Stellenanzeigen

Locker und authentisch

Stellenanzeigen als Podcasts – mit dieser Idee möchte das neue Portal Ohrbeit den angestaubten Recruiting-Markt durcheinanderwirbeln. Die eingesprochenen Clips sollen Unternehmen ermutigen, mehr von sich preiszugeben und damit passendere Bewerber zu finden. MARCUS SCHUSTER

Alexander Grossmann

Alexander Grossmann © Ohrbeit

Deieinhalb Minuten, so lange wie ein durchschnittliches Lied im Radio: Mehr Zeit braucht es nicht, um eine zu besetzende Stelle attraktiv zu bewerben. Man nehme eine möglichst zwanglose Beschreibung des Jobs und der Unternehmenskultur, garniere sie mit einer Prise Transparenz, was das Gehalt und weitere Faktoren wie die Anzahl der Reisetage pro Jahr betrifft, und verzichte dabei vollständig auf Floskeln und Phrasen – fertig ist das, was Alexander Grossmann die Bewerberansprache der Zukunft nennt.

Grossmann ist seit zehn Jahren im Recruiting tätig und war ­irgendwann gelangweilt von den »immer gleichen, nichts­sagenden Stellenausschreibungen«. Also hat er mit einigen ­Mitstreitern – ein zusammengewürfelter Haufen aus einem Verlagskaufmann, einer Zahntechnikerin, einem Ethnologen, einer Frisörin und einem Medientechniker – ein modernes Hiring-Tool entwickelt. Auf dem Portal Ohrbeit können Unternehmen ihre Stellenangebote als Audiodatei veröffentlichen.

Authentische Präsentation 

Im Idealfall richtet in den »Jobcasts« der Chef oder Abteilungsleiter selbst das Wort an die ­potenziellen neuen Mitarbeiter. »Dadurch können Bewerber gleich ihrer vielleicht künftigen Führungskraft zuhören«, sagt Grossmann. Er erwartet von den Unternehmen, dass sie sich stärker »hinter die Fassade blicken lassen«, als es bislang vielleicht üblich war, und so authentisch wie möglich agieren. Kein Gelaber, keine Inszenierung. »Unternehmen müssen mehr in Vorleistung treten«, sagt Grossmann. Gerade in umkämpften Bewerbermärkten. »Wir möchten erreichen, dass sich Kandidaten wieder vermehrt selbst bewerben, weil sie die Darstellung der Firma reizvoll fanden, statt Headhuntern den Markt zu überlassen.«

Für die Unternehmen könnten die Jobcasts über die gesuchte Position hinaus zu einer Art Visitenkarte werden, mit der sie sich nach außen wie nach innen präsentieren. Ein Vorteil besteht zudem darin, dass sie passgenauere Bewerbungen bekommen – weil die Bewerber genauer einschätzen können, worauf sie sich einlassen und ob der Job zu ihnen passt. Und wenn bereits vorher eine abgegrenzte Gehaltsangabe im Raum steht, wird hinterher weniger gepokert.

Im Idealfall führt sein Portal zu einer faireren Arbeitswelt, hofft Grossmann, mit gleicher Bezahlung für Männer und Frauen. Zu diesem Zweck bekommen die Unternehmen die Bewerbungen der Interessenten zunächst nur anonymisiert. Außerdem müssen sie sich auf eine eingegangene Bewerbung innerhalb einer bestimmten Frist zurückmelden, sonst haben sie keinen Zugriff mehr auf den Datensatz.

Momentan sind auf Ohrbeit nur ein gutes Dutzend Anzeigen mit IT-lastigem Schwerpunkt zu finden. Wenn es nach Grossmann geht, wird sich das schnell ändern: »Bald werden Anfragen nach Pflegekräften, Mechatronikern und vielen weiteren Arbeitnehmern kommen. Wir sind Anfang des Jahres offiziell gestartet und wollen jetzt vor allem erst einmal lernen und bekannter ­werden.«

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