem Abgang bei Rowohlt nach nur einem Jahr folge Florian Illies "dem prägenden Muster seiner Karriere", schreibt Marie Schmidt in der "Süddeutschen Zeitung". Im Laufe seiner Karriere habe Illies viele Funktionen bekleidet, so Schmidt, und zählt seine Teilhabe am Berliner Auktionshauses Villa Grisebach, die Ressortleitung im  Feuilleton der "Zeit", das Kunstmagazin "Monopol" und Illies' Tätigkeiten bei der "FAS" auf. Über die Jahre hinweg gesehen, mache Illies "eine etwas unstete Figur. "Und doch lässt einen der Aplomb und der zielsichere publizistische Instinkt, mit dem er jeweils antritt, die Rede vom Rückzug ins Schreibstübchen nur sehr schwer glauben", heißt es in der "Süddeutschen Zeitung" weiter. Da Bücher eines langen Planungsvorlaufs bedürften, könne man bei Illies "nur von einer Stippvisite auf dem Posten sprechen".

Die plötzliche Kündigung von Barbara Laugwitz an der Spitze von Rowohlt Ende August 2018 wurde in der Branche - und von namhaften Autoren des Verlags - entgeistert aufgenommen. Barbara Laugwitz ist seit März 2019 Verlegerin bei Ullstein. 

Florian Illies (48) gründete die Kunstzeitschrift "Monopol", arbeitete als Geschäftsführer des Kunstauktionshauses Grisebach, in verschiedenen Positionen bei der "FAZ" und als Herausgeber der Wochenzeitung "Die Zeit ", die wie Rowohlt zur Verlagsgruppe Holtzbrinck gehört. 2002 erschien sein Bestseller "Generation Golf, 2013 "1913. Der Sommer des Jahrhunderts"; es folgten 2017 "Gerade war der Himmel noch blau" und ein Jahr später "1913. Was ich unbedingt noch erzählen wollte". 


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3 Kommentar/e

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  • Heike Brillmann-Ede

    Heike Brillmann-Ede

    Sehr geehrte Damen und Herren,
    ich denke, so überraschend war dieses schnelle Ende nicht.
    Meine Gedanken sind bei den MitarbeiterInnen im Verlag, die ausbaden müssen, was an der Konzernspitze passiert/passiert ist. Ihnen allen sollten wir die Daumen drücken, Sie sind das Rückgrat -- nicht nur bei Rowohlt.
    Ihnen ganz speziell sage ich: Glück auf!
    Heike Brillmann-Ede

  • Ralph Zinnikus

    Ralph Zinnikus

    Sandra Kegels Formulierung „Was für eine peinliche Party“ trifft den Nagel auf den Kopf. Schade um diesen großen Verlag. Und die Zeitungsleute sollten spätestens jetzt erkannt haben, dass Illies nicht Schirrmacher ist.

  • Jens Bartsch

    Jens Bartsch

    Wenn ahnungslose Manager nicht wissen, was Verlegen (gerade heute) eigentlich bedeutet, diesen Wunsch aber an ebenso ahnungslose Kulturmenschen herantragen, die ebenfalls nicht wirklich wissen, was Verlegen (gestern – heute – morgen) eigentlich bedeutet – tja, dann kommt solches bei raus.

    Kulturpolitisch ist man in Köln ja einiges gewohnt und der Dialog hätte hier bei uns (fiktiv – Ähnlichkeiten mit bekannten Personen sind rein zufällig etc.) so aussehen können:

    COCKTAILPARTY:
    Verlagsmanager: Hallo X, da haben wir doch soeben so schön belanglos miteinander darüber geschwafelt, wen Du alles kennst. Unser Haus muss dringend belangl… _sorry-, jünger und schicker werden – mehr am Puls der Zeit, Du verstehst? Kannst Du Dir vorstellen, bei uns Verleger zu werden? Um den Rest kümmern wir uns.
    Kulturmensch: Hallo Y, mmmmh, ja – das kann ich mir vorstellen. Und weil Ihr ja auch nicht danach gefragt habt, ob ich mir dies tatsächlich zutraue………… Ne´klar – mach ich mal!
    Verlagsmanager: Super, das wird fresh und cool. Um den Rest haben wir uns übrigens schon gekümmert…

    EINIGE MONATE SPÄTER:
    Kulturmensch: Hör mal Y, ich glaube, das Ganze ist mir doch ein wenig zu komplex und eigentlich möchte ich ja lieber selber schreiben. Irgendwie habe ich doch keine Lust und Verantwortung ist auch so ein ganz blödes Ding…
    Verlagsmanager: Hallo X, kein Problem! Menschen wie Dich, die finden sich wie Sand am Meer. Aber jetzt gehen wir erst mal ins Brauhaus, zischen uns gemeinsam ein paar Kölsch und finden ´ne neue Lösung. Den Journalisten W kenne ich übrigens gut, der rückt das Ganze schon richtig auf die Reihe. Genau genommen ist Büchermachen und Bücherverkaufen ja wie Biermachen und Bierverkaufen, Die Vertriebler beim Bier heißen ja auch Bierverleger, sind also Verleger (Lautes Lachen: HAR—HAR)

    KÖLLE ALAAF – Jens Bartsch – Buchhandlung Goltsteinstraße in Köln

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