Offener Brief

"Von einer Einigung kann keine Rede sein"

Eine Reihe von Literaturübersetzern hat jetzt in einem Offenen Brief die Vergütungsregel von Random House abgelehnt.

© Katrin Hage

Hier der Offene Brief im Wortlaut: Die Honorierung literarischer Übersetzungen in Deutschland ist unangemessen. So heißt es in der Begründung des Gesetzgebers zur 2002 verabschiedeten Novelle des Urheberrechts. Das neue Gesetz sollte Abhilfe schaffen und endlich dafür sorgen, dass die Urheber angemessen vergütet werden. Nun wurde vorschnell gemeldet, einige Publikumsverlage und der Übersetzerverband VdÜ hätten sich auf eine gemeinsame Vergütungsregel geeinigt. Höchstens nebenbei erfährt man, dass die Mitglieder des Übersetzerverbands dieser Regelung noch gar nicht zugestimmt haben. Damit ist auch nicht zu rechnen - aus gutem Grund: Der jetzt vorliegende Vergütungsvorschlag bedeutet für die meisten Übersetzer keine Verbesserung ihrer Honorare, für viele sogar eine deutliche Verschlechterung. Die Höhe der Beteiligung am Erfolg und an der weiteren Nutzung übersetzter Werke ist unzureichend und bleibt weit hinter bisherigen Gerichtsurteilen zurück; die Seitenhonorare drohen hinter den Status Quo zurückzufallen; bis zu 20.000 Exemplare eines Titels können verkauft werden, ohne dass auch nur ein Cent Beteiligung fließt. Einen solchen Vorschlag als "angemessene Vergütung" festzuschreiben, lehnen wir deshalb entschieden ab. Die vermeintliche "Einigung" würde nicht nur die ökonomische Misere eines ganzen Berufsstands zementieren, sie gefährdet auf Dauer die Kultur, für die wir uns einsetzen: eine vielfältige literarische Landschaft, gute Bücher, Übersetzungen auf hohem Niveau. Erstunterzeichner: Ammar, Angelica Aumüller, Uli Bechtolsheim, Christiane v. Becker, Svenja Bender, Larissa Bischitzky, Vera Blumenbach, Ulrich Böhnke, Reinhild Bokelmann, Ulrike Braun, Ilja Braungardt, Ganna-Maria Burmeister, Brigitte Dörries, Maike Drolshagen, Ebba Elsässer, Regine Elze, Judith Fähndrich, Hartmut Fienbork, Matthias Firth, Will Fock, Holger Fritz, Franca Große, Brigitte Hachmeister, Sylke Hacker, Gerhard Handels, Tanja Hansen, Christian Hausmann, Friederike, Heissenberger, Michael Henrici, Axel Hirschmann, Karin Höhr, Hildegard Hölscher, Irmgard Hoffmann-Dartevelle, Maria Hübner, Sabine Hüsmert, Waltraud Ingendaay, Marcus Jackson, Hendrik Kaiser, Reinhard Kalscheuer, Claudia Kempter, Martina Kierdorf, Theo Kinsky, Esther Kleemann, Silke Kleiner, Barbara Klöss, Peter Koop, Heinrich Krieger, Karin Kroeber, Burkhart Krueger, Gertraude Kuby, Christiane Kühl, Olaf Künzli, Liz Lange, Susanne Leetz, Antje Leupold, Gabriele Loehrer, Andreas Mälzer-Semlinger, Nathalie Mandelkow, Miriam Martens, Klaus Meltendorfer Friederike Mill, Maria Mohr, Thomas Monhardt, Stefan Moldenhauer, Eva Müller, Sabine Nitzberg, Alexander Nölle, Karen Oeser, Hans-Christian Osterwald, Grete Ott, Bernadette Pflug, Maja Plötz, Dagmar Poppenberg, Gerhard Radetzkaja, Olga Reschke, Thomas Rohland, Riek Ruby, Luis Scheffel, Gerda Scheffel, Helmut Scheffel, Tobias Scherber, Peter Schulte, Sabine Schwaar, Peter Shibarova, Anna Sinnig, Claudia Spingler, Andrea Steinitz, Claudia Stöhr, Sabine Strasmann, Ilse Strobel, Matthias Stroinska, Dorota Tankó, Timea Tschöke, Wolfgang Übelhör, Theresia Trunk, Christoph Vetterlein, Suse Viebahn, Sebastian Walter, Michael Wemme, Eva Winiger, Josef Wittmann, Uli Wulfekamp, Ursula Zimmer, Dietmar Zurbrüggen, Willi

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1 Kommentar/e

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  • Tilo Eckardt

    Tilo Eckardt

    Das Bemühen von Verlagen und Übersetzern, den Bundesrichtern mit einer Einigung zuvorzukommen, war spürbar in den letzten Wochen und Monaten. Und erstmals lag ein Vergütungsvorschlag auf dem Tisch, den der VdÜ seinen Mitgliedern offenbar mit gutem Gewissen zur Annahme empfehlen konnte. Und dann das: In einem offenen Brief lehnen namhafte Übersetzer den Vorschlag im Buchmarkt rundherum ab. Kein Wort darüber, dass eine der Kernforderungen der Übersetzer endlich erfüllt war, nämlich die Nichtverrechenbarkeit des Honorars. Das hätte man ja auch als Erfolg verbuchen können. Stattdessen eine rätselhafte Beispielrechnung: „… bis zu 20.000 Exemplare eines Titels könnten verkauft werden, ohne dass auch nur ein Cent Beteiligung fließt“, heißt es in dem Brief. Wie ist das bloß möglich, fragt man sich. Wie kann der Vdü so was empfehlen? 20.000 Bücher verkauft und der Übersetzer geht leer aus? Halt, da hat sich der Fehler auch schon eingeschlichen, denn es geht bei dieser Rechnung nicht um „Bücher“ sondern um „Titel“. Den Unterschied kenn ich jetzt, weil ich in meiner Verwirrung einen Namen aus der Liste der Unterzeichner rausgesucht und angerufen habe. Und mir wurde prompt vorgerechnet: Wenn sich ein Hardcover genau 5000 mal verkauft und dann aber doch noch genau 10.000 Exemplare der Taschenbuchausgabe über den Ladentisch gehen, woraufhin schließlich auch genau 5000 Hörbücher unters Volk gebracht werden, dann sind 20.000 Exemplare eines Titels verkauft. Und Beteiligung gibt’s tatsächlich nicht, weil die erst mit dem jeweils 5001. verkauften Hardcover und Hörbuch resp. dem 10.001. Taschenbuch fließt.
    Hat er natürlich Recht, der Name auf der Liste. Zugegebenermaßen fiel ihm gerade kein passender Beispieltitel ein. Mir aber auch nicht. Ja, sagte die Stimme am Telefon, das sei durchaus verwirrend, wohl auch für die Mitglieder des Verbandes, die über den Vorschlag entscheiden sollen. Zu spät erst viel mir eine optimistischere Gegenrechnung ein, die die Stimmung hätte heben können: Wenn sich ein Hardcover 1000 mal verkauft, kein Taschenbuch erscheint und das Hörbuch 19.000 mal weggeht, dann gibt’s Geld für den Übersetzer. Sogar schon bei 20.000 verkauften Exemplaren eines Titels. Das ist jetzt gar nicht polemisch gemeint.
    Tilo Eckardt, Programmleiter Blessing Verlag

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