E-Books

Das E-Book-Rennen im Buchhandel ist eröffnet

Mit der Ankündigung, den Sony Reader PRS 505 ab Frühjahr 2009 zusammen mit mehreren Tausend E-Book-Titeln im deutschen Buchhandel anzubieten, haben Libri, Thalia und Sony das Rennen um das E-Book-Geschäft in Deutschland eröffnet. Der Reader soll jedoch nicht nur in den 240 Thalia-Filialen angeboten werden, wie Libri-Geschäftsführer Pascal Zimmer Börsenblatt online sagte, sondern prinzipiell in jeder Buchhandlung, die mit Libri zusammenarbeitet. Was dieses Geschäftsmodell für die Branchenlösung libreka! bedeutet, die ebenfalls im ersten Halbjahr 2009 in den E-Book-Vertrieb einsteigen will, ist noch offen und wird seit gestern lebhaft diskutiert.

E-Book-Reader von Sony

E-Book-Reader von Sony © Nicole Hoehne

Ziemlich sicher ist, dass ab Frühjahr 2009 mehrere Anbieter um die Gunst der E-Book-Käufer buhlen werden: Libri im Verbund mit Thalia und Sony, libreka! als unabhängige Branchenplattform und möglicherweise auch schon Amazon mit dem Kindle. Der US-Online-Händler schweigt zwar noch zum Zeitpunkt der Markteinführung. Es sei allerdings nicht auszuschließen, dass der Kindle mit einem veränderten Vertriebskonzept auf den deutschen Markt kommt, hieß es auf Nachfrage. In der Kooperation mit Libri und Sony spielt Thalia die Rolle eines Premium-Partners, wie Michael Wetzel (Thalia / Gondrom) im Gespräch mit dem Börsenblatt bestätigte. In 170 Thalia-Filialen soll der Sony Reader an Verkaufsdisplays präsentiert werden. Dazu werde das Personal intensiv geschult, sagte Wetzel, entsprechende Trainer stünden in ausreichender Zahl zur Verfügung. Da Libri auf seiner Großhandelsplattform Libri.Digital sowohl den Reader als auch den gesamten E-Content bereit hält, kann theoretisch jeder Buchhandelspartner von Libri Gerät und Titel beziehen, in seiner Buchhandlung verkaufen und – wenn er es möchte – auch präsentieren. Die 170 (oder 240) Thalia-Filialen dienen Sony und Libri dabei als Motor, der eine möglichst schnelle Marktdurchdringung bewirken soll. Während die Sony Reader in den Geschäften verkauft werden, wird die kombinierte Lösung aus Lesegerät und Content über die Website der jeweiligen Buchhandlung angeboten. Um E-Books auf dem Sony Reader zu lesen, müssen sie zuvor aus dem Internet auf den PC geladen werden. Für Sony ist der Buchhandel eindeutig der exklusive Partner für den Vertrieb des PRS 505, sagte Sony-Marketingdirektor Martin Winkler im Börsenblatt-Gespräch. Das Gerät wird also nicht in Mediamärkten zum Verkauf angeboten. Der Verkaufspreis sei noch nicht festgelegt, so Winkler, er orientiere sich aber am Preis des Sony Reader in Frankreich (wo er über Fnac.com vertrieben wird), also 299 Euro. (Zum Vergleich: in den USA kostet das Gerät "nur" 299,99 Dollar – das entspricht gut 200 Euro –, in Großbritannien wird das Gerät zu 199 Pfund über Waterstones angeboten.) Sony und Libri setzen zunächst auf den PRS 505, ob das Nachfolgemodell PRS 700 ebenfalls in Deutschland angeboten werden soll, ließen die Gesprächspartner noch offen. Noch ist auch nicht entschieden, ob der iLiad von iRex, den die Libri-Online-Tochter Libri.de auf ihrer Website anbietet, aus dem Sortiment genommen wird. Dies sei eine Entscheidung des Libri.de-Management, so Pascal Zimmer. Libri will die angekündigten Titel – darunter zahlreiche Bestseller – bis Frühjahr im EPUB-Format bereit stellen. Einige Experten versehen diese Ankündigung noch mit Fragezeichen, weil bis jetzt nur wenige Titel mit diesem offenen Standard formatiert worden seien. Es bleibe abzuwarten, ob bis zum Frühjahr tatsächlich eine ausreichende Titelzahl vorliege. In Branchenkreisen werden zudem Zweifel laut, ob der Gerätepreis mit 300 Euro nicht wesentlich zu hoch angesetzt sei. AKEP-Sprecher Hans Huck-Blänsdorf vertritt die Meinung, erst ein Gerätepreis um 100 Euro wäre für die meisten Kunden akzeptabel. libreka! wird mit der Ankündigung der Vertriebskooperation nun unter zusätzlichen Zeitdruck gesetzt: Bis Frühjahr müssen nicht nur ausreichend viele E-Books im EPUB-Format vorliegen, sondern es muss auch die Frage geklärt sein, mit welchem Lesegerät das E-Book-Geschäft über libreka! vorangetrieben werden soll. Dafür böten sich weitere attraktive Reader wie etwa das Cybook von Bookeen an. Darüber hinaus wird sich libreka! nun dem Wettbewerb mit einem Anbieter-Trio stellen müssen, das bereits heute über ein konsistentes Geschäftsmodell verfügt. Hier gehts zum E-Book Dossier!

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6 Kommentar/e

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  • Jana

    Jana

    "AKEP-Sprecher Hans Huck-Blänsdorf vertritt die Meinung, erst ein Gerätepreis um 100 Euro wäre für die meisten Kunden akzeptabel."

    Dem kann ich als Kundin nur zustimmen. Ich liebäugel seit längerem mit einem E-Book-Reader. Aber bei Preisen > 200 EUR, les ich dann doch lieber übers Handy.

  • krämer

    krämer

    Mein Mathelehrer damals zahlte für einen wissenschaflichen Taschenrechner über 800 DM. In der Klasse hat er dann lange Miene gemacht, als die gleichen schon für 300 DM zu erhalten waren ...
    Heute: 4,95 EUR, eher weniger. So auch der E-Book-Reader, schon in ein paar Jahren Gratis-Zugabe.

  • Andi

    Andi

    Schon lustig, wie sich alle auf den Hype stürzen, wie hysterisch gleichgeschaltet das Feuilleton reagiert.
    Lest doch mal wieder ein gutes Buch, ihr Technikfetischisten!

  • Andi

    Andi

    Freue mich schon auf "elektronische Mängelexemplare"!

  • Wennerle

    Wennerle

    Alles in allem schätze ich mich als recht technikaffin ein, bewerte den derzeitigen Versuch einer Marktpenetranz ebenfalls als Hype. Die E-Books der gegenwärtigen Generation schaffen für mich (noch) keinen nennenswerten Mehrwert, ausser den, dass ich ein weiteres Gerät neben Handy und Notebook in meiner Tasche rumtragen muss. Ich habe mir alle am MVB-Stand angesehen. Mein Fazit: Solange ein E-Book-"Device" nicht zu mehr in der Lage ist, nicht besser aussieht und auch nicht über eine vierfarbige Anzeige mit kurzen Ladezeiten verfügt, würde ich lieber noch ein paar Jahre warten.

  • Daniela Möhrke

    Daniela Möhrke

    Für mich haben die E-Book-Reader auch keine große Zukunft. Sinnvoll vom Preis-Leistungsverhältnis sind diese Geräte, wenn überhaupt, momentan doch nur für Lektoren oder für diejenigen, die mit schnell veränderlichen Texten zu tun haben. Ansonsten sehe ich hier kaum Vorteile. Wenn ich mir dann den Preis ansehe, sind bei mir auch schon alle möglichen Vorteile von der Bildfläche verschwunden. Da greife ich lieber zu meinen schönen, handfesten Büchern. Ich muss mich wirklich nicht jedem neuen technischen Schnickschnack hingeben. Der Hype momentan ist m.E. absolut überzogen. Nirgendwo hört man mehr etwas anderes, dabei bekommt man doch von den meisten Lesern eher eine Aversion gegen diese Geräte mit. Für mich folglich unverständlich, warum daraus so eine große Sache gemacht wird, zumal ich jetzt nicht finde, dass es eine derartig atmenberaubende und neuartige Erfindung ist.

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