PEN-Präsidentin zu Antisemitismus und Meinungsfreiheit

"Entsetzt über die Sprache der Verrohung"

Heute vor 75 Jahren wurde das deutsche Vernichtungslager Auschwitz befreit. Regula Venske, Präsidentin des PEN-Zentrums Deutschland, wendet sich aus diesem Anlass in einem Statement "entschieden gegen alle Äußerungen des Antisemitismus".

Regula Venske

Regula Venske © Roland Baege

Im dem Statement schreibt Regula Venske, "der deutsche PEN ist entsetzt über die Sprache der Verrohung, die seit einigen Jahren vom rechten Rand in die Mitte der Gesellschaft vordringt." Die Grenze des öffentlich Sagbaren werde durch gezielte Tabubrüche verschoben, Rassismus oder Sexismus sollen wieder klingen wie zu respektierende Meinungen. "Freie Meinungsäußerung bedeutet jedoch keinen Freibrief für Hass und Hetze. Das Recht auf Meinungsfreiheit findet seine Grenze im Straftatbestand der Volksverhetzung. Es findet seine Grenze dort, wo die Menschenwürde angetastet wird. Sprache ist wirkmächtig, Sprechakten folgen Taten. Seit den 1990er Jahren sind in Deutschland fast 200 Menschen Opfer rechtsextremer Mörder geworden. Dies ist unerträglich", so die PEN-Präsidentin.

"Wir wenden uns entschieden gegen alle Äußerungen des Antisemitismus", formuliert Venske. Zunehmend trete der Hass erschreckend krude auf, wenn Neonazis wie Islamisten die altbekannten antisemitischen Verschwörungstheorien und Stereotypen verbreiten. Antisemitismus komme aber auch scheinbar harmlos, wohlmeinend, gar im Gewand des Philosemitismus daher. Venske: "Wer mit paternalistischem Gestus 'die jüdischen Mitbürger unserer besonderen Solidarität!' versichert, sollte sich fragen, warum er nicht einfach von Bürgern und Bürgerinnen spricht. Und wer Kritik am israelischen Regierungshandeln reflexhaft als Antisemitismus verteufelt, sollte sich fragen, warum er an Israel andere Maßstäbe anlegt als an jeden anderen Staat der Erde."

Bezüglich der zum Boycott Israels aufrufenden BDS-Bewegung, sagt Venske: "Als Schriftstellerinnen und Schriftsteller lehnen wir im PEN kulturellen Boykott ab, da er den freien Meinungsaustausch unterbindet. Gleichwohl sollten Diskussionen darüber im Interesse eines freien Meinungsaustausches in Deutschland öffentlich Raum und dessen Verfechter Gehör finden können." Allerdings: Die Charta verpflichte jedes PEN-Mitglied nicht nur, "jeder Art der Unterdrückung der freien Meinungsäußerung" entgegenzutreten, sondern auch, "mit äußerster Kraft für die Bekämpfung jedweder Form von Hass" – wie Rassen-, Klassen- und Völkerhass sowie Hass aufgrund des Geschlechtes oder der sexuellen Orientierung – "und für das Ideal einer einigen Welt und einer in Frieden lebenden Menschheit zu wirken."

Das komplette Statement lesen Sie hier.

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