Umfrage zum 30. Geburtstag der BücherFrauen

Frauen stärken - vielfältig, bundesweit und gut für die Karriere

30 Jahre BücherFrauen - über 900 Frauen zählt das 1990 nach dem Vorbild der englischen Women in Publishing in München gegründete Netzwerk. Zum Geburtstag erzählen sieben Frauen, warum sie bei den BücherFrauen dabei sind. 

Eva Hehemann

Valeska Henze

Valeska Henze 

Nachdem ich 2008 entschieden hatte, mich als Übersetzerin selbstständig zu machen, war klar: Nach vielen Jahren, in denen ich vor allem wissenschaftlich gearbeitet hatte, würde ich ein neues Netzwerk, eine Branchenheimat benötigen, die mir den Einstieg in die Selbstständigkeit erleichtern würde. Diese Heimat habe ich schnell bei den BücherFrauen gefunden. Das Netzwerk, in dem Frauen aus fast allen Berufsfeldern der Branche vertreten sind, bot mir die optimale Gelegenheit, mich schnell und unkompliziert mit Branchengepflogenheiten und -strukturen vertraut zu machen. Neben den persönlichen und beruflichen Vorteilen waren mir von Anfang an aber auch die politischen Anliegen wichtig. Mein Beitritt fiel zusammen mit der Veröffentlichung der BücherFrauen-Studie zu den Arbeitsbedingungen in der Buchbranche, sodass auch die Politikwissenschaftlerin in mir sofort Anknüpfungspunkte für ein intensives Engagement gefunden hat. Ich habe in jeder Beziehung von der Mitgliedschaft profitiert, viel gelernt, tolle Erfahrungen gemacht und festgestellt, dass Engagement und Teilhabe sich lohnen - mit den BücherFrauen, von den BücherFrauen und für die BücherFrauen.

Valeska Henze ist seit 2008 Mitglied der BücherFrauen und arbeitet freiberuflich als Übersetzerin, Lektorin und Autorin. Außerdem vertritt sie die BücherFrauen und die Deutsche Literaturkonferenz im Arbeitskreis Geschlechtergerechtigkeit des Deutschen Kulturrats. 

privat

Anja Lösch

Anja Lösch

Ich bin seit 1998 Mitglied bei den BücherFrauen, aber wirklich kennen gelernt habe ich das Netzwerk während meines Mentoring-Jahres. Eine sehr intensive, lehrreiche Zeit! Danach begann ich, mich mehr "einzumischen", eine Regionalgruppe wieder zu beleben, bei den Leitsätzen oder als überregionale Pressefrau mitzuarbeiten. Alles zusammen wunderbare Erfahrungen, die nicht nur beruflich weitergeholfen, sondern auch zu meiner persönlichen Weiterentwicklung beigetragen haben.

Diese Möglichkeit sich auszuprobieren, Neues zu testen, ist allerdings nur ein Grund für das Netzwerk. Zu allem kommt der offene und ehrliche Austausch, entweder mit Frauen, die in ähnlicher Position arbeiten, aber auch in anderen Bereichen der Branche. Dieses bunte, vielfältige Orchester an Buchbranchen-Wissen hat mir während meiner Zeit in kleineren Verlagen sehr geholfen. Nebenbei lassen sich interessante Menschen und Themen oder andere Netzwerke kennenlernen. 

Anja Lösch, Leiterin Presse und PR in der Verlagsgruppe Beltz

privat

Antonia Schulz

Antonia Schulz 

Seit 2016 bin ich eine Bücherfrau. Warum? Zunächst einmal zieht es mich immer wieder zu den Veranstaltungen unseres Netzwerks, weil ich dort interessante und wunderbare Branchenkolleginnen treffe. Ursprünglich bin ich über das Mentoringprogramm zu den Bücherfrauen gekommen – und geblieben, weil mich das Jahr sehr bereichert hat. Als Nachwuchsbücherfrau profitiere ich vom Austausch mit erfahrenen Kolleginnen, die die Branche genau kennen. Und von den spannenden Veranstaltungen der Regionalgruppen. Auch dank der Mailingliste ist das Netzwerk eine gute Anlaufstelle, um Fragen zu stellen und Informationen auszutauschen. Nicht zuletzt halte ich es nach wie vor für wichtig und sinnvoll, dass Frauen sich untereinander vernetzen – insofern ist der feministische Grundgedanke des Netzwerks heute wieder (oder noch) sehr aktuell.

Antonia Schulz hat vor kurzem ihren Master (Komparatistik und BWL) abgeschlossen und bewirbt sich gerade auf ihre erste Vollzeitstelle in der Buchbranche.

Susanne Martin

"Die Branche ist weiblich" lautet einer der Leitsätze der BücherFrauen. Leider spiegelt sich das im Literaturbetrieb und in der Buchbranche noch immer nicht wider. Seit 30 Jahren arbeiten die BücherFrauen daran, dass sich das ändert. Nach den eher chaotischen Anfängen haben sie sich zu einem hochprofessionellen Netzwerk entwickelt, das ein breites Angebot macht, um seine Ziele zu erreichen. Ich habe mich immer gerne im Netzwerk engagiert, weil ich selbst davon sehr profitiert habe – beruflich und privat. Lange vor Facebook, Twitter und Co konnte ich einen Blick über den Tellerrand des Sortimentsbuchhandels werfen und aus der Begegnung mit vielen interessanten Frauen aus allen Teilen der Buchbranche  entwickelten sich auch viele schöne Freundschaften. Ohne die BücherFrauen, das kann ich voller Überzeugung sagen, wäre mein (Buchhandels)leben ärmer gewesen!

Susanne Martin arbeitete von 1976 bis 2018 im Sortimentsbuchhandel. Nach Stationen bei Weise’s Hofbuchhandlung und Lindemanns Buchhandlung in Stuttgart kam sie1990 in die Schiller Buchhandlung in Stuttgart - Vaihingen, die sie 1995 übernahm und bis zum Februar 2018 als Inhaberin führte. Susanne Martin ist seit 1992 bei den Bücherfrauen und war gemeinsam mit Frauke Ehlers 1996 Städtesprecherin der Regionalgruppe Stuttgart. 2000 initiierte sie eine Gruppe für Frauen in Führungspositionen, die sich bis heute trifft. 2018 wurde Susanne Martin als BücherFrau des Jahres geehrt.

Silke Weniger

Silke Weniger © Sabine Klem

Silke Weniger 

Zu den BücherFrauen kam ich 1992. Ich war seinerzeit Verlagsassistentin und hatte einen problematischen Chef. Ich wollte wissen, ob andere Verlagsfrauen ähnliche Erfahrungen machten. Bis heute bin ich gerne BücherFrau, weil ich durch regionale und überregionale Veranstaltungen unendlich viel über unsere Branche gelernt habe, und mir darüber hinaus ein Sensorium für Misogynie und strukturelle Benachteiligung von Frauen angeeignet habe. Ausserdem gab es immer wieder spannende Aufgaben für mich, die mich mit interessanten Frauen der Branche zusammengeführt haben. So z.B. mit der kürzlich verstorbenen Brigitte Axster, die mir 1999 ihre Agentur übertragen hat, und mit der Literaturübersetzerin Karen Nölle, mir der ich 2010 die edition fünf gegründet habe. Darüber hinaus bin ich seit 19 Jahren Mitglied einer Coachinggruppe, die ich in meinem Leben nicht missen möchte. Genauso wenig wie die legendären Sprach-Workshops mit Pilates auf Sylt, die von der BücherFrauen-Akademie veranstaltet werden.

Silke Weniger, Literarische Agentur Silke Weniger, München

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Marianne Eppelt

Marianne Eppelt

Den BücherFrauen beizutreten schien mir ein völlig logischer Schritt zu sein. Ich wollte in der Verlagsbranche arbeiten und das ist ein Netzwerk von Frauen, die dort schon tätig sind. Dazu kam ein Gefühl der Irritation und eine und eine vage Idee von Solidarität.

Dieses Gefühl kann ich vielleicht mit zwei Erfahrungen illustrieren. Ich suchte einen Volontariatsplatz, also tippte ich schlicht "Volontärin" in die Suchleiste. Ich erwartete nicht viel, aber es gab nichts. Einfach nichts. Keine einzige Stellenanzeige. Das war natürlich mein Fehler: "Volontär" hieß und heißt das Zauberwort.
Die zweite Erfahrung war kumulativ. Nahezu jeder Verlag, durch dessen Profil ich mich klickte, wies die gleiche Personalstruktur auf: viele, viele Frauen außer unter der Rubrik "Verlagsleitung" oder "Geschäftsführung".

Ich habe mich gefragt, warum das so ist – und ob das so bleiben muss. Für beide Anliegen bietet ein so weitverzweigtes und erfahrungsreiches Netzwerk Antworten und Mitstreiterinnen.

Marianne Eppelt lektoriert, redigiert, textet und organisiert unter dem Label Worte & Strategie von Leipzig aus. Mitglied bei den BücherFrauen seit 2013, seit 2015 bei den JVM & seit 2016 im Verband der Freien Lektorinnen und Lektoren.

Emilia Gagalski

Emilia Gagalski © privat

Emilia Gagalski

Als freiberufliche Übersetzerin wollte ich mich zunächst nur gut vernetzen und berufliche Kontakte knüpfen. Doch nachdem ich 2015 an meiner ersten Jahrestagung der BücherFrauen auf der Comburg in Schwäbisch Hall teilgenommen hatte, wusste ich, es ist viel mehr als nur das. Die herzliche Aufnahme und die interessanten Gespräche während der Tagung motivierten mich und gaben mir das Gefühl der Zugehörigkeit und der Solidarität. Vor allem, weil mir das Thema der Gleichberechtigung von Mann und Frau, dem sich die BücherFrauen verschrieben haben, am Herzen liegt. Wir sind noch nicht am Ziel und ich sehe es als meine persönliche Aufgabe an, dafür zu sorgen, dass dieses Thema auch an junge Frauen herangetragen wird. Wie führt man Veränderungen in der Gesellschaft oder Politik herbei? Genau, mit einem großen Netzwerk von engagierten Frauen aus den unterschiedlichsten Berufsfeldern und mit den unterschiedlichsten Erfahrungen! Die BücherFrauen sind mein Netzwerk, weil sie mich auffangen, unterstützen, motivieren, mit Informationen versorgen und hinter mir stehen! Danke!

Emilia Gagalski ist freiberufliche Übersetzerin, Städtesprecherin der Regionalgruppe Köln/Bonn-Rhein/Ruhr und 2. Vorstandsvorsitzende der BücherFrauen.

BücherFrauen e.V.

Das Branchen-Netzwerk BücherFrauen e. V. wurde 1990 nach dem Vorbild der englischen Women in ublishing (WiP) in München gegründet. Mittlerweile bündelt der Verein die Interessen von über 900 deutschen Verlagsfrauen, Buchhändlerinnen, Übersetzerinnen und Frauen aus anderen Arbeitsbereichen rund ums Buch.

Zielsetzung der BücherFrauen e. V. ist es, Kontakte herzustellen, Informationen und Erfahrungen auszutauschen, Jobs und Aufträge zu vermitteln, aber auch frauenspezifische Interessen in der Buchbranche zu vertreten. Bundesweit sind die BücherFrauen in 15 Regionalgruppen organisiert, die eigenständig Schwerpunkte bestimmen sowie Veranstaltungen wie beispielsweise Fachvorträge, literarische Ausflüge oder Stammtische organisieren.

Außerdem bringen Mentoring-Projekte weibliche Nachwuchskräfte mit Führungsfrauen zusammen. Das Mentoring-Forum ist bei den BücherFrauen mittlerweile fest etabliert. In sechs Städten - München, Berlin, Stuttgart, Hamburg, Köln und Frankfurt - sind in den letzten Jahren erfolgreich Mentoring-Projekte gelaufen, in einigen Städtegruppen bereits zum wiederholten Mal.

Jahresthema: Seit 2008 legen die BücherFrauen jedes Jahr ein Thema fest, mit dem sie sich intensiv intern und öffentlich auseinandersetzen. Damit entwickelten die BücherFrauen die Idee des Jahrestagungsmottos weiter. Außerdem wird jedes Jahr eine Frau als BücherFrau des Jahres geehrt. Der Preis würdigt Frauen innerhalb der Buchbranche mit einem herausragenden Engagement für Frauen (z. B. Frauen, die hauptsächlich Frauen beschäftigen oder Bücher für Frauen schreiben oder ihnen zugänglich machen oder Literatur von Frauen besonders fördern). Die BücherFrau des Jahres kann bereits Mitglied bei den BücherFrauen sein, muss es aber nicht. Die Ehrung findet im Rahmen der WiP-Party auf der Frankfurter Buchmesse statt. Mit der Ehrung erhält die Frau die Ehrenmitgliedschaft bei den BücherFrauen.

In der BücherFrauen-Akademie  werden Fortbildungen angeboten, die allen Frauen aus der Buchbranche offenstehen: im Winter beim Mediacampus in Frankfurt-Seckbach, im Sommer auf der Insel Sylt und die E-Akademie als Online-Seminare. Neben der Fortbildung steht der überregionale Dialog zwischen den Expertinnen im Mittelpunkt. Das Angebot richtet sich an Festangestellte und Freiberuflerinnen jeden Alters und aller Berufe der Buchbranche. Gegründet wurde die Akademie 2007 nach dem Vorbild der Textwerkstätten von Karen Nölle, die die Methode des interaktiven Lernens einige Jahre erprobte, bevor aus der "Text- und Körperwerkstatt am Meer" die Sommerakademie der BücherFrauen wurde.

Der volle Mietgliedsbeitrag beträgt 125 Euro im Jahr. Auszubildende Erwerbslose /  Gering verdienende o.Ä. zahlen 63 Euro pro Jahr. Frauen, die den Verein fördern wollen, können freiwillig einen höheren Beitrag zahlen. 

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