Amazon.at

"Generalangriff auf die Preisbindung"

Der Medienhändler Amazon.de gewährt seinen Kunden mit Lieferadresse in Österreich auf alle Bücher einen Rabatt von zehn Prozent. "Mit dem Angebot werden bewusst grenzüberschreitende Verkäufe zur Umgehung der Preisbindung stimuliert", sagt Börsenvereinsjustiziar Christian Sprang.

Amazon verletze mit dem Angebot zwar weder das deutsche noch das österreichische Buchpreisbindungsgesetz, gehe faktisch aber zum "Generalangriff auf die Preisbindung" über, so Sprang. Der Amazon-Vorstoß könnte dem grenzüberschreitenden Handel im Internet Tür und Tor öffnen, befürchtet der Justiziar. Und spätestens dann stehe das Sortiment endgültig als "die teure Apotheke des Buchhandels" da. Gegen die neue Praxis bei Amazon könnten nur die Verlage vorgehen, die Amazon beliefern; Börsenverein und Preisbindungtreuhänder hätten keine Handhabe, so Sprang.

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38 Kommentar/e

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  • O.G

    O.G

    Leider ist das mit den Verlagen Utopie. Kein Verlag wird soviel Rückgrat haben und Amazon nicht beliefern.

    Aber eigentlich sollten Verlage Amazon mal einfach nicht beliefern, ansonsten kommen die "dicken" mit allem durch und können so vieles für sich entscheiden (auch den Kunden werden Entscheidungen abgenommen)

    Wir Sortimenter sind schon endgültig "die teure Apotheke des Buchhandels". Fragen von Kunden:" Bei Weltbild gibts das gleiche bloß billiger.""Oh ist das teuer, ich bestell das lieber bei Amazon."

  • Manu Gauck

    Manu Gauck

    Hallo,
    es geht bei den Verlagen nicht um Rückgrat - Amazon ist für viele Verlage eine der größten Abnehmer. Gerade wir kleine Verlage haben mit Ihnen, liebe Sortimenter das Problem, das die Bücher nicht auf Lager genommen werden. Und die Ansage bei den Händlern, die Besorgung eines bestellten Buches dauert zwei Wochen, nur weil das Buch beim Großhändler nicht auf Lager ist, läßt viele Kunden zu Amazon wechseln - dort bekommt man in der Regel die bestellte Ware über Nacht. Und wir haben unseren Absatz ...

    Einen schönen Feiertag

  • de Ville

    de Ville

    Was ist eigentlich der Sinn der Preisbindung? Daß die Gutverdienenden das Buch überall zum gleichen Preis bekommen?

    Der Kleinverdiener, also jeder - was weiß ich - Vierte mindestens !
    kan sich eh keine Büchr mehr leisten bei den HORROR-Preisen. Und die Bibliotheken haben sich ja auch von ihrem sozialen Auftrag mangels money verabschiedet.

    Also zum Teufel mit der Preisbindung. Interessiert keine "Sau" - Verzeihung ! - mehr !


  • Ulrich Kohnle

    Ulrich Kohnle

    Hallo,
    keiner der kleinen Verlage beliefert Amazon direkt, sondern wird übers Barsortiment gelistet. Niemand von uns kann mit Sicherheit sagen, wie viele Bücher über Amazon verkauft werden. Ein Versuch über den Verkaufsrang zu korrelieren hat mir zumindest keine schlüssigen Ergebnisse gebracht. Ich befürchte aber, aufgrund einer Barsortimentsquote von deutlich über 50%, dass wir auf Amazon nicht verzichten können.

    @o.g.
    So mühsam das auch ist: Klären Sie ihre Kunden immer wieder auf, dass Bücher überall gleich kosten.

    @Manu Gauck
    Wenn sie beim Barsortiment gelistet sind, wird der Buchhändler auch über Nacht beliefert. Wir haben allerdings schon erlebt, dass Kunden direkt beim Verlag bestellen, weil Amazon 3-5 Tage Lieferzeit hat. Hier vergibt das Sortiment sicher eine seiner Chancen

    noch einen schönen Feiertag

  • Uwe Metz

    Uwe Metz

    Ich sehe zwei Schwierigkeiten, die Amazon verursacht:
    Zunächst, dass die Preisbindung, die ich für wichtig halte und die auch in Kundengesprächen eine Rolle spielt, zum Witz gemacht wird. Die Aussage, die Amazon hier tätigt, lautet, die Preisbindung gilt, aber sie interessiert nicht.

    Die zweite Schwierigkeit sehe ich in der Tatsache, dass der Preis zum alleinigen Kriterium bei Büchern wird. Amazon verfolgt die Möglichkeit, Bücher einzig über den Preis zu "besprechen" konsequent - das zeigt der Vorfall. Das Unternehmen bietet nicht die Möglichkeiten eines Sortimentes. Es ist Buch-Verkauf, aber Buchhandel ist es nicht. Man erhält dort weder Auswahl, noch Beratung, keine Recherche, kaum Besprechungen - es sei denn man hält drei Sterne in der Kundenbewerbung für ausreichend. Kunden, die viel bei Amazon kaufen, tun es, weil es für sie bequem scheint. Doch geben sie viel mehr Geld für Bücher aus, weil sie viel häufiger Fehleinkäufe tätigen. Letztlich ist Amazon meist teurer als das Sortiment.

  • Katja Splichal

    Katja Splichal

    "Man erhält dort weder Auswahl, noch Beratung, keine Recherche, kaum Besprechungen - es sei denn man hält drei Sterne in der Kundenbewertung für ausreichend. Kunden, die viel bei Amazon kaufen, tun es, weil es für sie bequem scheint. Doch geben sie viel mehr Geld für Bücher aus, weil sie viel häufiger Fehleinkäufe tätigen. Letztlich ist Amazon meist teurer als das Sortiment."

    Sorry, aber: SO EIN QUATSCH!
    Bewertungstools, Vernetzung von Kunden, Rezensionen von wirklichen Lesern... ganz zu schweigen von der längst alltäglichen "Suche im Buch" -- was denn noch? Lieber Herr Kohnle - die Leute "suchen" sich ihre Bücher nicht auf amazon, sondern sie wissen, was sie wollen und sie wissen, wo sie es günstiger bekommen - teilweise ganz neu gelistete Titel zu 60% des Ladenpreises - und warum?? Nicht weil Amazon unfair spielt, sondern weil teuer bezahlte Rezensenten ihre Leseexemplare verticken.

    Noch einmal: amazon bietet kleinen Verlagen Chancen [gerade bei überraschend "viralen" Titeln, amazon [und andere Buchkaufportale] haben bei Weitem mehr "Beratungs-"Kompetenz als so manche Buchhandelsaushilfsthekensteherin UND es geht bei Amazon nicht um Bequemlichkeit sondern um Geld - bequeme Menschen machen sich nämlich nicht die Mühe zu lesen sondern schalten ihren Fernseher ein.

    @ de ville: für diesen unqualifizierten Beitrag gehört eigentlich lebenslanges Postulationsverbot verhängt.
    "Was ist eigentlich der Sinn der Preisbindung?" Na ganz bestimmt, dass sich die Verlage [vor allem die Nischenbediener mit ihren Lyrikbändchen] den Hals voll schlagen und ein goldenes Lesebändchen verdienen...
    ... und überhaupt kalkulieren alle Verlage ihre Preise so, dass mindestens 40% Verlagsgewinn bei rum kommen und das machen sie, weil sie wissen, dass bei Amazon die halbe Auflage flöten geht.... wer braucht schon Vielfalt?

  • Katja Splichal

    Katja Splichal

    PS:
    amazon vorzuwerfen, dass sie zum zehnjährigen Jubiläum eine Rabattaktion anbieten, ist der reinste Witz!
    Den Buchhändler [wir denken mal alle zusammen an den Hugendubel in der Fußgängerzone] möcht ich sehen, der nicht versucht, aus seinem Rabatt das Mögliche zu machen.
    Wärs denn genehmer gewesen, wenn amazon für ein Jahr komplett aufs Porto verrzichtet hätt?

  • O.G

    O.G

    Wenn ich als Buchhändler meinen Kunden eine Zweiwöchige Lieferzeit mitteile, dann weil der Verlag at least eine 250 Euro Bestellung wünscht - Anderes Thema...

    Muss denn alles pervertiert werden? Amazon nimmt alle Bücher in das Sortiment obwohl diese nicht auf Lager sind, Lieferschwierigkeiten werden erst nach der Bestellung mitgeteilt. Als Sortimenter kann ich mir das nicht leisten.

    Ich teile die Ansicht von Uwe Metz, das Bücher nur noch sekundär über den Inhalt als Kaufenswert erachtet, der Preis ist fest an erster Stelle gerückt, jedoch sehe ich die Beratungskompetenz bei Amazon anders.

    Nach der Entscheidung über den Preis, werden die Rezensionen anderer Kunden mit in die Entscheidung genommen, und hier greift was viele Buchhändler nicht akzeptieren wollen: Kundenrezensionen stehen über die des Buchhändlers. (Ausnahmen bestätigen die Regel)

    Um wirklich noch im Markt Anteile zu sichern muss über den Preis gegangen werden, aber hier steht die Preisbindung im Weg, also muss die aufgeweicht werden und das wird Amazon als führender Onlinehändler knallhart durchziehen.

    Thalia und Konsorten kümmern sich flankierend um das Sortiment.

    Die Verlage schaufeln Ihr eigenes Grab, auch der Buchhändler schaufelt gleich nebenan doch um den gehts hier nicht.

    Alle glauben "Das wird schon."

  • Jungbuchhändler

    Jungbuchhändler

    Das ist einfach eine Frage des Konsumbewustseins der Kunden wenn die kleinen die kleinen abzocken ob das jetzt B2B (Ner Buchhandlung beschissenere Konditionen geben als Monopolisten) oder B2C (Harz4 empfänger HC empfehlen) passiert brauch sich keiner aufregen wenn man sich und andere Leidensgenosse nicht mehr auf einen Nenner bekommt. Und die Sache mit Amazon is den auch verloren weil man sich gegen solch ein Unternehmen nich mehr durch setzen kann. Andererseits darf man Recourcen nicht verschwenden.

    Also klage gegn Amazon und die Seites in Deutschland sperren oder was.

  • Popper

    Popper

    Zitat: "weil Amazon 3-5 Tage Lieferzeit hat"
    Ich bestelle bei Amazon seit Jahr und Tag und erhalte die Büchersendung (die keine Versandart "Büchersendung" ist) zu 99 % am nächsten Tag. Und dank Amazon Prime bezahle ich auch kein Porto für die Ware. Schon viele Jahre länger kaufe ich im stationären Buchhandel Bücher und da war bisher selten das bestellte Buch am nächsten Tag da. Außerdem die unbequeme Fahrt mit der Stadtbahn und den Unwägbarkeiten wie Besoffene usw., die unkundige Buchhändlerin (nie hat ein Buchhändler Ahnung von Lyrik, nie stehen ausreichend Gedichtbände in den Buchhandlungen, dafür der gestapelte Bestsellermist...) nur geschickt im Kassieren. Und Bücher sind zeilweise echt zu teuer. Drum ist Amazon Marketplace und eBay für Vielleser auch ein Paradies (Buchticket, Hitflip sind auch nicht schlecht). Gebrauchtbücher enthalten ja den gleichen Stoff). Und warum geben die Verlage so viele Leseexemplare an den Buchhandel, an die Presse (die sowieso kaum gescheit rezensiert)? Diese Leseexemplare werden doch von den Buchhändlerinen und Rezensionsexemplareabstauber nur im Netz verhökert. Damit sollte mal Schluß sein. Ich als Vielleser muss mir meine Bücher auch kaufen und kann ein Buch auch rezensieren, wenn ich es mir gekauft habe. Buchpreisbindung finde ich absolut okay. Die beseren bücher erscheinen sowieso bei den Independents. Siehe Neubuch bei Yedermann oder Poetiken der Gegenwart bei bella triste. Die großen Publikumsverlage wagen doch gar nichts. Bertelsmann wird noch mal am Geld ersticken. Ach Verlage, es ändert sich nichts im Kapitalismus.

  • krämer

    krämer

    Und nicht übersehen die Packstationen der Post, die ja demnächst bei jedem Aldi aufgestellt werden sollen. Ich bin selbst Kunde der Packstation, und ich beobachte gelegentlich, was die Zusteller dort einstellen: EIN GROSSER TEIL SIND AMAZON-LIEFERUNGEN. Vielleicht macht es da bei einigen Klick, war doch das Zustellproblem bisher eine Bremse gewesen.

  • Jörg Jahn-Meyer

    Jörg Jahn-Meyer

    Nr. 10 bringt es auf den PUNKT:

    Eine ernsthafte Frage: Wo zu ist der stationäre Buchhandel dann noch nützlich?
    Kunden und Verlage stärken einem nicht mehr dem Rücken. Letztendlich ist der stationäre Buchhandel nur noch Anlaufpunkt für die Kunden, die in aller Regel durch amazon und Consorten nicht mehr bedient werden können. Ein Buch welches es nicht mehr gibt, oder ein Buch aus dem Weltbildkatalog, die Spannbreite ist immens für die kurzweiligen Nestflüchter des Onlinehandels.
    Und dazu schaut die Interessenvertretung wohlwollend aus ihrem "Habichthorst" zu und schweigt. Im gesamten System ist eine Schieflage entstanden, die einerseits totgeschwiegen wird, die andererseits dem stationären Buchhandel immer und immer wieder als kleiner ärgerlicher Leckerbissen vorgeworfen wird.
    Und wenn ich dann von "unbequemer Fahrt" lese. Der Kunde muss also das Übel aufwenden das Buch abzuholen.
    Im übrigen: Die Verlage geben überhaupt nicht viele Leseexemplare an den Buchhandel. Ich habe in drei Jahren noch kein einziges gesehen. Einen Großteil der Verlage interessiert der kleine inhabergeführte Buchhandel auch nicht sonderlich. Amazon und die Barsortimente und der Musentempel, die interessieren den Verlag. Die Frage ist nur: Wie lange noch, wenn die Rabattforderungen der oben genannten immer höher und dreister werden.
    Das Problem wird sein, wenn diese von den Filialisten ausgesogen worden sind, dann werden die großen Publikumsverlage vielleicht wieder an unseren Türen klopfen. Nur dann werden wir nicht mehr da sein. Nur sehr wenige bemerken das.
    Das Bild was Popper vom Buchhändler zeichnet ist infarm und beleidigend. Gut das amazon einen Kundenservice hat der einen nach sage und schreibe vier Tagen und drei Nachfrageversuchen immer noch nicht zurückgerufen hat.
    Ich wünsche Popper viel Spaß in seinem neuen "Internetzeitalter"

    Jörg Jahn-Meyer
    Inhaber The Book Buchhandlung Stoolzenau
    Inhaber The Book Buchhandlung Liebenau

  • krämer

    krämer

    Den stationären Buchhandel wird es weiterhin geben, aber es werden nicht die kleinen Buchhandlungen sein, sondern die großen Thalia-Filialen usw.
    Der Aufwand der Besorgung eines Buches über eine stationäre Buchhandlung ist wirklich sehr groß. Ich als Leser geh allenfalls am Sonnabend in eine große Buchhandlung, wegen des Events, bißchen was stöbern, kucken. Aber ansonsten ist es selbstverständlich für den kundigen Buchleser vorteilhafter, die Bücher im Internet zu bestellen, und Amazon ist bei den Neubüchern die erste Wahl. Was es an Kritik gibt, wird da nicht schon dran gearbeitet. So ist es, niemand braucht sich da Illusionen machen.

  • Jörg Jahn-Meyer

    Jörg Jahn-Meyer

    Und bumms.... Noch einen drauf....
    2:0 gegen den kleinen Sortimentsbuchhandel....

    Kunden? Verlage? Börsenverein? Kartell- und Wettbewerbsrechtler? Wenn wir mal genau nachdenken: "Wer steht dann noch hinter einem?"

  • Popper

    Popper

    Hallo Jörg Jahn-Meyer, ganz kurz nur: ich halte mich sehr gern in Buchhandlungen auf, stöbere und kaufe (in den 80er/90ern fast täglich, Wendelin Niedlich in Stuttgart, BUCH HANDLUNG WELT von Hilka Nordhausen in Hamburg, das waren noch Buchläden, die Autorenbuchhandlungen in Munich und West-Berlin usw.), heute jedoch eher nur noch wöchentlich und ich besuche Lesungen usw., meine Meinung vorhin berzog sich mehr auf die Lyrik, die der Buchhändler nicht im Regal stehen hat (weil "angeblich" schlecht verkäuflich) und war alles andere als "infam und beleidigend", es ist einfach so (Erfahrung von 30 Jahre Einkaufen im stationären Buchhandel, ja ja, Kunden sind natürlich auch eine Spezies für sich, siehe z.B. Blog Kundenwahnsinn ). Wenn Sie als Buchhändler in drei Jahren noch kein Leseexemplar erhalten haben, dann kann ich das nicht verstehen. Die größeren Verlage verschicken Unmengen davon, sonst würden die nicht in ungezählten Exemplaren bei ebay und co. angeboten. Oder schauen Sie sich eine Seite wie vorablesen.de an, die wöchentlich 100 Exemplare eines Titels aus Marketinggründen quasi verschenken. Sie scheinen auch nicht in einer Großstadt zu wohnen, denn das Leben kann für ältere Menschen arg gefährlich sein, besonders wenn man nicht mehr so mobil ist. Klar, hat das aber auch mit Bequemlichkeit zu tun und Zeitersparnis (die Lebenszeit ist für jeden nur begrenzt), wenn mir DHL die Bücher bringt. Aber ich schrieb ja, noch viel länger kaufe ich Bücher im stationären Buchhandel, also bitte in Zukunft genauer lesen. Soviel Zeit sollte schon sein. Das Internetzeitalter ist übrigens gar nicht mehr so neu. Hat doch schon mit dem WWW vor über vierzehn Jahren begonnen. Es ist auch nicht mein Internetzeitalter. Es ist doch aber sehr spannend, was im Internet möglich ist (Wikipedia, Weblogs, E-Books, Hörbuchportale, Youtube (wo man sich heute Kerouac-Lesungen ansehen kann z.B.). Also, tatsächlich, ich habe da wirklich meinen Spaß. Ist einfach toll, z.B. Blogs von Schriftstellern wie Alban Nikolai Herbst zu lesen oder Krimiblogs, die Alligatornachrichten zu erhalten oder Autorinnen wie Kathrin Passig und Petra A. Bauer per Twitter zu followen. Oder auf diversen Plattformen über seine Leseerlebnisse zu diskutieren. Wäre ich vor 30 Jahren als alter Mann gestorben, hätte ich diese Möglichkeiten so nicht gehabt. Aber es hat immer alles seine Vor - und Nachteile. Und das ist gut so.

  • Popper

    Popper

    Herr Jahn-Meyer, Sie lesen doch auch das Börsenblatt, da steht auch bei den meisten Buchanzeigen bei: Leseexemplar anfordern. Machen Sie das doch mal. Dann haben Sie auch mal eins erhalten.

  • Jörg Jahn-Meyer

    Jörg Jahn-Meyer

    Nachtrag zu 15 und 16:

    Um erst einmal kurz zur Lyrik zu kommen: Gewiss muss Lyrik fester Bestandteil der Bücherwelt sein. Lyrik hat etwas fürs Herz, Lyrik spiegelt Gefühle und die eigene Lebenseinstellung wieder. Werfen wir einen Blick in die vielen vielen Buchhandlungen in unserem Lande, so müssen wir (bedauerlicherweise) feststellen, dass Lyrik nicht das gros des Umsatzes einer Buchhandlung ausmacht. Es ist eher die Publikation (wie Sie schon sagten) die Stapelware ist. Publikationen die sich millionenfach verkaufen. Und wenn ich oder wir ehrlich sind: Eine Buchhandlung nur mit Lyrik und Schöngeistlichkeiten zu eröffnen wäre "Selbstmord". Gewiss in einigen großen, sehr großen Städten gibt es das noch. Da kann ich die Affinität zu Amazon schon verstehen.
    Wenn ich jetzt damit anfangen würde, wie die großen Verlage mit Klein- und Kleinstbuchhandlungen umgehen, so könnte und würde ich Seiten damit füllen. Hier namenlos nur einmal ein paar Beispiele: Jüngst bestellte ich bei einem großen Verlag ein paar Beiblättchen über deren Publikationen, weil ich diese in der Tüte eines Filialisten bei einem Einkaufsbummel meinerseits fand (ja ich bin auch mal "inkognito" beim Filialisten). Dieser große Verlag hat es nicht mal für nötig gehalten, eine Antwort zu schicken. Er hat schlichtweg gar nichts gemacht.
    Gleiches gilt auch für Giveaways und andere Kleinigkeiten von geringen Wert, mit denen ich Kunden bewerben könnte. Der kleine und kleinste Buchhändler verkommt daher meiner Meinung immer mehr zu einem Bittsteller. Früher, wenn mal eine Haushaltsmesse war, dann haben wir immer versucht Kulis oder Tragetaschen zu ergattern und sie nicht immer bekommen. Genau das gleiche Gefühl transferiert sich jetzt in den selbstständigen buchhändlerischen Alltag.
    Dies gilt aber nicht für alle Verlage. Ich lernte einige kleinere Verlage kennen, die in jeglicher Weise sehr zuvorkommend waren und die ich heute eher empfehle als die anderen die vielleicht nicht so offenherzig waren. Ja, ich habe eine schwarze Liste. Jeder Buchhändler sollte Sie haben, nur haben die meisten noch nicht den nötigen Mumm dazu sie zu führen.
    Um zu Ihrer Generationen-Stellungnahme zu kommen. Gewiss, die ältere Generation ist noch meine Klientel. Sie kommt persönlich vorbei, auf einen Plausch oder einen Kaffee oder Tee. Sie versteht unter Buchhandel noch, was er ehemals war.
    Die jüngeren Leser kommen entweder überhaupt nicht, oder man sieht sie mit einem amazon-Ausdruck in den Händen mit der Frage, ob es noch etwas günstiger geht. Es ist mir immer eine Freude, diesen dann mitzuteilen, dass die 3 Euro entfallen (es sei denn, sie sind Prime-User).
    Lesungen sind ein sehr wichtiges Element des Buchhandels. Natürlich entstehen aus ihnen Bestellungen. Eher entstehen aus Lesungen wichtige Momente des Inhaltes. Es entstehen Bindungen die über Jahre dauern. Bindungen zu Autoren aber auch vor allem zum Kunden. Als Kleinstbuchhändler scheue ich mich nicht für Lesungen keinen Eintritt zu nehmen und nen Sektchen und nen Häppchen gibt es auch noch. In der Wirtschaft spricht man mehr und mehr von Ethik. Diese gibt es auch auf dem Kundensektor. Mich inspiriert es, wenn ich einen Abend in Literatur und anschließenden Gesprächen verbringen kann.
    Lesungen, die jedoch in den "großen Hallen" mit "wandelbaren Bücherregalen" durchgeführt werden, denen nehme ich das nicht ab. Schon gar nicht wegen der Freiheit bei den Ladenöffnungszeiten. Aber egal...
    Leider lebe ich nicht in einer Großstadt. Nach 4 Jahren Washington D.C., einem halben Jahr New York, vier Jahren Hannover und Düsseldorf hat es mich aufs Dorf verschlagen. Als ehemaliger und tief im Herzen bleibender Cosmopolit nehme ich schon dann und wann die Eigenheiten der Großstadt auf. Jedoch findet man hier auf dem flachen Land immer wieder Möglichkeiten, sich selbst zu verwirklichen.
    Internetzeitalter ist wichtig. Für viele ist es jedoch zu wichtig geworden. Ich weiß, (obwohl ich überaus neuzeitlich und modern eingestimmt bin) dass ich dem Internetverkauf immer noch nicht viel abgewinnen kann. Persönliche Kontakte sind mir ebend lieber.
    Letztendlich muss der Klein- und Kleinstbuchhandel tagtäglich seinen Kampf zwischen sovielen Mühlrädern bestehen. Er muss (und das macht immer noch am meisten Spaß) einen enorm größeren Service geben, als dies die Filialisten tun, er muss sich an gesetzliche Gepflogenheiten halten, er spielt bei den großen Publikumsverlagen eine recht untergeordnete Rolle, er wird nicht von seiner Interessenvertretung (sprich dem Börsenverein) öffentlich gestärkt, er hat im kleinstädtischen Bereich zudem noch gegen die in Jute bekleideten Damen aus Bastelstudios mit Buchbestellmöglichkeit zu kämpfen, er hat den enormen Ausfall durch Internetverkäufe bei Amazon zu komprimieren (obwohl viele Buchhändler auch der bester Freund von amazon sind, sie mögens nur nicht öffentlich zugeben).
    Vorbei sind die Zeiten wo es nur den Kunden, den Verlag, den Barsortimenter und die NICHT-filialisierte Buchhandlung gab!

  • O.G

    O.G

    Ja wenn das so ist das Kunden auch noch gezwungen sind zum Büchhändler fahren müssen, geht ja gar nicht!

    Ich bin auch Amazon Prime Kunde, tolle Sache gebe ich ehrlich zu.

    Lyrik ist unverkäuflich, so unverkäuflich das es noch nicht mal als Buchstütze taugt, und das nicht weil Buchhändler es so beschlossen haben sondern der Kunde, wenn 1 Kunde im Jahr ein Lyrikbändchen will schmeiß ich eine Sause.

    Unabhängige Buchhändler reißen sich tagtäglich die Beine raus um den Kunden zu bedienen- stellt sich nun heraus das auf dem weg zum Buchhändler unwägbare Hindernisse wie Besoffene und der Straßenverkehr lauert. Dann angekommen wird man vom Buchhändler angequatscht obwohl die doch eh nichts kapieren, keine Ahnung haben und einem den letzten Millionenfach vom Verlag mit tausenden von Euro beworbenen Schundroman an die Backe zu nähen.

    Der Mündige Kunde hat in Beitrag 10 gesprochen.

    Dabei ging es hier um die Verlage, denn die werden wenn es soweit ist mächtig verlieren - der Unabhängige Buchhändler ist schon weg, die Filialisten oder Amazon werden das was lesbar zu sein hat steuern.

    Wer dann seine Bücher (als kleiner Verlag) irgendwo in denn Handel bringen will muss dafür bezahlen. Das geschieht in den U.S.A schon eine ganze Weile.

    Wenn das nicht reicht könnten Filialisten wie Barnes and Noble seit 2001 in den U.S.A selbst Bücher herstellen und die Verlage direkt umgehen - Amazon bietet das schon an (Habt Ihr alle schon gewußt oder?)

    Das perverse Spiel geht weiter- Thalia könnte als Service Autowaschen während die Kunden stöbern bzw sich entscheiden ob das ausgesuchte Buch:
    1. Nachhause gefaxt wird
    2. Günstig in der Filiale auf minderwertigem Papier gedruckt wird.
    3. Als E Book auf mein Handy, iPod oder doch gemailt wird
    4. Oder von einem Mitarbeiter gleich vorgelesen wird.

    Einen Kaffee gibt es dazu- doch ein Cappuchino? Ein Stück Kuchen vielleicht? darf ich die Schuhe auch putzen? Matt oder Glänzend?

    Da hätte Amazon verloren.

    Meine Güte hat das gut getan :)

  • Jörg Jahn-Meyer

    Jörg Jahn-Meyer

    O.G.!!!!
    Das war deine schönste "Spitze" die ich je gelesen habe. Sehr gut pointiert.
    Ich biete absofort Punkt 4. an!
    Ganz liebe Grüße von mir

  • Jörg Jahn-Meyer

    Jörg Jahn-Meyer

    Nachtrag:

    So nebenbei könnte ich mir vorstellen, dass dies hier einer der kontroversesten, strittigsten, gehaltvollsten Theads werden könnte, den diese Seite jemals gesehen hat.

  • O.G

    O.G

    Hallo Jörg, Dankeschön. Auch einen Lieben Gruß an dich.

    Im übrigen liefere ich jedes erhältliche Buch übernacht, ich bringe es persönlich vorbei mit kostenlosem Lesezeichen und einem kleinem Tütchen Gummibären, lächeln und individuelle Ansprache (denn ich kenn ja Ihren Namen!), natürlich verpacke ich es auch hübsch als Geschenk mit Schleifchen- kostenlos versteht sich. Auf Wunsch erhält man auch die passende Karte bei mir, sollte es weiter weggehen habe ich auch einen DPD Paketshop in meiner Buchhandlung , garantiert am nächsten Tag am Man oder Frau.

    Online Bestellen ist auch kein Problem, anrufen oder mailen auch nicht.

    Ich Wohne doch nebenan, bin Ihr Nachbar, Ihre und meine Kinder gehen auf die selbe Schule, wollen Sie nicht Ihrer kleinen Buchhandlung mal eine Chance geben?

  • Jörg Jahn-Meyer

    Jörg Jahn-Meyer

    Ja liebe Leserinnen und Leser,
    lieber Filialistinnen und Filialisten,

    so läuft das im Klein- und Kleinstbuchhandel ab!

    Wir kennen Sie besser als die Muse von nebenan!

    Das unterscheidet uns!

    Nur ob uns das hilft?

  • krämer

    krämer

    Für ein besonderes Erlebnis muß die Buchhandlung ja eigentlich nicht groß sein. Die Masse der vorrätigen Bücher und die Kundenfrequenz sind es nicht alleine.
    Ich weiß nicht, wie es in kleinen Buchhandlungen ist, aber in den großen gibt es meist eine "Klassiker"-Abteilung. Die suche ich gerne auf, Es ist das ja ein Gebiet, wo der Kunde sich sicherer fühlt, im Gegensatz zur Abteilung moderne Romane. Nun war dort eine Hermann-Hesse Gesamt-Ausgabe, so edle weiße Bände jeweils einzeln im Schuber. Da bin ich herumgeschlichen, die hätte ich gerne erworben, aber war natürlich viel zu teuer (es gibt aber auch Kunden, die sich so etwas spontan leisten können). Was aber das Event war, ich lauschte dann einem Gespräch einer Kundin mit einer Buchhändlerin, eine Art Fachgespräch, da ging es um diese Ausgabe und Hermann Hesse, Das hat mich schon stark beeindruckt, auf welchem Level da Leserinnen und Buchhändlerinen über Literatur diskutieren. Solche Erlebnisse gibt es im Internet nicht. Ich bin dann weiter in die Taschenbuchabteilung, und habe nach Suhrkamp Hermann Hesse geguckt, und war schon sehr enttäuscht, paar einzelne Bände, die ich schon hatte oder kannte, aber nicht etwa alles von Hesse, das es als Taschenbuch gibt, und dann habe ich mich an Ninon errinnert, und habe nach etwas gesucht, von oder über Ninon, war aber nichts da. DIESE Enttäuschung gibt es in der großen Buchhandlung genauso wie in einer kleinen. Das macht nicht den Unterschied. Bei allen Bestellungen, an die ich mich erinnere, wurde zugesagt, daß das Buch am nächsten Tag da wäre. Aber was nützt das, wenn man nicht um die Ecke wohnt. Ich weiß nicht, ob das inzwischen schon teils üblich ist. Aber ein Angebot: Wir schicken Ihnen das zu, sollte vielleicht doch zum Service gehören (natürlich kostenlos). Denn natürlich, statt der Bestellung im Laden, kann ich, nachdem die Buchhandlung das Buch nicht vorrätig hatte, im Internet bestellen, und so läuft es wohl häufig auch.

  • Popper

    Popper

    O.G.: Sie gehören anscheinend zu den Menschen, die absichtlich falsch lesen und interpretieren. Alles hat zwei Seiten. Ob in Hintertupfingen oder in Berlin, überall leben Menschen, die nicht mehr so mobil sind, dass sie selbständig eine Buchhandlung aufsuchen können. Und nicht in jeden Ort gibt es eine Buchhandlung. Nix kapiert, lieber Buchhändler. Ein Buchhändler, der meint, Lyrik sei so unverkäuflich, "das sie nicht mal als Buchstütze taugt", ist ein Barbar, hat seinen Beruf verfehlt. Nebenbei bemerkt: Es hat immer auch Lyrik gegeben, die sich gut verkauft hat (Wondratschek (der allerdings bei Zweitauseneins), Fried, Ulla Hahn, aber darum geht es ja nicht, es geht darum, dass es nicht mal diese kleine Lyrikecke gibt, wo man mal ins Buch hineinlesen kann, nicht nur ist Lyrik nicht da, auch junge deutschsprachige Gegenwartsliteratur die nicht für den Deutschen Buchpreis nominiert ist, muss immer erst bestellt werden. Und Gedichte sind doch lebenswichtig für jeden Menschen. Denken Sie nur an das berühmte Zitat von Baudelaire. Schön und gut, sich um die Umsatzbringer zu kümmern, aber der Beruf des Buchhändlers beinhaltet doch ein wenig mehr. Ach ja, die Espresso Book Machine steht demnächst auch in Buchhandlungen. Da kann ich mir dann das Buch selbst drucken, hehe und der Herr Buchhändler kann mit sich selbst 'ne Sause machen, da er eh zu doof (Verzeihung!) ist überhaupt nur ein "Lyrikbändchen" zu verkaufen (oder zu faul, es zu bestellen, weil er ja nichts dran verdient). Vorurteile bestätigen sich hier. Empfehle mal Mahmud Darwisch zu lesen. http://www.peter-weiss-stiftung.de/index.html Oder Brodskij, Charles Simic, "Lyrikbändchen", was für ein Banause. Bücher verkaufen, aber selbst nie eins gelesen, oder?

  • O.G

    O.G

    Liebes Popperchen,

    Sie haben recht, ich bin ein Barbar, ein Barbar geworden im Beruf, privat sieht es anders aus, hier verschmäh ich Zweitausendeins etc. statt dessen sammele ich Hardcover Bücher oder abboniere von Eichborn "Die andere Bibliothek".

    Sehen Sie das ist doch das schöne an der Kultur des gebundenen Buches und dessen vielfältiger Inhalt: Für jeden ist etwas dabei.

    Schon lange bestimmen andere was verkäuflich ist, der Buchhändler fügt sich dem Geschmack der Leute in seinem Umfeld an.

    Zugegeben sind wir Buchhändler darauf aus Ihnen etwas zu verkaufen aber auch Ihnen etwas zu vermitteln, Sie mit anderen Welten bekannt zu machen. Das wollen Sie aber nicht und das verstehen wir und ziehen uns langsam zurück und kümmern uns vermehrt um die Kunden die unsere Leistung schätzen, das Buch, die Kultur die dahinter steckt erkennen, Sie verarbeiten, zurück in die Buchhandlung kommen und mit uns gemeinsam dem doofen Buchhändler Stundenlang zu besprechen.

    Liebes Popperchen ich werd mich nicht mit Ihnen Streiten, in einen kleinen Zickenkrieg mich für eine Seite engagieren mir schwant es gibt weitaus gewichtigeres auf dieser kleinen Buchhändlerwelt.

  • B.G.

    B.G.

    Was für eine unsachliche Auseinandersetzung, geht es hier noch um das ursprüngliche Problem oder um Selbstdarstellung wie so oft im Netz. Als kleiner Buchhändler kenne ich Verlage die sich schon jetzt mit Recht Amazon verweigern, nicht nur weil die Forderungen dieser Firma immer dreister werden. Und die Großen könnten das auch, wenn sie nicht in naher Zukunft diktiert bekommen wollen was Sie zu drucken haben und für wieviel es verkauft werden soll. Beispiele dafür gibt es zu Hauf in Ländern ohne Preisbindung. Wenn man in diesem Forum noch erklären muss warum die Preisbindung so wichtig ist und sie die Vielfalt erhätl, na dann gute Nacht. Auch andere Branchen zeigen doch was große Monopolisten bedeuten. Mir fallen auf Anhieb die Strom- und Gaserzeuger ein, wir sehen ja wie billig jetzt diese Dinge sind seit die Monopolisten machen können was sie wollen. Oder Benzin ist auch so billig weil der Markt das schon regelt wenn den Monopolisten Tür und Tor geöffnet werden. Und zum Schluß noch eine Anmerkung. Kleine und mittlere Buchhandlungen können sehr wohl beim Kundenservice mithalten z.B bezüglich Besorgungszeiten von heute auf Morgen oder bei Verlagsbestellungen , haben gute Netzwerke da sie Ihren überschaubaren Kundenkreis persönlich kennen und haben durch Mund zu Mund Propaganda garantiert die meisten Bestseller gemacht. Beispiele dafür gibt es jede Menge, ich sage nur Harry Potter. Dafür reichen die überschätzen und oft falschen oder zu sehr subjektiven Kundenbewerungen von Amazon nicht aus. Ich bekomme oft erzählt, das sich Leute daraufhin die falschen Bücher bestellt haben. Ich schätze und nutze das Internet. Aber was geht darüber ein Buch vor dem Kauf in die Hand nehmen zu können, darin blättern zu können einen direkten Eindruck zu bekommen und sich mit einem kompetenten Buchhändler darüber unterhalten zu können.

  • saguenay

    saguenay

    Hier wird ja gar heftig gestritten, aber das liegt wohl in der Natur der Dinge. Entscheidend für den weiteren Verlauf der Ereignisse wird letztlich aber immer die Entscheidung des Kunden sein. D.h. es sind nicht die anonym herumfummelnde Hand des Marktes oder das sinistre Wirken der Großen der Branche, die letztlich darüber entscheiden, wie der Buchmarkt der Zukunft aussehen wird, sondern die überaus merkwürdige Lebensform Kunde (bzw. derjenige, dem es gelingt, sich deren Interesse und damit auch der finanziellen Mittel zu versichern).

    So gern ich selbst in der Vergangenheit in Buchhandlungen gestöbert habe, und dies jetzt bei knappem Zeitrahmen immer noch gelegentlich mache, bin ich doch mit fliegenden Fahnen zu amazon gewechselt, als sich mit deren Angeboten erstmals eine Gelegenheit bot, Petersens Apothekenpreise für englischsprachige Bücher zu umgehen. Dass ich dort auch Titel bekam, die bei den meisten Buchhändlern nur Fragezeichen hervorriefen, war ein zusätzlicher Bonus. Die Möglichkeit, zum probelesen ist ebenso wie die Rezensionen ein Vorteil, mit dem die meisten Buchhändler nicht mithalten können. Und ehrlich gesagt, ist der vielgerühmte Aspekt der Beratung für den Umsatz der Sortimenter an sich bei weitem nicht so relevant, wie die Vielzahl der Kunden, die ohne stundenlange Zurschaustellung von Hintergrundwissen ihre Bücher kaufen und Umsatz generieren. Klar, man fühlt sich nach einem erfolgreichen Verkaufsgespräch immer besser und es macht mehr Spaß, aber man lebt letztlich von der Masse derer, die diesen Service nicht in Anspruch nehmen, und "einfach nur so" kaufen.

    Natürlich gefällt mir die Vision einer Innenstadtlandschaft, in der die gutsortierten Buchhandlungen endgültig durch Boutiquen und Schuhläden mit weiblichen Al Bundys mit Einzellerblick als Verkaufspersonal ersetzt sind, genauso wenig wie allen anderen. Es stellt sich aber die Frage, was genau der einzelne Buchhändler seinen Kunden bieten kann und muß, um diese in seinen Laden zu bekommen.

    Wie heißt doch der Standardspruch der Branche so schön: Wir können Ihnen jedes lieferbare Buch besorgen. Etwas frivol daran anknüpfend: Kunden sind nicht treu, sie gehen immer dort hin, wo sie es am besten besorgt bekommen ;-)

  • Andi

    Andi

    Ja lieber Popper, die Lyrikfans...
    Ich bin Buchhändler, mache sehr gerne diesen Job, aber jetzt mal deutlich:
    Ich kann die frustierten, ach so belesenen Lyrikanhänger nicht mehr hören und sehen. Denen kann man es sowieso nicht recht machen, selbst mit fünf Metern Lyrik wären Sie noch unzufrieden. Sie können ja eine kleine, selbstausbeuterische Buchhandlung eröffnen, aber dann nicht nach Peter Zwegat rufen...
    Gerade diese "Umsonst-Kultur" des Internet, die Sie so lieben, sorgt doch für weniger Buchverkäufe.
    Glauben Sie denn, Amazon legt auf Lyrik besonderen Wert?
    Die beziehen die Bücher wie wir auch von Libri.
    Also, bestellen Sie doch einfach wo Sie wollen und hören auf, die Buchhändler zu diffamieren.

  • krämer

    krämer

    Naja, als Diffamierungsversuch war das wohl nicht zu verstehen. Es steht Händlern gut an, zuzuhören, wenn Kunden ihre Meinung sagen, und nicht gleich in die Luft zu gehen.
    Jetzt warten wir erstmal ab, wie das Weihnachtsgeschäft läuft. Ein Buchgeschenk mit Geschenkpapier von Amazon, wo überall groß Amazon drauf steht, kommt für mich jedenfalls nicht in Frage. In der Buchhandlung kann ich das Papier aussuchen und zusehen, wie die Schleife gezogen wird. ;-)

  • de Ville

    de Ville

    @ Frau Splichal.

    1. brauche ich mich nicht von Ihnen beleidigen zu lassen und zweitens fehlen Ihnen, wie man sieht, die logischen Fähigkeiten, mein Posting zu verstehen....

  • O.G

    O.G

    Diffamierung ist vielleicht zu hoch gegriffen, Andi hat seinem Ärger Luft gemacht, zu recht wie ich finde.

    Selbstverständlich steht es Buchhändler gut seinen Kunden zuzuhören, jedoch könnte man auch erwarten das Kunden eine verantwortungsvolle nicht kindliche Verhaltensweise sowie etwas mehr Zusammenhängende Einkaufsroutine an den Tag legen.

    Diese ganze Monopolisierung ob im Lebensmittelhandel, bei Kraftstoffen, Strom etc.. tut keinem gut, weder Verlagen noch Buchhandlungen und zuletzt trifft es doch nur wieder den Kunden.

    Das die Verlage Geld in die Herstellung von Bücher, der Autor sein Wissen vorinvestiert um es dann zu "Schleuderpreisen" unter die Leute zu bringen ist vereinfacht gesagt ein riesen Minusgeschäft, zumal bei den kleinen Verlagen eine Menge Herzblut in so einem Buch steckt.

    Monopolisten wie Amazon haben durch Ihre Art und Weise des "Abverkaufs" auch einen ganz erheblichen Anteil an dem heutigen Kundenverhalten, denn Sie pauken den Kunden ein "Milch kommt vom Supermarkt und nicht von einer Kuh." Sie werten jeglichen Produkt wert ab, um immer weiter an der Spirale zu drehen werden die Produzierenden Firmen immer mehr unter Druck gesetzt.

    Es gibt irgendwann keine Superlativen mehr, dann bricht das alles ein und keiner fängt es auf - Sie sind alle von den Monopolisten aufgerieben worden.

    Keine Belieferung mehr und man hält Sie auf- vielleicht.

    Immer daran denken: Die Milch kommt von einer Kuh, die steht auf einer Wiese die einem Bauer gehört. Alles andere ist Lüge.

  • Sonja Lehmann

    Sonja Lehmann

    Ich möchte nur an das Thema erinnern: Ein großer Onlinehändler umgeht die Preisbindung durch Versand nach Österreich ("preisbindungsfreies Land") Mir stellt sich folgende Frage: Wird dieses Angebot angenommen ??? Fährt xy nach Österreich und holt es sich im Postfach ab ??? Oder ist für den Kunden der Aufwand zu hoch ????

  • krämer

    krämer

    "Der Amazon-Vorstoß könnte dem grenzüberschreitenden Handel im Internet Tür und Tor öffnen, befürchtet der Justiziar."
    Bei 10% Rabatt sicher nicht, die Lieferzeit ist doch viel länger, und die Portokosten, auch wenn es für den Käufer vesandkostenfrei wäre, sind höher. Ich schätze das als Werbeaktion ein: Amazon ist günstig. Amazon ist günstig, das soll dabei rüber kommen. An der Grenze, wenn es um Abholung in Österreich ginge, ist auch für den Privat-Kunden eher uninteressant. Wer soviele Bücher kauft, daß die 10% dann ins Gewicht schlagen, der kann als Leser oder Sammler auf diese 10% sowieso pfeifen.

  • Buchkäufer

    Buchkäufer

    Wundere mich, wie hier Buchhändler über Gedichtbände und Dichter meckern. Diese Menschen sollten sich doch lieber einen anderen Beruf auswählen. Hier mal ein netter Erfahrungsbericht eines Kunden im Buchhandel:

    http://www.be24.at/blog/entry/614586/buchhandel-im -21-jahrhundert-nichts-gelernt

  • O.G

    O.G

    Mein Gott wir meckern doch gar nicht über Gedichte und Dichter, es verkauft sich einfach nicht, das liegt an den Kunden.

    Weshalb soll/muß ich meine Buchhandlung mit Lyrik oder anspruchsvoller Literatur bestücken wenn es keiner will??

    Leute ich muß die Bücher kaufen, ich kriege die nicht Geschenkt, ich kann doch nicht über Jahre meine Buchhandlung mit nicht verkäuflichen Büchern "Vollstopfen."

    Das ist doch nicht schwer zu verstehen oder?

    Da brauch ich keinen neuen Beruf.

  • krämer

    krämer

    Es gibt ja Hölderlin und Trakl usw., das sind die Gedichte. Neuere Produktionen machen doch allzu häufig den gleichen Eindruck wie 12-Ton-Musik, oder sonst, die Gemäldegalerie, in Öl gemalt, ist das dann schon herausragend große Kunst? Da ist das Original, und bei den Dichtern gibt es das Manuskript, vervielfältigt für die "lesenden" Poeten, genügt das nicht, gerade bei der Poesie verstehe nicht, weshalb Kunden ungeduldig sind, die Auswahl zu gering sei, die Beschaffung zu lange dauere, denn Poesie ist doch ein Gebiet, wer sich darin bewegt, sucht der/die nicht auch ein Gegenmittel gegen die Hetze und Flachheit des modernen Lebens, warum dann nicht auch gerne eine Woche warten, bis das bestellte Buch da ist.

  • D. Möhrke

    D. Möhrke

    Ich kann für mich nur sagen, dass ich am liebsten in kleinen Buchhandlungen meine Bücher kaufe. Man wird nett beraten, nicht "tot" getreten, es ist nicht überfüllt und überheizt. Die Buchhändler dort nehmen sich mehr Zeit und sind meist viel freundlicher und haben ein besseres Fachwissen als in den großen Filialen. Die netten Kassendamen dort haben meist weniger Ahnung als ich. Bei Amazon hat man zwar viele Kundenmeinungen, nicht aber eine professionelle Beratung. Natürlich kann auch ein Buchhändler nicht alles wissen, aber immerhin hat er den Beruf erlernt bzw. studiert und somit ohl auch einiges an Kompetenz. Ich liebe es durch kleine Buchhandlungen zu stöbern. Online-Anbieter nutze ich nur, wenn dort noch ein Buch zu bekommen ist, dass im Buchhandel leider schon vergriffen ist - Restexemplare also. Und dann muss ich als Studentin auch auf ebay, tauschticket o.Ä. zurückgreifen, denn es ist mir absolut unmöglich so viele Bücher neu zu kaufen, wie ich lese. Auch vorablesen.de ist für mich eine willkommene Abwechslung! Wo kann man schon Bücher vor dem Erscheinungstermin lesen als Privatperson? Ich denke nicht, dass diese Seite jemandem schadet, denn der Werbeeffekt muss ja hoch sein, sonst würden die Verlage wohl kaum so viele Bücher dafür hergeben.
    Zur eigentlichen Diskussion kann ich nur sagen, dass ich die Methoden von Amazon absolut nicht in Ordnung finde. Eine Buchpreisbindung auf diese Weise zu umgehen, ist einfach unverschämt. Es sollte einfach Chancengleichheit geben, denn deshalb gibt es doch im Grunde die Buchpreisbindung oder nicht? Sollen nun etwa auch die kleinen Buchhandlungen nach Österreich liefern?
    Was ich nicht verstehe, ist die Dikussion zu Versandkosten bei Amazon. Wenn man dort Bücher bestellt, bezahlt man doch keine Versandkosten oder ging es um den Marketplace?
    Der "Vorwurf", dass jüngere Kunden nur noch mit Amazon-Zetteln in eine Buchhandlung kommen und dann wieder gehen, weil es ja nicht günstig genug ist, kann ich beim besten Willen nicht nachvollziehen. Ich habe bis Juli ein 3-monatiges Praktikum in einer kleinen Buchhandlung in Berlin gemacht (Buchhandlung Petras) und dort ist das nie passiert. Leseexemplare kamen dort auch sehr viele und auch Werbeartikel gab es von verschiedenen Verlagen auf Nachfrage gern und auch einfach so war das häufiger der Fall.

  • Vivien

    Vivien

    SAGENHAFT

    Der Börsenverein verträgt keine Kritik. Das ist das krasse Gegenteil einer Haltung, die man von Menschen mit einem MINDESTMASS an Geist erwarten kann.

    Schon mehrmals jetzt wurden Postings gelöscht, ich verfolge dies.

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