Preiserhöhungen der Deutschen Post

"Bundesnetzagentur legt Finger in die Wunde"

Die Bundesnetzagentur will − wie bereits berichtet − in einem Verfahren überprüfen, ob die Deutsche Post die Paketpreise für Privatkunden zum 1. Januar 2020 missbräuchlich erhöht hat. Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels begrüßt diese Entscheidung.

Alexander Skipis

Alexander Skipis © Claus Setzer

Der Verband selbst hat aufgrund der ebenfalls erheblich gestiegenen Preise beim Buchversand eine Kartellbeschwerde gegen die Deutsche Post AG eingelegt (siehe Archiv). Zudem setzt er sich im Rahmen der Novellierung des Postgesetzes für eine gesetzliche Verankerung von günstigen Versandkonditionen für das Kulturgut Buch ein (siehe Archiv).

"Die Bundesnetzagentur legt mit ihrem Verfahren den Finger in die Wunde. Wir haben bereits aufgrund der erneuten Preiserhöhungen beim Versand von Büchern deutlich gemacht, dass die Deutsche Post ihre marktbeherrschende Stellung missbraucht. Außerdem diskriminiert der Versanddienstleister Buchhandlungen und Verlage, indem er Großkunden wie Amazon deutlich bessere Konditionen beim Versand von Büchern einräumt. Die Bundesnetzagentur argumentiert in Bezug auf die Paketpreise bei Privatpersonen jetzt in genau dieselbe Richtung. Es kann nicht angehen, dass die Post aufgrund ihrer Monopolstellung bestimmte Gruppen wie Schalterkund*innen oder Buchhandlungen und Verlage benachteiligt, während andere wie etwa große Online-Konzerne von günstigeren Konditionen profitieren", sagt Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins, in der Presseinformation des Verbands.

Verlage und Buchhandlungen leisten, so der Verband, einen wichtigen Beitrag für Kultur und Gesellschaft. Alexander Skipis: "Stationäre Buchhändler benötigen eine bezahlbare Möglichkeit Bücher zu versenden, um sich gegenüber dem reinen Online-Handel zu behaupten. Für kleine und mittlere Verlage ist der Postweg elementar, um Bücher zu versenden, die im Buchhandel in der Breite nicht vorkommen."

Hintergrund

Nachdem die Deutsche Post bereits 2018 die Preise für Büchersendungen deutlich erhöht hatte, traten zum 1. Januar 2020 erneute Preissteigerungen von bis zu 60 Prozent in Kraft. Zusätzlich hat die Deutsche Post die Maße für dieses Format so verringert, dass rund ein Drittel der bisher versendeten Bücher nicht mehr als Büchersendung gelten können. Im Ergebnis sind Buchhandlungen und Verlage jetzt gezwungen, auf die um ein Vielfaches teureren Produkte aus der Paketsparte umzusteigen. Zudem erhalte Amazon nach Medienberichten von der Deutschen Post erheblich vergünstigte Konditionen für den Versand von Büchern und anderen Waren, die dem Buchhandel nicht zugänglich seien.

Der Börsenverein hat seine Kartellbeschwerde im Juni 2019 eingereicht. Der Referentenentwurf zur Novellierung des Postgesetzes wird in Kürze erwartet. Der Börsenverein werde den Gesetzgebungsprozess eng begleiten, heißt es weiter.

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3 Kommentar/e

Diskutieren Sie mit ...

  • Dorothea Thomé

    Dorothea Thomé

    Bitte dranbleiben!

  • Jens Falk

    Jens Falk

    "Zudem erhalte Amazon nach Medienberichten von der Deutschen Post erheblich vergünstigte Konditionen für den Versand von Büchern und anderen Waren, die dem Buchhandel nicht zugänglich seien"

    Es gibt Packlink und ähnliche Dienste. Vielleicht könnte der Verband mit solchen Dienstleistern verhandeln und günstige Konditionen für Verlage und Buchhandlungen anbieten. Vielleicht eine Aufgabe für seitenreich.

    Wir haben bei Packlink z.b. wesentlich bessere Konditionen gesehen als das Angebot von DPD über seitenreich.

    Auch möchte ich einwerfen, obwohl ich der Kartellbeschwerde völlig zustimme, daß die Deutsche Post schon eine hervorragende Leistung erbringt, fairere Gehälter und Löhne zahlt. Des weiteren gibt es mit der Internetmarke und DHL Versenden kostenlose Schnittstellen um den Versand bei sich zu optimieren um hier Kosten und Laufzeiten zu verringen.

  • seitenreich - Ihr Vorteilsprogramm

    seitenreich - Ihr Vorteilsprogramm

    Lieber Herr Falk, vielen Dank für Ihren Hinweis. Wir prüfen das gerne.

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