Die Sonntagsfrage

Wie läuft Pressearbeit in Corona-Zeiten, Frau Fischer?

Lesungen abgesagt, Interviews gestrichen und in den Zeitungen gibt es nur ein Thema: Corona. Was bedeutet das für die Presseabteilungen der Verlage? Wie bringen sie ihre Novitäten in die Öffentlichkeit? Und was ist in den Redaktionen jetzt gefragt? Antworten von Barbara Fischer, die bei Bastei Lübbe die Öffentlichkeitsarbeit verantwortet - und den Medien jede Woche ein umfangreiches Pressepaket zur Verfügung stellt. 

Olivier Favre

Barbara Fischer

Die Redakteurinnen und Redakteure verstehen ihre Arbeit, sie reagieren auch in Krisenzeiten äußerst kreativ und flexibel und sind nicht auf unseren Input angewiesen. Das möchte ich hier mal voranstellen.

Fakt ist aber, dass allen – Verlagen wie Redaktionen –, die nicht nur von der Rezeption leben, die Präsenz vor Ort fehlt, den Redaktionen für die Berichterstattung von kulturellen Veranstaltungen oder Live-Interviews, und uns Verlagen bricht mit der Nicht-Präsenz unserer Autor*innen bei Interviews, Talkshows und den vielen Veranstaltungen im Handel ein großer Baustein unserer Pressearbeit weg. Es fehlt an Sichtbarkeit. Zwar verlegen wir viel in die Sozialen Kanäle, aber das fängt nicht die Berichte in den klassischen Medien auf. Außerdem müssen wir alle mit personellen Engpässen durch Kinderbetreuung und Homeschooling oder anderen Arbeitsformen, wie Homeoffice, klar kommen. Wir möchten mit unserem Angebot lediglich Anregungen geben.

In der ersten Lockdown-Woche haben wir den Redaktionen Service angeboten, zum Beispiel Presseexemplare auch ins Homeoffice zu schicken, PDFs und eBooks zu bestellen oder auf unseren umfangreichen Video-Content für Kinder hingewiesen, aber auch redaktionelle Inhalte, wie Print-Interviews, den Autoren-Fragebogen "Das Leben in Zeiten von Corona …", das "Kopf-der-Woche-Interview", dieses Mal mit Spaziergangsforscher Bertram Weisshaar. Zum ersten Mal bieten wir jetzt O-Töne für Radiosender an. Videos folgen demnächst. Unsere Autorinnen und Autoren muss man nicht überreden, die bisher Angefragten haben sofort mitgemacht und umgehend ihre Texte oder Antworten geliefert.

Ob unser Angebot auch genutzt wird? Das kann ich nach einer Woche nicht sagen, zumal die Redaktionen sich bei uns nicht rückmelden müssen, denn wir stellen alles so zur Verfügung, dass sie sich nutzerfreundlich bedienen können, ohne zeitaufwändige Frageschleifen zu drehen.

Corona beherrscht ja gerade vieles, aber – Gott sei Dank - nicht alles. Das kann jeder sehr einfach an sich selbst überprüfen: Man hält nur ein gewisses Maß an Schreckensnachrichten aus. Im Bereich der reinen Rezensionen fällt mir derzeit keine Veränderung auf, das Interesse an Novitäten ist ungebrochen.

Was mir bei meiner Arbeit gerade am meisten fehlt? Auch wenn technisch viel möglich ist, erleichtert es doch nicht immer den Workflow. Statt rascher persönlicher Nachfrage, geht nun die Mail ins Homeoffice. Das ist zwar machbar, aber dämmt die auch ohne Corona-Krise schon riesige Mailflut nicht unbedingt ein. Aber das ist letztlich nicht wichtig, Hauptsache, alle bleiben gesund und positiver Stimmung. Und an letzterer mangelt es uns nicht!

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