"Bücherjournal": NDR-Intendant antwortet auf Offenen Brief

"Wir werden mehr Bücherbesprechungen im Angebot haben"

NDR-Intendant Joachim Kunth antwortet (ebenfalls mit einem Offenen Brief) auf den Offenen Brief, in dem Kulturschaffende die angekündigte Einstellung des "Bücherjournals" durch den Sender kritisiert hatten. Kultur und Literatur werden künftig prominenter in allen NDR-Angeboten platziert sein, versichert Kunth − und nennt in einer Presseinformation ausführlich Details. 

Es werde zukünftig keine Buchbesprechung weniger geben als bisher, das Gegenteil sei der Fall, so Intendant Joachim Kunth in einer Pressemitteilung des NDR. In dem Offenen Brief, den Rainer Moritz, der Chef des Hamburger Literaturhauses initiiert hatte, und der von zahlreichen Kulturschaffenden unterzeichnet wurde, wurde die angekündigte Einstellung der NDR-Sendung "Bücherjournal" kritisiert. Eine Rücknahme der Entscheidung wurde gefordert (siehe Börsenblatt Online: "Es ist ein Skandal"). Kunth wiederum hat selbst einen Offenen Brief an Rainer Moritz geschrieben (Link zum Offenen Brief) − bietet auch einen "persönlichen Austausch darüber an, wie wir in Zeiten sich rasch verändernder Mediennutzung Literatur befördern und damit möglichst viele Menschen ansprechen können".

Joachim Knuth erklärt nun in der Presseinformation zur Absetzung des "Bücherjournals": "Wenn Veränderungen missverstanden werden, möchte ich diese Missverständnisse aufklären. Wir werden in Zukunft mehr Bücherbesprechungen im Angebot haben als bisher. Und diese werden mehr Menschen erreichen. Es geht bei Einstellung der Sendung 'Bücherjournal' nicht wie befürchtet darum, den Stellenwert der Literatur im NDR zu mindern. Das Gegenteil ist der Fall. Vielmehr wollen wir Mittel effektiver einsetzen und uns für Literatur-Berichterstattung stark machen."

Das "Bücherjournal" erreiche als lineare Fernsehsendung, sechsmal im Jahr gegen Mitternacht ausgestrahlt, zu wenig Menschen, mit fallender Tendenz. Die Buchbesprechungen bestünden fast ausschließlich aus Wiederholungen von Beiträgen, die vom NDR oder anderen Sendern bereits ausgestrahlt wurden und in der Mediathek unabhängig vom "Bücherjournal" nach Bedarf abrufbar seien. Deshalb habe der NDR entschieden, diese Form des Angebots künftig bleiben zu lassen.

Mehr Buchpräsenz in anderen Formaten

In der Sendung "DAS!" werde es einmal monatlich einen Buchtipp für Belletristik geben − auch von Büchern jenseits von Bestsellerlisten. Darunter würden auch solche Beiträge sein, die bisher noch im "Bücherjournal" laufen. Diese Rubrik werde auch bei NDR 2 und online zu finden sein.

Außerdem werde "DAS!" einmal pro Woche ein Buch und den Autor oder die Autorin in den Mittelpunkt der Sendung stellen. Damit erreiche der NDR pro Ausstrahlung ungefähr eine halbe Millionen Menschen. In der von Julia Westlake moderierten Sendung "Kulturjournal" werde es weiterhin auch um Bücher und Literatur gehen. Inhalte wie "Das Buch des Monats" würden multimedial verbreitet und sind in der Mediathek jederzeit auffindbar, so der NDR.

Neu: Großer Büchertag und Podcast

Zudem werde der NDR dieses Jahr erstmalig einen großen Büchertag in Hörfunk, Fernsehen und Online anbieten, orientiert an der Idee der erfolgreichen Veranstaltungsreihe "Der Norden liest". Bekannte und unbekannte Autorinnen und Autoren stellen dabei ihre Bücher vor.

Außerdem entwickle der NDR in seinem Innovationslabor THINK RADIO derzeit einen neuen Bücher- und Literaturpodcast, der im Sommer startet. Das Format soll aktuelle Bücher sowie deren Autorinnen und Autoren mit ihren Themen auf innovative Weise einem breiten Publikum nahebringen.

NDR Kultur beschäftige sich täglich mehrmals mit Literatur in verschiedenen Sendungen (hier listet die Pressemitteilung die Formate auf). Um der Vielfalt der Kulturthemen im Programm gerecht werden zu können, habe der NDR bereits weit vor dem Sparprozess die Zusammenarbeit der verschiedenen Kulturredaktionen vorangetrieben − etwa um kulturrelevante Inhalte in möglichst vielen Sendungen und Programmen in die Planung einzubeziehen.

"Kultur und Literatur nehmen traditionell einen festen Platz in allen NDR Programmen ein, ob im Fernsehen, im Hörfunk und online. Und dies wird auch weiterhin so bleiben", schließt die Presseinformation.

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