Literarischer Salon

Geist und Geld

Der Ex-Manager und Büchersammler Dieter Bührnheim hat in Leipzig einen Literarischen Salon aus der Taufe gehoben. VON NK

Wiederbegegnung im Musikviertel: Der Schriftsteller Edgar Hilsenrath wurde 1926 in Leipzig geboren

Wiederbegegnung im Musikviertel: Der Schriftsteller Edgar Hilsenrath wurde 1926 in Leipzig geboren © Nils Kahlefendt

Vor Bücherwänden: Doreen Bunke und Dieter Bührnheim, Gastgeber von „Bührnheims Literatursalon“

Vor Bücherwänden: Doreen Bunke und Dieter Bührnheim, Gastgeber von „Bührnheims Literatursalon“ © Nils Kahlefendt

Jedes Frühjahr, in den vier Märztagen der Buchmesse und von "Leipzig liest“, verwandelt sich die ganze Stadt in eine große Bühne für Literatur. Über Bücher gesprochen – und gelesen! - wird natürlich ganzjährig: Mal öffentlich, mit Pult und Wasserglas, im Literaturhaus, am Literaturinstitut, in Buchhandlungen oder an Orten mit so skurrilen Namen wie "Noch besser leben“ oder "Horns Erben“. Meist aber ganz privat, je nach Temperament in Ohrensessel, Bett oder Badewanne. Dazu blüht, als zartes Pflänzchen im mehr oder weniger verborgenen Zwischenreich von Wohnzimmern und Caféhaus-Hinterstübchen, die Kultur der Lesezirkel und Salons. Mit dem am Wochenende in seiner Privatwohnung aus der Taufe gehobenen Literarischen Salon will Dieter Bührnheim, vormals Manager eines Hallenser Dienstleistungsunternehmens und Sammler signierter Bücher, „Wirtschaft und Kultur zusammenbringen“. Zum Auftakt von „Bührnheims Literatursalon“ stellte der Berliner Verleger Volker Dittrich den 1926 in Leipzig geborenen, nur knapp einem jüdischen Ghetto in der Ukraine entkommenen Schriftsteller Edgar Hilsenrath vor. Rund 80 Gäste – Bibliophile, Unternehmer und Damen mit teuren Handtaschen - waren Bührnheims Einladung in die Beletage eines Gründerzeithauses im Musikviertel gefolgt, lauschten der Lesung, plauderten bei Wein und Häppchen und inspizierten die Designermöbel und Bücherschätze des Hausherrn – rund 8000 signierte Bände von Helmut Kohl bis W. G. Seebald, die derzeit von einem eigens angestellten Antiquar erfasst und für den Verkauf vorbereitet werden. Bührnheim, dessen Frau Doreen Bunke die Salon-Idee vom Main an die Pleiße brachte und der von MDR-Literaturredakteur Michael Hametner und dem Frankfurter PR-Berater Lothar Ruske unterstützt wird, hat ehrgeizige Pläne: Zehnmal pro Jahr, jeweils am zweiten Samstag des Monats, soll sein Salon geöffnet sein – die Einladungen erfolgen persönlich. Neben Autoren-Lesungen sind drei Abende mit Verlegern und eine Auktion signierter Bücher geplant; in loser Folge sollen dazu Bücher in Bührnheims Privatedition erscheinen. „Es sind Begegnungen mit Menschen, die das Leben lebenswert machen“, hat der rührige Bücherfreund sein Motto an einer Wand der Wohnung verewigt. Bührnheim, der Bücher-Narr, der sich noch nicht aufs Manager-Altenteil zurückziehen will, hat einen Ball gespielt. Mäzenatische Aktivitäten und private Kulturinitiativen sind im Osten auch fast 20 Jahre nach dem Mauerfall rar gesät. Letztlich wird es an seinen Gästen liegen, ob sich „Bührnheims Literatursalon“ zum unverbindlichen Lifestyle-Angebot für Besserverdienende oder zum Ort lebendiger Begegnung zwischen Geist und Geld entwickelt.

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1 Kommentar/e

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  • Nathalie Meier

    Nathalie Meier

    Sehr schöne Idee - ich wünschte, ich gehörte zu den glücklichen Gästen. Es ermutigt mich, diese Idee auch an den schönen Niederrhein zu bringen.

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