Corona als Treiber des digitalen Hörbuchs

In der Corona-Krise hat das Hörbuch Konjunktur, besonders gefragt: Streaming-Angebote und Kids-Content. "Gerade jetzt ist die Zeit überholte Veröffentlichungszyklen aufzubrechen und sich digital stärker sichtbar zu machen", meint Eric Bartoletti. 

Die aktuelle Situation der Corona-Pandemie zwingt viele von uns dazu in den vertrauten vier Wänden zu bleiben und, wo möglich, vom Home Office aus zu arbeiten. Schulen und Kindergärten sind geschlossen, ebenso wie fast sämtliche Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung. In diesen Zeiten hat eine Form des Entertainments jedoch Konjunktur: das Hörbuch. Jetzt, wo die Menschen zu Hause neue Wege suchen, um der Krisenstimmung zumindest zeitweise zu entfliehen, gewinnt das Hörbuch als gute Unterhaltung, Wissensquelle und vor allem auch als Ersatz für menschliche Kontakte eine ganz neue Bedeutung. Es bringt Menschen zusammen und versammelt sie zum gemeinsamen Geschichtenhören um einen Lautsprecher. Es berührt auf einer tiefen emotionalen Ebene und schafft Nähe, wo sonst aktuell weniger Nähe möglich ist. Stärker als bei jeder TV-Serie und jedem Buch wird man beim Hörbuch ein Teil der Geschichte, wird hineingesogen in die Geschehnisse und von der Handlung völlig vereinnahmt, wenn man sich darauf einlässt.

 

Digital First ist das neue Credo

Diese Kraft und Fähigkeit eines Hörbuchs nutzen kann jedoch nur, wer Zugang zu den Inhalten hat. Die Zahlen der vergangenen Wochen zeigen ein deutlich verstärktes Wachstum der digitalen Hörbuchumsätze, insbesondere im Streaming und bei Kids Content. Doch immer noch tun sich viele Verlage schwer, potenzielle Hörer dort abzuholen, wo diese ohnehin unterwegs sind. Es rächt sich nun keine klare Digitalstrategie zu haben. Die Verschiebung von Veröffentlichungsterminen aufgrund geschlossener Buchhandlungen zeigt, wie wenig sich die Möglichkeiten des digitalen Medienvertriebs noch zunutze gemacht werden. Gerade jetzt ist die Zeit überholte Veröffentlichungszyklen aufzubrechen und sich digital stärker sichtbar zu machen.

 

Umarmen Sie den Hörer von allen Seiten 

Dafür ist es notwendig, dass Verlage eigene Hörbuch-Kompetenz aufbauen und die gesamte Klaviatur digitaler Auswertungsformen beherrschen. Nur so ist eine umfassende Ansprache potenzieller Kunden auf sämtlichen relevanten Plattformen möglich. Am Anfang steht hierbei der Aufbau eines eigenen Hörbuchkatalogs sowie die parallele Veröffentlichung von Printbuch, E-Book und Hörbuch, um eine höhere Sichtbarkeit zu erlangen und Marketingaktionen bündeln zu können. Es lohnt sich auch die eigene Backlist nochmals mit neuen Augen nach spannenden, gut in die aktuelle Zeit passenden Titeln zu durchforschen und als digitales Hörbuch umzusetzen. Nur wenn ausreichend attraktive Inhalte Hörern zur Auswahl stehen, bleiben sie dran und tauchen tief ein in das nächste Audioabenteuer. 

Wichtig ist auch eine Veröffentlichung der Hörbücher in allen verfügbaren Geschäftsmodellen, vom Download bis hin zum Streaming. Dies sorgt für mehr Aufmerksamkeit und erreicht die Hörer dort, wo sie bereits andere Inhalte konsumieren. So lassen sich vergleichsweise niedrigschwellig neue Konsumenten gewinnen. Über Streaming-Portale lassen sich außerdem mittels Playlist-Marketing insbesondere die in der heutigen Zeit so gefragten seriellen Inhalte hervorragend bewerben. Ebenso können hierüber parallel eigene Podcasts veröffentlicht werden, welche mit Hintergrund-Stories, Autoren-Interviews oder Bonusmaterial Lesungen ersetzen und als Teaser auf verfügbare Titel eines Verlags aufmerksam machen. 

Um die aktuell verstärkt genutzten Smart Speaker für die eigene Hörbuchstrategie erfolgreich einzusetzen, könnte sich neben der Präsenz im Streaming der Einsatz von Voice Assistants wie Bookwire Odyssey lohnen. Diese machen Hörbücher auf Smart Speakern leicht zugänglich und schlagen dem Hörer zu seinen Vorlieben passende Titel vor, nach denen er selbst womöglich nie gesucht hätte. Dem Hörer bietet sich ein völlig neues Hörbucherlebnis, welches zu weiter steigenden Abrufzahlen führt. 

Schließlich gilt auch für Verlage, dass der enge Kontakt zu Kunden, insbesondere über Social-Media-Kanäle, für die Vermarktung der eigenen Inhalte durch Corona nochmals deutlich bedeutender geworden ist. Schon mit geringem Budget lassen sich über bezahlte Anzeigen potenzielle Hörer zielgerichtet ansprechen und von den eigenen Hörbüchern begeistern. Darüber hinaus fördert ein aktiver Austausch zwischen Hörern, Autoren und Verlag die Markenbildung, was für eine stetig wachsende Fangemeinde heutzutage unerlässlich ist.

Die derzeitige Lage wird den ohnehin bestehenden Digitalisierungstrends nochmals einen kräftigen Schub verleihen. Sich an diese Entwicklungen nicht nur anzupassen, sondern Chancen zu nutzen und proaktiv neue Strategien zu etablieren wird für Verlage einen entscheidenden Unterschied zwischen Erfolg und Misserfolg ausmachen.

1 Kommentar/e

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  • Ulrich Maske

    Ulrich Maske

    Wer ein bisschen formale Logik beherrscht, bemerkt natürlich schon in der Reihenfolge (erst - Anfang - eigenen Katalog aufbauen, dann Kompetenz aufbauen) das Desaster dieser "Gedanken". Es lebe das Motto "Ich kann alles, nur nix richtig."

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