Re-Commerce mit den Bestsellern von gestern

Wie Momox den Gebrauchtbuchmarkt dominiert

85.000 Quadratmeter Lagerfläche, 1.900 Mitarbeiter, 250 Millionen Euro Umsatz, 65 Prozent davon mit Büchern. Verlage braucht Momox dafür nicht. Das Berliner Re-Commerce-Unternehmen braucht nur eines, und das massenhaft: die ausrangierten Bücher der Leser. SABINE VAN ENDERT

Momox-Zentrallager in Leipzig: 60 000 Quadratmeter auf vier Ebenen

Momox-Zentrallager in Leipzig: 60 000 Quadratmeter auf vier Ebenen © Christoph Busse / Momox

Im Bücherlager von Momox arbeiten getrennte Teams, der Kundenservice sitzt im Homeoffice. Wollen die Leute wegen Corona jetzt vielleicht lieber keine gebrauchten ­Bücher, an denen Corona-Viren haften könnten? Geschäftsführer Heiner Kroke konnte das bisher nicht feststellen. Einige Kunden hätten zwar gefragt, ob von der Ware Gefahr ausgehen könne, doch Kroke schließt das aus: »Der Versandweg vom Kunden zu uns und von uns zum Kunden dauert eine gewisse Zeit, so lange überlebt das Virus laut Robert-Koch-Institut nicht.«

Seit Gründung 2004 hat Momox mehr als 220 Millionen gebrauchte ­Artikel verkauft, mehr als 1 900 Mit­arbeiter*innen beschäftigt das Unternehmen an sechs Standorten. Im vergangenen Jahr setzte die Momox GmbH mit Kleidung und Medien 250 Millionen Euro um (plus 25 Prozent im Vergleich zum Vorjahr), Bücher machen 64 Prozent des Umsatzes aus. Rebuy, Mehrwegbuch, Booklooker, Buchmaxe – Momox ist nicht der einzige Gebrauchtbuchhändler im Internet, aber mit Abstand der größte.

Momox-CEO Heiner Kroke

Momox-CEO Heiner Kroke © Momox

Momox nimmt fast alles

Vor der Gründung von Momox war es nicht so einfach, seine alten Bücher loszuwerden. Wählerische Antiquariate und Flohmarktkund*innen sorgten dafür, dass so manches ausrangierte Schätzchen doch wieder ins Regal zurückkehrte. Momox nimmt so gut wie jedes Buch, vorausgesetzt, es hat eine ISBN, zum Festpreis. 15 Cent ist der niedrigste Ankaufspreis, ab 10 Euro Gesamtwert können die Bücherkisten versand­kostenfrei auf den Weg gebracht werden. Auch wenn Momox auf manchen Titeln sitzenbleiben sollte: Der Verkaufserlös wird umgehend ausgezahlt. Was weg soll, kann mit ISBN am Computer eingegeben oder dank Barcode per App eingescannt werden – einfacher geht es nicht. 

Was sich vor allem geändert hat, ist die Einstellung zum Büchersammeln. Wohnraum ist teuer, Tiny Houses sind en vogue, und viele finden Vasen im Regal mittlerweile schöner als endlose Bücherreihen. Man möchte Dinge nutzen, aber nicht besitzen, und das Aussortieren nach Marie Kondo macht vor dem Bücherregal nicht halt. Für ein neues Stück muss ein altes weichen – das Kleiderschrankprinzip wenden viele auch im Bücherregal an. Wer Belesenheit zeigen möchte, schreibt heute ein Blog. Heiner Kroke glaubt sogar, dass gebrauchte Bücher als Geschenk salonfähig geworden sind. Aus Nachhaltigkeitsgründen. »Unser Geschäftsmodell trägt aktiv zum Klima- und Umweltschutz bei, indem Millionen Produkte ein zweites Leben bekommen«, sagt er. Manche Studien sehen die Umweltbilanzen des Onlinehandels allerdings eher kritisch. In Zukunft will Momox durch verschiedene Maßnahmen noch ressourcenschonen­der agieren, kündigte Kroke an – ohne Details zu nennen.


Neues, secondhand

2019 hat Kroke 20 Millionen Bücher verkauft. »Am bes­ten laufen bei uns die Bestseller von vor einem Jahr«, sagt er. Die Verkäufer hätten sich dann schon aufgerafft und ihr Regal aussortiert, die Nachfrage sei noch hoch. Für Simon Becketts »Die ewigen Toten«, Bestseller mit Erscheinungstermin Februar 2019, gibt es von Momox 6,37 Euro, der preisgebundene Neupreis beträgt 22,95 Euro. 

Wer Novitäten kauft, liest und umgehend wieder verkauft, bekommt oft mehr als die Hälfte des Anschaffungspreises zurück – Autoren, Verlage und der Buchhandel gehen leer aus. Für Leif Randts Roman »Allegro Pastell« zum Beispiel, der am 5. März bei Kiepenheuer & Witsch erschienen ist, werden 22 Euro fällig. Momox kauft den Roman aktuell für 12,55 Euro an – Pfeil nach oben, Nachfrage hoch, das macht sich bezahlt. 

Einlagerung: Nach der Qualitätskontrolle geht’s bis zum Abruf ins Regal

Einlagerung: Nach der Qualitätskontrolle geht’s bis zum Abruf ins Regal © Christoph Busse / Momox

Etwa 70 Prozent schlägt Momox im Durchschnitt auf den Ankaufspreis auf, eine ordentliche Marge, von der allerdings zweimal Porto abgeht. Viel sparen können Gebrauchtbuchkäufer deshalb eher bei Bestsellern von gestern oder noch besser von vor zehn Jahren. 

Was man für sein Buch bekommt – oder eben bezahlt –, bestimmt ein komplexer Algorithmus, in den verschiedene Parameter einfließen, etwa Lagerbestand, Nachfrage, Lieferbarkeit insgesamt (wie viele Leute verkaufen voraussichtlich zum Beispiel »Allegro Pastell« in nächster Zeit), Verkaufspreis und, wichtig wegen der Portokosten, das Gewicht des Buchs. »Wir feilen ständig an diesen Datenpunkten, mit jedem neuen An- und Verkauf werden neue generiert, die zu neuen Bewertungen über den Ankaufswert führen«, so Kroke. Neupreis, ideelle Werte, Inhalt – spielen keine Rolle. Apropos neu: Wie sichtbar dürfen eventuelle Gebrauchsspuren sein? Etwa fünf Prozent der eingeschickten Bücher überstehen die Qualitätskontrolle nicht. Stock­flecken und fehlende Seiten sind Ausschlusskriterien, sagt Kroke. Und Unterstreichungen oder die Widmung der Tante? Kein Problem.

ZAHLEN UND FAKTEN 

  • Die Momox GmbH wurde 2004 in Berlin von Christian Wegner gegründet; Mehrheitsgesellschafter ist seit 2019 der norwegische Investor Verdane Capital X.
  • Das Unternehmen beschäftigt 1 900 ­Mitarbeiter an sechs Standorten; CEO ist Heiner Kroke.
  • 2019 setzte Momox 250 Millionen Euro um, eine Umsatzsteigerung von 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
  • Hauptumsatzbringer sind Bücher mit 64 Prozent, gefolgt von anderen Medien und Kleidung.
  • Über 220 Millionen Artikel wurden bisher angekauft, täglich nimmt Momox 150 000 Artikel ins Lager, die Gesamt­lagerfläche beträgt 85 000 Quadratmeter, verteilt auf fünf Logistikstandorte.
  • 2019 wurden 25 Millionen gebrauchte Bücher verkauft.
  • Im Logistikzentrum in Leipzig treffen täglich 50 000 Pakete ein. Auf der Hitliste der am häufigsten angekauften Bücher stehen »Das Café am Rande der Welt«, »Tschick« und »Harry Potter«.
  • Über die Medienverkaufsplattform Medimops werden täglich 50 000 Sendungen mit durchschnittlich drei Artikeln generiert.
  • Die eingesendeten Buchpakete beinhalten im Durchschnitt 22 Bücher pro Sendung; der durchschnittliche Erlös je Verkaufsvorgang beträgt 44 Euro.
  • Laut Studie von Momox kaufen 53 Prozent der Deutschen mindestens einmal im Monat Bücher und Medienartikel aus zweiter Hand. Dabei wird Gebrauchtes am liebsten online gekauft (64 Prozent). Bei Gebrauchtwaren sind Bücher mit 95 Prozent am beliebtesten.

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13 Kommentar/e

Diskutieren Sie mit ...

  • Arnold Pascher

    Arnold Pascher

    Diese zum wiederholten Male unkritische, devote Berichterstattung des Börsenblattes kotzt mich an.

    Journalismus sieht anders aus! Ist es denn zuviel verlangt, den vom Börsenblatt zu erwarten?

    Die Auswirkungen auf den seriösen, inhabergeführten Antiquariatshandel, welcher durch die rücksichtslose Preis- und Massenpolitik dieser Heuschrecke immer mehr an den Rand der Existenz gedrückt wird, spielen mal wieder keine Rolle!

    Ganz und gar nicht freundlich grüßt

    Arnold Pascher

  • Walter König

    Walter König

    Wer für wenig Geld viel lesen will der ist mit Momox und Rebuy gut bedient, wer allerdings selbst Bücher sammelt oder gar verschenken will, der sollte sich eine Bestellung dort sparen, denn die Zustände sind oft extrem geschönt.

    Habe selbst einige Male angeblich als "gut" oder "sehr gut" eingestufte Comics und Bücher bestellt, die höchstens noch "ausreichend" oder oft "mangelhaft" waren. Letztere fliegen bei mir gleich ins Altpapier, die würde ich in dem Zustand noch nicht mal auf dem Flohmarkt anbieten.

    Dann stört mich sehr, daß oft der Eindruck erweckt wird, man hätte teure Fachbücher für wenige Cent im Angebot gehabt, aber sie wären schon ausverkauft. Tatsächlich habe ich dies mal über 2 Jahre beobachtet, die Fachbücher waren nie im Angebot.
    Mir halten dann aber Leute das Smartphone vor die Nase und sagen:
    " Warum hast Du 100 Euro für dieses Fachbuch bezahlt ? Hier im Netz gabs dies mal für 90 cent."
    Nur es wurde nie für diesen Preis angeboten und ich bezweifle, daß es jemand für 30 cent an diese Händler verkaufen würde, wenn er 40-50 Euro bei ebay/Amazon bekäme.

  • Benjamin Wagner

    Benjamin Wagner

    Ich kann mich dem Vorredner nur anschließen. Aus "kapitalistischer" Sicht mach Momox alles richtig. Die Buchkultur kommt unter die Räder, da hier nur noch Masse und Schnäpchen zählt. Vom ökologischen "Rücksack" mal ganz abgesehen, wenn Müll-Bücher zweimal quer durch die Republik geschickt werden und in Plastik-Verpackung beim Kunden ankommen. Hinzukommend die Schlepperei für DHL/Hermes Fahrer*innen mit Paketen bis 31,5 Kilo natürlich via exzellentem Rahmenvertrag zum Schnäppchenpreis für Momox. Sehr einseitiger Artikel -unterirdisch.

  • Reinhard Denecke

    Reinhard Denecke




    Hurra, das Börsenblatt adoptiert einen Quasi-Monopolisten,
    mit immer gern mitgeteilten Firmennews und ach so tollen Hinweisen (großer Umsatz,
    große Zahlen … große Pakete).
    Kritische Gedanken, strukturelle Analysen zu diesem, die Menschen mit einfachen
    Schritten beglückenden Markteroberer – Fehlanzeige, wenn es nicht so platt wäre, könnte
    man überlegen: Wie viel zahlt das Vereinsmitglied an Beitrag – immer gern auf ihrer
    Seite...

    Ich betreibe seit nunmehr 30 Jahren ein Antiquariat, ich bemühe mich täglich, meine Buchaufnahmen konkret und verständlich auszuführen, was macht Medimops: „Exemplar mit vollständigem Text und sämtlichen Abbildungen oder Karten. Schmutztitel oder Vorsatz können fehlen. Einband bzw. Schutzumschlag weisen unter Umständen starke Gebrauchsspuren auf“ oder : Durchschnittlich erhaltenes Buch bzw. Schutzumschlag mit Gebrauchsspuren, aber vollständigen Seiten“,
    dass sind keine Beschreibungen, das sind Mutmaßungen (… weisen unter Umständen … Gebrauchsspuren auf), Allgemeinplätze („vollständige Seiten“ ) - lachhaft, undefinierte bzw. sprichwörtlich geisterhafte Ansagen (durchschnittlich erhalten..), bitte, welchen Durchschnitt legen die Damen und Herren bei Medimops an?, oder vielleicht sollte ich es anders nennen: Medimops macht Buchbeschreibungen nichtssagender Art aus einem dümmlich gestalteten Textbaukasten. Genauer gesagt, Medimops macht in meinen Augen Buchbeschreibungen, die der Kundentäuschung recht nahe kommen. Wer bei Medimops kauft, kauft die Katze im Sack, seriös geht anders. Warum bitte sieht das Börsenblatt diese Zusammenhänge nicht ?. Dem Börsenblatt bzw. dem Börsenverein müsste klar sein, dass man solch eine Firma, die elementare Grundsätze des Antiquariats nicht beachtet, nicht bewerben und fördern sollte.
    By the way, wer den Bildern bei Angeboten von Medimops bei ZVAB=Abebooks=Amazon begegnet, sollte zur Kenntnis nehmen: Es sind immer sogenannte Beispielbilder, nicht eines davon hat Medimops gemacht, Antiquare haben sie gemacht und sind durch die Geschäftsbedingungen von dem oben genannten Amazon-Konglomerat gezwungen, diese Bilder zur allgemeinen Nutzung zur Verfügung zu stellen. Die Zuordnung der Bilder ist in mehr als der Hälfte der Fälle falsch, aber das interessiert Medimops und alle anderen nicht. Ich mache keine Bilder und lasse mir auch keine Fremdbilder zuordnen, ich mache Bilder auf Kundennachfrage.

    Medimops arbeitet mit komplexen Algorithmen, klingt vernünftig, haben sich also Gedanken gemacht, komplexe natürlich. Sie tippen eine ISBN ein und schwupps erscheint der zu zahlende Ankaufspreis (oder auch nicht, machen sie doch einmal den Versuch, und tippen die ISBN noch einmal nach dem 15. oder 20. Buch ein, erscheint dann immer noch der selbe Preis?, nehmen sie dass Buch vom Anfang heraus – damit es nicht doppelt angekauft wird – erscheint der selbe Preis ??), was geschieht, wenn sie viele ISBNs eintippen, verändert der Algorithmus seine Ankaufspreise ?. Zugegeben, Medimops zahlt viel für aktuelle Bestseller, dieser „komplexe“ Algorithmus vergreift sich am Amazon-Ranking, Medimops (und Amazon) lieben schnell verkäufliche Ware, nur mit Buchkultur – auch mit Lesekultur – hat dieses Verhalten nichts zu tun. Es geht Medimops nur um das Geschäft, o k, ist halt Kapitalismus, in dem leben wir, der füttert uns alle, aber auch zu diesem Verhalten sollte der Börsenverein eine Haltung einnehmen, sonst erblicke ich dort die gespaltene Zunge.
    Die zweite Konsequenz dieses „komplexen“ Algorithmus ist das vollständige Versagen bei wertvollen, seltenen, limitierten Büchern. So richtig komplex ist er halt doch nicht, der Algorithmus, er kennt doch nur die Häufigkeit der Veräußerung in welcher Schnelligkeit bei Amazon. Und in der Welt hat der in wenigen Exemplaren (mit ISBN) erschienene Pressendruck keinen Platz, bzw. noch schlimmer wird gnadenlos unter-preisig von Medimops angekauft, wiederum eine mögliche, den Kunden um einen angemessenen Preis bringende Verhaltensweise. Hat das Börsenblatt keine Augen ?.

    Und dann gibt es noch diese beim Paketeingang aussortierten Bücher: „Der Zustand entspricht nicht unseren Vorstellungen“, kann ich gut nachvollziehen, was mir angeboten wird, entspricht auch häufig nicht meinen Vorstellungen, meist erläutere ich dies den Anbietern im Ladengeschäft, fast immer verstehen sie es. Was macht Medimops, sie nehmen den Preis des Buches aus dem Ankauf und teilen dem Verkäufer mit „ es entspricht nicht....“ und der Verkäufer könne es gern wieder bei Medimops abholen. Ja, da hört dann die Beglückung auf, zurücksenden, damit der Verkäufer die Aussage von Medimops am Objekt überprüfen könnte, nicht doch, kostet Geld. Und da so gut wie kein Verkäufer irgendein Buch bei Medimops wieder abholt, verschwinden diese in der Tonne oder auch nicht, ich weiss es nicht.

    Medimops verkauft 25 Millionen Bücher im Jahr, beschäftigt 1900 Mitarbeiter, und macht „Qualitätskontrolle“, bei mir wäre Medimops bei Qualitätskontrolle glatt durchgefallen. Vielleicht schaut sich das Börsenblatt ja einmal die Arbeitsbedingungen bei diesem Großanbieter an, fragt einmal Beschäftige nach Arbeitsstrukturen und Bezahlungen (welcher Tarifvertrag gilt bei Medimops ?), macht endlich mal so etwas, was man gemeinhin Journalismus nennt.

    Ein letzter Gedanke, Medimops hat Erfolg, zugegeben, aber Erfolg als einziges Kriterium der Bewunderung, als Ausrede für einen warmherzigen, nichtssagenden Artikel ?, bitte liebes Börsenblatt, wenn Ihr den nächsten Artikel, vielleicht über die neuesten ökologischen Ideen dieser Firma schreibt, denkt noch einmal nach und überlegt, welche Unkultur das Börsenblatt promotet.
    Eigentlich ist mir Medimops (und wie diese Großramscher sonst noch heißen) völlig egal und interessieren mich nicht, aber das Börsenblatt, mit solch einem Artikel über ein Gebiet, in dem ich arbeitete, geht nicht, geht gar nicht !
    Wem auch immer ich mit diesem Text auf die Füße getreten habe, möge mir verzeihen, es war wohl mit Absicht, rabenschwarze Grüße,
    und, liebes Börsenblatt, dieser Text hat mich eine halbe Flasche Rotwein gekostet, hätte ich gern ersetzt...

  • Walter König

    Walter König

    Nun ist es natürlich so, daß man selbst nicht besonders begeistert ist, wenn einem Internetanbieter das Wasser abgraben. Mir ist dies früher in meinem Fernsehfachgeschäft auch passiert, als ab Mitte der 90er Amazon und Co. starteten, der Verkauf von VHS und wenige Jahre später DVDs brach sehr schnell ein. Bei diesen Preisen konnte ich einfach nicht mithalten. Auch weil der Wettbewerb eben sehr unfair ist. Amazon zahlte Dank Luxemburg/EU fast keine Steuern, ich nicht gerade wenig.
    Ich konnte mich dann aber immer noch auf Nischen spezialisieren ( Laserdiscs und alte technische Fachliteratur ).
    Bei ersteren sorgen Algorithmen (glücklicherweise) für Wucherpreise, letzteres wird entweder verramscht oder zum Mondpreis angeboten.
    Die Beschreibungen bei alten technischen Manuals sind oft falsch, Fehler vermutlich von Amazon übernommen.

    Positiv sehe ich, daß die Anbieter wie Medimops oder Rebuy eben vieles verwerten was ansonsten in der Tonne landen würde. Es gibt einen Markt für Leser, denen der Zustand der Bücher egal ist, solange sie billig sind.
    z.B. bestellen da viele junge Leute, die nie einen Fuß in ein Antiquariat gesetzt haben.

    Rechtlich ergeben sich für mich bei dem Angebot auch Fragen, steuerlich agieren Medimops und Rebuy ja wie kleine Gebrauchtbuchhändler, dazu wird bei Rebuy ständig der Eindruck erweckt, man hätte viele teure Fachbücher für ein paar Cent bis 2 Euro im Angebot (gehabt), bzw. würde diese für diesen Preis anbieten wenn man sie bekäme.

    Beispiel hier:
    https://www.rebuy.de/i,10979050/buecher/deutsche-a uf-die-wir-stolz-sind-untersuchungen-zur-ndpd-chri stoph-schreiber-taschenbuch

    ( Ich befasse mich seit 40 Jahren mit den DDR Blockparteien )
    Klar hätte ich es auch gerne für 1,99 Euro gekauft, aber jetzt habe ich es für 100 Euro neu beim Verlag bestellt. Rebuy wird dies niemals für 1,99 Euro anbieten.
    Wenn wirklich mal so seltene Fachbücher auftauchen, werden sie eben auch für 20-40 Euro angeboten. Was soll also diese "Niedrigpreiswerbung" ?

    Zusammengefasst würde ich mir da vom Boersenblatt eine kritischere Berichterstattung wünschen.

  • Björn Biester

    Björn Biester

    Liebe Kommentatoren, vielleicht gehen Sie mit dem Artikel meiner Kollegin etwas zu hart ins Gericht. Es ist z. B. bei einer allgemeineren Betrachtung lediglich eine Spezialfrage, dass Momox bei wertvollen & seltenen Büchern manchmal viel zu niedrige Ankaufsbeträge anbietet (Kroke hat sich 2017 in einem Interview hier auf der Seite dazu geäußert und "Fehler" der Software nicht ausgeschlossen …). Der Hauptaspekt des überhaupt nicht anrüchigen Momox-Geschäftsmodells ist doch aber, gut verkäufliche gebrauchte Bücher aus den jüngeren Verlagsproduktionen umzuschlagen. Damit ist Momox offensichtlich sehr erfolgreich, worauf der Artikel hinweist. Betrifft dieser Erfolg nicht Publikumsverlage stärker als Antiquare?
    Ich schließe natürlich eine kritischere Berichterstattung über Momox/Medimops nicht aus (siehe z. B. den Beitrag von Ulrich Lölke im März-Heft von "Aus dem Antiquariat"). Vor allem meine ich, dass das Unternehmen noch größere Beachtung innerhalb der Buchbranche verdient, denn inzwischen ist Momox einer der größten Player auf dem Markt. Vielleicht findet sich ja mal jemand an einem der buchwissenschaftlichen Fachbereiche, der sich intensiv (und wissenschaftlich-unabhängig) mit Momox in Form einer Qualifikationsarbeit o. ä. beschäftigt? Das wäre zu begrüßen!

  • Frederik Scherer

    Frederik Scherer

    Ich habe schon mehrfach bei Momox bzw. Medimops gekauft. Jedes Mal kamen die Bücher beschädigt an und entsprachen mitnichten der (vagen) Beschreibung. Angesichts des hier beschriebenen Geschäftsmodells ist das ja kein Wunder. Man kann dem Unternehmen allerdings zugute halten, dass jeweils schnell und unbürokratisch ein Teil des Kaufpreises erstattet wurde. Weshalb ich konsequent reklamiere.

  • Thomas Paulitz

    Thomas Paulitz

    Lieber Herr Pascher,

    Sie bezeichnen Momox als Heuschrecke. Ok. Freie Meinungsäußerung. Ich betrachte Christian Wegner, den Gründer, als einen vorbildlichen Kaufmann.

    Ein junger Mann in Berlin, arbeitslos, geht durch Kreuzberg, sieht bei einem Trödler ein paar gebrauchte Bücher, kauft diese Bücher, bietet sie in Ebay an und macht sein Ding! Respekt!

    Wissen Sie, Herr Pascher, Sie hätten es auch tun können, oder? Haben Sie aber nicht.

    Die Frage, die sich aus meiner Sicht allerdings immer wieder stellt: Wie will er diese riesige Maschine, die er gestartet hat, jemals wieder kontrolliert anhalten, wenn die Zeiten sich mal wieder ändern?

    Also, lieber Herr Pascher: nichts für ungut. Jeder hat seine Sicht der Dinge.

    Es grüßt freundlich

    Thomas Paulitz

  • Reinhard Denecke

    Reinhard Denecke

    Guten Morgen, Herr Dr. Biester, zugegeben, als ich auf diesem zwitscher account las, sie wollten sich in die Debatte einmischen, war ich freudig überrascht, dachte, jetzt wird die Betrachtung mit Substanz geführt, aber – sorry – was ich dann in Ihrem Beitrag las, war doch eher enttäuschend, ich fühlte und fühle mich nicht verstanden, und deshalb muss ich jetzt etwas machen, was ich zuletzt zu Mulzers Zeiten – möge die Unruhe ihn umgeben – getan habe, nachlegen, noch einmal schreiben.
    Ich habe nicht behauptet, das Geschäftsmodell von Medimops sein anrüchig, warum sollte ich, sie verkaufen Bücher, genauso wie ich Bücher verkaufe, vielleicht ein paar mehr, das Modell ist nicht so unterschiedlich. Ich habe behauptet – und dass haben Sie leider nicht widerlegt – das Verhalten von Medimops ist anrüchig, die Buchbeschreibungen sind glatter Schrot, Kundentäuschung. Es wäre ehrlicher, Medimops würde die Bücher ohne Beschreibung anbieten, dann müssten sie sich nicht mit Allgemeinplätzen ohne jedwede Aussagekraft verbiegen. Leider gehen Sie auf dieses Fehlverhalten der Firma nicht ein, wo Sie sonst doch gern auf Ihrem Account die eine oder andere beschreibende Fehlleistung interessiert präsentieren.
    Ihr Hinweis auf die Aussage des Herrn Kroke, es gäbe „Fehler“ in der Software (im Algorithmus) glauben Sie doch selber nicht, bitte, dass ist unter Ihrem Niveau. Es gibt keine „Fehler“ im System, der Fehler ist das System an sich: Amazon-Ranking (= wie schnell wurde das Buch zu welchem Preis verkauft..) ersetzt Buchkultur, bewundern Sie diese Struktur ?, mag ich nicht glauben.
    Und dann immer dieser unterschwellige Gedanke: Neid, alle sind neidisch auf Erfolg. Liegen Sie leider wieder völlig falsch, meinetwegen kann Medimops noch 1000 Leute anstellen (bitte ordentlich bezahlen), noch sechs Zentrallager errichten (sollten auf den Flächenverbrauch achten), noch ne' Million Bücher mehr im Jahr verkaufen, ist mir völlig egal, interessiert mich nicht. Was mich interessiert ist der Börsenverein als irgendwie im Sinne des Buchhandels tätige Organisation, Sie als Vertreter des Börsenvereins tätig im Sinne der Antiquariate, dieser Börsenverein, macht sich für einen Laden stark, der nichts mit Antiquariat zu tun hat, gegen die banalsten Grundsätze des Antiquariats verstößt. Sie sind doch ein Freund der Buchkultur, was bitte erfreut Sie an der „Buchkultur“ von Medimops?.
    Ja, Sie haben recht, Medimops hat Erfolg, zweifelsohne, hat niemand bestritten, und: Rechtfertigt Erfolg alles, macht, wer Erfolg hat, automatisch alles richtig ?, etwas mehr kritische Substanz würde ich Ihnen dann doch zumuten. Und warum sollte die Buchbranche der Firma mehr Aufmerksamkeit widmen ?, verstehe ich nicht, fühlen die sich nicht richtig geliebt ? ('ntschuldigung, diese Plattitüde konnte ich mir nicht verkneifen).

    Vielleicht erklären Sie einmal, dass hat der Artikel Ihrer Kollegin leider mitnichten getan, was das Besondere, das Beachtenswerte an dieser Firma ist, vielleicht versteht man (und Frau) dann Ihren Hinweis auf fehlende Beachtung der Firma. Kombinieren könnten Sie dass mit faktischen Handlungen der Firma, die neu oder innovativ wären, würde mich interessieren. Und bleiben Sie bitte nicht bei der online-Ankaufs-Preisabfrage stehen, das mache ich seit 30 Jahren – online – am Telefon, per mail oder ganz häufig im direkten Kundenkontakt im Laden oder beim Kunden zu Haus, Antiquare und Antiquarinnen sind dort viel flexibler und agiler als Medimops. Auch bitte nicht wieder der Hinweis, Medimops hätte die Idee gehabt, billige Taschenbücherbücher zu verkaufen, die Idee hatten und haben viele Händler, vor und nach Medimops, oder schauen Sie mal in Ihrem Archiv nach, es gab in Vor-Internetzeiten ein Antiquariat für Taschenbücher, mit Katalogen, lange vor Medimops.
    Es tut mir leid, ich verstehe Ihre Hingabe für diese Firma nicht, ich teile die Wertschätzung dieser Firma nicht (sie könnte genau so gut irgendeine andere Ware, z. B. Bügelbretter, verkaufen, es spielt keine Rolle was Medimops verkauft).
    Die Firma interessiert nicht, mag sie noch so viel Erfolg haben. Da fällt mir noch ein, für Erfolg braucht man Geld, für Werbung braucht man viel Geld, welchen Geldgeber hat Medimops ins Boot geholt (warum steht das nicht im Artikel ??), welche Interessen hat der Geldgeber ? - Rendite, verstehe ich, habe ich auch, manchmal.
    Lieber Herr Dr. Biester, vermutlich hat sich unser Verhältnis mit diesem Text für die nächsten Jahre geklärt, hatten wir alles schon einmal, kann ich dann nicht ändern, mögen Sie trotzdem eine angenehme Zeit haben und sich weiter mit voller Kraft für die Interessen der Antiquariate einsetzen, freundliche rabenschwarze Grüße

    PS: der Preis ist gestiegen, die Flasche ist jetzt leer

  • Thomas Paulitz

    Thomas Paulitz

    Die Not und der Zorn müssen groß sein, wenn man einem verstorbenen Kollegen eine schlechte Totenruhe wünscht, und 709 Wörter darüber schreibt, dass man sich nicht für Medimops interessiert.

    Der aktuelle Stand der amazon-Bewertungen für Medimops ( 01.04.2020 10:58 Uhr ) : 6374957 Bewertungen, davon 97% positiv, 2% neutral, 2% negativ ( offensichtlich gibt es wohl einen Rundungsfehler )

    Medimops-Bewertungen auf ebay: 01.04.2020 11:01 Uhr: 4744979, davon 1442030 in den letzten 12 Monaten, davon 820660 mit 5 von 5 Sternen für die Genauigkeit der Beschreibung, insgesamt 99,5% positive Bewertungen.

    Medimops im ZVAB: 5 von 5 Sternen

    Ein rabenschwarzes Antiquariat im ZVAB als Vergleich: 4 von 5 Sternen

  • Reisender

    Reisender

    Es ist immer wieder entlarvend, wie in den Kommentaren auf Konkurrenten rumgehackt wird, die etwas nicht oder nicht mehr "wie immer" oder "wie früher" machen. Momox/Meidmops ist kein Antiquariat und war es auch nie, es ist ein Ramscher für junge Gebrauchtbücher. Niemand der bei Trost ist bietet Momox wertvolle antiquarische Bücher an und niemand, der eine bestimmte Auflage eines Fachbuches sucht sollte sich von Medimops eine andere andrehen lassen, auch nicht mit dem Verweis auf den im Zusammenhang mit ISBN und/oder Auflagebezeichnung in der Artikelbeschreibung fragwürdigen Hinweis auf die mögliche Lieferung anderer Auflagen.
    Wer aber für den Urlaub einen billigen Barcleona- oder Bretagnekrimi sucht oder im Fontanejahr seine Wanderungen oder die gute Effi nicht gleich im Regal wiederfindet, der ist mit dem Angebot doch gut bedient. Es ist ja nicht die Schuld von Momox/medimops, dass die Mischkalkulation einzelner Antiquariate nicht mehr aufgeht, weil sich deren Geschäft komplett ins Hochpreissegment verlagert hat. Das passiert schon seit Amazon-Marketplace-Zeiten.

  • Helena Schmidt

    Helena Schmidt

    Hallo,
    auch mir erscheint der Artikel wenig ausgewogen, er wirkt eher wie ein Werbebeitrag, der Aussagen des Unternehmens wiedergibt. Ich habe mal geschaut, ob es lohnt, Momox gebrauchte Bücher anzubieten. Jedoch stimmt es keinesfalls, dass die fast jedes Buch annehmen - im Gegenteil wurden fast alle meine Bücher entweder abgelehnt (zeitgenössische Belletristik, nichts Exotisches) oder nur mit 15 Cent bepreist. Da braucht es eine Menge Bücher, bis man auf 10 Euro kommt, und das wird ein ziemlich großes Paket! Ergo: Lohnt sich überhaupt nicht, zumal die Eingabe der ISBNs sehr mühsam ist. Da lege ich meine Bücher lieber aufs Fensterbrett, damit sich ein Passant drüber freuen kann!

    Andersherum ist es so, dass Momox den Markt für gebrauchte Bücher kaputtmacht. Das merke bereits ich als gelegentlicher Privatverkäufer, der viel liest und sich freut, einen Teil meiner Ausgaben durch Weiterverkauf auszugleichen. Bietet man z. B. auf Amazon Marketplace aktuelle Belletristik an, so findet sich meist ein viel günstigeres Angebot von Momox, das man selbst niemals unterbieten kann: Denn da besagtes Portal recht hohe Verkaufsgebühren berechnet, macht man sogar Verlust, wenn man einen Artikel unter ca. 3 Euro anbietet. Momox scheint als Großverkäufer da Sonderkonditionen zu genießen - so können sie Bücher teilweise für 1 Cent anbieten. Da kann ich nicht mithalten, und auch nicht das kleine Antiquariat. Das erscheint mir ziemlich unfair, und daher kann ich Ihre Bewunderung für das Unternehmen nicht wirklich teilen.
    Gebrauchte Bücher kaufe ich nur noch auf anderen Plattformen, wo sich der Platzhirsch noch nicht breitgemacht hat und den anderen alles versaut.

  • Benjamin Wagner

    Benjamin Wagner

    Sehr geehrter Herr Dr. Biester,

    ohne lange Ausführungen machen zu müssen: es ging weniger um das allseits bekannte und offensichtlich erfolgreiche Geschäftsmodell von Momox - das kann man kritisieren oder befürworten - sondern vielmehr um die Frage, ob so ein Artikel, der sich eher liest wie eine Pressemitteilung aus der Kommunikationsabteilung der Firma Medimops, im Bösenblatt Raum braucht; insbesondere weil diese Daten ja wiederkehrend hier genannt werden. Ich finde, dass hier zu wenig journalistische Aufarbeitung stattgefunden hat.

    Mit freundlichen Grüßen

    Benjamin Wagner

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